Die gemütliche DELIRIA-LITERATUR-LOUNGE
Moderator: jogiwan
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Re: Die gemütliche DELIRIA-LITERATUR-LOUNGE
Leon Engler - Botanik des Wahnsinns
Das habe ich in den letzten Wochen zufällig entdeckt, als ich ein ganz anderes Buch bestellen wollte. Es ist wohl das Erstlingswerk von Leon Engler, und meine Güte, habe ich mich in dieses Buch verliebt! Wie das so ist mit Literatur, sagt das ziemlich viel über mich aus, dass ich mein Herz so an dieses Werk gehängt habe: der Protagonist erzählt auf ca. 200 Seiten aus der Ich-Perspektive und stellt sich die große Frage, ob er, weil die psychischen Krankheiten seinen Stammbaum durchziehen wie ein roter Faden, zwangsläufig wohl auch irgendeiner Psychose/Depression o.ä. anheim fallen muss. Was ist eigentlich ein normaler Mensch, wer definiert Normalität und warum ist aus dieser Norm fallen überhaupt ein Problem? Man folgt ihm dabei vom Ausräumen des Elternhauses über sein Studium nach Wien wieder zurück in die Gegenwart und es entfaltet sich eine zuweilen massive traurige, aber rührende und wahnsinnig authentische Familiengeschichte voller Irrungen und Schmerz. Ich finde es fantastisch geschrieben, sehr kurzweilig, aber sicher auch speziell mit einigen Zeitsprüngen zwischen den verschiedenen Kapiteln (muss man mögen, den Stil) und sehr sehr vielen Verweisen in die Psychoanalyse und die Geschichte der Psychotherapie inkl. Zitate, Namen etc. Ich mochte das sehr und fand den zärtlichen, aber ehrlichen Blick auf diejenigen, die sich in der Welt irgendwie nicht zuhause fühlen, ihre eigene Realität finden oder an ihr zerbrechen, sehr berührend und kann das Buch nur empfehlen, wenn man mit der Thematik etwas anfangen kann.
Das habe ich in den letzten Wochen zufällig entdeckt, als ich ein ganz anderes Buch bestellen wollte. Es ist wohl das Erstlingswerk von Leon Engler, und meine Güte, habe ich mich in dieses Buch verliebt! Wie das so ist mit Literatur, sagt das ziemlich viel über mich aus, dass ich mein Herz so an dieses Werk gehängt habe: der Protagonist erzählt auf ca. 200 Seiten aus der Ich-Perspektive und stellt sich die große Frage, ob er, weil die psychischen Krankheiten seinen Stammbaum durchziehen wie ein roter Faden, zwangsläufig wohl auch irgendeiner Psychose/Depression o.ä. anheim fallen muss. Was ist eigentlich ein normaler Mensch, wer definiert Normalität und warum ist aus dieser Norm fallen überhaupt ein Problem? Man folgt ihm dabei vom Ausräumen des Elternhauses über sein Studium nach Wien wieder zurück in die Gegenwart und es entfaltet sich eine zuweilen massive traurige, aber rührende und wahnsinnig authentische Familiengeschichte voller Irrungen und Schmerz. Ich finde es fantastisch geschrieben, sehr kurzweilig, aber sicher auch speziell mit einigen Zeitsprüngen zwischen den verschiedenen Kapiteln (muss man mögen, den Stil) und sehr sehr vielen Verweisen in die Psychoanalyse und die Geschichte der Psychotherapie inkl. Zitate, Namen etc. Ich mochte das sehr und fand den zärtlichen, aber ehrlichen Blick auf diejenigen, die sich in der Welt irgendwie nicht zuhause fühlen, ihre eigene Realität finden oder an ihr zerbrechen, sehr berührend und kann das Buch nur empfehlen, wenn man mit der Thematik etwas anfangen kann.
"I'm lookin' at your face and I just wanna smash it. I just wanna f***in' smash it with a sledgehammer and squeeze it."
- karlAbundzu
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Re: Die gemütliche DELIRIA-LITERATUR-LOUNGE
Fürsten der Finsternis - Vampirkult im Film
Ich weiß noch, da bin ich ein paar Jahre beim Mondo-Weekender in Düsseldorf drum herum geschlichen. Ist der Katalog zur Ausstellung im Filmmuseum Düsseldorf von 2013. Die Ausstellung selbst habe ich nicht gesehen, doch das Buch sah immer interessant aus, Irgendwann schlug ich zu.
Und jetzt endlich zum lesen gekommen.
Neben einer kurzen Einleitung der beiden Herausgeber gibt es sechs Aufsätze zu verschiedenen Themen. Vampirmotive im frühen Film, Sowohl biographisches als auch Besonderheiten als Draculadarsteller der vier großen Stars: Schreck, Lugosi, Lee, Oldman. Etwas zum hypnotisierenden Blick gerade beí Browning, Repräsentationsformen weiblicher Monstrosität, Selbstreflexivität, Streifzug durch ein Vierteljahrhundert europäischen Vampirfilm abseits von Hammer.
Gerade die letzten beiden Kapitel fand ich sehr gelungen, auch sehr passend für das Forum, beide von Hans Schmid. Auch die anderen sind interessant und gut geschrieben, sowohl lesbar als auch dem wissenschafltichen Anspruch gerecht. Dazu gibt es viele Bildvergleiche, so dass die Erinnerung erleicchtert werden bzw. nichts auf den Bildträgern oder im Netz gesucht werden muss. Ein wirklichen Anhang mit den behandelten Filmen oder zitierten Büchern gibt es leider nicht.
Sehr lohnend.
Und jetzt endlich zum lesen gekommen.
Neben einer kurzen Einleitung der beiden Herausgeber gibt es sechs Aufsätze zu verschiedenen Themen. Vampirmotive im frühen Film, Sowohl biographisches als auch Besonderheiten als Draculadarsteller der vier großen Stars: Schreck, Lugosi, Lee, Oldman. Etwas zum hypnotisierenden Blick gerade beí Browning, Repräsentationsformen weiblicher Monstrosität, Selbstreflexivität, Streifzug durch ein Vierteljahrhundert europäischen Vampirfilm abseits von Hammer.
Gerade die letzten beiden Kapitel fand ich sehr gelungen, auch sehr passend für das Forum, beide von Hans Schmid. Auch die anderen sind interessant und gut geschrieben, sowohl lesbar als auch dem wissenschafltichen Anspruch gerecht. Dazu gibt es viele Bildvergleiche, so dass die Erinnerung erleicchtert werden bzw. nichts auf den Bildträgern oder im Netz gesucht werden muss. Ein wirklichen Anhang mit den behandelten Filmen oder zitierten Büchern gibt es leider nicht.
Sehr lohnend.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Die gemütliche DELIRIA-LITERATUR-LOUNGE
@Karlschi: Danke für die Vorstellung! Für filmbezogene Bücher kannst du auch gern eigene Threads erstellen 
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Diese Filme sind züchisch krank!
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Re: Die gemütliche DELIRIA-LITERATUR-LOUNGE
War ich gerade schon am tun und ist erledigtbuxtebrawler hat geschrieben: ↑Sa 10. Jan 2026, 16:10 @Karlschi: Danke für die Vorstellung! Für filmbezogene Bücher kannst du auch gern eigene Threads erstellen![]()
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Die gemütliche DELIRIA-LITERATUR-LOUNGE
Richard Matheson: Ich bin Legende
Mehrere Geschichten Mathesons sind neu heraus gekommen, und für mich zum Glück auch als e-Book, und das recht günstig, und die Legende wollte ich schon immer mal lesen. Die verschiedenen Filme, die darauf beruhen, kennen wahrscheinlich die meisten. Zumindest Der Omega-Mann (1971) mit Charlton Heston. Ansonsten möcht ich noch The Last Man on Earth mit Vincent Price empfehlen, und abraten von I Am Legend mit Will Smith.
Der letzte Mensch auf Erden, nach einer Krankheitswelle, die die Menschen entweder umbrachte oder zu Vampiren macht. Robert Neville bringt Frau und Tochter zu Grabe, verbarrikadiert sich zu Hause, trinkt die Sorgen in den Hintergrund, und versucht die Zeit zu nutzen, um die Ursachen der Seuche heraus zu finden.
Toll erzählt, mit Rückblicken, Innenansichten Nevilles, zwischendurch Action. Mitreißend, da muss noch mehr ran von Matheson.
Der letzte Mensch auf Erden, nach einer Krankheitswelle, die die Menschen entweder umbrachte oder zu Vampiren macht. Robert Neville bringt Frau und Tochter zu Grabe, verbarrikadiert sich zu Hause, trinkt die Sorgen in den Hintergrund, und versucht die Zeit zu nutzen, um die Ursachen der Seuche heraus zu finden.
Toll erzählt, mit Rückblicken, Innenansichten Nevilles, zwischendurch Action. Mitreißend, da muss noch mehr ran von Matheson.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Die gemütliche DELIRIA-LITERATUR-LOUNGE

Naomi Fern (Hrsg.) / Reinhard Kleist (Hrsg.) – Bettgeschichten: Comics für Erwachsene
In dem im Jahre 2012 im Stuttgarter Zwerchfellverlag erschienen, rund 110-seitigen Softcoverband im Zwischenformat geben sich 18 Zeichnerinnen und Zeichner der deutschen Independent-Comicszene ein Stelldichein, darunter Maike Plenzke, Mawil, Steffi Schütze, Calle Claus und auch die Herausgeberin und der Herausgeber. Allen gemein ist, dass sie einmal ihren libidinösen Fantasien freien Lauf lassen und eine Kurzgeschichte für diesen Band beisteuern. Dadurch umfasst der vollfarbige Band eine kunterbunte stilistische Mischung. Manches ist eigentlich reiner Porno, bekommt aber doch noch eine leicht amüsante Pointe angehängt; anderes ist hingegen von vornherein deutlich humoristisch angelegt.
Schön ist’s, dass mehrere Frauen dabei sind – deren Fantasien sich offenbar gar nicht so sehr von denen der männlichen Kollegen unterscheiden. Manche „Geschichte“ geriet ultrakurz, beispielsweise Mahlers Beitrag, der sich eher einen kleinen Spaß erlaubt haben dürfte. Ein anderer Beitrag leidet etwas unter den vielen Rechtschreibfehlern. Allen aber merkt man die Freude daran an, einmal an einem solchen Projekt partizipieren zu können. Mawils Nackedeis in seinem typischen schrägen Zeichenstil sind urst schau. Heterosex trifft in „Bettgeschichten“ auf Gleichgeschlechtliches und Zwitterfantasien; eine Wundertüte, in der für jeden etwas dabei ist und die weitestgehend ohne patriarchalen Sexismus auskommt. Aber Obacht: Es geht mitunter sehr explizit zu, entsprechend ist der Band auch erst ab 18 Jahren freigegeben.
Das stabile, matte Papier fasst sich gut an und hinterlässt einen wertigen Eindruck. Die Kurzportraits aller Zeichnerinnen und Zeichner im Anhang sind aber leider etwas arg klein geraten.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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Re: Die gemütliche DELIRIA-LITERATUR-LOUNGE

LeON / Vincenzo Cucca – Anne: Die lustigen Abenteuer einer drallen Erstsemester-Schnitte
Dieser im Jahre 2021 im Insektenhaus-Verlag in deutscher Übersetzung als rund 60-seitiges Hardcover-Album erschienene Comicband des belgischen Autors LeON und des italienischen Zeichners Vincenzo Cucca macht erst einmal einiges her: Cuccas realistischer Stil mit Anleihen beim karikierenden Funny entfaltet auf dem hochwertigen Kartonpapier seinen vollen Glanz, die Kolorierungen sind hübsch bunt, die Panelstruktur dynamisch. Doch inhaltlich liegt einiges im Argen.
Erstsemester-Studentin Anne hat einen superdrallen Busen und ebensolchen Po, ist geistig aber sehr unbedarft unterwegs. Ihr Vater passt immer auf sie auf und misshandelt Missetäter, die seinem Töchterchen zu nah kommen. Statt einer durchgehenden Geschichte hangelt Anne sich von einer Episode voller Studentenlebenklischees und Altherrenfantasien zur nächsten, wobei einem vieles vorenthalten wird und gar nicht mehr gezeichnet stattfindet. Zudem soll das alles lustig sein, ist's aber nun überhaupt nicht: viel Übergriffiges, Missbrauch und Gewalt, nicht nur, aber eben auch gegen Frauen. Vieles davon geht eigentlich gar nicht, derart frauenfeindlich wirken Szenerie und Humor. Angesichts des Titels hatte ich einen sich an alten, spaßigen Erotikcomics orientierenden und diese modernisierenden Band erwartet, oder aber augenzwinkernden Sleaze à la Weissblech. Zu allem Überfluss wurde bei den Seitenzahlen gemogelt, denn mehrere Seiten voller Zeichenskizzen strecken das Teil.
Danke, nein.
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Re: Die gemütliche DELIRIA-LITERATUR-LOUNGE

Friede · Freude · Eierkuchen
Die nach „Semmels Satire Sammelsurium“ zweite Kompilation des Kieler Semmel-Verlachs (damals noch „Verlag“) stammt aus dem Jahre 1982 und umfasst rund 150 unkolorierte, handgeletterte Seiten im verlagstypischen großen Taschenbuch, das einen sehr hübschen bunten Einband aufweist. Es enthält sowohl ganz kurze als auch relativ lange Geschichten satirischer Natur.
Nicht nur Tomas M. Bunks „Die Flasche!“ zum Einstieg ist sehr vom Kalten Krieg und der Wahl Reagans zum US-Präsidenten geprägt, ließe sich aber auch 1:1 auf den Schwachmaten Trump übertragen. Selbst Rolf Boykes lange, köstliche Geschichte zweier verfeindeter Froschvölker weisen Parallelen zu Reagan auf, heißt einer der Froschkönige doch Bonzo (Reagans Spitzname). „Krieg der Frösche“ ist aber eine allgemein gehaltene Parabel auf sinnlose Kriege und die Idiotie nationalautoritärer Staatsformen. Auch schön: In Detflef Surreys „Die Hex‘ im Wald“ geraten zwei Hexen in die Auseinandersetzungen um die Erweiterung eines Militärgeländes, wobei die eine nicht im Wald, sondern in der Stadt lebt und statt auf einem Besen ganz fortschrittlich auf einem Staubsauger reitet. Haralds „Friedenslärm und Kriegsgeflüster“ ist ein interessanter Comic mit extra viel Zeitkolorit, in dem eine Westberliner Punkerin und Hausbesetzerin einen westdeutschen Friedensaktivisten kennenlernt, mit ihm sexuell wird und er sie daraufhin in Berlin besucht, wo eine Militärparade der Alliierten gestört werden soll. Harald greift damit damalige Debatten nicht nur um Militanz und Pazifismus auf. Leider geriet die Durchführung der Aktion gegen die Parade etwas unübersichtlich.
Bunks „Szenen eines Flops“ ist superdetailreich und dabei superböse, sein aufwändiger und detailverliebter Schraffurstil kommt besonders in seiner Karsten-Dose-Geschichte „Affentanz“ zur Geltung – herrlich makaber, wie ein naiver Pazifist den dritten Weltkrieg auslöst. Fuchsi steuert neben seinem Zorro eine abgefahrene Geschichte über Maschinen mit Bewusstsein, die die Erde beherrschen, sich im Krieg selbst ausrotten und damit Platz für den aus Eiern schlüpfenden Menschen machen, bei.
Alle Geschichten handeln auf die eine oder andere Weise von Krieg, womit dieser Band den damaligen (zahlreiche Parallelen zur Gegenwart aufweisenden) vorherrschenden Zeitgeist dokumentiert – zumindest jenen innerhalb der sich ob der Zuspitzung des Kalten Kriegs besorgt zeigenden Anarcho-/Indie-Comicszene. Lesenswert sind grundsätzlich alle Geschichten, auch die nicht von mir herausgestellten, wenngleich die eine oder andere qualitativ etwas abfällt.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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- karlAbundzu
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Re: Die gemütliche DELIRIA-LITERATUR-LOUNGE
Annie Ernaux: Die Scham
Autobiographische Erzählung der französischen Nobelpreisträgerin.
Es geht um ein Jahr. 1952 versucht Annies Vater, seine Mutter umzubringen, lässt aber kurz nach dem Ausbruch von ihr ab. Diese Erfahrung löst etwas grundlegendes in Annie, damals 12, aus.
Ernaux nimmt diese Situation, um von sich selbst, und das, was sie zu der Zeit prägte, zu erzählen. Zentrales Motiv ist eben die Scham. Über die Herkunft, die Bildung, die Familiensituation. Die Eltern sind zu der Zeit Ladenbsitzer und Gastwirte, für das private Leben bleibt nur wenig Platz.
Das ist alles sehr genau beschrieben, wird doch immer wieder unterbrochen und die Unsicherheit der Erinnerung wird sozusagen miterzählt. Dabei geht sie sehr soziologisch vor, nimmt die Umstände, das Klassenbewußtsein mit. So wird uns nicht nur von Ernaux selbst, sondern auch von Frankreich der Zeit erzählt, insbesondere, was die Lage von Mädchen und Frauen anging.
Thematisch spannend, und inhaltlich interessant, blieb es mir insgesamt zu kühl. Dafür, dass es immerhin um die Erzählerin selbst ging, wird durch soziologischen Ansatz tatsächlich eine Kluft zur Hauptperson aufgebaut, und es ist so anstrengender zu folgen, da wir nicht wirklich mitfühlen.
Insgesamt ein wenig zu verkopft für mich.
Autobiographische Erzählung der französischen Nobelpreisträgerin.
Es geht um ein Jahr. 1952 versucht Annies Vater, seine Mutter umzubringen, lässt aber kurz nach dem Ausbruch von ihr ab. Diese Erfahrung löst etwas grundlegendes in Annie, damals 12, aus.
Ernaux nimmt diese Situation, um von sich selbst, und das, was sie zu der Zeit prägte, zu erzählen. Zentrales Motiv ist eben die Scham. Über die Herkunft, die Bildung, die Familiensituation. Die Eltern sind zu der Zeit Ladenbsitzer und Gastwirte, für das private Leben bleibt nur wenig Platz.
Das ist alles sehr genau beschrieben, wird doch immer wieder unterbrochen und die Unsicherheit der Erinnerung wird sozusagen miterzählt. Dabei geht sie sehr soziologisch vor, nimmt die Umstände, das Klassenbewußtsein mit. So wird uns nicht nur von Ernaux selbst, sondern auch von Frankreich der Zeit erzählt, insbesondere, was die Lage von Mädchen und Frauen anging.
Thematisch spannend, und inhaltlich interessant, blieb es mir insgesamt zu kühl. Dafür, dass es immerhin um die Erzählerin selbst ging, wird durch soziologischen Ansatz tatsächlich eine Kluft zur Hauptperson aufgebaut, und es ist so anstrengender zu folgen, da wir nicht wirklich mitfühlen.
Insgesamt ein wenig zu verkopft für mich.
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