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Sex, Lügen und Video - Steven Soderbergh (1989)

Verfasst: Mo 11. Mai 2026, 07:40
von jogiwan
Sex, Lügen und Video

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Originaltitel: Sex, Lies, an Videotape

Herstellungsland: USA / 1989

Regie: Steven Soderbergh

Darsteller:innen: James Spader, Andie MacDowell, Peter Gallagher, Laura San Giacomo, Ron Vawter

Story:

Ann ist mit dem Anwalt John verheiratet und hat allerlei Neurosen, die auch dafür sorgen, dass im Bett zwischen den Beiden nichts mehr läuft. John hat aber auch eine Affäre mit Cynthia, der extrovertierten und sexuell aufgeladenen Schwester von Ann und kein Problem seine Frau zu hintergehen. Als John seinem Jugendfreund Graham anbietet, ein paar Tagen bei ihnen zu wohnen, ist Ann zuerst sehr reserviert, ehe sie zunehmend Gefallen an dem eher verschlossenen Mann findet. Dieser hat auch ein ungewöhnliches Hobby und interviewt Frauen mit seiner Videokamera, die sich ihm sexuell auch offenbaren und von sehr intimen Dingen berichten. Ann ist verstört während Cynthia damit kein Problem damit hat, doch schon kurze Zeit später bringt die Ankunft des Fremden und seine Interviews die Gefühlswelt und das Lügenkonstrukt aller beteiligten Personen gehörig ins Wanken.

Re: Sex, Lügen und Video - Steven Soderbergh (1989)

Verfasst: Mo 11. Mai 2026, 07:40
von jogiwan
Den blumigen Titel des Streifens hat ja wohl schon jeder gehört und dennoch hat es irgendwie viel zu lange gedauert, bis ich Steven Soderberghs Dialog-reiche Bestandsaufname einer Beziehung endlich gesehen hab. Der Film wirkt auf den ersten Blick recht unspektakulär und präsentiert dem Zuschauer unterschiedliche Charaktere, die sexuell unterschiedlicher nicht sein könnten. Ann ist gehemmt und unterdrückt ihre sexuelle Leidenschaft, während ihre Schwester diesen in vollen Zügen auslebt. Die Ankunft eines Fremden, der gerne beobachtet und Frauen mit seiner Videokamera interviewt ist der Auslöser für die beiden Frauen, ihr eigenes Verhalten zu hinterfragen und sich Dinge einzugestehen, die viel zu lange vor sich hergeschoben wurde. Dabei geht es auch um die Frage von Ehrlichkeit in der Beziehung, zu sich selbst und die Frage, inwieweit man Partnerschaft, sexuelles Verlangen und gegenseitige Erwartungshaltungen im Alltag überhaupt erfüllen lassen und welche Wege es gibt, damit umzugehen. Soderbergh ist aber kein Moralapostel, sondern ebenfalls stiller Beobachter und erzählt seine Geschichte sehr geschickt mit allerlei dramaturgischen Kniffen, die zwar in gewisser Weise erwartbar sind, aber dennoch sehr gut funktionieren. Der Streifen wirkt sehr reif und bietet vielschichtige Figuren zu einer komplizierten Thematik und zeigt, dass es mitunter einfacher ist, Fremden von seinen Gefühlen zu erzählen, als dem eigenen Partner. Dieses Empfinden greift Soderbergh auf und macht daraus einen Film, bei dem zwar die Video-Technik mittlerweile etwas antiquiert wirken mag, aber inhaltlich immer noch uneigeschränkt seine Gültigkeit hat. Tipp!