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Goldene Zeiten - Peter Thorwarth (2006)

Verfasst: Fr 20. Feb 2026, 06:33
von Maulwurf
 
Goldene Zeiten
Deutschland 2006
Regie: Peter Thorwarth
Wotan Wilke Möhring, Dirk Benedict, Wolf Roth, Gennadi Vengerov, Mark Zak, Birgit Stein, Ludger Pistor, Stefano Polzoni, Mario Diaz, Loretta Stern, Alexandra Neldel, Bernd Herzsprung, Ingrid Steeger, Edda Fischer, Hans-Martin Stier, Uwe Fellensiek, Sabrina White


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OFDB

Eine vernünftige Inhaltsangabe ist gar nicht so einfach, also erstmal tief Luft holen: Event-Manager Ingo plant zusammen mit dem Präsidenten vom Golf-Club Jürgen und dem Kassier Kettwig ein Golfturnier inklusive großer Verlosung zugunsten eines rumänischen Kinderheims. Stargast der Veranstaltung ist der US-Schauspieler Douglas Burnett, der in den 80ern mal in einer beliebten Fernsehserie der Held war und eine ganze Generation weltweit mit seinen Sprüchen und seiner Action verzaubert hat. Sowas wie Michael Knight. Oder, um den Darsteller zu adeln, Faceman aus dem A-TEAM, denn um genau diesen handelt es sich hier. Der allerdings ist nicht echt, sondern heißt in Wirklichkeit Horst Müller, kommt aus Kornwestheim, und ist mit Ingo im Bunde, um zusammen groß Kohle zu machen. Jürgen wiederum will die Einnahmen ganz für sich allein haben, weswegen er große Probleme hat mit dem Besitzer des Golfgeländes, Bauer Buschschulte. Dem nämlich schuldet er die Pacht für das Green, weswegen Buschschulte dann auch pünktlich zu Beginn des Turniers die angrenzenden Felder mit Jauche besprengt …
Auf jeden Fall will Ingo an die Moneten, und will auch Jürgen an die Moneten. Selbstverständlich unabhängig voneinander. Ingo fährt, ganz der Gernegroß der er ist, im Mercedes-Cabrio seines Chefs durch die Gegend, der seinerseits gerade auf Mallorca ist und Ingos Freundin bumst. Ingo wiederum will an Melanie ran, die in der Schule in der Klasse unter ihm war, und mittlerweile Karriere gemacht hat als Seite 3-Starlet und One-Hit-Wonder. Und als Douglass Burnett/Horst Müller in seiner Rolle aufgeht und Nutten haben will, da beginnt die ganze Sache ein wenig zu eskalieren, denn dadurch kommt Ingo mit Zuhälter Grabowski in Kontakt. Der riesengroßer Douglas Burnett-Fan ist. Und natürlich gerne seine Mädels für den Star hergibt. Im Tausch für den Ehrenplatz neben dem Star bei der Tombola.

Ääh, habe ich alles? Nein, da fehlt noch mindestens die Hälfte des Inhalts. Aber zum einen wäre das Spoilern gemein, und zum anderen passiert hier sehr viel Aberwitziges, was nur schwer zu beschreiben ist. Das Problem dabei ist, dass dieser Wahnwitz innerhalb der etwas mehr als ersten Stunde des Films quer durch den Gemüsegarten galoppiert, und öfters einmal des Guten zuviel ist. Ohne dabei aber die Geschichte wirklich voran zu bringen, und ohne den Zuschauer dabei in helles Dauergelächter zu versetzen. Nach rund 80 Minuten färbt sich die Stimmung des Films düster und wird zur gangsterhaften Großstadtballade, um dann gegen Ende in ein Melancholie versprühendes TV-Drama umzuschwenken.

Was das dann alles soll ist mir dabei nicht so ganz klar geworden. Es ist einfach wunderbar, altgediente TV-Recken wie Ingrid Steeger, Bernd Herzsprung oder Claus Wilcke mal wieder zu sehen, und es macht auch durchaus Spaß, den Irrwegen von Ingo und Jürgen zuzuschauen und sich ob des vergnüglichen Chaos einen zu lachen. Aber mehr als einer ist es dann auch oft nicht, kommt die ganze Sache doch reichlich bemüht daher, und wirkt oft angestrengt und mühsam. Hey, da brauchen wir jetzt einfach noch mehr Irrwitz, da muss mehr Verwirrung und Chaos hinein, so scheint der Wunsch des Regisseurs (oder des Produzenten) gewesen zu sein. Und während all den Stimmungsveränderungen, den mal mehr und mal weniger gelungenen Ideen und den ganzen aufmarschierenden namhaften Schauspielern hat niemand gemerkt, dass GOLDENE ZEITEN ganze einfach über eine halbe Stunde zu lang geraten ist. Sich die eh schon mühsame Geschichte über Gebühr ausdehnt und irgendwann immer mehr in Richtung Langeweile tendiert, weil das ganze Brimborium einfach nicht zu einem vernünftigen Ende kommen will. Lieber noch eine Extraschleife einbauen, lieber nochmal an der Schraube in Richtung Wahnsinn drehen, anstatt rechtzeitig die Bremse anzuziehen.

Nein, so richtig glücklich macht GOLDENE ZEITEN nicht. Die Idee mit Dirk Benedict vom A-TEAM als Horst Müller der Dirk Benedict spielt ist klasse, Wotan Wilke Möhring, Wolf Roth und Ludger Pistor sind sowieso immer hervorragend, und alle anderen im Cast machen ihre Sache bewunderungswürdig. Nur die Story und ihre Umsetzung, da hakt es leider doch so sehr, dass der Spaß irgendwann mal auf der Strecke bleibt. Dann doch lieber mal wieder BANG BOOM BANG anschauen, den ersten Teil der Unna-Trilogie. Dieser dritte Teil ist eher wie das Kamener Kreuz: Hoffnungslos überlastet und zäh …


4/10