Elimination deutscher Figuren durch den deutschen Verleih

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Moderator: jogiwan

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Salvatore Baccaro
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Elimination deutscher Figuren durch den deutschen Verleih

Beitrag von Salvatore Baccaro »

Liebe Forenintelligenz,

wie man weiß, ist in der deutschen Version von Sergio Sollimas „La resa dei conti“, ("Der Gehetze der Sierra Madre"), die Figur des österreichischen Scharfschützen Baron von Schulenberg, gespielt von Gerard Herter, fast vollständig gestrichen worden, (in der italienischen Fassung hingegen ist er Lee Van Cleefs Hauptgegner und hat einige beeindruckende Szenen), möglicherweise weil der deutsche Verleiher ihn damals als den „hässlichen Deutschen“ wahrnahm und eine Art Selbstzensur betrieben hat.

Fallen euch denn spontan noch mehr solche Beispiele des Herausschneidens deutscher Figuren, die in ausländischen Filmen ungünstig dargestellt wurden, durch den deutschen Verleih ein - gerne auch jenseits des Sektors italienischen Genrekinos?
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buxtebrawler
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Re: Elimination deutscher Figuren durch den deutschen Verleih

Beitrag von buxtebrawler »

Als erstes fällt mir spontan "Casablanca" ein. Ich zitiere aus der Wikipedia:
Als Casablanca am 29. August 1952 in die deutschen Kinos kam, enthielt der Film kaum noch Hinweise auf den Zweiten Weltkrieg. Alle Szenen mit Major Strasser und anderen Nazis waren herausgeschnitten worden. Die Szene, als die Deutschen Die Wacht am Rhein anstimmen und von französischen Patrioten mit der Marseillaise niedergesungen werden, fehlte. Victor László wurde zu Victor Larsen, einem norwegischen Atomphysiker, der die rätselhaften Delta-Strahlen entdeckt hat und aus dem Gefängnis geflohen war, nachdem er die von ihm selbst entwickelte zerstörerische Waffe eigenmächtig vernichtet hatte. Capitaine Renault wurde in Monsieur Laporte umbenannt und war nun ein Mitglied der Interpol.

Casablanca war in dieser um 25 Minuten gekürzten Version eher eine harmlose Romanze als ein Propagandafilm gegen die Nationalsozialisten und das Vichy-Regime. Erst im Oktober 1975 strahlte die ARD die ungekürzte und neu synchronisierte Fassung aus, die bis heute bekannt ist.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Casablanca_(Film)
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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Arkadin
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Re: Elimination deutscher Figuren durch den deutschen Verleih

Beitrag von Arkadin »

"Notorious" von Hitchcock. Da wurden die Nazis von der deutschen Erst-Synchro zu Rauschgift-Schmugglern gemacht und der Film "Weißes Gift" genannt.
Wikipedia hat geschrieben:Der Film wurde am 21. September 1951 unter dem Titel Weißes Gift erstmals in Deutschland aufgeführt. So kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wollte der Verleih den deutschen Zuschauern keine Nazis zumuten, und in der Synchronisation wurde aus der Uran- eine Rauschgiftgeschichte. Um zu verschleiern, dass es sich bei den „Rauschgifthändlern“ um Deutsche handelt, wurden zudem etliche Rollennamen abgewandelt oder verändert (siehe Tabelle unten). Erst in der Wiederaufführung am 11. August 1969 (der Film wurde im Auftrag des ZDF als Geburtstagsgeschenk für Hitchcock neu synchronisiert und unter dem Titel Berüchtigt ausgestrahlt) bekamen auch deutsche Zuschauer die Originalgeschichte zu sehen und zu hören.

Selbst in dieser Version fehlt jedoch jede Spur der I.G. Farben, dem eigentlichen Drahtzieher hinter den Bösewichten. Man ging sogar so weit, eine Einstellung, in der diese namentlich erwähnt wird, aus dem Dialog von Ingrid Bergman und Cary Grant herauszuschneiden. Während man in der damaligen Fernsehfassung diesen Schnitt noch visuell bemerkte, fehlt von dieser Einstellung in heutigen Fassungen (beispielsweise auf der DVD-Version) jede Spur (während der komplette Dialog in der französischen Fassung unverfälscht zu hören ist). An einer Stelle fällt jedoch das Wort „deutsche Farbenindustrie“.
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Arkadin
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Re: Elimination deutscher Figuren durch den deutschen Verleih

Beitrag von Arkadin »

Das Schloß des Grauens (Originaltitel: Le vergine di Norimberga) von Marghereti
Wikipedia hat geschrieben:Schließlich erweist sich
► Text zeigen
als der Täter. Durch eine schwere im Zweiten Weltkrieg erlittene Verletzung ist er einst wahnsinnig geworden. So schlich er Nacht für Nacht durch das verwinkelte Schloss und marterte und mordete mit den historischen Folterinstrumenten.[5]

[5] Dieses Ende bzw. diese Auflösung der Geschichte wurde 1964 speziell für das deutsche Publikum ersonnen. Im Original handelt es sich bei dem Mörder um einen Wehrmachtsoffizier, der das fehlgeschlagene Attentat auf Hitler 1944 mitplante und mit ausführte. Daraufhin hatten Nazi-Wissenschaftler an dem Mann grausame chirurgische Experimente vollzogen, die sein Gesicht schrecklich entstellten – sie schufen einen lebenden Totenkopf. Alle Szenen mit Bezug zur NS-Thematik – auch alte Wochenschauaufnahmen – wurden aus der deutschen Fassung dementsprechend entfernt, sodass es in dieser Version inhaltlich zu allerlei Ungereimtheiten kam.
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Re: Elimination deutscher Figuren durch den deutschen Verleih

Beitrag von Reinifilm »

Der Klassiker - in „Stirb langsam“ wurde aus Hans Gruber in Deutschland Jack Gruber…
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Salvatore Baccaro
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Re: Elimination deutscher Figuren durch den deutschen Verleih

Beitrag von Salvatore Baccaro »

Danke für eure Anregungen!

NOTORIOUS fiel mir dann tatsächlich auch noch ein.

Von CASABLANCA wusste ich es eigentlich auch, ist mir aber wohl entfallen.

Margheritis VERGINE DI NORIMBERGA hatte ich seltsamerweise als "nie in Deutschland gelaufen" abgespeichert.

DIE HARD sah ich zwar vor Ewigkeiten mal, allerdings in der Originalfassung: Spannend, dass man selbst zu diesem Zeitpunkt noch derart verfahren ist.

Die Anfrage stammt übrigens von Roberto Curti, dem ich nun dank eurer Hilfe endlich auch mal einen kleinen Gegengefallen tun kann für all die Materialien, mit denen er mich die letzten Monate versorgt hat.. ;-)
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Arkadin
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Re: Elimination deutscher Figuren durch den deutschen Verleih

Beitrag von Arkadin »

In dem Zusammenhang vielleicht nicht uninteressant: Da aufgrund der deutschen Synchronisation die amerikanischen Helden alle feinstes Hochdeutsch sprechen, wurde den Nazis in der westdeutschen Synchronisationen gerne mal ein lokaler Zungenschlag verpasst. Gerne sächsisch, bayrisch oder berlinerisch.
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jogiwan
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Re: Elimination deutscher Figuren durch den deutschen Verleih

Beitrag von jogiwan »

Ich bilde mir ein, schon mehrere Filme gesehen zu haben, in denen Nazi-Ärzten im Exil in deutschen Synchronfassungen eine andere Nationalität verliehen wird. Aber Beispiele wüsste ich jetzt spontan leider keine...
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Maulwurf
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Re: Elimination deutscher Figuren durch den deutschen Verleih

Beitrag von Maulwurf »

jogiwan hat geschrieben: Do 8. Jan 2026, 13:25 Ich bilde mir ein, schon mehrere Filme gesehen zu haben, in denen Nazi-Ärzten im Exil in deutschen Synchronfassungen eine andere Nationalität verliehen wird. Aber Beispiele wüsste ich jetzt spontan leider keine...
Geht mir genauso. Als ob die Festplatte da oben komplett formatiert wurde. Ich werde heute Abend mal durch meine Texte schauen, in der Hoffnung, noch Beispiele zu finden.
Edit: SCHARFE KURVEN FÜR MADAME (Le grand restaurant, 1966) würde mir einfallen, wo glaube ich in der Kinofassung geschnitten wurde, wie Louis de Funès ein Kochrezept erläutert, und dabei immer mehr in Hitler-Modus verfällt.
Der Sieg des Kapitalismus ist die endgültige Niederlage des Lebens.
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Salvatore Baccaro
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Re: Elimination deutscher Figuren durch den deutschen Verleih

Beitrag von Salvatore Baccaro »

Danke euch erneut!

Ein Freund wies mich noch auf einen Bond-Film hin, in dem Christopher Walken als Bösewicht eigentlich deutsche Wurzeln hat, worauf die deutsche Synchronisation aus ihm einen Polen macht.

Ich bin ja selbst ziemlich erstaunt, was es da alles an Beispielen gibt. Roberto immerhin ist bereits selig über all die Informationen. Auch von ihm liebsten Dank.
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