Ein Mann wie der Teufel - Joseph H. Lewis (1955)
Verfasst: So 12. Apr 2026, 06:45
Ein Mann wie der Teufel
A lawless street
USA 1955
Regie: Joseph H. Lewis
Randolph Scott, Angela Lansbury, Warner Anderson, Jean Parker, Wallace Ford, John Emery, James Bell, Ruth Donnelly, Michael Pate, Don Megowan, Jeanette Nolan, Victor Adamson, Harry Antrim, Stanley Blystone, Barry Brooks, Bob Burns, Don Carlos
OFDB
A lawless street
USA 1955
Regie: Joseph H. Lewis
Randolph Scott, Angela Lansbury, Warner Anderson, Jean Parker, Wallace Ford, John Emery, James Bell, Ruth Donnelly, Michael Pate, Don Megowan, Jeanette Nolan, Victor Adamson, Harry Antrim, Stanley Blystone, Barry Brooks, Bob Burns, Don Carlos
OFDB
1876 ist Colorado ein vollwertiger Bundesstaat der USA geworden, aber davor war er ein sogenanntes Territorium. Ein assoziierter Landstrich, der zwar der US-Gerichtsbarkeit direkt unterstand, aber eben noch kein eigenständiger Staat mit eigener Legislative, geschweige denn Exekutive, war. Für Recht und Ordnung mussten dann Bundesmarshals sorgen, die durch das Land zogen und die Gesetzlosigkeit versuchten im Zaum zu halten. Calem Ware ist so ein Marshal, der von Ort zu Ort reitet, schießt, sich prügelt und als Zielscheibe durch die Nacht läuft. Seine Frau konnte das irgendwann nicht mehr aushalten und ging fort. Ein Verlust, den er nie wirklich überwunden hat. Seit drei Jahren ist er nun in Medicine Bend. Er lebt in einem Hotelzimmer und hat genau zwei Freunde: Die Hotelwirtin und den Doktor. Und vielleicht noch den Rancher Asaph Dean, der sich darauf freut, wenn Colorado endlich zu einem Staat wird, und er seine Rinderherden kreuz und quer durch die USA treiben kann. Aber der Rest der Bewohner ist Calem weitgehend fremd geblieben. Er spricht ein wenig mit dem Saloonbesitzer Cody, der Wetten drauf annimmt, dass der Gesetzlose Dingo Brion heute Calem umlegen wird, und er nimmt vielleicht sogar die Liaison zwischen dem Theaterbesitzer Throne und Deans Frau Cora wahr. Was eine bemerkenswerte Affäre ist, denn heute kommt eine Kutsche mit einer berühmten Schauspielerin an, die im Theater ein Gastspiel gibt, und der Thorne vor aller Augen einen Heiratsantrag macht: Tally Dickenson, die in Wirklichkeit die verheiratete Ms. Ware ist.
Tally möchte schon gerne wieder mit Calem, und Calem mit Tally, die beiden haben nie aufgehört sich zu lieben. Aber als Tally an diesem Tag aus dem Fenster schaut ist wieder alles wie früher: Dingo Brions Bruder Dooley zerlegt den Saloon, und Calem geht ihn um ihn zu stoppen. Nichts hat sich geändert, und immer noch ist Calem eine wandelnde Zielscheibe. Doch, etwas ist anders, denn Dooley wurde von Cody aufgestachelt auf Calem loszugehen. Cody und Thorne wollen die Stadt übernehmen, sie wollen die alleinige Macht im Ort haben, und der einzige Mann, der ihnen im Weg steht - Ist Marshal Calem Ware. Aus diesem Grund haben sie einen Mörder angeheuert, der mit Ware sowieso noch eine Rechnung offen hat. Und der erschießt Calem!
Eine Handlung, die in sich erstmal relativ komplex klingt, zumindest für eine Filmdauer von sage und schreibe 78 Minuten. Auf der anderen Seite wird auch schnell klar, dass EIN MANN WIE EIN TEUFEL kein Anthony Mann-Western ist, schon gar kein 12 UHR MITTAGS und nicht einmal ein STADT DER VERDAMMTEN. Eher versucht Joseph H. Lewis, der als Noir-Regisseur einige wirkliche Perlen zu verantworten hatte, sich an den letztgenannten Western anzuhängen, baut dafür aber leider ein wenig zu viel, nennen wir es mal, Soap-Elemente ein. Klar ist die Nebenhandlung um Cora und Throne nicht unwesentlich für das Showdown, und klar ist die Schilderung des Ehelebens ein Handlungselement, ohne welches die wenigsten 50er-Jahre-Western auskamen, schließlich müssen auch in den harten Frontier-Dramen die Werte einer Familie als Keimzelle der Nation hochgehalten werden. Aber genau diese Dinge sind es, die den eigentlich knackigen Grundton, der sich tatsächlich ein klein wenig an Zinnemanns oben genanntem Klassiker orientiert, verwässert. Die stärksten Szenen hat EIN MANN WIE EIN TEUFEL dann, wenn Calem tot ist, und in der Stadt die geschäftlich angeordnete Anarchie ausbricht: Whisky für alle, keine Sperrstunde, keine Gesetze, nur die Vorgaben der beiden Schurken zählen noch – Und alle alle machen mit. Die Nacht wird mittels Feuer zum Tag gemacht, ein Einpeitscher trommelt das Lied des rücksichtslosen Vergnügens, und der Weg bis zu THE PURGE ist nicht mehr weit. Der Originaltitel A LAWLESS STREET wird dann am nächsten Tag zur Wahrheit, wenn das Überqueren der Straße wegen der dort stattfindenden Pferde- und Kutschenrennen zum Va Banque-Spiel um das eigene Leben wird. Wobei die Rennen selbstverständlich wichtiger sind als das Leben irgendeines Ortsbewohners …
Diese Szenen bleiben dann entsprechend auch hängen: Der Marshal ist noch nicht mal richtig tot, da verkündet Cody bereits, dass die Stadt offen ist, dass die nächste Runde aufs Haus geht, und alle braven (?) Bürger jubeln. Am nächsten Tag werden diejenigen Geschäftsleute, die bisher zu Calem gehalten hatten, gezwungen ihre Geschäfte aufzugeben, und insgesamt kann die Stimmung im Deutschen Reich am 01. Februar 1933 kaum anders gewesen sein.
Aber bis wir dahin kommen hat es eben auch die erwähnten Soap Opera-Elemente. Calem und Tally die sich um den Hals fallen. Und Cora, die dies sieht und vermeintlich Oberwasser bekommt in Bezug auf Thrones Heiratspläne mit Tally – Ja verdammt, wen interessiert das denn? Viel düsterer und interessanter ist doch die Figur des Dooley Brion, mit dem Calem sich prügeln muss (eine sehr harte Auseinandersetzung, in der es spürbar um Leben und Tod geht), und dessen Verhältnis zu Calem später so wichtig wird für den Verlauf der Handlung. Eine ambivalente und düstere Figur, dieser Dooley, der gerne mehr Screentime hätte haben dürfen, um die einfach gestrickte Handlung ein wenig aufzupeppen. Auch die beiden Erz-Schurken Thorne und Cody, die später in dieser Form in unzähligen Italo-Western den (Anti-) Helden das Leben schwer machen werden, sind im Grund sehr interessante Charaktere. Vor allem der Opportunist Cody, der so freundlich tut, mit seiner Wettleidenschaft auch gegen das Leben des Marshals nicht hinter dem Berg hält, und dabei doch so ein stilles und tiefes Wasser ist. Diese Figuren geben dem Film Fleisch, geben ihm Ausdruckskraft, und versuchen vergeblich, gegen das völlig überstürzte und hektisch daherkommende Ende anzukämpfen, das wie eine billige Parodie auf 12 UHR MITTAGS und das Ende des McCarthyismus wirkt.
EIN MANN WIE EIN TEUFEL bleibt in seinen Ausdrucksmöglichkeiten leider doch „nur“ ein B-Western. Wir lernen, dass Angela Lansbury auch als 30-jährige Frau bereits ausgesehen hat wie ihre eigene Großmutter. Wir lernen, dass Joseph H. Lewis nicht nur Klassiker des Noir-Krimis gedreht hat. Und wir lernen, dass Randolph Scott vor dem Ranown-Zyklus mit Regisseur Budd Boetticher offensichtlich nochmal Luft geholt hat. EIN MANN WIE EIN TEUFEL ist kein schlechter Western, aber man sieht so ein wenig die Möglichkeiten die er gehabt hätte. Und so was ist halt immer schade …
6/10