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Harold und Maude - Hal Ashby (1971)

Verfasst: Fr 15. Okt 2010, 19:38
von untot
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Herstellungsland: USA

Erscheinungsjahr: 1971

Regie: Hal Ashby

Darsteller: Ruth Gordon, Bud Cort

Kurzinhalt:
Der exzentrische Millionärssohn Harold weiß mit sich selbst wenig anzufangen. Sein größtes Vergnügen sind perfekt inszenierte Selbstmorde und der Besuch von Beerdigungen. Bei einer Trauerfeier lernt er eines Tages die fast 80jährige Maude kennen, mit der er sich bald regelmäßig trifft. Die lebenslustige, vitale Maude zeigt Harold die schönen Seiten des Lebens, bringt ihm Tanzen und Singen bei, bis sich der Junge schließlich in die alte Dame verliebt. Nichtsahnend versucht ihn seine Mutter mit abscheulichen jungen Damen zu verkuppeln, die Harold jedoch mit makabren Einfällen wie Harakiri, Selbstverbrennung und ähnlichen Scherzen schnell vertreibt...

Fazit:
Harold und Maude gehört zu den Filmen, die man einfach gesehen haben muß!
Selten ist eine Lovestory so unkonventionell, mit so viel Herz, Humor und Köpfchen erzählt worden.
Der junge Harold, des Lebens überdrüssig, trifft auf die 79 jährige Maude, eine weise alte Dame, die vor Lebenslust nur so sprüht und alles von der positiven Seite sieht, die beiden werden Freunde und bald auch mehr...
Das stösst natürlich bei den lieben Mitmenschen auf wenig Verständniss und führt zu allerhand witzigen Situationen.
Auch seine tragischen Momente hat dieser Film, untermalt von der wunderschönen und hierzu absolut passenden Musik von Cat Stevens.
Wenn ich diesen Film sehe gerate ich regelmäßig ins Schwärmen, und wünsch mir, ich werde genauso wie Maude sein, wenn ich mal alt bin!

10 von 10 Punkten

Re: Harold und Maude - Hal Ashby

Verfasst: Fr 15. Okt 2010, 19:44
von buxtebrawler
In der Tat ein genialer Film!

Re: Harold und Maude - Hal Ashby

Verfasst: Di 10. Mär 2015, 18:03
von buxtebrawler
Als US-Regisseur Hal Ashby („Das letzte Kommando“) im Jahre 1971 das Drehbuch von Colin Higgins verfilmt und damit das schwarzhumorige Liebesdrama „Harold und Maude“ geschaffen hatte, wurde er zunächst verkannt: Der Film fiel bei Kritikern durch und floppte an den Kinokassen. Doch nach und nach entwickelte sich der Film zu einem Kultfilm und begann zwölf Jahre nach seiner Karriere, tatsächlich Gewinn abzuwerfen.

Der 18-jährige Harold (Bud Cort, „G.A.S.S. oder Es war notwendig, die Welt zu vernichten, um sie zu retten“) ist ein Spross der Oberschicht. Zusammen mit seiner wohlhabenden Mutter bewohnt er eine Villa, hat jedoch ein gestörtes Verhältnis zu seiner oberflächlichen Erzeugerin. Um echte Aufmerksamkeit von ihr zu bekommen, hat er es sich zu einer Art Hobby gemacht, scheinbare Selbstmorde zu inszenieren, was ihm auf überaus realistische Weise immer wieder gelingt. Generell ist er morbide veranlagt und fasziniert vom Tod. Er fährt einen zum Leichenwagen umgebauten Cadillac und konstruiert auch das Geschenk seiner Mutter, einen Jaguar, auf dieselbe Weise um. Er sucht Friedhöfe auf, um Beerdigungen von Personen, die er gar nicht kannte, beizuwohnen. Dabei begegnet er der 79-jährigen Maude (Ruth Gordon, „Rosemaries Baby“), mit der er sich anfreundet. Sie scheint sein persönlicher Gegenentwurf zu sein: Alt statt jung, dabei jedoch voller Energie und Lebensfreude. Sie verbringen immer mehr Zeit miteinander und verlieben sich schließlich –
ineinander…

Ashbys Film eröffnet mit einem der Selbstmorde Harolds, von dem der Zuschauer noch nicht weiß, dass er lediglich inszeniert ist. Bereits diese Sequenz ist exemplarisch für den pechschwarzen Humor des Films, der sich insbesondere durch die Verkupplungsversuche durch Harolds Mutter zieht: Eine ledige, von der Heiratsagentur entsandte junge Frau nach der anderen wird auf diese urkomische Weise vergrault. Harold ist der definitive Ausdruck eines gelangweilten Jugendlichen, gelangweilt von der oberflächlichen Scheinwelt seiner Mutter und ohne rechten Antrieb, einen über den kreativen Protest hinausgehenden Lebensentwurf zu entwickeln. Eine einsame, auf diese Weise um Aufmerksamkeit bittende Seele, die ihm schließlich Seniorin Maude zuteilwerden lässt. Diese hat im Gegensatz zu Harold bereits tatsächliches Leid im Leben erfahren müssen, wie eine alte KZ-Tätowierung andeutet. Gerade weil sie um die Endlichkeit des Lebens weiß, genießt sie es in vollen Zügen und findet in Harold ihren sie anziehenden Gegenpol.

Der Film konzentriert sich ganz auf diese beiden Charaktere, die trotz ihrer Verschrobenheit als einzig wirklich Normale in einem karikierend überzeichneten Umfeld dargestellt werden. Er ist ein Plädoyer für den Mut zum Anderssein, zur Individualität, zum Leben außerhalb der Norm. Es gelingt ihm gar, auf elegante, ganz selbstverständliche, in keiner Weise reißerische Weise das Tabu der zwischenmenschlichen Liebe bei einem derartigen Altersunterschied zu brechen. Dass Harold und Maude auch Sex miteinander haben, wird lediglich angedeutet und muss sich der Zuschauer zusammenreimen – was damals, zu Zeiten der sexuellen Revolution, eindeutiges Indiz der neu empfundenen Freiheit über die reine Freizügigkeit hinweg war und in konservativen Lagern für Verwirrung und Empörung gesorgt haben dürfte. Ein weiteres gesellschaftliches Tabu, nämlich das eines selbstbestimmten Todes, greift der letzte Abschnitt der Handlung auf, was in einem weiteren inszenierten Suizid Harolds, letztlich aber auch einem offenen Ende mündet. Die Stimmung des großartig geschauspielerten Films perfekt ein fängt der Soundtrack Cat Stevens, der mit seinen Akustik-Folk-Hymnen nicht nur dem damaligen Lebensgefühl einer jungen Generation musikalisch Ausdruck verlieh, sondern mit dem eigens für den Film geschriebenen „If You Want to Sing Out, Sing Out“ einen äußerst prägnanten Song schuf, der passend zum Leinwandgeschehen noch lange nachhallt und in seiner ebenso simplen wie provozierenden Botschaft zu einem der meines Erachtens bedeutendsten Stücke seines Repertoires wurde, das auf ewig untrennbar mit diesem Filmerlebnis verbunden sein wird.

„Harold und Maude“ ist eine der Außenseiter-Romanzen schlechthin, trotz seiner vielen leisen Töne voller Expressionismus und in seiner Entwicklung ebenso außergewöhnlich wie faszinierend und rührend. Wie es Ashby gelang, fundamentalen, lebensphilosophischen Fragen mit gebührendem Respekt und Tiefgang zu begegnen und mit herrlich morbidem Humor sowie satirischen Ansätzen zu verbinden, nötigt mir viel Respekt ab und macht diesen Film zu dem zeitlosen Kultwerk, zu dem er über die Jahre gereift ist und das immer neue Generationen begeistert.

Re: Harold und Maude - Hal Ashby (1971)

Verfasst: Mi 11. Mär 2015, 12:57
von untot
Schöner Text Bux. :thup:

Re: Harold und Maude - Hal Ashby (1971)

Verfasst: Do 12. Mär 2015, 20:09
von FarfallaInsanguinata
untot hat geschrieben:Schöner Text Bux. :thup:
Kann ich nur unterschreiben.

Zum Film selbst: Ein Werk für die einsame Insel! 10/10

Re: Harold und Maude - Hal Ashby (1971)

Verfasst: Mo 24. Jan 2022, 13:04
von buxtebrawler
Erscheint voraussichtlich am 27.01.2022 noch einmal bei Paramount auf Blu-ray:

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