
Vertigo - Aus dem Reich der Toten
(Vertigo)
mit James Stewart, Kim Novak, Barbara Bel Geddes, Tom Helmore, Henry Jones, Raymond Bailey, Ellen Corby, Konstantin Shayne, Lee Patrick
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Alec Coppel / Samuel A. Taylor
Kamera: Robert Burkes
Musik: Bernard Herrmann
FSK 12
USA / 1958
Schwindel und Höhenangst des Kriminalkommissars John Ferguson kosten einem Kollegen das Leben, und John muss aus dem Dienst ausscheiden. Sein ehemaliger Schulfreund Gavin besorgt ihm einen Job. Er soll Gavins Ehefrau Madeleine überwachen, da sie vom Geist ihrer Urgroßmutter besessen ist und sich wie diese das Leben nehmen will. Tatsächlich springt Madeleine vor Johns Augen in die Fluten der Bucht von San Francisco, doch er kann sie retten und verliebt sich in sie. Kurz darauf stürzt sie sich von einem Kirchturm - John kann ihr wegen seiner Höhenangst nicht helfen. Tiefe Melancholie erfasst ihn, und das Leben erscheint ihm nicht mehr lebenswert. Da begegnet ihm eines Tages auf der Straße eine Frau, die Madeleine aufs Haar gleicht...
"Vertigo" ist der medizinische Fachbegriff für Schwindelgefühl, das auch, oder gerade auch bei Leuten auftritt, die unter extremer Höhenangst leiden. So ergeht es auch dem tragischen Helden dieses Films, dem Ex-Polizisten Scottie, der vom brillant agierenden James Stewart dargestellt wird. Und da sind wir auch ganz automatisch bei einem der absoluten Höhepunkte dieses Werkes, mit dem sich Alfred Hitchcock einmal mehr selbst übertroffen hat. Für die Rolle des Scottie hätte man wirklich keinen überzeugenderen Darsteller wie den großen James Stewart finden können, der ja anscheinend sowieso einer der bevorzugten Schauspieler in vielen von Hitchcocks Werken war. Seine Darstellung des unter Höhenangst leidenden Scottie ist so überzeugend und vor allem extrem ausdrucksstark, das es einfach eine wahre Freude ist, dem Mann bei seinem Schauspiel zu beobachten. Ganz besonders gut kommen hierbei die Passagen zum Ausdruck, als er sich in einer stark melancholischen gefühlsverfassung befindet und kaum noch Sinn in seinem Leben sieht.
Hitchcock ist es in diesem Film wieder einmal gelungen, mit verhältnismäßig normalen Mitteln ein sehr hohes Maß an Spannung und Thrill aufzubauen, denn die sich hier abspielende Geschichte entwickelt eine so ungeheure Intensität, das man als Zuschauer fast zwangsläufig der faszination erliegt, die von ihr ausgeht. Von der ersten Minute an wird ein sehr hoch angesiedelter Spannungsbogen aufgebaut, der sich fast minütlich immer weiter verdichtet, was sich auch ganz automatisch auf die Grundstimmung des Films auswirkt. Als Betrachter kann man sich der beklemmend wirkenden Atmosphäre kaum entziehen und wird förmlich von ihr eingenommen.
Wie gebannt folgt man dem Geschehen und versucht gleichzeitig die ineinander verschachtelte Geschichte zu entschlüsseln. Doch die Lösung der teils sehr mysteriös gestalteten Szenerie erfolgt erst wenige Minuten vor dem Ende, das auch nicht einer gewissen Ironie des Schicksals entbehrt und sorgt so gerade beim ersten Anschauen des Films für fast atemlose Hochspannung. Die grandiosen Schauspieler sorgen hier auch durch ihr authentisches und mehr als überzeugendes Schauspiel dafür, das man einen Mystery-Thriller der höchsten Kategorie präsentiert bekommt, der bis ins kleinste Detail wohl durchdacht ist und so für ein hochklassiges Film-Erlebnis garantiert.
Da Hitchcock das Schwindelgefühl des Hauptcharakters glaubhaft und authentisch zur Geltung brringen wollte, wandte er hier erstmalig den sogenannten Vertigo-Effekt an. Dabei verhält es sich so, das die Kamera zum Objekt hinfährt, dabei aber gleichzeitig vom Objekt weggezoomt wird. Dadurch scheint sich der mittlere Bildbereich nun viel schneller vom Zuschauer wegzubewegen als die äusseren Bereiche. Die dadurch entstehende Verschiebung löst dann beim Betrachter die optische Illusion des Schwindelgefühls aus, was hier meiner Meinung nach perfekt in mehreren Passagen des Films zur Geltung kommt. Vor allem die Szenen im Glockenturm wirken hierbei sehr realistisch und können einem durchaus ein mulmiges gefühl vermitteln, womit man sich fast zwangsläufig viel besser mit Scottie's Problem identifizieren kann.
Fazit:
"Vertigo - Aus dem Reich der Toten" zählt ganz sicher zu den absolut herausragenden Regie-Arbeiten von Hitchcock, der es auch hier wieder einmal brillant verstanden hat, den Zuschauer zu fesseln und zu begeistern. Eine intelligente Geschichte, die mit brillanten Darstellern besetzt ist und über ein ungeheuer hohes Maß an Spannung und Intensität verfügt. Auch in der heutigen zeit braucht sich dieses Werk keineswegs hinter anderen Thrillern zu verstecken, denn "Vertigo" ist ein zeitloses Meisterwerk, an dem sich viele andere und ähnlich gelagerte Filme noch ein Beispiel nehmen können.
10/10