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Die Hexen von Eastwick - George Miller (1987)

Verfasst: Mo 23. Aug 2021, 16:08
von buxtebrawler
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Originaltitel: Die Hexen von Eastwick

Herstellungsland: USA / 1987

Regie: George Miller:

Darsteller(innen): Jack Nicholson, Cher, Susan Sarandon, Michelle Pfeiffer, Veronica Cartwright, Richard Jenkins, Keith Jochim, Carel Struycken, Helen Lloyd Breed, Caroline Struzik, Michele Sincavage, Nicol Sincavage u. A.
Inhalt: Die drei Freundinnen Alexandra Medford (Cher), Jane Spofford (Susan Sarandon) und Sukie Ridgemont (Michelle Pfeiffer) haben alle das gleiche Problem: ihnen fehlt der richtige Mann. In der Kleinstadt Eastwick schlagen sie sich so gut es geht durch. Alexandra ist als Künstlerin im Umgang mit Ton beschäftigt, Jane ist Musiklehrerin mit Leidenschaft und Sukie ist nicht nur Zeitungsreporterin sondern auch siebenfache Mutter. Als sie bei einem ihrer gemeinsamen Frauenabende mal wieder auf das Thema Männer zu sprechen kommen, äußern sie ihre jeweiligen Vorstellungen von "Mr. Perfect". Als am nächsten Tag wie aus heiterem Himmel der wohlhabende Daryl Van Horne (Jack Nicholson) in die Stadt kommt, verfällt das Trio dem Mann. Doch etwas scheint nicht zu stimmen, denn in der Stadt ereignen sich immer wieder Merkwürdigkeiten. Es hat den Anschein als würde es mit Magie in der sonst so idyllischen Kleinstadt zugehen...
Quelle: www.ofdb.de


Re: Die Hexen von Eastwick - George Miller (1987)

Verfasst: Mo 23. Aug 2021, 16:09
von buxtebrawler
„Ich bin zuckersüchtig!“

Dass der australische Filmemacher George Miller nach knallharten Endzeit-Genrefilmen ab Mitte der 1980er eher auf den Mainstream-Markt drängte, ließ sich am dritten Teil seiner „Mad Max“-Reihe ablesen. Zwei Jahre später, im Jahre 1987, folgte mit der US-Produktion „Die Hexen von Eastwick“ seine Verfilmung des gleichnamigen Romans John Updikes, der drei Jahre zuvor erschienen war und den Miller in Form einer Fantasy-Komödie mit Horroranleihen inszenierte.

„Männer sind ungeheure Arschlöcher, nicht wahr?!“

Das Damentrio aus Alex (Cher, „Die Maske“), Jane (Susan Sarandon, „The Rocky Horror Picture Show“) und Sukie (Michelle Pfeiffer, „Kopfüber in die Nacht“) eint ihr Pech mit den Männern: Alex ist verwitwet, die anderen beiden sind geschieden. Ihr Heimatort, die US-Kleinstadt Eastwick, bietet ihnen kaum Auswahl an neuen Herren der Schöpfung, die es kennenzulernen wert wäre. Zum Spaß backen sie sich ihren Traummann in einer Art Hexenritual, ohne dabei von ihren magischen Kräften zu ahnen. Doch plötzlich taucht der charmante und vermögende Lebemann Daryl Van Horne (Jack Nicholson, „Shining“) in Eastwick auf, scheint das Schicksal ihre Seufzer erhört haben: Eine nach der anderen lässt sich bereitwillig von ihm verführen und erhält dadurch wahre Schübe an Lebenskraft und Kreativität. Doch der mysteriöse Mann verbirgt ein dunkles Geheimnis, denn es geht nicht mit weltlichen Dingen zu…

„Ich habe nichts gegen einen guten Fick!“

Ein mysteriöser Fremder, dessen Namen sich niemand merken kann, dringt mit sehr direkten Avancen in das Leben dreier Frauen ein, die mit ihrem selbstbewussten Auftreten und ihren eigenen Vorstellungen von einem erfüllten Leben nur schwer in die piefige, konservative Kleinstadt passen. Sie verdingen sich als Bildhauerin, als Musikerin, als Journalistin, scheinen aber mittlerweile auf der Stelle zu treten. Der dandyhaft charmant, vulgär und belesen-intellektuell zugleich auftretende Daryl wirkt wie ein Impulsgeber auf sie, die Frauen tanken neue Kraft, strotzen vor positiver Energie und Tatendrang. Ihre anfängliche Eifersucht aufeinander überwinden sie und genießen ihre Existenz in vollen Zügen. Das Hexenklischee verwendet die Handlung als Metapher für Selbstermächtigung, aber auch für solidarisches Verhalten untereinander und die geballte Stärke, die daraus entstehen kann.

Dass so etwas von außen mit Argwohn betrachtet wird, liegt auf der Hand. Diese Rolle wird der gottesfürchtigen Felicia Alden (Veronica Cartwright, „Die Vögel“) zuteil, die die Handlung mit christlicher Symbolik auflädt – wobei das Christentum hier für frauenfeindliche Rückwärtsgewandtheit steht. Daryl hingegen ist – bald unschwer zu erahnen – eine Inkarnation des Teufels, der zunächst positiv konnotiert wird. Seine böse Seite stellt er im Umgang mit seiner Gegnerin Felicia unter Beweis, deren diverse Kotzattacken noch das Harmloseste darstellen. Ihr Ableben jedoch findet offscreen statt: Der Film möchte zwar höchst blaphemisch und eklig sein, aber nicht offen gewalttätig.

Im Finale gilt es für die drei „Hexen“, es auch mit dem Teufel persönlich aufzunehmen, nachdem Daryl sie mit ihren jeweils größten Ängsten konfrontiert hat. Denn die Damen wissen, dass Angst zwar ein guter Indikator, aber schlechter Berater ist. Den Teufel versucht man also nicht mit dem Beelzebub, sondern mittels Voodoo auszutreiben, sodass nun Daryl die Kirche blasphemisch vollreihern darf. Und konnte man sich bereits zuvor an einigen bizarren und ein paar ein bisschen gruseligen Szenen laben, ergeht sich Nicholson nun in turbulenten Stunts, bevor ein vollkommen irres Finale die volle Breitseite an Spezialeffekten abfeuert.

Der Epilog im Stile klassischer Fortsetzungsandeutungen im Horror- oder auch Science-Fiction-Bereich stellt den kämpferischen Erfolg der „Hexen“ infrage – und sorgt dafür, dass der Film zumindest theoretisch unterschiedliche Lesarten erlaubt. Eine lautet: Der Teufel ist verdammt böse und wer sich mit ihm einlässt, wird ihn nie wieder los. Dieses Zugeständnis an einen schäumenden Klerus, dem der Film über weite Strecken alles andere als behagt haben dürfte, wird jedoch locker von den Damen übertrumpft, die bereitwillig die Hilfe des Teufels annehmen, um auf dem Wege zur Selbstverwirklichung schließlich auch ihn abschütteln zu können.

„Die Hexen von Eastwick“ ist unterm Strich somit ein launiger Beitrag zum Thema weibliche Emanzipation, der als über weite Strecken etwas harmlose, mit ihren blasphemischen Ausbrüchen dafür umso konfrontativere Ensemblefilm-Komödie daherkommt. Dass Miller aus dem härteren Genrebereich kommt, schimmert immer mal wieder durch, für meinen Geschmack hätte der Film gern noch etwas weiter gehen und mutiger ein dürfen. Mit seiner beschwingten Leichtigkeit funktioniert er aber als reiner Unterhaltungsfilm zweifelsohne gut, zumal mit Cher und Nicholson zwei exaltierte Menschen aufeinandertreffen, denen man gern zusieht – wenngleich die Cartwright ihnen (und allen anderen) mitunter glatt die Show stiehlt! Die musikalische Untermalung ist überwiegend klassisch-orchestral, die getroffenen Aussagen über Knochenbrüche sind wissenschaftlich unhaltbar und wer die Sauerei in der Kirche aufwischen muss, ist der wahre Verlierer dieser schrägen Geschichte.

Re: Die Hexen von Eastwick - George Miller (1987)

Verfasst: Mo 23. Aug 2021, 18:13
von CamperVan.Helsing
buxtebrawler hat geschrieben: Mo 23. Aug 2021, 16:09 Daryl hingegen ist – bald unschwer zu erahnen – eine Inkarnation des Teufels
Das liegt bei dem Namen "van Horne" irgendwie auf der Hand. :wink: