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Kristy - Lauf um dein Leben
(Random)
mit Haley Bennett, Ashley Greene, Lucas Till, James Ransone, Chris Coy, Mathew St. Patrick, John L. Armijo, Corrina Roshea, Chelsea Bruland, Wayne Pére, David Jensen, Jaylen Moore, James Rawlings
Regie: Oliver Blackburn
Drehbuch: Anthony Jaswinski
Kamera: Crille Forsberg
Musik: François-Eudes Chanfrault
FSK 16
USA / 2014
Ohne erkennbare Motive macht eine Gruppe von Unbekannten Jagd auf junge Frauen und ermordet sie auf bestialische Weise. Ihre Bluttaten veröffentlichen die Killer im Internet - stets geben sie ihren Opfern den Namen Kristy. Davon weiß Justine nichts, die sich auf ein Thanksgiving allein auf dem Campus freut, nachdem alle ihre Mitschüler über die Feiertage nach Hause gefahren sind. Ihr Hochgefühl schlägt in nackte Panik um, als die Jagd auf sie eröffnet wird. Sie flüchtet in die Bibliothek und beginnt ihren Überlebenskampf.
Nach einem Kurzfilm und dem Langfilm "Donkey Punch" aus dem Jahr 2008 legt Oliver Blackburn nun mit "Kristy - Lauf um dein Leben" einen wirklich überzeugenden Horror/Thriller vor, der zwar den Freunden der visuell harten Gangart nicht unbedingt viele Schauwerte bietet, aber dennoch gänzlich zu überzeugen weiß. Die Geschichte an sich ist dabei relativ simpel gehalten, was in vorliegendem Fall aber keinesfalls als negativer Kritikpunkt anzusehen ist. Vielmehr hat Blackburn es fast schon meisterhaft verstanden, dem Zuschauer einen spannungsgeladenen Plot zu präsentieren, der zudem mit einer wunderbar dichten Atmosphäre ausgestattet ist, die sich mit zunehmender Laufzeit immer weiter verdichtet. Dabei beginnt das Szenario in den ersten gut 20 Minuten noch eher ruhig und banal, bevor die Geschichte danach merklich an Tempo und vor allem an Intensität zulegt. Die nötige Faszination für ein sehr bedrohliches Filmerlebnis geht dabei schon von der Situation an sich aus, befindet sich die junge Justine doch über die Feiertage lediglich mit zwei Wachmännern und dem Hausmeister auf dem riesigen Campus der Universität, da sämtliche anderen Mitschüler ein verlängertes Wochenende im Kreis ihrer Familien verbringen. Auf dem weitläufigen Komplex ist es daher richtiggehend unheimlich und dieser Aspekt wird durch ein nahendes Gewitter und den Umstand, das sich das Geschehen in der Nacht abspielt noch zusätzlich unterstützt.
Durch eine Begegnung auf einer Tankstelle die gleichzeitig auch einer der Höhepunkte des Filmes ist wird dann eine perfide Jagd in Gang gesetzt, auf die man sich als Zuschauer zunächst kaum einen Reim machen kann. Die Beweggründe für die folgende Menschenhatz werden nämlich bis zum Ende eher im Dunkeln gelassen, lediglich immer wieder eingestreute Details führen den Betrachter in die Nähe der Motive einer vierköpfigen Gruppe, die Justine mit allen Mitteln ermorden will. Eine tiefere Beleuchtung bekommt man also nicht unbedingt geboten, doch die Erklärungen reichen vollkommen aus, um einen mit den nötigen Informationen zu versorgen. Zudem erscheint es hier auch eher als positiv das nicht alles bis in das kleinste Detail erklärt wird, denn so schafft es Blackburn viel besser, die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf das Wesentliche zu lenken. Und das dürfte ganz bestimmt die Hetzjagd über den Campus sein, die gleichzeitig auch den größten Anteil der Ereignisse ausmacht. An diesem Punkt mag für viele Leute das absolute Highlight der Geschichte zu erkennen sein, so manch einer könnte aber auch gerade an dieser Stelle den im Prinzip einzigen negativen Kritikpunkt in einer Geschichte bemerken, die ansonsten in allen Belangen hervorragend inszeniert wurde.
Wenn man nämlich den Aspekt der Logik etwas zu pedantisch ansetzt, dann gestaltet sich die temporeichen Menschenjagd zuweilen ein wenig unlogisch. Es überkommt einen ganz unweigerlich das Gefühl, das die Jäger bei etwas mehr Ernsthaftigkeit in ihren Handlungen eher leichtes Spiel hätten, die junge Hauptfigur jederzeit locker erledigen zu können. Auf der anderen Seite wird aber auch ein Gefühl der übersteigerten Selbstsicherheit transportiert, das schon fast in Überheblichkeit übergeht. Frei nach dem Motto: "Das schüchterne und verängstigte Mädchen werden wir schon killen, lasst uns aber erst noch ein wenig Spaß haben" agieren die Jäger und nehmen ihr ins Auge gefasste Opfer dabei scheinbar überhaupt nicht für voll. Das sich diese Annahme als fataler Irrtum herausstellt ist eine weitere Stärke des Filmes, denn auch wenn die Hauptfigur zunächst wirklich eher ängstlich und in ihr Schicksal ergeben wirkt, zeigt sie in der Folge erstaunliche Nehmer-Qualitäten und legt danach eine ungeahnte Stärke an den Tag, die ihr richtig gut zu Gesicht steht. Diese Charakter-Wandlung wird zudem auch noch äußerst glaubhaft dargestellt, was sicherlich auch in dem tollen Schauspiel von Hauptdarstellerin Haley Bennett begründet ist, die mit einer durchgehend exzellenten Performance aufwarten kann. Etwas zu kurz kommt hingegen die weibliche Anführerin der Killer-Gruppe die ihren besten Auftritt in der Passage an der Tankstelle hat, aber insgesamt mit zu wenig Spielanteilen bedacht wurde.
Letztendlich hat Oliver Blackburn hier meiner Meinung nach auf jeden Fall ein gänzlich überzeugendes Gesamtpaket geschnürt, das neben den schon erwähnten Stärken hauptsächlich durch seine hervorstechende Kameraarbeit besticht. Der Verantwortliche Crille Forsberg hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet und präsentiert dabei herrlich beeindruckende Bilder, die einem auch nachhaltig im Gedächtnis haften bleiben. Desweiteren hat man auch bei der Auswahl der musikalischen Untermalung ein glückliches Händchen bewiesen, denn der vorhandene Sound erscheint absolut passend und stellt die hohe Intensität der Ereignisse so auch nahezu perfekt in den Vordergrund. Wer also Lust auf einen eher unblutigen, dafür aber extrem stimmigen Horror/Thriller verspürt, der kann bei "Kristy - Lauf um dein Leben" rein gar nichts falsch machen und sollte dieser Produktion unbedingt eine Chance einräumen. Mich persönlich hat das Werk regelrecht begeistert, so das ich nur eine dicke Empfehlung aussprechen kann.
Fazit:
Leichte Slasher-Elemente und jede Menge Nervenkitzel sorgen hier bei einer Laufzeit von knapp 80 Minuten durchgehend für spannende-und temporeiche Unterhaltung. Die Identität und Motive von Tätern stehen einmal nicht so sehe im Mittelpunkt, wie man es aus unzähligen anderen-und ähnlich gelagerten Genre-Vertretern her kennt. Das ist aber keinesfalls negativ, sondern garantiert dem Film ein gewisses Maß an Eigenständigkeit, was mir außerordentlich gut gefallen hat.
8/10