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Fallende Blätter - Aki Kaurismäki (2023)

Verfasst: Di 29. Aug 2023, 10:15
von fritzcarraldo
Fallende Blätter
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Finnland 2023.
Ab 14.9.23 im Kino / 1 Std. 21 Min. / Drama, Komödie, Romanze
Regie: Aki Kaurismäki
Drehbuch: Aki Kaurismäki
Besetzung: Alma Pöysti, Jussi Vatanen, Janne Hyytiäinen
Originaltitel: Kuolleet lehdet
Inhalt:
"Ansa (Alma Pöysti) und Holappa (Jussi Vatanen) sind zwei aus der Zeit gefallene Menschen, die als Supermarktangestellte und Bauarbeiter am Rande der Gesellschaft im ebenfalls aus der Zeit gefallenen Helsinki leben, dass nur vereinzelt aktuelle Themen zulässt. Beide sind Single und leben ein trostloses, gar langweiliges Leben. Doch die Hoffnung haben sie noch nicht aufgegeben – oder jedenfalls noch nicht komplett begraben. Die große Liebe suchen sie nämlich immer noch. Und dann, als sich Ansa und Holappa zufällig in der finnischen Hauptstadt über den Weg laufen, scheint das in greifbare Nähe zu rücken. Dieses Aufeinandertreffen scheint das Potenzial zu haben, ihr Leben zu verändern – allerdings nur, wenn sie aus ihren bisherigen Verhaltensmustern ausbrechen und sich auf etwas Neues einlassen können."
Quelle: https://www.filmstarts.de/kritiken/305389.html

Re: Fallende Blätter - Aki Kaurismäki (2023)

Verfasst: Di 29. Aug 2023, 10:23
von fritzcarraldo
Fallende Blätter
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OmU.
Schauburg. Sneak.
Die Welt ist noch nicht verloren, denn Aki Kaurismäki hat nochmal einen Film gedreht.
Nach SCHATTEN IM PARADIES (1986), ARIEL (1988) und DAS MÄDCHEN AUS DER STREICHHOLZFABRIK (1990) nun nach so langer Zeit im Prinzip Teil 4 der Proletarier Filme des großen Finnen. Brillierten damals u.a. noch Katie Outinen und Matti Pällonpää, sind es jetzt Alma Pöysti und Jussi Vatanen.
Romanze, schlechte Jobs, Alkoholismus, Karaoke, triste Bars, Koma, ein niedlicher Hund und sogar der Ukraine-Krieg. Das alles bekommt Kaurismäki in knapp 80 Minuten unter. Wie gesagt die Welt ist noch nicht verloren.
"Harte Kerle singen nicht."
"Du bist kein harter Kerl. Außer vielleicht in Dänemark.'

Re: Fallende Blätter - Aki Kaurismäki (2023)

Verfasst: Do 26. Feb 2026, 16:02
von karlAbundzu
TV
Mit knapp über 80 Minuten knapp halb so lang wie der andere. Thematisch wie ein Schritt zu den Wurzeln: Es spielt im proletarischen Milieu Finnlands. Aber seit dem Mädchen aus der Streichholzfabrik, 33 Jahre her, hat sich auch Kaurismäkis Filmsprache verändert. Im Mittelpunkt stehen zwei Personen. Sie versucht ihren Weg zu gehen, zu arbeiten ohne ihre Würde zu verlieren, er arbeitet auf dem Bau und braucht Alkohol, um irgendetwas zu entkommen. Ist aber schon in Abhängigkeit gefangen. Sie begegnen sich in einer Bar, es gibt Hürden zu überwinden. Das alles zwar in der Tristigkeit des Alltags, wo es eher Überleben denn Leben heißt. Doch beide machen ihren Weg, dann vielleicht auch irgendwann zusammen. Die negativen Folgen der Härten (angst und Suche nach Arbeit, Einsamkeit, Alkoholismus) werden dabei nicht im Bild ausführlich gezeigt, sondern in den Reaktionen der Personen und werden so in den Kopf des Zusehers gespiegelt, bzw an deren Erfahrungen angedockt.
Auch filmisch geht Kaurismäki anders vor, er spricht hier viel mehr mit Farbe. Die Farben sind sehr kontrastreich, bekommen so einen leichten Technicolor-Touch (aber anders als bei Anderson). Gerade in den Kostümen Ansas mit starken Farben je nach Lebenssituation deutlich.
Dazu viel Musik, es gibt eine Karaokenacht in einer Bar, es läuft viel finnischer Chanson, nur aus dem Radio kommt selten Musik, da hier ständig über Krieg berichtet wird. Und von den Filmplakaten, die in Bars oder am Kino hängen, könnte man eine wunderbare lange Nacht machen und zeigen halt die Einflüsse. Im letztgenannten läuft beim ersten Date der beiden übrigens Jarmuschs The Dead don't die.
Insgesamt ein überraschend positiver Film, der mich trotz typisch Kaurismäkischer Wortknappheit berührt hat.
Empfehlung.

"Männer sind Schweine."
"Das stimmt nicht. Schweine sind intelligent und haben Empathie."