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Die Discounter - Emil Belton / Oskar Belton / Bruno Alexander (2021- ) [Web-Serie]

Verfasst: Fr 31. Mai 2024, 12:47
von buxtebrawler
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Originaltitel: Die Discounter

Herstellungsland: Deutschland / ab 2021

Regie: Emil Belton, Oskar Belton, Bruno Alexander

Darsteller(innen): Marc Hosemann, Bruno Alexander, Marie Bloching, Merlin Sandmeyer, David Ali Rashed, Nura Habib Omer, Klara Lange, Ludger Bökelmann, Wolfgang Michael, Doris Kunstmann, Alexander Merbeth, Catrin Striebeck, Oskar Belton, Emil Belton, Lo Rivera, Lisa Hagmeister, Samirah Breuer u. A.
"Feinkost Kolinski". Ein kleiner Supermarkt im Hamburger Stadtbezirk Altona. Filialleiter Thorsten Kruse ist ein unfähiger Chef, der seine Mitarbeiter mobbt statt sie zu motivieren und mit dem Umsatz schon länger in den roten Zahlen steckt. Zum Ausgleich der Bilanzen unterschlägt er die 15.000 Euro der Firma, die zur Installation einer Videoüberwachung vorgesehen waren. Stellvertreterin Pina ist zwar verklemmt, aber eine engagierte Arbeitskraft. Ladendetektiv Jonas hat noch nie einen Dieb gefasst, doch er gibt die Hoffnung nicht auf. Peter gibt gerne den Macho, Flora will eigentlich Rapperin werden, Lia ist dauergelangweilt, Samy will so sein wie Peter und Titus ist der Neue im Laden, obwohl er Abitur hat. Und dann sind da noch die Alteingesessenen Elli und Wilhelm. Die Belegschaft ist ein verschworener wie zerrissener Haufen und jeder hat so seine Träume und Probleme, nur gearbeitet wird hier eher selten...
Quelle: www.ofdb.de




Re: Die Discounter - Emil Belton / Oskar Belton / Bruno Alexander (2021- ) [Web-Serie]

Verfasst: Fr 31. Mai 2024, 12:49
von buxtebrawler
Einzelhandel ist Krieg

„Betrunken macht die Arbeit einfach viel mehr Spaß!“

Die deutsche Mockumentary-Serie „Die Discounter“ umfasst bis jetzt drei Staffeln à zehn Episoden in unterschiedlicher Länge (meist 15 bis 25 Minuten), die erste wird seit Dezember 2021 bei Amazon Prime gestreamt. Produziert wird sie von Christian Ulmen und Carsten Kelber, die den Zwillingsbrüdern Emil und Oskar Belton sowie Bruno Alexander – Nachwuchstalenten also – bei Buch und Regie freie Hand ließen. „Die Discounter“ basiert auf der niederländischen Serie „Vakkenvullers“ und dreht sich um den Alltag einer Filiale der fiktionalen Supermarktkette „Feinkost Kolinski“. Diese befindet sich zunächst im Hamburger Stadtteil Altona, gedreht wurde jedoch in einer leerstehenden Aldi-Filiale in Hamburg-Stellingen. Nach einem Umzug spielt die dritte Staffel im Hamburger „Problem-Stadtteil“ Billstedt, gedreht wurde aber in Hamburg-Jenfeld.

Die komödiantische Serie erinnert in ihrer Mischung aus einer Persiflage auf Supermarktleitung, -personal und -arbeit, Gefühle von Fremdscham verursachenden intimen Einblicken und ihrer die Figuren wahlweise vorführenden, wahlweise zu Sympathieträgerinnen und -trägern machenden Situationskomik an eine Mischung aus „Ritas Welt“, „jerks.“ und „Stromberg“ bzw. deren jeweiligen Vorbildern.

Der Filialleiter ist Thorsten Kruse (Marc Hosemann, „Der goldene Handschuh“), der seinen mehr schlecht als recht laufenden Laden weitestgehend inkompetent, menschlich und kollegial mehr als fragwürdig und nicht nur arbeitsrechtlich alles andere als einwandfrei führt, sich mittels seiner Fähigkeiten, die er sich als Ghettokind auf der Straße angeeignet hat, aber immer wieder vor dem endgültigen Abgrund zu retten versteht und seine Position egoistisch mit unlauteren Methoden verteidigt. Autor und Regisseur Bruno Alexander („Der Rebell – Von Leimen nach Wimbledon“) spielt Titus, einen jungen Mann, der neu zur Belegschaft hinzustößt, zunächst die Rolle des ungläubigen Beobachters einnimmt, im weiteren Verlauf aber immer stärker zum handelnden Charakter avanciert. Erst ist die erste nicht von vornherein als Karikatur konzipierte Figur. Sicherheitschef Jonas (Merlin Sandmeyer, „Unsere wunderbaren Jahre“) wirkt reifeverzögert und ein bisschen zurückgeblieben – und wird, auch weil er als Sicherheitschef weitestgehend unbegabt ist, von niemandem ernstgenommen, schon gar nicht von Ladendieben. Zudem ist er trockener Alkoholiker und wird sich erst im Laufe der Serie seiner Homosexualität bewusst, die er auszuleben beginnt. Peter (Ludger Bökelmann, „Dark“), ein relativ hochgeschossener junger Mann, ist ein großmäuliger Proll, der sich gern als Alphamännchen geriert, was bei genauerem Hinsehen jedoch jeglicher Grundlage entbehrt. Pina (Klara Lange) ist die kompetenteste Mitarbeiterin der Filiale und die Einzige, die ihren Beruf 100%ig ernstnimmt, zugleich aber ein Mauerblümchen, das gern übersehen wird. Thorsten hat Schwierigkeiten, sich ihren Namen zu merken, erstickt all ihre Verbesserungsvorschläge im Keim und hält sie klein, damit sie nicht eines Tages seinen Position einnimmt – was öfter im Gespräch ist.

Lia (Marie Bloching, „Lügen haben schöne Beine“), eine attraktive junge Frau, ist von ihrem Job tödlich gelangweilt, hat aber ein gutes Herz. Sie ist die zweite nicht zwingend als Karikatur angelegte Figur. Flora (Nura Habib Omer, „Der Nachtmahr“) träumt von einer Karriere als Rapperin, ist gutaussehend, sexuell sehr aktiv, selbstbewusst, impulsiv und frech. In ihrem Verhalten erinnert sie häufig an eine vorlaute Teenagerin. Samy (David Ali Rashed, „Das perfekte Geheimnis“), der Jüngste des Teams, jobbt auf 450-Euro-Basis, weshalb er von allen nur „450er“ genannt wird. Seine Unerfahrenheit versucht er vor den anderen zu verbergen, wird jedoch immer wieder zum Ziel von Spott – aber auch (vermeintlich) kluger Ratschläge. Frau Jensen (Doris Kunstmann, „7 Tote in den Augen der Katze“) ist eine ältere Mitarbeiterin und so etwas wie die gute Seele der Filiale, die aufgrund ihrer freundlichen Art und ihrer Lebenserfahrung von den Kolleginnen und Kollegen geschätzt wird und die so schnell nichts aus der Ruhe bringt. Witwer Wilhelm (Wolfgang Michael, „Ewige Jugend“) ist ungefähr im gleichen Alter wie Frau Jensen und arbeitet als Hausmeister des Ladens. Thorsten bezahlt ihn damit, dass er kostenlos auf dem Dachboden des Gebäudes leben darf, da er sich keine eigene Wohnung leisten kann und ansonsten obdachlos wäre. Gastauftritte von Fahri Yardım, Christian Ulmen, Peter Fox, Kida Ramadan, Frederick Lau, Mats Hummels, Heinz Strunk und anderen, die sich meist selbst spielen (und das nicht immer vorteilhaft), runden die Darstellerriege ab.

Dieses Ensemble bietet Potential für viel Komik und kleine wie größere Geschichten, das auch weidlich genutzt wird. Wie viel davon eigene Kreativleistungen sind und wie hoch der Anteil aus „Vakkenvullers“ adaptierter Ideen ist, entzieht sich jedoch meiner Kenntnis. Der Mockumentary-Stil indes wird rasch ad absurdum geführt, denn vieles, was hier getan und geäußert wird, würde kein Mensch der Welt vor laufenden Kameras eines Dokuteams tun. Übrig bleiben im Prinzip nur die vermeintliche Doku-Perspektive durch die Art der Kameraführung und häufige verstohlene Blicke der Figuren in die Kamera. Dem Realismus abträglich ist auch das Konstrukt eines Supermarkt-Franchise mit nur drei Filialen, das es so zumindest in Deutschland nirgends geben dürfte. Und während man der dritten Staffel ihren Billstedter Handlungsort durchaus abnimmt, sehen die ersten beiden Staffeln leider kein bisschen nach Altona aus.

Inhaltlich stecken die Episoden voller überraschend kluger Alltagsbeobachtungen menschlicher Schwächen und Team-Dynamiken, für die man den Schauspielerinnen und Schauspielern sehr viel Raum zur Improvisation bot. Dies scheint ausnahmslos allen zu liegen, bringt viel Frische in die Serie und lässt das Ensemble seine individuellen Stärken offenbar mehr als respektabel ausleben. Zudem scheint die Chemie untereinander mehr als nur zu stimmen. Im realen Leben träumt Nura Habib Omer nicht nur von einer Rap-Karriere, sondern hat diese als Teil von SXTN sowie solo bereits hingelegt. Ihr Song „Niemals Stress mit Bullen“ wird Bestandteil zweier Episoden. Auffallend viel setzt man inhaltlich jedoch aufs Thema Sex, was mal besser und mal weniger gut gelungen ist. Letzteres ist immer dann der Fall, wenn Geschmacks- und Grenzüberschreitungen zu erzwungen wirken. Leider wird ab der zweiten Staffel die Handlung generell immer absurder und unwahrscheinlicher, steigt dafür der Krawallfaktor. Andererseits wird aber auch verstärkt die horizontale Erzählebene bedient, was einen süchtigmachenden Soap-Effekt begünstigt. Die Handlung scheint in Staffel 3 zunächst wieder an Qualität zu gewinnen; nach einem gemeinsamen Kiezbesuch der Figuren erwartet man in der nächsten Episode dessen Aufarbeitung – jedoch wird er mit keiner Silbe mehr erwähnt, was zu leichten Problemen mit der Kontinuität führt. Anschließend dominiert zuweilen leider erneut der Krawallfaktor. Grenzwertig wird der Humor vor allem dann, wenn zu sehr auf Jonas‘ mangelnden kognitiven Fähigkeiten und seiner Homosexualität herumgeritten wird oder man sich mit fraglichem Erfolg um Tragikomik bemüht – was mit Wilhelms Kerzen noch funktioniert, wird in Bezug auf Jonas‘ Mutter bar jeder Lacher. Dass die erste Staffel als zehnte Episode anstelle eines – eigentlich erwarteten – Staffelfinals ein Making-of präsentiert, irritiert; dafür ist man vom Mock-Making-of als zehnte Episode der zweiten Staffel dann weniger überrascht.

Der Verfasser dieser Zeilen hatte trotzdem ziemlich viel Spaß mit dieser Serie, kann aufgrund durch den Freundeskreis gewonnener Einblicke hinter die Einzelhandelskulissen den Realismus so mancher Szene bestätigen und fühlt vor allem mit der so herrlich angeödeten Lia, die eine prima Identifikationsfigur abgibt. Und natürlich auch mit Titus…

Eine vierte Staffel wird gerade gedreht. Ich werde wieder bei „Feinkost (lol) Kolinski“ vorbeischauen.

Re: Die Discounter - Emil Belton / Oskar Belton / Bruno Alexander (2021- ) [Web-Serie]

Verfasst: Mi 25. Sep 2024, 08:55
von buxtebrawler
„Die Discounter“: Starttermin für vorerst letzte Staffel
Beliebte Amazon-Serie schließt wohl die Tür

„Willkommen bei Feinkost Kolinski“ heißt es schon bald wieder, wenn die beliebte Comedyserie„Die Discounter“ noch in diesem Herbst mit einer vierten Staffel bei Amazon Prime Video an den Start gehen wird: Los geht es am 27. November mit den ersten sechs Folgen, der zweite Teil der neuen Staffel wird passend zum Weihnachtsfest am 23. Dezember mit weiteren vier Folgen bei dem Streaminganbieter fortgesetzt.

Quelle und weitere Infos:
:arrow: https://www.fernsehserien.de/news/die-d ... te-staffel

Re: Die Discounter - Emil Belton / Oskar Belton / Bruno Alexander (2021- ) [Web-Serie]

Verfasst: Fr 21. Mär 2025, 16:37
von buxtebrawler
Staffel 4

„Ich KANN lachen! Ich bin nicht kaputt.“

Die von Christian Ulmen und Carsten Kelber für den Streaming-Dienst Amazon Prime produzierte und von den Nachwuchstalenten Emil und Oskar Belton sowie Bruno Alexander geschriebene und inszenierte deutsche Mockumentary-Serie „Die Discounter“ ging im Jahre 2024 mit zehn frischen knapp halbstündigen Episoden in die vierte – und voraussichtlich letzte – Staffel.

„Reduzier mich mal!“

„Die Discounter“ basiert auf der niederländischen Serie „Vakkenvullers“ und dreht sich um den Alltag in der Billstedter Filiale der fiktionalen Hamburgischen Supermarktkette „Feinkost Kolinski“. Es handelt sich um eine komödiantische Persiflage, die im Stile einer Art Mischung aus „jerks.“ und „Stromberg“ zu großen Teilen auf Fremdschammomente ausgerichtet ist.

Filialleiter Torsten (Marc Hosemann, „Der goldene Handschuh“) legt sich plötzlich tierisch ins Zeug, wodurch seine Filiale mittlerweile den ersten Platz innerhalb der Rangfolge der offenbar lediglich drei Dependancen umfassenden Kette belegt. Er bekommt dadurch die Chance, zum Regionalleiter aufzusteigen, weshalb sich die strebsame Pina (Klara Lange, „Tatort: Made in China“) Hoffnung auf die zukünftige Marktleitung macht. Titus (Bruno Alexander, „Der Rebell – Von Leimen nach Wimbledon“), der in seine Kollegin Lia (Marie Bloching, „Lügen haben schöne Beine“) verliebt ist, aber zur Filiale ins feine Hamburg-Eppendorf gewechselt war, hofft, wieder mit ihr zusammenzukommen und nach Billstedt zurückkehren zu können. Dieses durchs Schreiben von Kurznotizen initiierte Vorhaben torpediert der von Titus als Kurier eingesetzte trottelige Kaufhausdetektiv Jonas (Merlin Sandmeyer, „Unsere wunderbaren Jahre“) jedoch, indem er die Nachrichten manipuliert und sie Torsten anstelle Lias zustellt. Entsprechend fällt Titus aus allen Wolken, als er damit konfrontiert wird, dass Lia mittlerweile mit einem Polizisten liiert ist. Flora (Nura Habib Omer, „Der Nachtmahr“) wiederum beendet ihre Beziehung mit Machoproll Peter (Ludger Bökelmann, „Dark“).

Dies sind nur ein paar der vielen kleinen und größeren Geschichten, die diese Staffel erzählt oder zumindest anreißt. Axel Milberg (Kieler „Tatort“) beteiligt sich als Eppendorfer Filialleiter – nur einer von zahlreichen Gastauftritten, mit denen man es diesmal übertrieb. Nachdem der Billstedter Markt überfallen wurde, gibt Gisa Flake eine Schulung für das richtige Verhalten in solchen Situationen. Die nervtötende Unternehmerin und Trash-TV-Semiberühmtheit Claudia Obert spielt sich als Arschlochkundin in Eppendorf selbst, Anke Engelke knutscht warum auch immer mit Jonas – eine völlig verzichtbare, unmotivierte Szene – und Jan Böhmermann und Oliver Schulz spielen sich nicht weniger überflüssig als Billstedter Kunden ebenfalls selbst. Die Gastauftritte Fahri Yardims („jerks.“) und Luisa Neubauers ergeben wesentlich mehr Sinn, dazu später mehr.

Die Stärken dieser Staffel liegen – neben den wie immer herausragenden schauspielerischen Leistungen und den improvisierten Dialogen sowie Handlungen – zu Beginn in der Thematisierung der Klassenunterschiede zwischen Billstedt und Eppendorf, die Titus mal mehr, mal weniger subtil zu spüren bekommt. Dennoch verknallt sich dort eine schnepfige Kollegin (Milena Tscharntke, „Alles Isy“) in ihn, der gegenüber er sich völlig daneben verhält, was (positiv) überraschend in einer der letzten Episoden noch einmal aufgegriffen wird. Weitere memorable Momente sind das Aufeinandertreffen Pinas (in dieser Staffel dankenswerterweise zwar nach wie vor schräg, aber nicht mehr als hässliches Mauerblümchen charakterisiert) und Nuras mit zwei Studentinnen aus Wokistan, die Nura zu erzählen versuchen, wie sie sich als Person of colour zu fühlen habe (womit das Phänomen hyperwoker, also weit übers Ziel hinausschießender Gutmenschen karikiert wird) und – vor allem – die grandiose Abschiedsparty, die Torsten in seinen eigenen vier Wänden bzw. auf seiner Terrasse gibt. Ja! So! Genau SO!

Ambivalent fällt die Episode aus, die anhand einer Begegnung Peters mit Fahri den Klimawandel thematisiert. Peter fällt aus allen Wolken, da er erstmals davon Notiz nimmt, und wandelt sich mir nichts, dir nichts zum radikalen Klimaaktivisten, der sich auf der Parkplatzausfahrt festklebt. Einerseits wird in dieser Episode durchaus gelungen und gewiss nicht dumm der inkonsequente und widersprüchliche Umgang der Gesellschaft mit dieser Gefahr anhand des Kolinski-Mikrokosmos aufgezeigt, andererseits geschieht Peters Wandlung mit der Brechstange und damit eher unglaubwürdig. Mit seiner Reaktion wirkt er ähnlich out of character wie Jonas, wenn dieser dafür herhalten muss, die dümmlichen Flacherdler und deren „Beweisführung“ vorzuführen, kurze Zeit später aber zum Böhmermann-Fan erklärt wird. Das passt alles nicht so recht zusammen und wirkt wie gewaltsam ins Staffel- und Figurenmuster gepresst. Ein weiteres Problem ist, wie in den vorausgegangenen Staffeln, die mangelnde Kontinuität des einen oder anderen Handlungsstrangs, der im Nichts zu verlaufen scheint.

Etwas besser in den Griff bekommen hat man diesmal den Mockumentary-Aspekt; zumindest scheinen mir jene Situationen weniger geworden zu sein, in denen es völlig absurd wäre, dass ein Doku-Kamerateam anwesend ist. Nicht nur die eingestreuten Statements der Kolinski-Belegschaft, die direkt zur Kamera sprechen, stecken wieder voller Stilblüten, mehr Viertel- denn Halbbildung oder auch Versuchen, die eigene Lebenssituation einzuordnen, auch das Sozialgefüge und die Hackordnung untereinander, scheinbar beiläufig vom Dokuteam eingefangen, vermitteln nicht immer, aber doch immer mal wieder recht deutlich einen gut beobachteten Eindruck von Arbeit und Gesellschaft. Zumindest lässt sich neben schmunzeln, lachen, fremdschämen und kopfschütteln wieder einiges abstrahieren – und vielleicht gar an sich selbst wiedererkennen. Der entfesselte anarchische Witz der Anfangsstaffeln ist insgesamt aber leiser geworden. Dafür scheint sich in der schönen Schlusseinstellung der jahrelang angesammelte, aufgestaute Wahnsinn bahnzubrechen…