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Ema - Pablo Larrain (2019)

Verfasst: Sa 29. Mai 2021, 07:42
von jogiwan
Ema

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Origiantitel: Ema

Herstellungsland: Chile / 2019

Regie: Pablo Larrain

Darsteller: Santiago Cabrera, Gael García Bernal, Mariana Di Girólamo, Giannina Fruttero

Story:

Tänzerin Ema und Choreograph Gaston hadern mit dem Ende ihrer Beziehung, dass auch mit der Adoption eines jungen Buben zu tun hat, die sich nicht wie erwartet entwickelt hat. Nun ist der Bub wieder in Heim und Ema begegnet überall mit Anfeindungen, die sich auch auf ihren Alltag auswirken. Halt und Trost findet sie im Tanz und bei ihren Freundinnen und die junge Frau findet auch stets einen Weg um sich und ihren Willen durchzusetzen, auch wenn die Methoden dafür zweifelhaft bleiben…

Re: Ema - Pablo Larrain (2019)

Verfasst: Sa 29. Mai 2021, 07:43
von jogiwan
Auf „Ema“ bin ich deswegen aufmerksam geworden, weil ein Kritiker Vergleiche mit den Filmen von Pedro Almodovar gezogen hat und dem möchte ich als weltgrößer Fan des spanischen Regisseurs aber heftig widersprechen. Der chilenische Streifen „Ema“ ist ein mehr als seltsam anmutender Streifen, über das was in unserer egozentrischen Gesellschaft so alles falsch läuft und auch wenn er vielleicht optisch noch ein gutes Niveau erreicht, bleibt er inhaltlich eine völlige Katastrophe. Die Geschichte über eine dysfunktionale Beziehung, in der so etwas wie Kindswohl und andere Menschen überhaupt keine Bedeutung zu haben scheinen, wird in Bruchstücken erzählt, die Figuren bleiben völlig oberflächlich und auch die Aussage des Streifens lässt mich völlig ratlos zurück. Kinder, Sex, Freundschaften und Beziehungen sind in Chile wohl beliebigen Konsumgütern gleichgestellt. Hätte mich „Ema“ irgendwie berührt, hätte ich mich vermutlich geärgert, aber der Streifen von Pablo Larrain bietet lediglich hübsche Menschen und Bilder und gibt sich stets rätselhaft und bedeutungsschwanger, während die Handlung völlig an den Haaren herbeizogen wirkt. Die Szenen in denen getanzt wird und in denen die Titelhelden mal keinen emotionalen oder materiellen Schaden anrichtet wirken ansprechend, aber deplatziert und wenn am Ende langsam Licht in die verworren erzählte Geschichte kommt, wird klar, dass „Ema“ keine unabhängige Heldin, sondern eine Psychopathin ist. Wo Almodovar schon früh alternative Lebens- und Familienformen entworfen und ambivalente Titelheldinnen in den Fokus gestellt hat, deren Schicksal nachvollziehbar und dennoch herzlich wirken, dann ist bei Pablo Larrain und seinem „Ema“ mit seiner passiv-aggressiven Grundstimmung stets das völlige Gegenteil der Fall. Destruktiv statt divers und man kann nur hoffen, dass man solchen Menschen und solchen Filmen nicht allzu oft in seinem Leben begegnet.