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True Romance - Tony Scott (1993)
Verfasst: Di 20. Sep 2011, 14:31
von buxtebrawler
Originaltitel: True Romance
Herstellungsland: USA / 1993
Regie: Tony Scott
Darsteller: Christian Slater, Patricia Arquette, Dennis Hopper, Val Kilmer, Gary Oldman, Brad Pitt, Christopher Walken, Bronson Pinchot, Samuel L. Jackson, Michael Rapaport, Saul Rubinek, Conchata Ferrell u. A.
In einem Kino lernt Clarence (Christian Slater) das Callgirl Alabama (Patricia Arquette) kennen und sehr schnell auch lieben. Bei ihrem ehemaligen Zuhälter will Clarence Alabamas Sachen abholen, erwischt jedoch einen Koffer, der prall gefüllt ist mit Kokain. In Los Angeles will Clarence den Stoff mit Hilfe seine Schauspieler-Freundes Dick (Michael Rapaport) verkaufen, doch binnen kürzester Zeit haben sich Gangster und die Polizei an seine Fersen geheftet ...
Quelle:
www.ofdb.de
Re: True Romance - Tony Scott
Verfasst: Di 20. Sep 2011, 14:31
von buxtebrawler
Niemand Geringerer als Quentin Tarantino („Reservoir Dogs“) verfasste das Drehbuch zu diesem gewagten US-Crossover aus Action- und Liebesfilm aus dem Jahre 1993, der Brite Tony Scott („Begierde“) führte Regie.
Clarence (Christian Slater, „Geschichten aus der Schattenwelt“) ist ein alleinstehender, einsamer Nerd, der auf Eastern, Elvis und Comics steht und zu seinem Geburtstag ohne sein Wissen eine Nacht mit dem Callgirl Alabama (Patricia Arquette, „Ed Wood“) geschenkt bekommt, die ihn gespielt zufällig im Kino kennenlernt, wo er sich ein Sonny-Chiba-Triple-Feature ansieht. Beide verlieben sich ineinander, Clarence erledigt ihren Zuhälter und gerät wie die Jungfrau zum Kinde an einen Koffer voll hochwertigem Kokain. Um diesen zu verkaufen und vom Erlös zusammen mit Alabama ein besseres Leben führen zu können, fahren sie nach Los Angeles, Drogenmafia und Bullen stets im Nacken…
Direkt von Beginn an ist Tarantinos Handschrift unverkennbar, „True Romance“ strotzt nur so vor Zitaten aus und Verweisen auf Unterhaltungsfilmklassiker und andere Populärkulturgüter. Ständig ist irgendwo ein Fernseher an, in dem irgendein alter Film läuft, vornehmlich aus dem Eastern-Bereich. Zudem verfügt „True Romance“ über einen starken komödiantischen Aspekt, beispielsweise wenn sich Clarence auf Toilette mit dem imaginären „King“ Elvis Presley unterhält, der für ihn Vorbild und Vaterfigur zu sein scheint. Dennoch handelt es sich hierbei glücklicherweise noch nicht um dieses selbstgerechte reine Zitatekino eines Tarantinos, was zum einen vermutlich daran liegt, dass Tarantino selbst weder mitspielt, noch die Regie übernahm, zum anderen aber auch mit dem verglichen mit anderen „Tarantinos“ frühen Entstehungszeitpunkt zusammenhängen dürfte. Die Grenze zum Übergestylten wird aber teils durchaus bedenklich touchiert, insbesondere einige auf Coolheit gebürstete Dialoge nerven bisweilen ein wenig.
Ansonsten ist inszenatorisch aber alles im grünen Bereich: Die Besetzung, in Nebenrollen Dennis Hopper, Gary Oldman, Christopher Walken, Gary Oldman etc., ist hochkarätig, der Actionanteil wohldosiert, grafisch explizit und allgemein ziemlich heftig, die Romantik eigenwillig, aber ergreifend und das Tempo relativ hoch. Lediglich der Erotikanteil hätte höher ausfallen dürfen, doch Patricia Arquette macht auch im bekleideten Schlampenlook eine gute Figur. Apropos Look: Nach seinem Auftakt im verschneiten Detroit wird „True Romance“ mit seiner Reise nach L.A. urplötzlich von einem verträumten Winterfilm zu einem schrillen Sommerfilm, in dem plötzlich nahezu ausnahmslos alle kitschige und allgemein geschmacksverirrte Klamotten tragen. Zudem spielt ein nicht unbeträchtlicher Teil des L.A.-Aufenthalts im Bereich Filmeschaffender, was „True Romance“ zu weiteren satirischen und selbstironischen Elementen verhilft.
Slater ist für die Hauptrolle eine gelungene Wahl, denn er befindet sich optisch irgendwo zwischen den Polen Nerd und Sunnyboy, ohne eines der Extreme in Gänze zu bedienen und seiner Figur damit die Mehrschichtigkeit zu nehmen. Zudem erleichtert dies die Identifikation mit ihr und macht ihre Entwicklung, ihr über sich hinaus Wachsen, nicht vollkommen unglaubwürdig. Der comichafte Stil des Films umschifft hollywoodtypischen Romantikkitsch gekonnt und hat Nerd-Phantasien dahingehend, dass sich die Prostituierte in einen verliebt und man zum abgeklärten Gangster wird, massentauglich gemacht. Damit ist „True Romance“ mit Sicherheit einer der ultimativen Liebesfilme, denn wer liebt schon aufrichtiger als ein Nerd?
Re: True Romance - Tony Scott
Verfasst: Di 20. Sep 2011, 14:38
von purgatorio
woahhh was? Wir hatten noch keinen "True Romance"-Fred? Hätte Papa ja längst mal machen können, wo er doch immer so schwärmt
Muss gleich mal schauen ob ich noch irgendwo ein Review hab
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Re: True Romance - Tony Scott
Verfasst: Di 20. Sep 2011, 14:39
von buxtebrawler
purgatorio hat geschrieben:woahhh was? Wir hatten noch keinen "True Romance"-Fred?
Für Romantik hat man hier anscheinend nicht viel übrig
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Re: True Romance - Tony Scott
Verfasst: Di 20. Sep 2011, 14:46
von purgatorio
Die Romantik eines Brad Pitt, der einfach nur auf der Couch rumlümmelt.
Mein letzter Kommentar zu dem Film sah in seinem ganzen Umfang übrigens so aus:
True Romance
ich mag den Film 9/10 (und ich weiß, dass Papi ihn auch mag
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)
Naja, dein Review, verehrter Herr Bux, ist ja umfangreich genug
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Re: True Romance - Tony Scott
Verfasst: Di 20. Sep 2011, 14:55
von DrDjangoMD
buxtebrawler hat geschrieben:Slater ist für die Hauptrolle eine gelungene Wahl, denn er befindet sich optisch irgendwo zwischen den Polen Nerd und Sunnyboy, ohne eines der Extreme in Gänze zu bedienen und seiner Figur damit die Mehrschichtigkeit zu nehmen. Zudem erleichtert dies die Identifikation mit ihr und macht ihre Entwicklung, ihr über sich hinaus Wachsen, nicht vollkommen unglaubwürdig.
Was du über Slater sagst ergibt Sinn, ich habe einzig das Problem, dass mir seine Person und die Figur, die er in "True Romance" spielt, aus irgendeinem Grund, den ich nicht benennen kann, einfach unsympathisch ist. Ich weiß nicht warum dies so ist, aber dadurch hat "True Romance" in meinem Herzen wohl keinen so großen Platz gefunden. Toll ist der Film zweifellos, ich bin von ihm beeindruckt (für all die Gründe, die Bux schon so schön herausgearbeitet hat), kann ihn aber nicht richtig mögen
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. Naja, vielleicht wirds bei einer Zweitsichtung besser, außerdem hat sich Slater nachdem er mit Boll genug gestraft ist, ein wenig Mitleid verdient
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Re: True Romance - Tony Scott
Verfasst: Mi 21. Sep 2011, 11:23
von buxtebrawler
DrDjangoMD hat geschrieben:Was du über Slater sagst ergibt Sinn, ich habe einzig das Problem, dass mir seine Person und die Figur, die er in "True Romance" spielt, aus irgendeinem Grund, den ich nicht benennen kann, einfach unsympathisch ist. Ich weiß nicht warum dies so ist, aber dadurch hat "True Romance" in meinem Herzen wohl keinen so großen Platz gefunden. Toll ist der Film zweifellos, ich bin von ihm beeindruckt (für all die Gründe, die Bux schon so schön herausgearbeitet hat), kann ihn aber nicht richtig mögen
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. Naja, vielleicht wirds bei einer Zweitsichtung besser, außerdem hat sich Slater nachdem er mit Boll genug gestraft ist, ein wenig Mitleid verdient
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Versuch dir einfach vorzustellen, was passiert wäre, wenn Tarantino persönlich Slaters Rolle übernommen hätte. Spätestens dann wirst du deinen Frieden mit Slater machen
Was die Figur betrifft, naja, ich weiß, was du meinst - Eastern-Nerds sind mir auch suspekt
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Re: True Romance - Tony Scott
Verfasst: Mi 21. Sep 2011, 12:26
von Blap
Damals im Kino gesehen, sofort verliebt. Immer wieder gern gesehen, das "Duell" zwischen Hopper und Walker ist maximale Schauspielkunst, herrlichst!
Re: True Romance - Tony Scott
Verfasst: Mi 21. Sep 2011, 17:33
von DrDjangoMD
buxtebrawler hat geschrieben:Versuch dir einfach vorzustellen, was passiert wäre, wenn Tarantino persönlich Slaters Rolle übernommen hätte. Spätestens dann wirst du deinen Frieden mit Slater machen
Oh mein Gott, das wäre so unsagbar cool gewesen. Jetzt hasse ich Slater gleich viel mehr in dieser Rolle. Nein, ernsthaft, ich glaube was mir an Slater nicht gefällt ist, dass er einerseits versucht als nerdiger untypischer Liebhaber rüberzukommen aber trotzdem noch irgendwie der übliche Schönling ist (wie du geschrieben hast, Nerd UND Sunny Boy). Vielleicht ist das so gedacht gewesen aber MIR persönlich passt es halt nicht. Mit Tarantino wäre der untypische Liebhaber perfekt gewesen
Re: True Romance - Tony Scott
Verfasst: Do 22. Sep 2011, 11:05
von buxtebrawler
DrDjangoMD hat geschrieben:Oh mein Gott, das wäre so unsagbar cool gewesen. Jetzt hasse ich Slater gleich viel mehr in dieser Rolle. Nein, ernsthaft, ich glaube was mir an Slater nicht gefällt ist, dass er einerseits versucht als nerdiger untypischer Liebhaber rüberzukommen aber trotzdem noch irgendwie der übliche Schönling ist (wie du geschrieben hast, Nerd UND Sunny Boy). Vielleicht ist das so gedacht gewesen aber MIR persönlich passt es halt nicht. Mit Tarantino wäre der untypische Liebhaber perfekt gewesen
Ja, und der perfekte Unsympath...