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Super - Shut up, Crime! - James Gunn (2010)

Verfasst: Di 31. Jan 2012, 10:53
von jogiwan
Super - Shut up, Crime!

Bild

Originaltitel: Super

Herstellungsland: USA / 2010

Regie: James Gunn

Darsteller: Rainn Wilson, Ellen Page, Liv Tyler, Kevin Bacon, Gregg Henry, u.a.

Story:

Der unscheinbare und etwas seltsame Frank arbeitet in einem Diner als Burger-Bruzzler und als ihn seine Frau wegen einem Dealer verlässt, verfällt er in eine tiefe Lebenskrise. Aufgestachelt durch einen christlichen Comic-Helden und eine bizarre Vision später, beschließt er endlich etwas aus seinem Leben zu machen, wird zum Superhelden "blutroter Blitz" und bekämpft vermeintliche Verbrecher auf unkonventionelle Weise. Als die ebenfalls durchgeknallte Comic-Verkäuferin Libby hinter seine Identität kommt, sich als Junior-Partnerin aufdrängt und dabei noch gewaltbereitere Wege einschlägt, beschließt Frank, dass der Moment gekommen ist, seine Frau aus den Fängen der Dealer zu befreien...

Re: Super - Shut up, Crime! - James Gunn (2010)

Verfasst: Di 31. Jan 2012, 11:06
von jogiwan
Holladrio! Bitterböse und sehr brutale Superhelden-Persiflage von Ex-Tromatist James Gunn, die dann auch definitiv keine Gefangenen macht. Der Film bietet seltsame Menschen und schwärzesten Humor am laufenden Band und ist in seiner herben Machart auch nichts für Feingeister. Als bösartiger Low-Budget-Zwilling von "Kick Ass" nimmt der Film auch wenig Rücksicht auf etwaige Gefühle der Zuschauer und bleibt so bis zum blutigen Finale so unberechenbar wie sein durchgeknallter Hauptdarsteller. "Super" ist zwar nicht der unbeschwerte Partyfilm, wie er vielleicht beworben wird, aber schon ein kleiner Schlag in die Magengrube des Mainstream-Zuschauers und daher gibts auch eine "kleine" Empfehlung für alle Mitglieder dieses schnuckligen Forums. 7,5/10

Re: Super - Shut up, Crime! - James Gunn (2010)

Verfasst: Di 31. Jan 2012, 11:17
von Adalmar
Spielen religiöse Motive da denn durchgängig eine Rolle? So "Kreuzzug gegen das Böse"-mäßig? :?

"Slither" von Gunn hat mir sehr gefallen.

Re: Super - Shut up, Crime! - James Gunn (2010)

Verfasst: Di 31. Jan 2012, 11:23
von jogiwan
Adalmar hat geschrieben:Spielen religiöse Motive da denn durchgängig eine Rolle? So "Kreuzzug gegen das Böse"-mäßig? :?
Die religiösen Motive sind zwar schon präsent, spielen eher im Verlauf des Films eine untergeordnete Rolle! Die zwei Einspieler mit dem christlichen Superhelden, sind komplett überzeichnet und verarschen rechtskonservatives Bibel-TV mit überspitzten Kommentaren zu vorehelichen Sex und dergleichen. Unser Titelheld fühlt sich zwar "von Gott auserwählt", wird aber eher wegen der Liebe zu seiner abhanden gekommenen Frau angetrieben und nimmt es mit "Du sollst nicht töten" ja auch nicht so genau... :)

Re: Super - Shut up, Crime! - James Gunn (2010)

Verfasst: Fr 2. Nov 2012, 09:42
von purgatorio
"HALT DIE FRESSE, VERBRECHEN!"
purgatorio hat geschrieben:SUPER (2010)
herrlich tragisch-komischer Film! Teilweise bietet der Film eine Achterbahnfahrt der Emotionen, von laut lachen, über Schock und Traurigkeit hin zu banaler Gefühlsduselei und christlicher Moral, die umgehend wieder durch Scherze ersetzt und negiert werden. Sehr guter, sehr unterhaltsamer Film! 7/10 mit ordentlich Potenzial nach oben :nick:
Ich schließe mich dem Jogi an und spreche eine Empfehlung aus! Der Film lohnt absolut

und ganz wichtig: DU SOLLST NICHT VORDRÄNGELN! Wer einmal gesehen hat, wie das enden könnte, lässt es besser bleiben :nixda:

Re: Super - Shut up, Crime! - James Gunn (2010)

Verfasst: Fr 2. Nov 2012, 11:18
von Reinifilm
Ganz krasser Film - hat mir gut gefallen, allerdings finde ich als altes Weichei "Kick Ass" irgendwie noch besser - der ist nicht ganz so deprimierend. :lol:

Re: Super - Shut up, Crime! - James Gunn (2010)

Verfasst: Fr 2. Nov 2012, 11:26
von purgatorio
obwohl ja der Vergleich zwischen SUPER und KICK ASS bereits durch das Cover gezogen wird, möcht' ich die beiden ungern vergleichen. Auf ihre Art sind die beide ganz große Klasse, nur das KICK ASS eben noch mehr auf ein Party-Publikum setzt, während SUPER vor versammelter, bierseeliger Mannschaft schnell die Stimmung versauen kann :lol:
und immer dort, wo bei KICK ASS plötzlich ein Hit-Girl, eine Gatling oder Vergleichbares auftaucht und die Situation rettet, folgt bei SUPER nur die deprimierende Einsicht, dass man nicht kugelsicher ist (selbstredend mit allen Konsequenzen). Das sind schon gravierende Unterschiede, die natürlich je nach Laune ihre Reize haben :nick: Geil sind beide Streifen!

Re: Super - Shut up, Crime! - James Gunn (2010)

Verfasst: Sa 17. Nov 2012, 21:21
von Adalmar
Habe den Film jetzt endlich mal gesehen. Eine absurd-brutale, gnadenlose Tragikomödie von einem unberechenbaren James Gunn, der sich auch schon mit "Slither" als Hoffnung des amerikanischen Genrefilms entpuppt hat - auch wenn "Super" nur schwer einem Genre zuzuordnen ist. Die Machart des Films sprüht vor bizarren Einfällen vom animierten Vorspann mit Buntstift-gekrakelten Hintergründen, über eine Tentakel-Gehirnoperation bis zu einem überaus blutrünstigen Baller-Finale und einem nur ansatzweise positiven Ausgang. Dazu eine klasse Besetzung, aus der ich besonders die ebenso witzig wie sympathisch spielende Ellen Page hervorheben möchte. Kaum nötig zu erwähnen, dass ihre Rolle die eine oder andere befremdliche Überraschung bereithält. Sehr, sehr empfehlenswert und der schlappe "Kick-Ass" kann sich einen Arschtritt abholen.

Re: Super - Shut up, Crime! - James Gunn (2010)

Verfasst: Mo 2. Dez 2013, 15:33
von buxtebrawler
„Alles was einen Superhelden ausmacht, ist die Entscheidung, das Böse zu bekämpfen!“

„Super“ ist der bis dato jüngste Regie-Streich von US-Amerikaner und Ex-Troma-Mitarbeiter James Gunn („Slither“), der damit quasi parallel zu „Kick Ass“ dessen bösen kleinen Bruder entwickelte: Eine Superhelden-Persiflage im bitterbösen Tragikomödien-Gewand.

Der wenig auffällige Frank (Rainn Wilson, „Haus der 1000 Leichen“) zehrt in seinem Leben in erster Linie von zwei Ereignissen: Der Heirat seiner hübschen Frau Sarah (Liv Tyler, „Der Herr der Ringe“-Trilogie) und dem einen Moment, in dem er einem vorbeieilenden Polizisten einen entscheidenden Hinweis über den Fluchtweg eines mutmaßlichen Spitzbuben geben konnte. Letzteres gibt bereits einen Einblick in Franks Selbstwertgefühl und so ist es wenig verwunderlich, dass er in eine tiefe Krise stürzt, als seine ehemals drogenabhängige Frau einen Rückfall erleidet und in die Fänge des schmierigen Unterwelt-Barons Jacques (Kevin Bacon, „The Flatliners“) gerät. Erste Versuche, Sarah nach Hause zurückzuholen, scheitern, zudem scheint man ihn überhaupt nicht ernstzunehmen. Doch naive christliche Superhelden-Cartoons im TV bringen ihn auf die ultimative Idee und mithilfe von Recherchen im örtlichen Comic-Laden sowie einer göttlichen Eingebung wird er zum „Blutroten Blitz“, bewaffnet mit einer Rohrzange. Er knöpft sich manch Missetäter auf der Straße vor, erweist sich als wenig zimperlich und teilt kräftig aus. Schließlich erhält er Unterstützung von der Comic-Verkäuferin Libby (Ellen Page, „Juno“) und bläst zur großen Sarah-Rückhol-Aktion…

„Du sollst nicht vordrängeln!“

James Gunn torpediert die Erwartungshaltung des unbedarften Zuschauers, indem er entgegen allen Gesetzen der Romantic Comedy seinen von der Frau verlassenen Verlierer zwar vorführt, ihn jedoch nicht zum unbedingten Sympathieträger hochstilisiert, der nach einigen Anläufen zielsicher auf ein Happy End zusteuert. Nein, Frank näht sich eher unbeholfen seinen Superhelden-Dress zusammen und muss bald lernen, dass ihm a) die Verbrecher nicht gerade in die Arme laufen und ein erwartungsvolles, nächtliches Kauern hinter Mülltonnen verdammt langweilig sein kann und er b) in Ermangelung tatsächlicher Superkräfte dringend eine Waffe benötigt – so nimmt er fortan seine Rohrzange mit auf seine Touren und entwickelt einen Heidenspaß daran, mal mehr, mal weniger moralisch verwerflich Handelnden kräftig mit ihr eins überzubraten, dass das Blut nur so spritzt. Damit greift Gunn zum einen die splatterige Tradition seines ehemaligen Arbeitgebers „Troma“ sowie seines Regie-Vorgängers „Slither“ auf und zeigt zudem extrem schwarzhumorig und in voller Konsequenz die möglichen Folgen fragwürdiger Selbstjustizhandlungen selbsternannter Helden. Immer wieder bekommt der Zuschauer einen Schuss vor den Bug, sobald er Gefahr läuft, sich ein Stück weit mit Frank zu identifizieren. Ultrabrutal geht es dabei bisweilen zu, die grobe Kelle bestimmt das Handwerk.

Immer wieder baut Gunn auf die Unvorhersehbarkeit seiner grotesken, gnadenlos überzeichneten, jedoch nie zu absurden Handlung und schafft dadurch auf ihre individuelle Weise spannende Unterhaltung, die irre Einzelgänger und Eigenbrötler wie Frank und seinen Sidekick „Blitzi“ – jene Comichändlerin, die sich als noch verrückter als Frank entpuppt – auf skrupellose, widerwärtige Drogendealer treffen lässt, bis es folgerichtig irgendwann dann doch noch so richtig eskaliert und der Action-Anteil des Films in die Höhe schnellt. Zwischendurch wird das eine oder andere Superhelden-Klischee auf die Schippe genommen, wird in Rückblenden gezeigt, wie Frank und seine Sarah zusammenkamen und stellen manch animierte Comic-Einsprengsel auch stilistisch einen Bezug zur Welt der gezeichneten Bilder her. Akustisch führt ein lockerer Rock-Soundtrack durch den Film, durchaus hörenswert und ebenfalls die eigentliche Bitter- und Grausamkeit des Films konterkarierend.

Der Epilog, der beschreibt, was nach dem Finale passierte, ist – ich erinnere an meine Worte bzgl. der Erwartungshaltung – vollkommen unlustig, eigentlich tieftraurig, letztlich jedoch innerhalb dieses bizarren Films der vermutlich realistischste Moment, dessen Inhalt ich an dieser Stelle natürlich nicht verrate. Evtl. ist er in seiner ernüchternden Aussage sogar als Kompromissmöglichkeit, mit der es sich für „Verlierertypen“ wie Frank arrangieren lässt, zu verstehen. Wie dem auch sei, neben dem Beschriebenen wird auch schauspielerisch einiges geboten, denn Rainn Wilson scheint prädestiniert für seine Rolle und spult die ganze Palette von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt nach Art eines erbarmungswürdigen Clowns absolut gekonnt ab. Ellen Page gibt überzeugend einen unberechenbaren kleinen Teufel im Körper eines vermeintlich niedlichen Mädchens und darf sich u.a. in einer der sicherlich außergewöhnlichsten Sexszenen in der Geschichte des Superhelden-Films verausgaben. (Beide standen übrigens bereits in „Juno“ gemeinsam vor der Kamera.) Liv Tyler hat nicht so viel zu tun und muss eigentlich die meiste Zeit nur sediert aus der Wäsche gucken. Natürlich ist sie in einem Film wie diesem an der Seite einer Rolle wie der des „Blutroten Blitzes“ ein echter Hingucker. Kevin Bacon schlüpft einmal mehr in die Rolle des Widerlings, die ihm stets auf den Leib geschneidert scheint – so auch hier.

Fazit: „Super“ ist genau das und dürfte für viel Entsetzen, aber auch für viel Spaß sorgen – je nach Publikum…

Re: Super - Shut up, Crime! - James Gunn (2010)

Verfasst: So 1. Jun 2014, 17:45
von buxtebrawler
Erscheint voraussichtlich am 06.06.2014 bei Koch Media auf Blu-ray im Steelbook:

Bild

Extras:
- Audiokommentar mit Regisseur James Gunn
- Exklusiv produziertes Interview mit James Gunn
- Behind the Scenes
- Originaltrailer

Quelle: http://www.ofdb.de/view.php?page=fassun ... &vid=52630