Sensations - Lasse Braun (1975)

Moderator: jogiwan

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Maulwurf
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Sensations - Lasse Braun (1975)

Beitrag von Maulwurf »

 
Sensations
Sensations
Niederlande / Frankreich 1975
Regie: Lasse Braun
Brigitte Maier, Véronique Monet, Trixie Heinen, Frédérique Barral, Robert Le Ray, Patrick Anderson, Tania Busselier, Pierre Latour, Nico Wolferstetter, Nathalie Morin, John Wilson, Bent Rohweder, Claudio Rosso, Nicole Velna, Tuppy Owens, Dawn Cummings


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OFDB

Ich glaube, dass die meisten Menschen bei der Frage, was das eigene Leben am meisten bereichert, sich einig wären, dass die Antwort ein erfülltes Sexualleben ist. Gleich ob hart oder zärtlich, ob mit Männlein oder Weiblein oder beidem, ob von vorne oder von hinten – Wenn die Sexualität passt, ist der Wohlfühlfaktor in der eigenen Existenz doch gleich viel höher, oder etwa nicht?

Und damit wäre die Handlung von Lasse Brauns Erfolgsfilm SENSATIONS hinreichend beschrieben: Die junge Amerikanerin Margaret lernt die Französin Veronique kennen, und gemeinsam erlebt man in Amsterdam sexuelle Abenteuer. Das heißt, Veronique erlebt etwas, Margaret ist sehr unsicher und schüchtern, und scheut vor den Vergnügungen, die ihre Freundin so erlebt, zurück. Während einer Orgie bei dem älteren Kunstliebhaber Lord Weatherby lässt sie sich überreden, es auch einmal mit fremden Männern zu treiben.

Schöne Menschen also, die schöne Dinge tun. Außer Margarets proletenhaftem Freund David und natürlich dem Faktotum?/Ehemann? von Liza ist niemand hier auch nur annähernd schlecht aussehend. Die Herren bis auf die beiden Ausnahmen nicht, und die Frauen schauen sowieso eine besser aus als die andere. Das Ambiente ist bis auf das Porno-Studio von David erlesen und der unbedingte Wille zu Stil ist überall zu sehen. Gleich ob auf dem holländischen Schloss zu Beginn oder bei Lord Weatherby, die Einrichtungen sind edel, einladend und fordern zum Ausziehen geradezu heraus. Spannend, dass der dabei zu hörende Glam Rock-Soundtrack trotzdem erstklassig passt, und gleichzeitig damit einen groovenden Zeitbezug herstellt.
Der Sex? Vieles findet mit dem Mund statt, die Szenen sind kurz und ansprechend gefilmt, die Damen werden verwöhnt ohne Ende, und die einzige Szene die ein klein wenig härter ist findet wiederum bei David statt, ist aber ebenfalls sehr erotisch. Das ist überhaupt etwas, was ich allen Szenen hier konstatieren muss: Sie sind wirklich sexy, sie sind anregend, sie machen Lust darauf, freizügige Abenteuer zu entdecken. Der philosophische Unterbau dazu wird in den Dialogen gleich mitgeliefert, aber er erdrückt die Spielszenen nicht. Das Gefühl des Films ist das absoluter Freiheit: Die Freiheit, die eigene Lust und den eigenen Körper zu entdecken, sich wohlzufühlen, und sich aus dem Korsett spießbürgerlicher Vorstellungen zu lösen und völlig unkompliziert zu ficken. Kein Wunder, dass SENSATIONS als Klassiker des Genres läuft …

SENSATIONS entlässt den Zuschauer mit einem Nachklang dieser Freiheit. Und auch wenn völlig klar ist, dass wir hier von einem Märchen für Erwachsene reden, und dass im Jahr 1975 die sogenannte freie Liebe schon längst wieder Geschichte war, so bleibt doch aus heutiger Sicht dieser nostalgisch-sehnsüchtige Blick zurück in eine Zeit, in der vieles möglich schien. Genauso realistisch wie die Geschichte vom Froschkönig, sicher, aber dafür unendlich anregender und schöner. Als ob Klaus Lemke einen Porno gedreht hätte, und dabei erheblich erotischer und lustfördernder als der geistig verwandte 2006-er-Schnarcher SHORTBUS …

7/10
Der Sieg des Kapitalismus ist die endgültige Niederlage des Lebens.
(Bert Rebhandl)
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Onkel Joe
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Re: Sensations - Lasse Braun (1975)

Beitrag von Onkel Joe »

"Sextravaganza"

:sabber:
Wer tanzen will, muss die Musik bezahlen!
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