Krampus: Origins - Joseph Mbah (2018)
Verfasst: Sa 26. Feb 2022, 21:55
Originaltitel: Krampus: Origins
Produktionsland: USA 2018
Regie: Joseph Mbah
Cast: Maria Olsen, Anna Harr, Amelia Haberman, Katie Peabody, Dustin Leighton, Luke Waxman, Linda Cushma
Nach dem Erfolg der 2015er Weihnachtshorrorkomödie KRAMPUS dauert es nicht lange, bis sich findige Independent-Produzenten auf die alpine Schreckensgestalt stürzen, um sie für zweifelhafte Direct-to-Video-Filme auszuschlachten. Im Falle des langzüngigen Kinderschrecks ist es ein gewisser Robert Conway, der zwischen 2015 und 2017 für gleich drei Werke verantwortlich zeichnet, die in ihren Titeln mit dem Kramperl werben: Bei KRAMPUS: THE RECOCKNING (2015), der hierzulande auch gleich perfiderweise als Sequel von Michael Doughertys Streifen vermarktet wurde, und bei KRAMPUS UNLEASHED (2016) führt Conway selbst Regie; bei KRAMPUS: ORIGINS beschränkt er sich darauf, wie bei den Vorgängern, das Drehbuch beizusteuern und die Produktion zu gewährleisten. Sonderlich prickelnd ist kein Teil dieser unzusammenhängenden Trilogie ausgefallen, weshalb ich meine nachstehenden Worte explizit als Warnung verstanden wissen möchte: Die paar Euro, die die einschlägigen Streaming-Plattformen als Leihgebühr für diese Machwerke verlangen, kann man beim besten Willen in sinnvollere Dinge investieren…
Der Titel KRAMPUS: ORIGINS suggeriert ja, dass wir mit dem krampischen Ursprungsmythos konfrontiert werden würden. Stattdessen erzählt vorliegendes Machwerk mit außerordentlich angezogener Handbremse und auffallend desinteressiert eine unnötig umständliche Geschichte, die sich größtenteils in den Räumlichkeiten eines US-amerikanischen Kinderheims zu Zeiten des Ersten Weltkriegs abspielt. Dort nämlich hat unsere Heldin Josephine eine Anstellung gefunden, und unterrichtet unter den wachsamen Augen der zepterführenden Nonnenschaft die verwaisten Kleinen in US-Geschichte. Als Josephine die Nachricht erreicht, ihr Ehemann sei an der französischen Front gefallen, nimmt die junge Frau das natürlich stark mit. In den Hinterlassenschaften des Toten, die sie vom Militär ausgehändigt bekommt, stößt die frischgebackene Witwe auf ein mysteriöses Buch, in dessen Besitz ihr Gatte während eines Gefechts mit deutschen Truppen gelangt ist. Verfasst wurde das Werk in altertümlichem Deutsch, und soll dazu dienen, den Krampus zu beschwören, - ein Umstand, der ein paar von Josephines Zöglingen reizvoll genug zu sein scheint, dass sie den Folianten des Nachts entwenden, um den Vorweihnachtsteufel dazu zu bitten, sich in ihrem Waisenheim einzunisten. Die katastrophalen Folgen kann man sich denken: Alsbald sind Josephine, die Nonnen und die Kinder mit einem unbezwingbaren Wüterich konfrontiert, der sich durch den Cast zu metzeln beginnt…
…und wer, wie ich, KRAMPUS: ORIGINS zur Gänze durchsteht, wird wiederum mit einem Film konfrontiert, der zwar nicht ganz so uninspiriert ausgefallen ist wie Robert Conways Krampus-Debüt KRAMPUS: THE RECKOKNING, jedoch auch zu keinem Zeitpunkt den Trash-Appeal von KRAMPUS UNLEASHED zu erreichen vermag. Über weite Laufzeitstrecken gähnt einem das ideenlose Drehbuch förmlich entgegen, und es dauert nahezu eine Stunde, bis das titelgebende Monstrum überhaupt in Erscheinung tritt. Bis dahin beglückt uns Conway mit tiefen Einblicken in den Alltag eines US-Kinderheims zu Anfang des letzten Jahrhunderts: Da wird nahrhafter Brei gelöffelt, da wird ein Bub von den anderen gemobbt und gepiesackt, da spricht ein Priester dem Wein mehr zu als ihm und seiner Leber guttut – und ich muss mich mühen, meine Augen offenzuhalten angesichts des drögen Erzähltempos, der langweiligen Kameraführung, der unterdurchschnittlichen Schauspielleistung. Selbst wenn der CGI-Krampus endlich losbricht, kommt der Film nicht in die Gänge, - zumal der Unhold, ähnlich wie im desaströsen KRAMPUS: THE RECOCKNING, kaum eine Minute Screentime sein eigen nennt und als Hüne in einer Ritterrüstung ausschaut wie der miserabel animierte Antagonist in einem drittklassigen 90er Computerspiel. Wenn der Krampus dann zu allem Überfluss noch mit künstlich tiefgepitchter Geisterbahnstimme ellenlange Tiraden hält, dann glüht wirklich kein Funken mehr in meinem persönlichen Toleranzofen.
Prinzipiell ist es ja zu begrüßen, wenn sich Filmemacher dem Krampus zuwenden und ihm kinematographische Denkmäler setzen, aber, wie bei den beiden anderen Conway-Krampus-Vehikeln, die ich mir in letzter Zeit unter Qualen zugeführt habe, gilt auch hier: KRAMPUS: ORIGINS würde genauso gut beziehungsweise schlecht mit einem x-beliebigen Dämon funktionieren, der Bezug zum alpinen Nikolaus-Sidekick erschließt sich mir zu keiner Sekunde, und ob nun mit oder ohne Kramperl: Das ist wirklich stumpfestes Billig-Entertainment auf dem Niveau eines unterdurchschnittlichen TV-Films…