Blood Tea and Red String - Christiane Cegavske (2006)

Moderator: jogiwan

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jogiwan
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Blood Tea and Red String - Christiane Cegavske (2006)

Beitrag von jogiwan »

Blood Tea and Red String

01.jpg
01.jpg (21.43 KiB) 264 mal betrachtet
Originaltitel: Blood Tea and Red String

Herstellungsland: USA / 2006

Regie: Christiane Cegavske

Darsteller: Christiane Cegavske

Story:

Eine Gruppe von Vogelkreaturen bastelt sich eine Puppe, die wie eine blasse Frau aussieht und pflanzt in deren Bauch ein Ei, dass in einem Fluss gefunden wird. Dieses erregt die Aufmerksamkeit einer zweiten Gruppe von Mäusen, die versucht die Puppe zu kaufen. Als der Handel verweigert wird, kehren die Mäuse nachts zurück und stehlen die Puppe, die mittlerweile wie eine Jesusfigur über dem Haus der Vogelmenschen drapiert wurde. Das Verschwinden bleibt nicht unbemerkt und die Vogelkreaturen machen sich auf eine abenteuerliche Reise um ihr Eigentum zurückzuholen.
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jogiwan
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Re: Blood Tea and Red String - Christiane Cegavske (2006)

Beitrag von jogiwan »

Stop-Motion-Streifen ohne Dialoge im Stil von Jan Svankmajer, der auch sehr gut aussieht und von der US-amerikanischen Regisseurin Christiane Cegavske in mehrjähriger Arbeit realisiert wurde. In seinen besten Momenten ist „Blood Tea and Red String“ auch bizarr, surreal und alptraumartig, während die Geschichte dagegen leider ziemlich abflacht. Worum es geht kann man nur erahnen und wie man die Story interpretiert, bleibt wohl ebenfalls dem Zuschauer überlassen. Die begehrte Puppe kann ja für vieles stehen, genauso wie die sehr seltsamen Ereignisse, die auf den Zuschauer im Verlauf von 70 Minuten warten. Obwohl ich Filme aus der Ecke sehr mag und der Aufwand dahinter sicher immens gewesen sein muss, hat der Streifen bei mir aber einfach nicht gezündet. Zu sperrig, zu verkopft, zu wenig nachvollziehbar präsentieren sich die Ereignisse und es fehlt ein nachvollziehbarer Handlungsbogen oder anderes, bei dem man als Zuschauer anknüpfen könnte. Hier gab es Ideen, die mehr schlecht als recht aneinandergereiht wurden und der Zuschauer sitzt vor dem Schirm und hat trotzdem weitgehend keine Ahnung, was sich vor dessen Augen abspielt. Leider ist der Streifen dabei auch nicht so gestaltet, dass man sich lediglich an den Bildern und Ideen erfreuen könnte. Schade eigentlich!
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Salvatore Baccaro
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Re: Blood Tea and Red String - Christiane Cegavske (2006)

Beitrag von Salvatore Baccaro »

Dem Jogi sei Dank, denn sonst wäre ich sicher nicht so leicht auf diesen Streifen gestoßen, der mich, (im Gegensatz zu meinem Vorredner), heute Abend genau dort abgeholt hat, wo ich derzeit stehe...

Als ob Jan Svankmajer von einem Fiebertraum geplagt wird, nachdem er "verrückte Schwammerl" gemeinsam mit Alejandro Jodorowsky verspeist hat...

Die landläufige Meinung scheint zu sein, dass man sich mehr Exposè gewünscht hätte, einen Wegweiser in Cegavskes bizarre Welt aus bepelzten Vögeln und rotäugigen Mäusen, eine Handreichung, wenn auch noch so banal. Aber da mich bei LORD OF THE RINGS stets die ausufernden Genealogien und historischen Erläuterungen am meisten gestört haben, bin ich froh darum, dass ich BLOOD TEA AND RED STRING begegnen kann wie einer Geschichte aus einer anderen Epoche, einem anderen Kulturkreis, der man keine einzige Fußnote beigegeben hat: Meine Phantasie sprießt wie Eier, die man in Puppen näht und die dann flugfähige Nachkömmlinge ausbrüten...

Als ob Wladislaw Starewicz im Absinth-Rausch mit einer Gruppe tschechischer Okkult-Surrealisten in proto-psychedelischen Prager Nachtclubs versumpft wäre...

Im Grunde habe ich bei BLOOD TEA AND RED STRING sämtliche Emotionen durchlebt, die man bei einem Film empfinden kann: Ich bin irritiert gewesen, mehr als einmal; ich bin entzückt gewesen, eigentlich die ganze Zeit; ich fand's eklig und wunderschön; ich habe mitgefiebert und mich seltsam auf Distanz gerückt fühlt. Nur enttäuscht bin ich nicht, kein bisschen.

Gewissermaßen ist das der mich am meisten emotional anfunkende Film, den ich seit geraumer Zeit gesehen habe. Dem Jogi und seiner Aufarbeitung der Animationsfilmgeschichte sei Dank, sonst hätte ich auf die mich heute Abend bestürmenden Gefühle sicher noch eine Weile warten müssen...
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