Madamigella di Maupin - Mauro Bolognini (1966)

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Maulwurf
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Madamigella di Maupin - Mauro Bolognini (1966)

Beitrag von Maulwurf »

 
Madamigella di Maupin
Madamigella di Maupin / Le chevalier de Maupin / Madmoiselle de Maupin
Italien / Frankreich / Jugoslawien / Spanien 1966
Regie: Mauro Bolognini
Catherine Spaak, Robert Hossein, Tomas Milian, Mikaela, Ángel Álvarez, Ottavia Piccolo, Roberto Coppa, Cesare Gelli, Elvira Kralj, Franca Squarciapino, Manuel Zarzo, Josip Markovic, Nino Fuscagni


Madamigella di Maupin.jpg
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OFDB

Im Frühsommer 1789 ist die Welt der französischen Landadeligen noch in Ordnung. Die Gerüchte über den meuternden Pöbel, und dass die Köpfe der Bessergestellten abgeschnitten werden sollen, werden auf dem abgelegenen Landschlösschen mit viel Gelächter quittiert. Aber die Idylle ist schnell vorbei, als 6000 Invasoren der Königin Carlotta das Land überfallen. Nun heißt es flüchten, und weil der Großonkel klug ist, steckt er seine beiden Nichten in Männerkleidung und schickt sie in das nächste Kloster. Doch Magdeleine sieht das weite Land, riecht die Freiheit, und will mehr vom Leben. Kurzerhand reitet sie am Kloster vorbei – Direkt in die Arme einer Armeeeinheit, die sie sogleich in die Truppe steckt. Denn „sie“ ist ja in Männerkleidung unterwegs, nennt sich jetzt Theodor, und wird somit zum Fahnenträger des Capitaine Alcibiades. In dessen rustikal-kriegerische Art verliebt sich Magdeleine/Theodor dann auch ganz schnell, und auch Alcibiades ist seinem Fahnenträger nicht abgeneigt. Eine Freundschaft entwickelt sich, die den wackeren Capitaine emotional etwas verwirrt …

Gemeinsam kommt man in ein Schloss, wo die dominant-rabiate Besitzerin Rosetta mit dem Poeten D’Albert ein Theaterstück einübt, und Alcibiades und Magdeleine (belassen wir es vorerst bei diesem Namen) werden sogleich als Schauspieler rekrutiert. D’Albert verliebt sich in den schönen Jüngling Theodor und bekommt durch ein Missgeschick heraus, dass Theodor in Wirklichkeit eben Magdeleine ist. Fortan verfolgt er sie mit seiner aufdringlichen Liebe, wohin gegen Magdeleine doch nur Alcibiades liebt, der aber in einer Schlacht gegen das feindliche Heer den Heldentod stirbt. Und nun? Magdeleine und D’Albert? Nein, das passt nicht. Vor allem deswegen nicht, weil Rosetta D’Albert per Waffe zum Liebesdienst an seiner Herrin, eben Rosetta, zwingen will …

Auch wenn der Film eine sehr freie Verfilmung der gleichnamigen Erzählung Théophile Gautiers darstellen soll, so bin ich sicher, dass er in erster Linie durch den Erfolg der ANGÉLIQUE-Verfilmungen ab 1964 initiiert wurde. Romantische Verwicklungen, unerfüllte Liebe, Robert Hossein, feindliche Soldaten, weite und wunderschöne Landschaften, und noch einmal romantische Verwicklungen. Mann und Frau die sich gegenseitig anschmachten, aber nicht miteinander dürfen. Weil sie ja beide Männer sind, irgendwie. Ein anderer Mann und die gleiche Frau, aber da funkt es dann leider nicht so recht. Edle Säle und (schon wieder) romantische Örtlichkeiten unter alten Bäumen – MADAMIGELLA DI MAUPIN ist ein Schäferroman in seiner ansprechendsten Weise. Die Reise Magdeleines erinnert an den Simplicissimus oder Don Quichote, wobei sie niemals die Einfalt der beiden genannten an den Tag legt, aber in ähnlicher Weise von hier nach dort reist und dabei zum Spielball in diesem Falle amouröser Interessen wird. Immer wieder haben wir dabei komische Episoden, wie etwa die „Schlacht“ des Einzelkämpfers Alcibiades gegen das feindliche Heer, oder die sinnliche Mikaela als Domina, die ihren D’Albert im Bett haben will, gleich ob der nun mag oder ob nicht. Die Stimmung ist sowieso überwiegend leicht und heiter, das Abenteuer, das in den ANGÉLIQUE-Filmen so stark die Handlung vorantreibt, steht hier sichtlich im Hintergrund. Anscheinend bestätigt sich auch hier wieder einmal das alte Vorurteil, dass die Italiener die Erfolgsfilme der anderen kopierten und eine Ecke billiger auf die Leinwand bringen. Wobei das Wort billig hier mit Vorsicht zu genießen ist: Zwar ist die Knappheit des Budgets an allen Enden und Ecken deutlich zu sehen, aber Regisseur Mauro Bolognini zieht aus seinen Darstellern und den wunderschön gewählten Drehorten (könnte das in Jugoslawien gedreht worden sein?) alles, was sich herausziehen lässt.

Da ist die ätherische Schönheit Catherine Spaaks, die auch heute noch in ihren Bann zieht, gerade weil sie mit ihrer Weiblichkeit sehr, sagen wir mal, vorsichtig umgeht. Als ansprechender Kontrast dazu der bärbeißige Robert Hossein als Alcibiades, der den Gegenpart zur zarten Magdeleine gibt und damit wie die perfekte Hälfte eines Paares wirkt. Tomas Milian als D’Albert kann in sofern nur das dritte Rad am Wagen sein, ist aber in seiner Verliebtheit zu borniert um dies zu merken. Und leider mit viel zu wenig Screentime die spanische Aktrice Mikaela als Comic Relief, die vielleicht ein wenig zu sehr Over The Top ist um dem Film viel zu geben, die aber in den entscheidenen Momenten zuverlässig Akzente setzen kann.

MADAMIGELLA DI MAUPIN mag sicher kein großartiges Kostümkino sein und kann ANGÉLIQUE sicher nicht das Wasser reichen, aber als zuverlässiger Garant für viele Lacher und ein leichtes, sinnlich-verspieltes und heiteres Vergnügen taugt er in jedem Fall. PIDAX übernehmen Sie …

6/10
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(Bert Rebhandl)
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