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Sadistico - Wunschkonzert für einen Toten - Clint Eastwood (1971)

Verfasst: Do 23. Jan 2014, 12:05
von CamperVan.Helsing
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USA 1971

OT: Play "Misty" for me

D: Clint Eastwood, Jessica Walter, Donna Mills, Don Siegel


Dave Garver (Clint Eastwood) ist ein Radio-DJ eines Jazz-Senders in dem Küstenstädtchen Carmel. Nach einem, wie er glaubt, One-Night-Stand mit seiner Daueranruferin Evelyn Draper (Jessica Walter), will er eigentlich seine Freundin zurückgewinnen, doch Evelyn erweist sich zunächst als hartnäckig und dann als zunehmend psychopathisch. Irgendwann schreckt ihre besitzergreifende Art auch vor Mord nicht mehr zurück. (OFDB)


Clint Eastwoods Regie-Debüt erweist sich als Psychothriller, der schon mehr als 15 Jahre vor "Eine verhängnisvolle Affäre" eines der klassischen männlichen Alltagsprobleme thematisierte. Da vögelt man einmal fremd, und dann entpuppt sich die nette Dame als durchgeknallte Psychopathin. Nun ist es gewiss kein feiner Zug von Dave, Evelyn (die vorher wiederholt in Daves nächtlicher Radiosendung anrief, und sich den Song "Misty" wünschte, siehe Originaltitel) nach einer Nacht kalt abblitzen zu lassen und sich wieder seiner Herzensdame Tobie (Donna Mills) zuzuwenden, nachdem die Beziehung in der Krise steckte (doch seien wir ehrlich: Von der physischen Attraktivität her liegt Tobie klar vorne...), doch konnte er auch nicht voraussehen, WAS er sich dadurch alles einhandeln würde.

Nach einem Suizidversuch schaltet Evelyn nämlich auf Angriff um. Ein Geschäftsessen Daves mit einer nicht mehr ganz so jungen Frau, mit der er das Konzept für eine neue Sendung besprechen will, wird von der stalkenden Evelyn gesprengt, die einen extremen Eifersuchtsflash hat und die Dame wüst beschimpft. Sein Haus wird verwüstet und Daves zufällig dazukommende Haushälterin von Evelyn mit einem Messer attackiert. Und um Tobie, die in einem einsam direkt am Meer gelegenen Haus wohnt, macht Dave sich auch Sorgen. Aber die hat jetzt neuerdings eine neue, nette Mitbewohnerin...

Das Ende ist leider etwas zu klassisch gut/böse, und ich hätte ja auch gerne etwas über die Hintergründe erfahren, die Evelyn in ihren Liebeswahn trieben. Aber im großen und ganzen kann man nicht meckern. Interessant finde ich, dass Eastwood in seiner ersten Regiearbeit Dave als durchaus ambivalenten Charakter zeichnet, der nicht nur seitenspringt, sondern auch den ermittelnden Inspektor (der allerdings auch gut Kontra gibt) angiftet, der sich halt für die Aufklärung des Falles auch in Daves Privatleben reinfriemeln muss, was Dave so gar nicht gefällt.

Danke an den NDR, der den Film letzte Nacht zeigte, also Leute, immer schön brav GEZ bezahlen. Dass ich ein paar Stunden zuvor noch "Fluchtpunkt San Francisco" sah, in der ja auch ein Radio-DJ eine entscheidende Rolle spielt, war nun wirklich Zufall. Gibt es eigentlich weitere interessante Filme, in der Radiomoderatoren eine wichtige Rolle haben?

Re: Sadistico - Wunschkonzert für einen Toten - Clint Eastwood

Verfasst: Do 23. Jan 2014, 12:13
von buxtebrawler
ugo-piazza hat geschrieben:Gibt es eigentlich weitere interessante Filme, in der Radiomoderatoren eine wichtige Rolle haben?
The Warriors
Cosmo
The Fog
Pontypool
Good Morning, Vietnam

Re: Sadistico - Wunschkonzert für einen Toten - Clint Eastwood

Verfasst: Do 23. Jan 2014, 12:20
von sergio petroni
TCM 2 8-)

Re: Sadistico - Wunschkonzert für einen Toten - Clint Eastwood

Verfasst: Do 23. Jan 2014, 12:37
von CamperVan.Helsing
buxtebrawler hat geschrieben:
ugo-piazza hat geschrieben:Gibt es eigentlich weitere interessante Filme, in der Radiomoderatoren eine wichtige Rolle haben?
The Warriors
Cosmo
The Fog
Pontypool
Good Morning, Vietnam
"The Fog" lief ja kürzlich auf ARTE (ich sag ja, immer brav GEZ bezahlen! :D ), der fiel mir dann selbst auch noch ein.

Re: Sadistico - Wunschkonzert für einen Toten - Clint Eastwood

Verfasst: Do 23. Jan 2014, 13:07
von Reinifilm
Zombie 3 – Ein neuer Anfang :mrgreen:

Re: Sadistico - Wunschkonzert für einen Toten - Clint Eastwood

Verfasst: Do 23. Jan 2014, 13:34
von Die Kroete
PSYCHO 4 - The Beginning

:winke: :thup:

Re: Sadistico - Wunschkonzert für einen Toten - Clint Eastwood

Verfasst: Do 23. Jan 2014, 15:10
von Arkadin
buxtebrawler hat geschrieben:
ugo-piazza hat geschrieben:Gibt es eigentlich weitere interessante Filme, in der Radiomoderatoren eine wichtige Rolle haben?
The Warriors
Cosmo
The Fog
Pontypool
Good Morning, Vietnam
Pump Up the Volume - Hart auf Sendung! :opa:

Und natürlich die TV-Serie: "Der Nachtfalke"

Re: Sadistico - Wunschkonzert für einen Toten - Clint Eastwood

Verfasst: Do 23. Jan 2014, 22:50
von FarfallaInsanguinata
ugo-piazza hat geschrieben:Gibt es eigentlich weitere interessante Filme, in der Radiomoderatoren eine wichtige Rolle haben?
American Graffiti :nick:

Re: Sadistico - Wunschkonzert für einen Toten - Clint Eastwood

Verfasst: Mo 1. Nov 2021, 21:06
von CamperVan.Helsing
Gestern erneut auf DVD gesehen. Auf den ersten Blick eine ungewöhnliche Wahl für Halloween, aber gestalkt wird hier ja am laufenden Band und mit dem Messer geslasht ebenfalls. Passt also! :D

BTW: Eastwood stolpert hier über ein Gedicht, von dem er weiss, dass er es kennt, aber sich nicht erinnern kann, woher. Seine Italienaufenthalte haben ihn wirklich gebildet. :cool:

Re: Sadistico - Wunschkonzert für einen Toten - Clint Eastwood (1971)

Verfasst: Do 14. Apr 2022, 07:40
von jogiwan
„Sadistico“ ist ja meines Wissens einer der ersten Stalking-Thriller der Filmgeschichte und zeigt, dass dieses nicht nur von verschmähten Männern praktiziert ist. Hier ist es eine lokale Berühmtheit bzw. ein Radiomoderator, der seine weiblichen Fans mit smoothem Jazz und schwülstiger Poesie reihenweise um den Finger wickelt und einem weiblichen Fan, der sich bis zur völligen Selbstaufgabe für diesen opfern würde. Doch der One-Night-Stand entwickelt sich nicht wie geplant und Evelyne lässt sich auch nicht mehr so einfach abschütteln und versucht sich immer weiter ins Leben des DJs zu drängen. Dabei wirkt „Sadistico“ insofern etwas seltsam, da man Clint Eastwood die Rolle des Womanizers einfach nicht so wirklich abnimmt und der auch noch mit seiner toxischen Männlichkeit auf allen Fronten hausieren geht und lieber die beleidigte Leberwurst spielt, als zugeben zu müssen, dass er mit seinem weiblichen Fan nicht mehr zurande kommt. Der Streifen macht es sich insofern auch etwas einfach, weil er doch ein einseitiges Bild der Stalking-Thematik zeichnet und sich auch nicht die Mühe macht, dieses von mehreren Seiten zu beleuchten. Aber Clint Eastwood geht es auch mehr um Suspense als Vielschichtigkeit und seinen Heimatort Carmel by the Sea in ein schönes Licht zu rücken. Das ist ihm auch gelungen, selbst wenn ich mir bei dem Streifen und seinem Ruf, der ihm vorauseilt doch auch etwas mehr erwartet hätte.