Un été comme ça - Denis Côté (2022)

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Salvatore Baccaro
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Un été comme ça - Denis Côté (2022)

Beitrag von Salvatore Baccaro »

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Originaltitel: Un été comme ça

Produktionsland: Kanada 2022

Regie: Denis Côté

Cast: Larissa Corriveau, Aude Mathieu, Laure Giappiconi, Anne Ratte-Polle, Samir Guesmi, Josée Deschênes, Marie-Claude Guérin


Drei Frauen – Léonie, Geisha, Eugénie – unterziehen sich einer konfrontativen Spezialtherapie, die sie von ihrer Sexsucht heilen soll: Für knapp einen Monat beziehen sie gemeinsam mit dem Sozialarbeiter Sami und der Psychologin Octavia ein Seehäuschen irgendwo in der kanadischen Wildnis, wo sie fortan die Tage mit alltäglichen Verrichtungen, vor allem aber intensiven Gesprächssitzungen zubringen, bei denen sie mehr und mehr mit ihren inneren Dämonen Bekanntschaft schließen sollen. Freilich bleibt es alsbald nicht bei bloß verbalem Striptease, sondern Therapierende und Therapierte nähern sich einander auch auf handfest physischer Ebene an..

…tja, und das ist es auch schon, was uns Denis Côté in UN ÉTÉ COMME CA zu zeigen hat. Laut eigener Aussage soll es das erklärte Ziel des Regisseurs gewesen sein, einen Film zu drehen, der die weibliche Sexualität ergründet; auf die Idee sei er gekommen, nachdem er ein Buch über Hypersexualität gelesen habe. Das Ergebnis erzählt indes im Grunde nichts, mäandert inhaltlich weitgehend, und hat inszenatorisch die Monotonie gepachtet. Obwohl der dokumentarische Inszenierungsstil mit seiner wackligen Handkamera, dem unaufgeregt, zuweilen gar lobotomisch aufspielendem Cast und solchen Dingen wie dem kompletten Fehler intradiegetischer Musik uns fortwährend Authentizität vorgaukeln möchte, läuft das Ganze letztlich doch auf eine arg verkrampfte, arg verkopfte, zudem pseudo-intellektuelle, extrem geschwätzige und extrem bedeutsam wirken wollende Peepshow hinaus, die ungefähr das bietet, was man bekommt, wenn man Eric Rohmer auf Wish bestellt: Wir begleiten die im Fokus stehenden Frauen wahlweise bei gemeinsamen Vergnügungen wie Plantschen im See oder Einkaufen-Fahren, beim Masturbieren oder beim Artikulieren ihrer Sexphantasien im Gespräch mit Sami und Octavia, ohne dass zumindest ich mich den einzelnen Figuren jemals wirklich nahegefühlt hätte, dass mich ihre Schicksale/Biographien/die Hintergründe ihrer ausgeprägten Libido in irgendeiner Weise interessiert hätten, - zumal die konsequent anti-klimatische Handlung gänzlich darauf verzichtet, uns mit überraschenden Volten zu überfallen. Falls Côté zudem die dargestellten und/oder rein verbal dargebotenen Sexszenen als Provokation intendiert haben sollte, kann ich darüber nur müde lächeln: Im Jahre 2022 sollte das alles nun niemanden mehr hinterm Ofen hervorlocken. Anders gesagt: Das Therapiegespräch zu Beginn von Godards WEEK END ist ein transgressiver Magenschlag im Vergleich zu den zahm-schwülen Lendenfreuden, die man in UN ÉTÉ COMME CA zu sehen bekommt. Dann lieber einen Hardcore-Porno à la Joe D’Amato, der seinen Voyeurismus zum poetischen Prinzip erhebt, und bei dem es nicht nottut, dass fadenscheinige Ergründungen der „weiblichen Sexualität“, (was auch immer das in dieser Pauschalität auch sein soll), alibihaft mit dem Arthouse-Label bemäntelt werden müssen. Und dann dauert dieses Machwerk auch noch weit über zwei Stunden! Einen Pluspunkt gibt es dafür, dass in einer Szene als Hintergrundbeschallung Robert Wyatts wundervolles „Alifib“ erklingt, - so wie im Übrigen der Soundtrack generell sehr hübsch ausgefallen ist, - was am desaströsen Gesamteindruck jedoch auch nicht mehr viel ändern kann.

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