Sonne, Sylt und kesse Krabben - Jerzy Macc (1971)
Verfasst: Mi 24. Aug 2011, 13:21
Sonne, Sylt und kesse Krabben
Deutschland 1971
Regie: Jerzy Macc
D: Ingrid Steeger, Christine Schuberth, Achim Strietzel, Wolfgang Gruner, Monika Marc
Ich will zurück nach Westerland (Die Ärzte)
Schleswig-Holstein, Deutschlands nördlichstes Bundesland, gilt nicht unbedingt als bevorzugtes Ziel für Filmemacher. Gut, die „Buddenbrooks“ waren in Lübeck angesiedelt, doch handelt das ja in einer Zeit, in der die Lübschen noch eigenständig waren. Für das kommerzielle Kino gaben Kiel oder Flensburg kaum was her (auch wenn mich interessieren würde, ob „Die wilden Töchter von Glücksburg“ tatsächlich in jener Kurstadt an der Flensburger Förde spielt. Wer kann helfen?), auch wenn in jüngerer Zeit Regisseure aus S-H wie Detlev Buck oder Lars Jessen kamen und ihre Filme auch dort ansiedelten.
Auch die Urlaubsorte an Nord- und Ostsee erhielten eher wenig filmischen Zuspruch. Mit dem Deutz nach Scharbeutz? Nie gedreht! Hand in Hand am Timmendorfer Strand? Auch nicht. Eine Ausnahme freilich gab es, nämlich den nördlichsten Punkt Germaniens, also Sylt. Bereits in den 60ern galt Sylt als die Insel der Reichen und Schönen, was (leider) mehr als nur ein Klischee war bzw. ist. An der Buhne 16 in Kampen tummelte man sich shocking nackt und so entstand bereits 1967 Jerzy Maccs erster Sylt-Film, nämlich „Heißer Sand auf Sylt“ mit Rolf Eden (ach was) und Horst Tappert, den ich gerne mal sehen würde (Wink mit dem Zaunpfahl!). Ebenfalls noch in den späten 60ern schickte Erwin Dietrich den ausgefuxten Herbert über den Hindenburgdamm für „Die Neffen des Herrn General“ aka „Heiße Sonne auf Sylt“. 1971 kehrte Macc zurück für diesen Film, der dann die Reihe der Sylt-Filme auch bereits wieder beendete (Uschi Karnats Auftritt sehr viele Jahre später lassen wir mal generös unter den Tisch fallen…)
Der Film beginnt mit einem absolut furchtbaren Titelsong namens „Nackedi-nackedu-nackedei-dei-die“, der einem sicherlich mildernde Umstände bescheren dürfte, wenn man unmittelbar nach dem Anhören ein Totschlagsdelikt begeht. Dazu werden während der Credits entsprechend dem Lied bereits jede Menge nackter Menschen präsentiert. Nicht minder furchtbar ist auch ein weiteres Lied namens „Wer hat dem Hugo (NICHT Ugo!!!) den Schnorchel geklaut?“ Weiha!
In Berlin findet im Eden Playboy Club (klar, beim Rolf!) die Wahl zur „Miss Sylt“ statt. Um diesen Titel zu erhaschen, muss frau
a) oben ohne tanzen
b) intelligente Quizfragen von Wolfgang Gruner beantworten
Dabei gewinnen sowohl Ingrid (Steeger) als auch Katrin (Monica Marc) einen ersten Preis, der natürlich in einem Sylt-Urlaub besteht. Dorthin ist auch Generaldirektor Weber (Achim Strietzel) nebst seinem Chauffeur Markus in seinem Ami-Schlitten unterwegs, vorgeblich in geschäftlicher Mission, doch tatsächlich hat er anderes im Sinn („Fährt er wegen der Konserven oder der Büchsen?“), nämlich Damen in den Po zu beißen. Auch seine Tochter Sabine (Christine Schuberth) macht sich gen Sylt auf, schließlich ist sie eine „Party-Sanin“. Der Pinneberger Theologie-Student Edgar verbringt dort seine Sommerfrische mit seiner altjungferlichen Tante Cordula und verliebt sich natürlich.
Inhaltlich lässt sich mehr eigentlich kaum sagen. Es gibt die üblichen amourösen Verwicklungen mit erhöhtem, aber harmlosen Nuditätenfaktor, sprich jeder Menge Möpse für das Blap und frei baumelnden Bananen, womit der Film sich wohl als Ahne der Lisa-Sunshine-Komödien der späten 70er erweist. Weber schmeißt auch noch eine Party, zu dem Chauffeur Markus in einem Anflug von Rache eine Gruppe Kommunarden einlädt („Ho-Ho-Ho-Chi-Minh, bei dem Weber sind wir in!“), Interessanterweise wird das damals geplante, aber nie umgesetzte monströse Atlantis-Bauprojekt (ein Hochhaus-Projekt, das Land Schleswig-Holstein soll angeblich daraufhin der Stadt Westerland die Befugnis entzogen haben, selbst Baugenehmigungen zu erteilen) in einer Szene angesprochen, in der ein Investor auf 48 Stockwerken besteht, eine Kommunalpolitikerin aber nur 13 zugestehen will, und das auch nur mit dem inseltypischen „Strohdach“ (was man eigentlich „Reetdach“ nennt). Gesellschaftskritik anyone?
Nach 75 Minuten jedenfalls ist alles vorbei und das Fazit lautet: Kein Muss, aber auch keine verschwendete Lebenszeit.
Unabhängig vom Film darf man sich wundern, dass es 40 Jahre später immer noch das „Pony“ und das „Gogärtchen“ gibt (Warum??). Sylt stellt zweifellos einen wunderschönen Flecken Erde dar, doch wird nirgendwo anders in diesem Land das Gebot der Sozialbindung des Eigentums so sehr mit Füßen getreten,
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-73107841.html
was nun sogar das Hamburger Abendblatt (!) auf den Plan gerufen hat, freilich Jahrzehnte zu spät.
(Den Artikel konnte ich online nicht finden, dafür einen aus der Welt, ist ja auch Springer...)
http://www.welt.de/die-welt/wirtschaft/ ... -Sylt.html
Deutschland 1971
Regie: Jerzy Macc
D: Ingrid Steeger, Christine Schuberth, Achim Strietzel, Wolfgang Gruner, Monika Marc
Ich will zurück nach Westerland (Die Ärzte)
Schleswig-Holstein, Deutschlands nördlichstes Bundesland, gilt nicht unbedingt als bevorzugtes Ziel für Filmemacher. Gut, die „Buddenbrooks“ waren in Lübeck angesiedelt, doch handelt das ja in einer Zeit, in der die Lübschen noch eigenständig waren. Für das kommerzielle Kino gaben Kiel oder Flensburg kaum was her (auch wenn mich interessieren würde, ob „Die wilden Töchter von Glücksburg“ tatsächlich in jener Kurstadt an der Flensburger Förde spielt. Wer kann helfen?), auch wenn in jüngerer Zeit Regisseure aus S-H wie Detlev Buck oder Lars Jessen kamen und ihre Filme auch dort ansiedelten.
Auch die Urlaubsorte an Nord- und Ostsee erhielten eher wenig filmischen Zuspruch. Mit dem Deutz nach Scharbeutz? Nie gedreht! Hand in Hand am Timmendorfer Strand? Auch nicht. Eine Ausnahme freilich gab es, nämlich den nördlichsten Punkt Germaniens, also Sylt. Bereits in den 60ern galt Sylt als die Insel der Reichen und Schönen, was (leider) mehr als nur ein Klischee war bzw. ist. An der Buhne 16 in Kampen tummelte man sich shocking nackt und so entstand bereits 1967 Jerzy Maccs erster Sylt-Film, nämlich „Heißer Sand auf Sylt“ mit Rolf Eden (ach was) und Horst Tappert, den ich gerne mal sehen würde (Wink mit dem Zaunpfahl!). Ebenfalls noch in den späten 60ern schickte Erwin Dietrich den ausgefuxten Herbert über den Hindenburgdamm für „Die Neffen des Herrn General“ aka „Heiße Sonne auf Sylt“. 1971 kehrte Macc zurück für diesen Film, der dann die Reihe der Sylt-Filme auch bereits wieder beendete (Uschi Karnats Auftritt sehr viele Jahre später lassen wir mal generös unter den Tisch fallen…)
Der Film beginnt mit einem absolut furchtbaren Titelsong namens „Nackedi-nackedu-nackedei-dei-die“, der einem sicherlich mildernde Umstände bescheren dürfte, wenn man unmittelbar nach dem Anhören ein Totschlagsdelikt begeht. Dazu werden während der Credits entsprechend dem Lied bereits jede Menge nackter Menschen präsentiert. Nicht minder furchtbar ist auch ein weiteres Lied namens „Wer hat dem Hugo (NICHT Ugo!!!) den Schnorchel geklaut?“ Weiha!
In Berlin findet im Eden Playboy Club (klar, beim Rolf!) die Wahl zur „Miss Sylt“ statt. Um diesen Titel zu erhaschen, muss frau
a) oben ohne tanzen
b) intelligente Quizfragen von Wolfgang Gruner beantworten
Dabei gewinnen sowohl Ingrid (Steeger) als auch Katrin (Monica Marc) einen ersten Preis, der natürlich in einem Sylt-Urlaub besteht. Dorthin ist auch Generaldirektor Weber (Achim Strietzel) nebst seinem Chauffeur Markus in seinem Ami-Schlitten unterwegs, vorgeblich in geschäftlicher Mission, doch tatsächlich hat er anderes im Sinn („Fährt er wegen der Konserven oder der Büchsen?“), nämlich Damen in den Po zu beißen. Auch seine Tochter Sabine (Christine Schuberth) macht sich gen Sylt auf, schließlich ist sie eine „Party-Sanin“. Der Pinneberger Theologie-Student Edgar verbringt dort seine Sommerfrische mit seiner altjungferlichen Tante Cordula und verliebt sich natürlich.
Inhaltlich lässt sich mehr eigentlich kaum sagen. Es gibt die üblichen amourösen Verwicklungen mit erhöhtem, aber harmlosen Nuditätenfaktor, sprich jeder Menge Möpse für das Blap und frei baumelnden Bananen, womit der Film sich wohl als Ahne der Lisa-Sunshine-Komödien der späten 70er erweist. Weber schmeißt auch noch eine Party, zu dem Chauffeur Markus in einem Anflug von Rache eine Gruppe Kommunarden einlädt („Ho-Ho-Ho-Chi-Minh, bei dem Weber sind wir in!“), Interessanterweise wird das damals geplante, aber nie umgesetzte monströse Atlantis-Bauprojekt (ein Hochhaus-Projekt, das Land Schleswig-Holstein soll angeblich daraufhin der Stadt Westerland die Befugnis entzogen haben, selbst Baugenehmigungen zu erteilen) in einer Szene angesprochen, in der ein Investor auf 48 Stockwerken besteht, eine Kommunalpolitikerin aber nur 13 zugestehen will, und das auch nur mit dem inseltypischen „Strohdach“ (was man eigentlich „Reetdach“ nennt). Gesellschaftskritik anyone?
Nach 75 Minuten jedenfalls ist alles vorbei und das Fazit lautet: Kein Muss, aber auch keine verschwendete Lebenszeit.
Unabhängig vom Film darf man sich wundern, dass es 40 Jahre später immer noch das „Pony“ und das „Gogärtchen“ gibt (Warum??). Sylt stellt zweifellos einen wunderschönen Flecken Erde dar, doch wird nirgendwo anders in diesem Land das Gebot der Sozialbindung des Eigentums so sehr mit Füßen getreten,
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-73107841.html
was nun sogar das Hamburger Abendblatt (!) auf den Plan gerufen hat, freilich Jahrzehnte zu spät.
(Den Artikel konnte ich online nicht finden, dafür einen aus der Welt, ist ja auch Springer...)
http://www.welt.de/die-welt/wirtschaft/ ... -Sylt.html