Die amerikanische Studentin Christine Carlson (Linda Blair) reist nach Deutschland um ihren Freund zu besuchen, der dort stationiert ist. Zufällig wird sie Zeugin, als der KGB eine bekannte Biochemikerin entführt. Als unfreiwillige Zeugin wird sie kurzerhand mit verschleppt und bekommt in einer zweifelhaften Verhandlung eine langjährige Haftstrafe aufgebrummt, die sie in dem berüchtigten Gefängnis in Zwickau absitzen soll. Schon bald merkt Christine, dass sie in der Hölle gelandet ist, denn Unterdrückung, Nötigung und Folter sind dort an der Tagesordnung. Nicht nur die unmenschliche Oberaufseherin setzt der jungen Frau schwer zu, sondern vor allem einige grausam veranlagte Mitgefangene versuchen ihr die Zeit dort so unvergesslich wie möglich zu machen...
Mein Faible für Frauengefängnis-Filme führt mitunter in die Untiefen von durchschnittlichen Fließband-Produktionen, so also auch zu dieser amerikanisch-deutsch-österreichischen Gemeinschaftsproduktion von Robert Collector. Mit einem ordentlichen Besetzungs-Bonus versehen bekommt man schließlich das einschlägig bekannte Strickmuster serviert, welches aus überspitzter Darstellung, Folter und Nötigung besteht. Recht interessant wirkt zunächst die Tatsache, dass diese Geschichte in einem Zuchthaus in der ehemaligen DDR spielt, was sich aber in Windeseile, lediglich als Nährboden für eine unangenehme Art von amerikanischer Selbst-Glorifizierung entlarvt.
»Lassen sie mich los ich bin Amerikanerin!«, hört man Linda Blair zum Einklang lauthals tönen, und dieses Prinzip wird sich noch dutzendweise im Szenario finden lassen. Naja, abgesehen von dieser etwas zu dick aufgetragenen Aufdringlichkeit in Richtung des Zuschauers, wirkt dieser Streifen dann letztlich doch ziemlich klassisch, wenn auch genau so spartanisch-billig. Letzteres im Sinne von fehlendem Charme, denn die schäbigen Kulissen sollten ja schließlich eine gute Portion Trostlosigkeit vermitteln. Kritische Aspekte an einem bestimmten System werden nahezu komplett liegen gelassen, und es entwickelt sich ein Reißer, der sich ausgelassen in Oberflächlichkeiten suhlt. Handwerklich gesehen zeigt sich
"Red Heat" eigentlich nahezu in jeder Beziehung bestenfalls auf TV-Niveau, und im Großen und Ganzen hat man das durchaus vorhandene Potential bereitwillig verschenkt. Aber was soll ich sagen? Auch dieses Knast-Märchen weiß doch irgendwie zu unterhalten.
Linda Blair ist für mich ja stets Grund genug, einen Blick zu riskieren, obwohl ich eigentlich im Sinne ihrer darstellerischen Kompetenzen (bis auf wenige Ausnahmen), noch immer auf Bahnbrechendes warte.
"Unschuld in Ketten" wirkt angesichts einer hinlänglich bekannten Linda Blair ohnehin wie ein Witz, und so ist auch sie für die wenigen hüllenlosen Szenen verantwortlich. Das Hauptaugenmerk liegt also ausschließlich auf ihrer Person, und von der Handlung her diesmal auf der Ton angebenden Bande im Knast, die mit ihrer Anführerin Sylvia Kristel durch Absolution von ganz oben nach belieben schalten und walten darf. Man bekommt weniger Brutalität und Sadismus zu Gesicht als in vergleichbaren Filmen, vermischt wurde das Ganze immer und immer wieder mit zweifelhaften politischen Untertönen. Im Grunde genommen wirkt
"Red Heat" noch unglaubwürdiger als vergleichbare Produktionen, die Geschehnisse sind meistens überaus unwahrscheinlich verarbeitet, aber letztlich stellt auch dieser Film, nicht zuletzt wegen der recht merkwürdigen Besetzung insgesamt zufrieden. Vor allem eine Abweichung ist sogar als überaus gelungen zu bezeichnen.
Die Chefin des Zuchthauses wird von Elisabeth Volkmann in ein total alternatives Licht gerückt, da sie nicht wie es üblich ist, ein Regiment der Willkür führt. Die selbstverständlich lesbische Direktorin hat ein Verhältnis mit der gefürchtetsten Insassin in ihrem Hause, räumt ihr daher alle Privilegien ein und ignoriert die barbarischen Vorkommnisse. Allerdings sieht man keine sadistisch veranlagte Frau, der es Vergnügen bereitet, ihre Schutzbefohlenen zu foltern und zu quälen, sondern es handelt sich um eine einsame, gehemmte, von Komplexen heimgesuchte, und vom System kontrollierte Maschine, die Befehle auszuführen hat. Sehr interessant gezeichnet dieser Charakter, und erneut versetzt mich Elisabeth Volkmann in stille Bewunderung! Hin und wieder liefert die Kamera ein paar bemerkenswerte Bilder, die Musik ist ein typischer Klon der 80er-Jahre und eine solide Grundspannung ist auch vorhanden, aber insgesamt gesehen bleibt nur gewöhnliche, Protagonisten glorifizierende Dutzendware zurück. Danach scheint es nämlich so, als gebe es nichts Leichteres, als seine Angebetete aus einem berüchtigten Regime-Knast zu befreien. Muss man generell mögen um es sich anzusehen und mir hats ja bezeichnenderweise mal wieder gefallen.