Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

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buxtebrawler
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von buxtebrawler »

30.06.-02.07.2022, Göteborg, Schweden:
FRAGILE MOUNTAIN PUNK FESTIVAL


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„Fraggles, das sind wir…“

Unser neuer Bassist Holler hat ‘ne Schweden-Connection und konnte für uns eintüten, dass wir auf dem ersten FRAGILE MOUNTAIN (Schwedisch für „Fraggle Rock“) spielen. Somit sollte unser erster Gig seit 7“-Veröffentlichung, Pandemie und Umbesetzung (Drummer Dr. Tentakel ging in Punkrockrente und übergab die Sticks an Eisenkarl, den Bass übernimmt seitdem Holler) direkt auf einem ausländischen Open Air stattfinden – zudem unser erster Auslandsgig überhaupt. Dadurch hatten wir ein Ziel vor Augen, auf das sich hinzuproben lohnte. Außerdem ging es um eine gute Sache: Die Göteburger Punkszene, organisiert als „GBG Punkpöbel“, wollte übers Festival Geld zusammenbekommen, um einen Ort für Punks und Ähnlichgesinnte finanzieren zu können. Ursprünglich waren wir für den Samstag vorgesehen, was mir gut gepasst hätte. Das änderte sich irgendwann, wir sollten Freitag spielen – was mich vor ein Problem stellte. Den ersten Arbeitstag eines Monats kann ich mir normalerweise nur freinehmen, wenn ich dessen Arbeit komplett am vorherigen Tag erledige. Den Ersten und den Tag davor freinehmen geht hingegen gar nicht. Das bedeutete: Donnerstag durchziehen und um 18:00 Uhr direkt nach der Maloche los Richtung Schweden. Unsere Spielzeit war auch immer weiter nach vorn gerückt, mittlerweile hieß es 14:40 Uhr. Der Plan war, bis nach Frederikshaven in Dänemark das Pedal durchzutreten und um 00:15 Uhr die Fähre nach Göteborg zu nehmen, um dort um 3:30 Uhr anzukommen und noch ein paar Stunden Schlaf vorm Auftritt zu kriegen.

Unsere Reisegruppe war illuster: Helldriver T-Check hatte seinen Neunsitzer gesattelt und Holler war schon ‘nen Tag früher abgereist, sodass neben uns übrigen drei Motherfuckern und meiner Liebsten noch weitere Freundinnen und Freunde des erlebnisorientierten Tourismus mitfahren konnten, darunter DK von Erroristic Subculture, der seinen Merchstand dabeihatte, und der für unseren eigentlichen Mercher Dr. Tentakel (leider gesundheitlich verhindert) eingesprungene Carlo, ebenfalls mit gut gefülltem Bauchladen. Britta und Shirin komplettierten die Entourage. Zig Paletten billiges Dosenbier warteten zudem im Kofferraum auf ihre Verköstigung (auf dem Festival herrschte Glasflaschenverbot). Ich kam als Letzter am Treffpunkt an, betrat den Wagen – und das Chaos nahm seinen Lauf.

„…tonnenweise Dosenbier…“

Aufgrund eines Missverständnisses schlug unser Fahrer den Weg zu einer falschen Fähre ein, was er sogar noch irgendwie gesagt hatte, ich als schlechtester Beifahrer der Welt aber gar nicht richtig wahrgenommen hatte. Bei mir klingelte ohnehin nichts, weil sich Holler um die ganze Planung gekümmert und somit auch unsere Fähre gebucht hatte. Ich hatte zwar die Buchung ausgedruckt dabei, hätte aber nicht ohne abzulesen sagen können, von wo genau unsere Fähre überhaupt ablegen sollte. Relativ frühzeitig fiel das zwar auf und T-Check aktualisierte den Navi – doch, fuck: Auch wenn wir von vornherein richtig gefahren wären, hätten wir’s zeitlich höchstens gerade so, mit Ach und Krach, rechtzeitig zur Fähre schaffen können. Das war uns Experten gar nicht so bewusst gewesen. Ohne viel Federlesens fasste T-Check den kühnen Entschluss, Fähre Fähre sein zu lassen und über die Brücke auf dem Landweg nach Göteborg zu heizen. Ein Mann, ein Wort. Ich durfte nun auch so viel trinken, wie ich wollte, da der Zeitplan ohnehin über den Haufen geworfen war. Das musste ich auch, allein schon, um die Vorstellung erträglicher zu machen, entweder während der Fahrt zu pennen zu müssen oder kaum noch Schlaf vorm Gig zu finden.

Dabei nicht bedacht hatte er allerdings, dass meine Ankündigung, beim Biergenuss ständig pinkeln zu müssen, keinesfalls übertrieben war. So hielten wir auf jedem zweiten Parkplatz, wobei jedes Mal die Dosen aus der Beifahrertür klöterten wie anno dazumal auf dem Weg zum Force Attack oder in seligen Prä-Dosenpfand-Zeiten. Trotzdem durfte ich den DJ machen und lieferte somit den Soundtrack zu dieser Tour de force. Mein Vorsatz, mich nicht schon auf der Hinfahrt zu betrinken, relativierte sich mit jeder getrunkenen Dosenplörre. Dann fiel auch noch der fünfte Gang aus, was uns langsamer zu fahren zwang. Später verabschiedete sich auch der Rückwärtsgang. Am Grenzübergang zu Schweden fragten die Beamt(inn)en, wat wir fürn Haufen seien, woraufhin unser Tross mit „a band“ antwortete. „Which band?“ entgegneten sie, worauf ich ihnen unseren Bandnamen entgegengelallt haben soll, was offenbar für einiges Amüsement sorgte. Kurz vor Ankunft auf dem auf einem Berg gelegenen Gelände (eine zugeschüttete ehemalige allwissende Müllhalde?) am Rande eines Industriegebiets pennte ich ein, kurz vor 7:00 Uhr morgens kamen wir endlich an. Mein erstes Mal in Schweden! Was würde mich erwarten? Ein Festival voller Pippi Langstrumpfs und Michels, die Kinder von Bullerbü als Festival-Crew? Äh, nein. In Empfang nahm uns einer der Ordner, der ausschließlich schlechte Nachrichten für uns hatte. Der Wind hatte das geplante Merch-Zelt zerstört und – Zusammenhang? Unklar. – wir könnten mit dem Wagen dort nicht so stehen bleiben, und sowieso und überhaupt. Übermüdet und ein bisschen angenervt von allem winkte unser Fahrer ab, zumal wir aufgrund des fehlenden Rückwärtsgangs ohnehin nicht mehr hätten zurücksetzen können. Außerdem stand die Karre doch verdammt gut, so, wie sie stand: in der Backstage-Parkzone am Rand, direkt am Zaun. Also Holler begrüßt, geholfen, das Zelt zum Zeltplatz zu wuchten und dann Google Maps angeschmissen, um den Weg zum 1,7 Kilometer entfernten AirBnB-Zimmer zu finden, das Flo und ich als notorische Camping-Hasser gebucht hatten. Zähneputzen, pipimachen und ab in die Koje.

Menschenzoo

Nach wenigen Stündchen Schlaf schreckte mich ein Scherzanruf meiner campenden Bandkollegen auf; nach der zweiten kurzen Pennrunde weckte meine wesentlich bessere Hälfte mich mit Frühstück und nahm mir meine übliche Sorge, durch den Rausch sämtliche Songtexte von der Festplatte gelöscht zu haben. Um 14:00 Uhr sollten wir uns backstage an der Bühne einfinden. Bei brütender Sonne machten wir uns rechtzeitig auf den Weg, ließen das Eingangsprozedere inkl. Filzen und Bändchenkriegen über uns ergehen und verloren ein paar Minuten, weil es dem Gatekeeper nicht reichte, dass Flo ihre Eintrittskarte vorzeigte. Er wollte auch noch die Zahlungsbestätigung sehen, die sie daraufhin umständlich aus ihrem Smartfon heraussuchen musste. Eilig fragte ich mich dann durch, wo ich langmüsse, und traf schließlich auf den Rest. Der hatte sich vorher an der kleinen Bühne versammelt, war von dort aber zur großen geschickt worden. Na, kiek an. Für den Fall meines Nichterscheinens hatte man sich offenbar bereits ernsthafte Gedanken gemacht, wie man die Show gestalten würde…

Die Bands spielten jeweils abwechselnd auf beiden Bühnen, Überschneidungen wurden so vermieden. Seit 13:00 Uhr war der Livebetrieb schon im Gange, tags zuvor hatten schon 23 Bands gezockt. VAROITUS bauten gerade ab und machten die Bühne frei für uns, ich musste erst mal dringend Bier ranschaffen. Auf dem Gelände wurde mit Lebensmittelmarken gearbeitet, jedes Bandmitglied hatte fünf Bier/Cider- und fünf Essensmarken (die für eine Mahlzeit reichten) erhalten. Verabreicht wurde Dosenbier der Sorte „Ey‘ Bro“ mit 5,0 Umdrehungen, in Schweden „Starköl“ genannt. Ich holte für die ganze Mannschaft und bat den „Schankwirt“, die Dinger erst mal geschlossen zu lassen. Das dürfe er nicht, antwortete er, denn dann sei das wie ein Verkauf; er dürfe aber nur ausschenken. Waren wir hier auf dem Fragile Mountain oder auf dem Gipfel der Korinthenkackerei? Schweden und seine Alkoholgesetze – da kannste dir nur an‘ Kopp packen…

Zum Lockerwerden schüttete ich mir das Zeug in den Hals. Schmeckte gar nicht schlecht, verursachte aber – vermutlich katerbedingt – einen latenten, aber schwer zu ignorierenden Kotzreiz bei mir, der sich glücklicherweise ohne Eskalation nach und nach langsam legte. Beim Aufbau und Soundcheck entpuppte sich der Soundmensch als Frankfurter Bub, mit dem wir auf Deutsch sabbeln konnten. Das ging alles reibungslos vonstatten und selten hatte ich einen solch guten Monitorsound auf einer Bühne. Unsere Live-Premiere in dieser Besetzung klappte dann auch beinahe wie am Schnürchen. Ich begrüßte das Fragile-Mountain-Festival und stellte uns als Disillusioned Motherdoozers vor, woraufhin wir uns durch ein Zwölf-Song-Set wüteten und als Zugabe den eigens fürs schwedische Publikum einstudierten PROJEKT-PULVERTOASTMANN-Hit „ACAB“ brachten. Die Mittagssonne bretzelte kräftig, eine frische Brise ließ sie uns etwas weniger spüren. Gegen Set-Ende spürte ich konditionell trotzdem die mangelnde Live-Erfahrung der letzten Jahre. Kurioserweise fiel, wann immer ich auf der Bühne sprang, die Stromversorgung von Hollers Bass kurz aus, was Eisenkarl am Schlagzeug etwas irritierte. Und so schnell und vor allem ohne Luft zu holen, wie Snorre einst „ACAB“ sang, werde ich’s wohl nie hinbekommen. Dafür sang ein nur mit Badehose bekleideter Besucher in der ersten Reihe den Refrain lauthals mit. Der P.A.-Sound muss sehr wuchtig, klar und differenziert geklungen haben, denn das tat er bei allen nachfolgenden Bands und wurde vom einen oder anderen Gast als ungewöhnlich „professionell“ empfunden. Das glaube ich gern.

Jenes Publikum übrigens hatte sich lediglich in ein paar versprengten Grüppchen vor der Bühne eingefunden. Neben unserer mangelnden Popularität ist der Grund dafür, dass – absurde schwedische Alkoholauflagen, die Zweite – kein Bier vor die Bühnen mitgenommen werden darf. Um’s für die Gäste dennoch so angenehm wie möglich zu gestalten, hat die Festivalleitung den Verzehrbereich genau in der Mitte zwischen beiden Bühnen eingerichtet, wo der Großteil der Besucherinnen und Besucher sich die meiste Zeit aufhielt, trank und den Bands lauschte oder miteinander plauschte. Jener Bereich war mit Gitterzäunen abgetrennt, sodass ein Trinkerinnen- und Trinkerkäfig entstanden war, im Prinzip eine Art Menschenzoo. Wäre mir das vor unserem Auftritt bewusst gewesen, hätte ich die Ansage zu unserem gleichnamigen Song entsprechend angepasst. Bei jedem Betreten oder Verlassen des Käfigs fanden Taschenkontrollen statt, uniformierte Möchtegernbullen vom Ordnungsamt überwachten permanent die Schose und sorgten für ein Gefühl permanenter staatlicher Überwachung. Fuck you, Sweden!

Direkt nach uns spielten auf der kleinen Bühne die latino-berlinerischen DØZIX, von denen ich aber während unseres Abbaus leider nichts so recht mitbekommen habe. Auf der großen beerbten uns REBUKE, die auf diesem Härtnersound-lastigen Festival (uns hatte man wohlgemerkt als punkrockige Auflockerung zwischen all den Crusties eingeladen!) mit flott gespieltem Skatepunk überraschten. Aus Göteborg stammend, hatte man eine kurze Anreise, aber trotzdem die Hi-Hat-Becken vergessen. Eisenkalle half aus und wurde wie ich vom Käfig aus Augen- und Ohrenzeuge eines technisch versierten Gigs mit eingängigen Songs, die zugleich zum Soundtrack meiner Orientierung auf dem Gelände wurden. Aus der Not mit dem zerstörten Merchzelt war eine Tugend gemacht worden; Carlo und DK hatten einen schicken Stand in einer der Ecken des Käfigs aufbauen können, wo er zum echten Hingucker und für unsere Reisegruppe zum Ankerpunkt wurde, um den herum man sich gern versammelte. Das Geschäft lief zudem recht gut und zu beobachten, wie sich Festivalbesucher(innen) mit geilem Scheiß wie z.B. David-Hasselhoff-Buttons eindeckten, machte Spaß. Da war eigentlich ständig was los. Das Publikum war gut gemischt, neben den üblichen Crusties und Iroträgern waren erfreulich viele junge Leute zugegen (einer ließ sich von seiner Mutter eine DOOM-LP kaufen) und nie zuvor habe ich so viele sich offen als nonbinär, also sich der männlich/weiblich-Kategorisierung entziehend, zu erkennen gebende Personen auf einem Punk-Festival gesehen. Wieder andere trugen Black-Metal-Corpsepaint. Generell waren hier gefühlt mehr Black-Metal-Shirts und -Aufnäher als auf ähnlichen Veranstaltungen hierzulande zu sehen. Allgegenwärtig natürlich auch ANTI-CIMEX-Merch an den Körpern. Aber auch auffallend viele Borderlinerinnen und Borderliner waren anhand ihrer Ritznarben auszumachen…

Im direkten Anschluss an REBUKE begab ich mich dann erstmals vor eine Bühne, um mir eine Band etwas fokussierter anzusehen. Meine Aufmerksamkeit geweckt hatten UZI, die einen erfrischenden, mitreißenden Hardcore-Punk-Sound fabrizierten. Die dauerlächelnde Sängerin schien jede Sekunde auf der Bühne mehr als alles andere zu genießen, vor der Bühne war mittlerweile ordentlich was los und der rauere Klang der kleinen Bühne passte perfekt zum Sound der jungen kolumbianischen Band, die bei Bandcamp ein wirklich geiles Album platziert hat. Nach POLIKARPA Y SUS VICIOSAS, die ich gerade auf dem Gaußfest gesehen hatte (und die am nächsten Tag auch hier spielen sollten), also die zweite sehr hörenswerte kolumbianische Combo innerhalb weniger Tage für mich. Zurück im Käfig war’s das dann aber erst mal mit den Bands, denn nun frönte ich dem, was auf Festivals meist genauso viel Spaß macht: dem Begrüßen und Kennenlernen anderer Leute, in meinem Falle in erster Linie anderer Hamburger, die indes schon seit Donnerstag hier waren und sich bereits mit dem halben Publikum angefreundet zu haben schienen. Eine Bier- oder auch mal Cider-Kanne nach der anderen gaben sich die Klinke in die Hand, bis der erste Hamburger auf den Zeltplatz verwiesen wurde, weil er angeblich zu betrunken gewesen sei – was dieser jedoch anstandslos hinnahm. Fuck you, Sweden!

Die musikalische Untermalung der Sause hielt sich in Sachen Krach versus nachvollziehbare Songstrukturen derweil grob die Waage. Die Powerviolencer TJUVKOPPLA fielen mir zumindest an ihrem Merchstand noch mit ihrer genialen Persiflage des ikonischen „Sin egen motståndare“-LP-Covers der schwedischen Band TOTALITÄR (wieso spielten die eigentlich nicht?) auf:

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Original (dt.: „Sein eigener Gegner“)

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Fälschung (dt.: „Sein eigener Liebhaber“)

Überhaupt bauten viele Bands ihre Merchstände im Käfig für ein paar Stündchen auf. In Sachen Liveprogramm hellhörig wurde ich noch mal, als eine Reihe Meerjungfrauen auf die große Bühne geschwommen kam und ziemlich krachiges Zeug ablieferte, aber immerhin ein echter Hingucker war. Keine Ahnung, wer das war, aber die Fotos belegen, dass es sich um keine alkohol- oder sonnenstichinduzierte Fata Morgana handelte. Am späten Abend kam es zu einem Zwischenfall, bei dem ein lilafarbener Edding und jemand aus unserer Reisegruppe beteiligt waren und der eigentlich bereits geklärt war, als sich jemand Unbeteiligtes aufspielte und der Rauswurf unseres Freunds die Folge war. Dieser nahm’s jedoch leicht und ging einfach unerkannt wieder rein. Kurz Wogen glätten und gut war’s. Gegen Mitternacht dürfte es gewesen sein, als Flo und mich die Müdigkeit übermannte und wir uns in unser Zimmer zurückzogen. Kai und Eisenkarl hatten sich bereits am späten Nachmittag abgelegt, hatten die Nacht zuvor ja auch fast durchmachen müssen.

The Nightmare Continues

Nach einer geruhsamen Nacht, einer erquickenden Dusche und einem stärkenden Frühstück trafen wir unsere Leute beim Mittagsbierchen auf dem Zeltplatz wieder. Eigentlich fand ich es ein bisschen schade, die englischen Anarcho-Pioniere DISORDER verpasst zu haben, erfuhr dann jedoch, dass diese vor dem Kampf mit der Brexit-Bürokratie hatten kapitulieren müssen und somit ausgefallen waren. Fuck you, Boris Johnson! Das „Ey‘ Bro“-Bier war bereits am Vortag ausgegangen und durch „Pripps Blå“ ersetzt worden, das etwas beliebiger schmeckte. BLEACHDRINKER aus Stockholm prügelten einem mit derbem Powerviolence-Geschrote den Schlaf aus den Ohren, der Sänger machte in Sport-BH und Turnhose Frühsport an der Lichttraverse. Die Running Order war an diesem Tag kräftig durchgeschüttelt worden, sodass RAWHEADS aus Stockholm, die eigentlich eröffnen sollten, nun die große Bühne beehrten. Das Trio lenkte meine Aufmerksamkeit mit englischsprachigem HC-Punk/D-Beat-Geprügel, giftigem weiblichen Gesang und einem gewissen Hang zur für diese Musik ungewöhnlichen Eingängigkeit auf sich. Der Drummer goss das auffallend tighte Fundament dieser jungen Band, die mit ihrem Set aber schon wieder durch war, als ich mein Bier ausgetrunken hatte. Anschließend lauschte ich noch kurz bei FIRST IN LINE aus Linköping rein, einer älteren Hardcore-Band. Ich schoss zwar ein paar Fotos, kann mich an den Gig aber ansonsten leider nicht mehr erinnern. Gut möglich, dass es eine der Bands war, die so abartig laut waren, dass es ohne Gehörschutz kaum auszuhalten war und sich tatsächlich der eine oder andere Zuschauer relativ weit hinten positionierte und sich die Ohren zuhielt.

Mit SLÖA KNIVAR folgte tatsächlich mal ‘ne Band, die ich schon kannte – mit meiner anderen Band BOLANOW BRAWL hatten wir mit ihr 2014 mal zusammen in Kiel gespielt. Dort hatte mich die HC-Punk-Combo aus Malmö sehr beeindruckt, weshalb ich auf diesen Gig sehr gespannt war. Zunächst stach ins Auge, dass Sängerin Patricia offenbar einen Image- oder Stilwandel vollzogen hat: Betrat sie in Kiel noch höchst aufgestrapst die Bühne und sparte nicht mit artistischen und akrobatischen Einlagen, machte sie nun mit kurzen Haaren, weitem BODY-COUNT-Shirt und langer Hose einen eher burschikosen Eindruck und beschränkte sich in Sachen Sport auf wenige Moves. Eine ihrer Ansagen übersetzte mir meine des Schwedischen mächtige Freundin: Sie entschuldigte sich für irgendwelchen Ärger, der hinter den Kulissen geschehen sein muss, und begründete diesen mit ihrer mangelhaften Impulskontrolle. Unverändert aber blieb die Musik: Großartiger Hardcore-Punk mit sehr charakteristischem, rotzigem Gesang und überwiegend schwedischen Texten. Am stärksten stach der überaus eingängige Singalong „Depression“ heraus, der von den vorderen Reihen begeistert mitgesungen wurde und sich als veritabler Ohrwurm entpuppte. Zumindest die zweite Songhälfte versuchte ich per Video festzuhalten, versagte dabei aber kläglich, indem ich auf eine falsche Taste tatschte, sodass selbst diese Hälfte nun zweigeteilt ist.

Sei’s drum, SLÖA KNIVAR waren eines meiner Festival-Highlights und hätten hierzulande deutlich mehr Popularität verdient. Fanzinerinnen und Fanziner, knöpft euch diese Band mal vor! Sängerin Patricia ist darüber hinaus auch bei BEYOND PINK aktiv und war im schwedischen Big-Brother-Haus. Wenn das keine Anknüpfpunkte für spannende Interviews sind, weiß ich auch nicht…

Die nächsten Bands ließ ich weitestgehend an mir vorüberziehen und mich dazu überreden, mich an einem Festival-Fanzine-Projekt zu beteiligen, indem ich eine Seite mit meinen Gedanken zum Festival handschriftlich vollklierte. Die Stockholmer Grinder GOD MOTHER erregten immerhin mit den Bühnen- und Zaunklettereinlagen ihres Shouters für Aufsehen – bis eine schwedische Legende im Billing von 1:30 auf 18:10 Uhr wegen des NUKKE-Ausfalls vorgerückt war und an die kleine Bühne lockte: ASOCIAL hatten in den 1980ern ein paar Tapes und Siebenzöller veröffentlicht und sich irgendwann sang- und klanglos aufgelöst. Seit 2017 sind sie zurück und holen nach, was sie damals versäumten: Alben aufnehmen! Drei Stück mit derbstem D-Beat/Crust-Gemetzel in schwedischer Sprache sind seitdem erschienen. Die meisten Songs werden in rund zwei Minuten durchgepeitscht und keine Gefangenen gemacht. Live präsentierten sich die in aller Punkwürde gealterten Herren topfit und angriffslustig. Der kehlig-heiser brüllende Shouter erweiterte den auf der kleinen Bühne ohnehin schon krachigen Bandsound bewusst um Noise-Elemente, indem er Monitorbox-Rückkopplungen mit seinem Mikro erzeugte. It’s not a bug, it’s a feature. Der permanente ASOCIAL-Aggrosound knallte einem endgültig die Synapsen durch – und Kai + DK wurden erstmals beim gemeinsamen Pogo gesichtet.

Eigentlich hätte ich mich nun gern mit etwas BEACH BOYS o. ä. erholt, doch das Fragile Mountain kannte keine Gnade und schickte FREDAG DEN 13:E aus Göteborg ins Rennen. Neo-Crust, also Crust mit bischn (düsterer) Melodie, gab’s nun auf die Omme. Beim Shouter wächst das Haupthaar unten am Kopf statt oben, was zu einem imposanten Rauschebart führte. Auch wenn ich mich nicht wieder vor die Bühne begab, sondern im Käfig dem Biergenuss frönte, empfand ich die Performance als angenehm und atmosphärisch, vor allem auch passend zu den Wetterverhältnissen. Die Sonne verschwand immer öfter hinter dicken Wolken und der Wind blies immer eisiger, sodass es mir mit T-Shirt und Kutte langsam zu kalt wurde. Der Soundtrack dazu kam von der Bühne. Die Band hat mehrere Alben draußen; wer auf diesen Sound steht, sollte die mal anchecken. Kai trieb sein Unwesen wieder vor der Bühne und schwang die morschen Knochen. Im Mob glaubte er, DK wiederentdeckt zu haben, nahm ihn liebevoll in den Schwitzkosten und rubbelte ihm die Fingerknöchel über die Glatze – um dann festzustellen, dass er jemand ganz anderes in der Mangel hatte und dieser entsprechend irritiert dreinblickte. „Irrtum“, sprach der Hahn und stieg von der Ente. Kai hatte übrigens in all seiner Altersweisheit seine EC-Karte zu Hause gelassen. Zum Kauf von Verzehrmarken gab er mir deshalb Bargeld in Euro, damit ich ihm für den jeweiligen Betrag in schwedischen Kronen einige per Zahlung mit meiner Karte besorgte (in Schweden wird alles mit Karte gezahlt, da brauchste kein Geld im Vorfeld wechseln). Gespräch am Nachmittag des Vortags: „Wie viele Biermarken willste denn? Mit fünf kommste nich‘ weit.“ – „Denn mach ma‘ zehn.“ Gesagt, getan. Offenbar hatte er sich im direkten Anschluss pennen gelegt, denn am nächsten Tag konnte er sich daran gar nicht mehr erinnern und wunderte sich über die zehn Biermarken in seinem Besitz…

Der Saufkäfig war mittlerweile prallgefüllt, speziell für diesen hochkarätig besetzten Samstag schien noch einmal wesentlich mehr Publikum gekommen zu sein. Der Soundcheck einiger älterer Herren auf der kleinen Bühne hatte mich neugierig gemacht, also ausgetrunken und hin da, denn THE BRISTLES, weitere schwedische Punk-Pioniere von Beginn der ‘80er, bliesen zum Angriff auf die Gehörgänge. Ihr bewusst rau und ungehobelt gehaltener, schnell gespielter Punkrock mit UK-’82- und Oi!-Punk-Einflüssen sowie englischen Texten bot einen schönen Kontrast zu FREDAG DEN 13:E und zündete sofort. Entsprechend wurde die Band gefeiert. Schönes Ding, wenn mir auch anschließend gut die Ohren klingelten…

Noch während ich am nächsten Bierchen nippte, drangen überraschend ungewöhnliche Klänge an mein Ohr: Die belgischen COCAINE PISS mit garagigem Sound und überdreht klingender Sängerin, mal fast mit Pop-Appeal, dann wieder sperriger oder aggressiver, hysterischer, kaputter. Die Texte englisch, gern wie z. B. in „Fuck This Shit“ aufs Wesentliche beschränkt, die Songs kurz bis ultrakurz. Bei Wind und etwas P.A.-Hall/-Reverb hallte die durchdringende Stimme der Sängerin übers ganze Feld, sodass sich immer mehr Neugierige vor der Bühne versammelten. Lange hielt es die Sängerin nicht auf ihr, dank des extralangen Mikrokabels konnte sie Ausflüge ins Publikum (und über es hinaus) unternehmen und sich im Gras wälzen. Sehr eigenständiges und ebenso unterhaltsames Zeug.

Die nächsten Bands bekam ich nicht so recht mit; Flo und ich beschlossen kurzerhand, kurz zurück zur Bude zu gehen, damit ich auf der Keramik thronen und wir uns etwas Wärmeres überziehen konnten, um DISCHARGE später ohne Zähneklappern genießen zu können. Als wir zurückkamen, war Holler zur Gelbweste geworden und begrüßte uns am zweiten Einlass. Er hatte eine Schicht innerhalb der Fragile-Mountain-Crew übernommen, weil der langsam das Personal ausging. Und er hatte Hiobsbotschaften für uns parat: In der kurzen Zeit, in der wir weg waren, hatten sich die Ereignisse überschlagen. Jemand aus unserer Reisegruppe hatte im Brausebrand begonnen, die Ordnungsamt-Leute zu necken, welche wiederum keinerlei Spaß verstanden und ihn gleich hinauswarfen. Er kam zurück und sorgte damit offenbar für helle Aufregung, denn nun hatte es die unheilige Dreifaltigkeit aus Ordnungsamt, dem Fragile-Mountain-Crew-Typen, der uns Freitagmorgen in Empfang genommen hatte (und schon die ganze Zeit ein kritisches Auge auf uns zu werfen schien), und den nun erstmals auftauchenden Bullen (!) auf ihn abgesehen – und nicht nur auf ihn, denn plötzlich wurde jemand anderer unserer Gruppe in den Bullenwagen gezerrt. Er erkannte jedoch den Ernst der Lage, blieb ruhig und durfte schließlich wieder gehen. Eine Verwechslung, wie sich später herausstellen sollte. Beide „Delinquenten“ blieben anschließend am bzw. im Zelt, doch zuvor hatte es manch böses Wort zwischen Teilen unserer Gruppe und dem Crew-Mitglied gegeben. Die Folge: Köln-Kalk-, Quatsch, Fragile-Mountain-Verbot und ein wohl endgültig zerschnittenes Tuch zwischen uns und diesem einen Crew-Mitglied. Das wäre sicherlich vermeidbar gewesen, andererseits wird hier offenbar für alles, was in Hamburg eher noch weggelächelt oder deeskaliert würde, gleich ein Fass aufgemacht. Flo und ich hatten das alles jedenfalls verpasst und hörten nun den BRÜNNER TODESMARSCH aus dem tschechischen Brünn dreckig und böse von der kleinen Bühne crustlärmen. Die ebenfalls aus Tschechien stammenden INTERPUNKCE dürften ebendort im direkten Anschluss – erstmals wechselte man sich nicht mit der großen Bühne ab – den Geschwindigkeitsrekord des Festivals aufgestellt haben. „Really fast and crazy hardcore/punk/crust“, hieß es auf der Fragile-Mountain-Website und traf es auf den Punkt.

Nun also der Festival-Headliner, die legendären DISCHARGE, jene Briten, die den D-Beat und damit ein ganzes Subgenre erschufen bzw. zahlreiche Epigonen auf den Plan riefen – und die ich – unfassbar! – bisher kein einziges Mal live gesehen hatte. Die Urväter punkiger Soundtracks zum Untergang. Seit 2014 ist BROKEN-BONES-Sänger JJ auch der DISCHARGE-Sänger, die Band erhält seither wieder überwiegend positive Kritiken, sowohl für aktuelles Material als auch für ihre Liveshows. Der Grund dafür wurde hier deutlich: Eine bestens eingespielte, topfitte Band mit drahtigem, hungrigem Sänger, der sich ideal einfügt. JJ führte mehr als souverän durch ein Best-of-Set, der Sound war zudem perfekt (gar zu perfekt, wie der eine oder andere bekrittelte) und die Stimmung im Publikum gut, wenngleich sich bei manchem – Blog-Chronisten nicht ausgenommen… – ein paar Ermüdungserscheinungen einzustellen schienen. Bei manch Clubgig mit nur einer oder zwei Vorbands geht’s sicherlich noch mal ganz anders zu. Gitarrist Tezz nannte „Ain't No Feeble Bastard“ einen seiner Favoriten, „Never Again“ wurde aus etlichen heiseren Kehlen mitgesungen und für den letzten Song (Welcher war das? Ich weiß es nicht mehr.) bat man einen befreundeten Gastsänger auf die Bühne. Ich weiß nicht genau, wie lange DISCHARGE spielten, aber von mir aus hätte es gern noch ‘ne halbe Stunde länger sein dürfen. Zugabe-Rufe verhallten leider ungehört – vielleicht, weil diese auf Schwedisch waren… Besagter Gastsänger flog später, wie wir am nächsten Morgen von Holler erfuhren, übrigens auch noch raus. Unsere Freunde schienen also in bester Gesellschaft zu sein :D

Don’t Pay The Ferryman

Die paar weiteren Bands, die noch folgte, u. a. LOWEST CREATURE, auf die ich eigentlich Bock gehabt hätte, sparten wir uns und begaben uns stehend k.o. und vom ungemütlichen Wetter geschafft nach einem letzten Absackerbierchen in die Koje, um am nächsten Morgen pünktlich wie die Maurer um 9:00 Uhr mit gepackten Taschen am Zeltplatz einzutreffen. Als auch der Letzte aus seinem Schlafsack gekrochen gekommen war, wurde abgebaut und gehofft, dass das Auto noch anspringen würde. Das tat es, also rein mit dem ganzen Plunder inklusive uns und zeitig genug Richtung Fähre aufgebrochen, die wir diesmal – obwohl wir, wie uns die Dame am Check-in mitteilte, für die Größe des Vehikels eigentlich die falschen Tickets gebucht hatten – auch bekamen. Dort fläzten wir uns chillig in den Restaurantbereich, aßen, tranken, die ersten griffen schon wieder zum Bier, andere holten noch etwas Schlaf nach. Die über dreistündige Überfahrt verlief zwischenfallfrei und anschließend brachte uns Helldriver T-Check alle, fiesen Wolkenbrüchen und Aquaplaning zum Trotz, sicher von Frederikshaven zurück nach Hamburg. Manch einer verging sich dabei am noch immer in rauen Mengen vorhandenen Dosenbier und obwohl ich gar nicht mittrank, wurde ich für jede Pinkelpause verantwortlich gemacht: „Halt mal an, Günni muss pissen!“ wurde zum Running Gag…

Das war also das erste größere Abenteuer dieses Sommers. Eine sehr gewöhnungsbedürfte Veranstaltung, aufgrund der Gesetzeslage aber anscheinend in Schweden so üblich. Das barg Konfliktpotential. Hatte man sich erst einmal damit abgefunden und sich auf das Konzept mit dem Käfig zwischen beiden Bühnen eingegroovt, konnte man eine Menge interessanter Bands in unheimlich geballter Form erleben und nicht zuletzt einen guten Überblick über die aktuelle schwedische Härtnerpunk-Subszene erlangen. Sich mehr als die Hälfte halbwegs konzentriert reinzuziehen, dürfte aber kaum jemand geschafft und jegliche Aufmerksamkeitsspanne überstrapaziert haben. Wasserklosets gab’s keine, dafür war das seitanbasierte Essen ok und die Getränkepreise mit knapp 3,- EUR für 0,33 l Bier oder Cider moderater, als ich es von Schweden erwartet hatte. Auf einer liebevoll gestalteten, zweisprachigen Webpräsenz wurden sämtliche Bands vorgestellt und verlinkt, was sich insbesondere im Nachhinein bei der Festivalreflektion als angenehmer Service erwies.

An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an den GBG Punkpöbel für die Einladung sowie an alle, die uns unterstützt haben, allen voran Helldriver T-Check mit seiner schier unfassbaren Ausdauer und Geduld auf der Hinfahrt, an Carlo und DK für die Merch-Offensive, an Flo für die Fotos unseres Gigs sowie alle Mitglieder unserer Reisegruppe für die überwiegend geile Zeit! Respekt an die GBG-Punks, dieses Festival allen Widrigkeiten zum Trotz gestemmt zu haben! Die Regel bestätigenden Ausnahmen sind weiter oben beschrieben. Ins Knie ficken sollen sich hingegen die schwedischen Alkoholgesetze und Festivalauflagen bzw. diejenigen, die sie zu verantworten haben. Was für ein idiotischer Kasperkram, insbesondere angesichts des Umstands, dass die Regierung die Bevölkerung in Sachen Covid-19-Schutz weitestgehend auf sich allein gestellt ließ. Während man dabei an die Eigenverantwortung mündiger Bürgerinnen und Bürger appellierte, spricht man sie ihnen in Bezug auf Alkohol ab. Das passt alles nicht so recht zusammen…

Reich bebildert, inkl. Links und besagten Videos, auch hier:
https://www.pissedandproud.org/30-06-02 ... -festival/
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!
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FarfallaInsanguinata
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von FarfallaInsanguinata »

Sehr unterhaltsamer Bericht, lieber bux!
Meine persönlichen musikalischen Favoriten wären gewesen
a. "Existenz" aus Helsingborg, die du offensichtlich verpasst hast. Die inzwischen abstrus teure 1983er 7" hatte ich mal, die 1984er 12" besitze ich immer noch.
b. "The Bristles", die du dir ja angeschaut hast. Da besaß ich die beiden 7"s und hatte sogar 1983 den Bandnamen auf meine Jacke gemalt, weil es die erste schwedische Oi!(=Punks & Skins united)-Band war.
Sehr erfreut hat mich der nonbinäre Faktor, ich fühle mich im Alltag immer noch als absoluter Freak. Das mit den Narben vom Ritzen würde ich nicht überbewerten, war in den 00ern schließlich auch eine feine Mode bei den berüchtigten Emos.
Der schwedischen Regierung gebührt meine absolute Hochachtung, weil sie als einziges europäisches Land ihre Bevölkerung vor der Plandemie bewahrt hat. Aber da sind wir komplett unterschiedlicher Meinung, deshalb kein weiteres Wort dazu.
Ansonsten war ich nur einmal in Schweden, in den 90ern, und fand es damals extrem angenehm dort. Vor allem war der entspannte Umgang der Menschen miteinander sehr angenehm; nicht diese unterschwellige Aggressivität, die man in Deutschland ständig spürt. Die Restriktionen zum Alkoholkonsum sind seit jeher suspekt, aber so kennt man die skandinavischen Länder schließlich.

Mein Leben is'n Bus ... Leute steigen ein ... und aus.
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karlAbundzu
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von karlAbundzu »

2.7.2022, Weyhe
Aufmucken gegen rechts Festival
Ich weiß gar nicht, die wievielte Ausgabe dieses Festivals hier um die Ecke das ist, aber hatte schon häufig von der guten Stimmung da gehört. Und es waren schon häufig illustre Bands und Musiker unterschiedlichster coleur da, die alle das Motto eint.
Dieses Mal lockten als headliner Kettcar und Akne Kid Joe, die ich gerne mal live sehen wollte. Die dann leider kurzfristig absagten wegen C. Dafür sprangen die mir unbekannten Alarmsignal ein.
Die Fahrt dorthin war ein wenig leichter als nach Göteborg (danke, buxte, für den Bericht), stieg ich hier in den Regionalexpress und schwupps nächste Station wieder hinaus, wo schon ein Shuttle Bus auf uns wartete. Aufgrund der Hitze ärgerte ich mich ein wenig, daß ich nicht mein Rad mitgenommen hatte, da wäre ich auch unabhängiger bei dem Rückweg gewesen.
Nun gut, nach 15 Minuten stiegen wir irgendwo aus und liefen noch mal 10, die Skaklänge des Bremer Brennholzverleihs drangen schon ans Ohr. Der Einlass war auch unproblematisch, so orientierte ich mich erstmal zum Sound auf dem gemütlichen Gelände. Eine Reihe Info- und korrekte Verkaufsstände, einen fand ich besonders spannend, da konnte man nicht mehr benötigte Bandshirts abgeben, die dann für 6€ für einen guten Zweck verkauft wurde. Zwei große Bierstände, burritos, Wurst, Burger, Limonade.
Leider wenig Schatten.
Dann gesellte ich mich Richtung Bühne, um mir die Ska Reggae Deutschpunk Mischung genauer anzuschauen. Gefiel. Den ersten bekannten Menschen getroffen und dann mit Limo auf der Suche nach Schatten.
Dann baute Presslufthanna auf, eine Rapperin mit DJ, beide wohl noch nicht oft zusammen gezockt. Klappte aber gut, Hanna hatte Spaß, wir auch, die Leute bewegten sich ein bisschen und feierten den DJ ab.
Dann 100 Kilo Herz, Deutschpunk irgendwo zwischen Broilers und Madsen, war nicht so meins, ein wenig eintönig. Aber voe der Bühne wurde es voller, den Leuten gefiel es, und ich konnte was essen. Die Flüssigkeitszufuhr gestaltete sich schwierig, an den Bierbuden regierte, ä, Glück, und ich wünschte mich manchmal nach England. Aber der Limo Stand war ja auch gut. Später brauchte man auch sehr viel Geduld bei den Verzehr Buden...
Weitere bekannte getroffen. Nett geplaudert.
Dann kam der hansdampfinallengassen Grandmaster Flash. Ein Typ, der das Herz auf dem richtigen Fleck hat, mit dessen Humor ich oft aber nix anfangen kann. Bremen -Norder halt. Spannend war dann die Besetzung, Teile der Ska Legende Schwarz auf weiß. Der Schlagzeuger wohl auch erst an dem Tag eingesprungen, aber auch ein Meister seines Faches. Und Musikschulenleiter.
Ging los mit Springsteen haftes, flash breitet sein größenwahnsinniges Loserimage aus, das war alles ok. Lustig: bei seiner Kettcar Parodie kam der Kettcar Drummer dazu. Und blieb spontan bei der folgenden Punk immer, die mir sogar gefiel.
Pause, jetzt mehr zum Bier umgeschwenkt und es wurde voller, aber nie unangenehm. Neonschwarz, die ich unter Neo-NDW im Kopf hatte kamen. War dann aber wieder HipHop. Drei MCs und ein DJ. Das ging gut nach vorne, es machte ordentlich Druck, und die Menschen feierten.
Pünktlich zu Kettcar dämmerte es, wir sicherten uns einen guten Platz und Kettcar lieferte. Vor allem von den ersten drei Platten. Kettcar ist ja auch unter den schlaurockbands sehr speziell, ich verfolge Wiebuschs Sachen ja seit but alive, gefällt mir eigentlich alles. Die Band gut gelaunt, der Bassist in Quatschlaune ( mit einer Mike Krüger ähnlichen Stimme im Slang und Tonfall, und als dann noch jemand sagte, das Marcus W inzwischen ein bisschen wie Christian Kessler aussieht, hatte ich ganz komische Visionen) und sie haben mich wieder voll erreicht. Danke.
Danach noch Alarmsignal, es leerte sich schon ein wenig, was zu mehr Platz führte und ich sah und hörte mir noch einiges an. Das gefiel mir sehr gut, Deutschpunk, aber andere Baustelle als 100 Kilo, eher AKJ oder diese anderen, verschmitzte Hymnen zum tanzen. Nach der Hälfte zog es mich vernünftigerweise zum Shuttle, doch aufgrund meiner Fehlberechnungen wurde es dann doch der letzte Zug und die anderen Gäste saßen mit im Zug....
Schönes Fest auf gemütlichen Gelände, ein bisschen mehr Koordination bei den Getränken und zwei essbuden mehr wären perfekt.
Ich hatte einen schönen Tag.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von buxtebrawler »

FarfallaInsanguinata hat geschrieben: Mi 13. Jul 2022, 02:41 Sehr unterhaltsamer Bericht, lieber bux!
Danke!
FarfallaInsanguinata hat geschrieben: Mi 13. Jul 2022, 02:41Meine persönlichen musikalischen Favoriten wären gewesen
a. "Existenz" aus Helsingborg, die du offensichtlich verpasst hast. Die inzwischen abstrus teure 1983er 7" hatte ich mal, die 1984er 12" besitze ich immer noch.
Ja, schade. Die hatte ich gar nicht als '80er-Veteranen auf dem Schirm.
FarfallaInsanguinata hat geschrieben: Mi 13. Jul 2022, 02:41Sehr erfreut hat mich der nonbinäre Faktor, ich fühle mich im Alltag immer noch als absoluter Freak. Das mit den Narben vom Ritzen würde ich nicht überbewerten, war in den 00ern schließlich auch eine feine Mode bei den berüchtigten Emos.
Alltag ist natürlich immer noch mal was anderes als so'n Festival, aber wenn's sich zumindest in der Subkultur dahingehend ändert, dass sich dafür niemand mehr zu verstecken braucht, ist das schon mal eine erfreuliche Entwicklung.
Für die 00er-Jahre waren einige der Geritzten eindeutig zu jung...
FarfallaInsanguinata hat geschrieben: Mi 13. Jul 2022, 02:41Ansonsten war ich nur einmal in Schweden, in den 90ern, und fand es damals extrem angenehm dort. Vor allem war der entspannte Umgang der Menschen miteinander sehr angenehm; nicht diese unterschwellige Aggressivität, die man in Deutschland ständig spürt. Die Restriktionen zum Alkoholkonsum sind seit jeher suspekt, aber so kennt man die skandinavischen Länder schließlich.
Licht und Schatten hielten sich die Waage, ein Punkfestival unter derart starker staatlicher Überwachung in einem als fortschrittlich geltenden Land geht eigentlich gar nicht und wäre ein Grund für Randale und Krawall. Und so lange sie derart diskriminierend mit Trinkerinnen und Trinkern umspringen, können sie sich ihre geheuchelte Entspanntheit sonstwohin stecken.

@Karlschi: Danke auch für deinen Bericht!
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von FarfallaInsanguinata »

@karl
Alarmsignal waren ebenfalls gebucht für den 08.07. zum 50-jährigen Jubiläum der Glocksee in Hannover, neben Blut + Eisen. Bisher weiß ich nur von zwei Personen, die nicht anwesend waren.
Jedoch habe ich Blut + Eisen selbstverständlich bereits live gesehen, von daher...

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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von buxtebrawler »

23.07.2022, Gängeviertel, Hamburg:
8 Jahre Beyond Borders mit DIE SCHWARZEN SCHAFE + FREIDENKERALARM + DR. ULRICH UNDEUTSCH + GESTRÜPP


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Fast zwei Wochen war ich in Homeoffice/Covid-19-Isolation, was mich beinahe in den Wahnsinn trieb. Quasi pünktlich zu den endlich wieder negativen Tests feierte die Beyond-Borders-Konzertgruppe ihr Achtjähriges mit einem zweitägigen Festival im großen Konzertsaal des Gängeviertels, was mir wie gerufen kam. Ich musste endlich mal wieder raus, verbrachte den Freitag aber noch im Erholungsmodus. Samstag jedoch raffte ich mich auf, um den zweiten Tag des Festivals mitzunehmen. Ein bisschen zu Hause vorgeglüht und nebenbei noch paar Dinge erledigt, dadurch die ersten GESTRÜPP-Songs verpasst. Es folgten aber noch einige, sodass ich mir einen ersten Eindruck dieser noch jungen Norderstedter Band aus dem SZ-Umfeld verschaffen konnte. Und dieser war positiv: Mit Kontrabass (gespielt von Szenetausendsassa Holli) und wechselnder Instrumentierung spielen GESTRÜPP recht eigenständigen Punk mit Folkeinflüssen. Die Sängerin, die ich noch von AUS DEM RASTER kannte, tauschte ihre Akustikklampfe zuweilen gegen Querflöte und andere folkloristische Instrumente. Das hatte trotzdem alles gut Schmackes, vor allem aber Stil und Atmosphäre. Hat mir gefallen, und beim nächsten Mal werde ich vielleicht auch pünktlich sein und mich besser auf die Band konzentrieren.

DR. ULRICH UNDEUTSCH aus dem Sachsenland hatte ich bereits zweimal genau hier gesehen. Zuletzt waren sie mit zwei Gitarren aufgetreten und hatten einen schön satten Sound, diesmal trat man wieder als Quartett mit nur einer Klampfe auf. Trotzdem gefiel mir die Band so gut wie nie zuvor – entweder haben sich meine Hörgewohnheiten geändert oder der „Undeutschpunk“, wie sie ihren Stil nennen, hat sich gemausert. Die Gitarre sägte amtlich und der flotte Hardcore-Punk wurde von der Rhythmussektion ordentlich nach vorne getrieben. Alles in allem ‘ne runde Sache und für meinen Geschmack hätte der Gesang gern noch etwas lauter gedurft, damit man vielleicht etwas mehr von den hörenswerten, gesellschafts- und politkritischen Texten aufschnappt.

Dies war nämlich beim Trierer FREIDENKERALARM der Fall, die einen Spitzensound bekamen und fast nach mehr als ‘nem Trio klangen: Von der Gesamtscheiße angepisste deutschsprachige Texte, melodisch mit angerautem Organ gesungen, ein angenehmes, tanztaugliches Tempo und vor allem unaufdringlich eingängige, zupackende Gitarrenmelodien bei stets präsentem Druck. Der erste Song klang hingegen noch völlig anders, schien aber eher Intro-Charakter zu haben. Die Darbietung wusste mich doch ziemlich zu begeistern, bis mir das Gequatsche zwischen den Songs zu viel Preaching-to-the-converted-Charakter annahm. Getoppt wurde das noch, als die Band das Publikum aufforderte, den antirassistischen Kniefall durchzuführen – und bis auf zwei, drei Menschen diesem tatsächlich alle nachkamen. Was als Solidaritätsausdruck auf großen Veranstaltungen oder bei TV-Übertragungen, wenn Millionen Augen auf sie gerichtet sind, absolut Sinn ergibt, erscheint mir vor spärlicher Clubkulisse unter Gleichgesinnten eher als kollektiver Akt der Masturbation. Und davon einmal abgesehen fühlt es sich befremdlich an, wenn antiautoritäre, anarchische Punks auf die Knie fallen, weil jemand von der Bühne aus sie dazu auffordert… Dem Gitarristen gelang übrigens das Kunststück, sich während des Gigs gleich zwei Saiten auf einmal zu zerreißen. Es wurde aber rasch Abhilfe geschaffen.

Dass ich DIE SCHWARZEN SCHAFE zuletzt live gesehen hatte, dürfte nicht nur eine halbe, sondern eine ganze Ewigkeit her gewesen sein. Mit ein paar Songs im Ohr hatte ich mich schon auf dem Hinweg in Stimmung gebracht – und jetzt richtig Bock. Sänger Armin hatte ich gar nicht erkannt, als ich ihn wegen seines blauweißen Brasilien-Trikots neben mir auf dem Klo scherzhaft mit „Schalke!“ oder so anlallte… Ich war überrascht, wie frisch die Herren im mittlerweile etwas fortgeschrittenen Alter (noch? wieder? erstmals?) klingen, zudem bekamen sie einen perfekten P.A.-Sound spendiert. Die Düsseldorfer spielten wirklich all ihre Hits – „Die Weber“, „Neue Rituale“, „So lang dabei“, „Zu spät“, „Nacht“ und wie sie alle heißen – und was mir davon geläufig war, sang ich begeistert mit. Während ich ausgelassen vor der Bühne herumsprang, bekamen erst ich und schließlich auch andere des fröhlichen Pogomobs das Mikro zum Mitsingen einzelner Textzeilen hingehalten, Publikum und Band waren schnell aufeinander eingegroovt und interagierten bestens miteinander. Die Ohrwurmmelodien der SCHAFE erstrahlten gegenüber manch alter Plattenaufnahme in vollem Glanz und wurden von einem supertighten Drummer mit so kräftigem Punch versehen, als sei jeder Schlag eine unmissverständliche Einladung zur grobmotorischen Expression. Ohne Zugabe wurde die Band nicht aus dem Viertel gelassen. Großartiger Gig, punk as fuck, Band in Höchstform, euphorisches Publikum – so muss dat. Wenn die irgendwo in der Gegend spielen: Hin da!

Vermutlich waren am ersten Festivalabend ein paar Besucherinnen und Besucher mehr da und pflegten nun ihren Kater, andererseits haben ja gerade fast alle Veranstalterinnen und Veranstalter mit einem gemessen an präpandemischen Zeiten deutlich zurückhaltenderen Publikum zu kämpfen. Ich vermute jedenfalls stark, dass vor ein paar Jahren noch wesentlich mehr Leute einem Abend wie diesem beigewohnt hätten. Der gelungenen Geburtstagsparty tat dies jedoch keinen Abbruch. Glückwunsch an Beyond Borders zum Achtjährigen!

Reich bebildert auch hier:
https://www.pissedandproud.org/23-07-20 ... gestruepp/
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von buxtebrawler »

29.07.2022, Indra, Hamburg:
10 Jahre Tanztee-Soundsystem mit SKASSAPUNKA + GHOSTBASTARDZ + ACULEOS + BOLANOW BRAWL


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Es ist die Zeit der Jubiläen: Kürzlich noch bei 8 Jahre Beyond Borders gewesen, nun also 10 Jahre Tanztee-Soundsystem. Vor zehn Jahren haben sich auch BOLANOW BRAWL gegründet, meine unheimlich veröffentlichungsfaule Streetpunk-Band, mit der wir für meine andere Band DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS eingesprungen waren. Diese sollten nämlich eigentlich spielen, entfielen aber aufgrund privater Terminkonfusionen. Es ist eben immer gut, eine Zweitband zur Hand zu haben…

Die passte eigentlich auch besser auf dieses Skinhead-affine zweitägige Festival im Indra, auf dem sich Livebands mit DJ-Sets die Klinke in die Hand gaben. Die rührigen Veranstalter Torben und Anne umsorgten uns mit Speis und Trank und dürften zu den nettesten und entspanntesten Tanzteetrinkern der Szene zählen. Unser Soundcheck lief eigentlich problemlos, die Regel will es aber, dass immer mindestens eine Monitorbox rumzickt (offenbar echt sensibel, diese Dinger). Diesmal gab Oles Monitor keinen Laut, weshalb er kurzerhand gegen ein funktionstüchtiges Exemplar ausgetauscht wurde (der Monitor, nicht Ole). Endlich auch selbst mal auf der Indra-Bühne zu stehen, fand ich schon beim Soundcheck geil, und dass ich ‘nen famosen Monitorsound vom Soundmann gezaubert bekam, war dann die Kirsche auf der Sahnehaube.

Draußen wurde der Grill und drinnen das erste DJ-Set angeworfen, wir begannen, uns zu betrinken und spielten pünktlich ab dem Anpfiff um 21:00 Uhr ein 35-Minuten-Set vor einem sehr sympathischen Publikum, das in beachtlicher Anzahl die allererste Band des Abends begutachtete. Abgesehen vom Umstand, dass Gitarrist Christian in einer halben Stunde drei Stimmpausen unterbringen musste, flutschte alles gut durch und hat so richtig Laune gemacht.

Die Prager SHARP-Band ACULEOS trat ebenfalls in Fünferbesetzung mit zwei Klampfen an und spielte ‘nen recht rauen Oi!-Stiefel mit vornehmlich in Landessprache verfassten Texten. Apropos Stiefel: Der Sänger hatte sich offenbar den Fuß gebrochen und daher selbigen in einem medizinischen Moonboot stecken. Die meiste Zeit über nahm er auf einem Barhocker Platz, zuweilen stand er aber auch kurz auf. ACULEOS ließen eine Whiskey-Buddel im Publikum kreisen, erregten Aufsehen mit einem im mittleren oder hinteren Teil des Sets integrierten, arschgeilen englischsprachigen Song und coverten die 8°6 CREW mit neuem Text („Rebels“). Die THE-OPPRESSED-Nummer „Work Together“ beschloss den regulären Teil des Sets, doch auf die zahlreichen Forderungen nach einer Zugabe hin fasste man sich ein Herz und spielte einen auf der PENNYWISE’schen „Bro Hymn“ basierenden Song, der im Refrain „Skinhead fight tonight“ oder so verlauten ließ und keinesfalls derart in die Länge gezogen wurde wie das Original, sondern viel zu schnell schon wieder vorbei war. Klasse Gig, der entsprechend gut ankam und die allgemeine Stimmung weiter steigerte. Würde ich mir gern beizeiten noch mal ansehen.

Die nachfolgenden Bands GHOSTBASTARDZ und SKASSAPUNKA bekam ich – entgegen meinen sonstigen Gewohnheiten – nur noch am Rande mit, weil ich mich erst draußen im Biergarten festquatschte und es dann genoss, einfach dort zu bleiben. Sorry! Ich glaube, meine Aufmerksamkeitsspanne war für diesen Abend auch einfach erschöpft. Ach ja, zwischendurch wurde noch Bingo gespielt; und beide Bands wurden wohl gebührend gefeiert und dürften ebenfalls ‘ne verdammt gute Zeit gehabt haben. Am nächsten Tag war ich anderweitig eingespannt. Dem Vernehmen nach war’s Samstag insgesamt wohl etwas weniger Publikum, das sich Bands wie VIETSMORGEN, ASHPIPE, CITY SAINTS u.a. reinzog. Ich hoffe, dass auch dieser Abend dennoch gelungen war und alle auf ihre Kosten gekommen sind.

Glückwunsch zu zehn Jahren Tanztee; danke, dass wir einspringen durften und so gut umsorgt wurden! Auf die nächsten zehn!

Reich bebildert auch hier:
https://www.pissedandproud.org/29-07-20 ... now-brawl/
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Dr. Monkula
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von Dr. Monkula »

21.06.2022, Bambi galore, Hamburg:
EXCITER + VULTURE + BÜTCHER

Später Nachtrag, Leider unendlich viel um die Ohren, aber Jetzt schreib ich mal was ! Endlich mal wieder ein jutes Metal Konzert....bei Exciter wusste Ich nicht was mich erwartet, Liebe die ersten beiden Scheiben......aber Kult Bands Heut zu Tage, da wird meist, der Name und darüber der Kommerz weitergetragen, der Taler rollt. die Rente ist gesichert.....aber die Mucke und Band ist dann eher Semi, anders bei Exciter.....fands geil.....Dan Beehler...ist immer noch´n Beast.....Stimmer war auch immer noch geil, dann Motörhead Ironfist als Zugabe.....verdammt gutes Cover ! Auch Bütcher haben mir Live sehr gut gefallen, die hatten mich schon mit dem Conan Soundtrack Intro, aber waren soundtechnisch besser gemischt als Vulture...die auf Scheibe gut kommen, Live fand ich Es so lala ! Egal, geiler Abend und dann noch Bux getroffen, was will man mehr, musste Leider nur flott nach der Zugabe wech, weil Frühschicht am nächsten Tag, leider hats dann mit der Rückfahrt Regio nicht ganz so geklappt und war erst gegen 3:30 h zu Hause, um 6 h dann zur Arbeit !
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Dr. Monkula
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Registriert: Mo 22. Sep 2014, 23:24

Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von Dr. Monkula »

MARKY RAMONE in Berlin am 24.06.2022 Lido !

2019 schon Marky in Berlin Live gesehen, damals wars schon geil 30x Ramones Songs, mit seiner Punkrock Blitzkrieg Band um die Ohren und Augen gepfeffert zu bekommen und näher wird man Heute nicht mehr an die Ramones rankommen, damals war ich davor, mal wieder im Ramones Museum Berlin....Atmo auftanken, was genau gegenüber vom Veranstaltungsort war....Welches Dank Corona und weil Politik Kultur und Kunst am Arsch vorbei gehen....NICHT mehr gibt, GRRRRRRRR ! Hat Ja nur viele Touris gezogen und war eine wichtige Pop-Kultur Location in Berlin und nach dem Umzug von Mitte fand ich das Museum Mega Top dort, Allein nur der eine Raum, Allein für "Rock´n´Roll Highschool" war Hamma !!! Dickes FUCK YOU nochmal, das Es das Museum erstmal NICHT mehr gibt !!!!!!!!
War Nachmittags schon da und hab mir meine Blu-Ray von "Rock´n´Roll Highschool" veredeln lassen und das gleiche dann nochmal für Anolis Entertainment, weil ich Dank denen Ak-mässig zusammen mit Buttie meinen Senf zum Film abgeben konnte, schön wenn´s dann auch mal mit coolen Rück-Danke ans Liebe Label klappt !
Danach, erst mal 4,50 Cocktails getrunken....früher waren die Inda und Mexico Restu´s,die die billig Cocktails gefahren haben, eher n Touri-Fang, aber mittlerweile wird da ordentlich mit der Peitsche geknallt und auch der Mix kann sich sehen lassen !
Dann mit alten Freund zusammen die Live Show genossen und dann fröhlich weiter schmale Taler Cocktails getrunken.......vielleicht der schönste Freitag in diesem Jahr gewesen ! Kann auch sehr das Buch von Marky empfehlen, eins der wenigen Bücher welches Ich schon 2x gelesen habe !
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karlAbundzu
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitrag von karlAbundzu »

Schöner Bericht. Das Ramones Museum liebte ich auch. Ich weiß noch, wie ich da ewig mit Flo quatschte, er nebenbei neue Sache hängte und mir mein Shirt abquatschen wollte.
Ich hoffe, da geht irgendwann irgendwo wieder was.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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