Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

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dr. freudstein
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitrag von dr. freudstein »

Santini hat geschrieben:
Blap hat geschrieben:Ilsa - Die Tigerin (Kanada 1977, Originaltitel: Ilsa the Tigress of Siberia)
Haben wir vor ein oder zwei Jahren auch im Kino bewundern dürfen - war ein großer Spaß. 8-) ;)
allerdings... :D mit viel Nikotin und Bier (ASTRA ST. PAULI)
Hab Bock auf die gesamte Box, eine gute Aufarbeitung von Geschichtsgut :lol:
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Blap
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitrag von Blap »

Der Mann mit dem Glasauge (Deutschland 1969, Originaltitel: Der Mann mit dem Glasauge)

Eine Tänzerin vergnügt sich mit ihrem Geliebten in einem Hotelzimmer. Plötzlich taucht eine maskierte Gestalt auf, tötet den Burschen mit einem gezielten Messerwurf und verschwindet unerkannt. Das Mädchen namens Leila kommt zunächst mit dem Schrecken davon, wird jedoch wenig später Opfer eines perfiden Giftanschlags. Inspektor Perkins (Horst Tappert) und sein Mitarbeiter Sergeant Pepper (Stefan Behrens) nehmen die Ermittlungen auf, selbstverständlich unter den kritischen Blicken ihres Vorgesetzten Sir Arthur (Hubert von Meyerinck). Die Nachforschungen führen Scotland Yard in einen Billiard-Club. Dort gehen vermutlich illegale Geschäfte über die Tische, doch Sir Arthur mag seinen Beamten keinen Glauben schenken. Das Mordopfer Leila war Mitglied der "Las-Vegas-Girls", als ein schleimiger Lappen zwei weitere Damen aus der illustren Truppe entführen will, wird auch er von einem Unbekannten per Messerwurf gekillt. Die Lage scheint zunehmend unübersichtlicher, denn irgendwer hat es auf die "Las-Vegas-Girls" abgesehen, gleichzeitig tötet ein rätselhafter Messerwerfer diverse Schurken. Welche Bedeutung haben die immer wieder auftauchenden Glasaugen? Welche Rolle spielt die Tänzerin Yvonne Duval (Karin Hübner), die von dem nervösen Bruce Sharringham (Fritz Wepper) umworben wird? Führt die Spur des Mörders zu Bruce, der ganz offensichtlich ein Problem mit Drogen hat...???

"Der Mann mit dem Glasauge" wurde Ende 1968 gedreht, bereits im Februar 1969 erstrahlte der Film auf den Leinwänden der Republik. Wie so oft führte Alfred Vohrer Regie. Der emsigste aller Wallace Regisseure, verabschiedete sich mit seinem insgesamt 14. Beitrag aus der Filmreihe von Rialto. Ein üppiger Anteil am Gesamtwerk, geht damit auf sein Konto. Insgesamt brachte es die Serie auf 32 Filme, nach "Der Mann mit dem Glasauge" folgten noch vier weitere Titel. Für diese Produktion griff man erneut auf bewährtes Personal zurück. Neben Vohrer war es auch für einige andere gestandene Mitarbeiter, der endgültige Abschied aus dem Wallace Universum. Mit Vohrer ging dessen knuffige Assistentin Eva Ebner. Vor der Kamera waren es die finalen Auftritte für Ilse Pagé, Harry Wüstenhagen, Jan Hendriks und Hubert von Meyerinck, um nur einige Namen zu nennen. Die Musik komponierte wie so oft Peter Thomas, der den peppigen Vorspann mit einem herrlichen Groove untermalt, sofort ist für beste Laune gesorgt. Karl Löb zeichnet für die Kamera verantwortlich, wie immer ist seine Arbeit ohne Fehl und Tadel. Wie schon die zeitnah gedrehten Vorgänger, atmet auch dieses Werk den Geist der späten sechziger Jahre in vollen Zügen. Die Farben leuchten in aller Pracht. Sie sorgen damit für diese wohlige Atmosphäre, in die ich immer wieder gern eintauche. Alfred Vohrer baut bekanntlich gern kleine Ferkeleien und/oder schlüpfrige Anspielungen ein. So müssen wir auch hier nicht auf eine kleine Prise Möpse und Popo verzichten, vermeintlich verdorbene Dialoge inklusive. Ein ganz offenkundig schwules Pärchen darf kurz für Stimmung sorgen. Für Vohrer sicher eine Genugtuung, welche für die damalige Zeit recht gewagt erscheint. Dieser dezent subversive Unterton, macht den Film gleich noch eine Portion sympathischer. Der geneigte Fan bekommt die gesamte Palette an Wallace Köstlichkeiten geboten: Herrliche Dialoge, schräge Vögel und groteske Momente, einen zupackenden Ermittler und dessen beknackten Assistenten, den völlig unfähigen Yard Chef und Lustmolch, Albernheiten und Tragik, hier und da ein bißchen Sex, Drogen und Groove. Die "Messermorde" fallen recht blutig aus, die Farbe des Blutes weckte in mir Assoziationen mit den wundervollen Gruselschockern von Hammer und Konsorten.

Ein kurzer Blick auf die Darsteller. Horst Tappert gefiel mir schon in "Der Gorilla von Soho" sehr gut, der äüsserst positive Eindruck bestätigt sich hier. Einen kleinen Schwachpunkt stellt die Besetzung des Sergeant Pepper dar. Uwe Friedrichsen spielte das leicht debile Helferlein von Tappert im besagten "Gorilla von Soho, leider war er für "Glasauge" nicht verfügbar. Stefan Behrens übertreibt es mit den Albernheiten, doch schlimmer als das was er sagt, ist die Art und Weise wie er es vorträgt. Diese krächzige Stimmchen ist kaum zu ertragen. Es sollte auch nicht unterschlagen werden, dass die Chemie zwischen Tappert und Friedrichsen weitaus stimmiger war. Der zweite Irre im Bunde wird erneut von Hubert von Meyerinck dargestellt. An ihn hat man sich inzwischen gewöhnt, auch wenn er nie die liebenswerte Seltsamkeit einen Sir John (Siegfried Schürenberg) erreicht. Immerhin hat seine Sekretärin Mabel (Ilse Pagé) sich auch endlich mit Sir Arthur abgefunden, die beiden flirten gar heftig miteinander (Wehe, wenn Sir John davon Wind bekommt...). Frau Pagé gibt sich hier generell ein wenig frivoler als üblich, sehr angenehm. Die weibliche Hauptrolle wurde mit Karin Hübner zwar durchaus sympathisch, aber ein wenig zu unscheinbar besetzt. Unscheinbar nicht in der Hinsicht auf die optischen Qualitäten der Dame, ihr Spiel (und die Anlage der Rolle) geben nicht allzu viel her. Andererseits mag diese Ausrichtung für den Gesamteindruck notwendig sein, darauf kann ich wegen Spoilergefahr nicht näher eingehen. Eine ganz starke Leistung bekommen wir von Friedel Schuster zu sehen, die als kalte und hartherzige Tyrannin geradezu brilliant aufspielt. Fritz Wepper war mir noch nie besonders angenehm, ich akzeptiere ihn als Sklave von Derrick, seinen späteren Chef trifft er hier übrigens zum ersten Mal vor der Kamera. Der stets verschwitzte, gehetzte Jüngling steht im gut zu Gesicht, er liefert eine solide und glaubwürdige Vorstellung ab. Es würde den Rahmen eines Kurzkommentares sprengen, wenn ich nun alle Mitwirkenden erwähnen würde. Auf die sehr gelungenen Auftritte von Harry Wüstenhagen, Jan Hendriks und Rudolf Schündler, sei mir trotzdem ein kurzer Hinweis gestattet. Die kleine Rolle von Ewa Strömberg erfreute meine entzündeten Augen, ich hätte die schöne Schwedin gern ausführlicher zu Gesicht bekommen. Zum Abschluss sei noch erwähnt, dass Iris Berben in einer kleinen Nebenrolle zu sehen ist.

Der 28. Edgar Wallace Film aus dem Hause Rialto. Damit ist auch die Zeit für die letzte der acht DVD-Boxen angebrochen, die insgesamt fünf Filme an Bord hat. "Der Mann mit dem Glasauge" wird durch folgende Titel ergänzt:

- Das Gesicht im Dunkeln
- Die Tote aus der Themse
- Das Geheimnis der grünen Stecknadel
- Das Rätsel des silbernen Halbmonds

Mein persönlicher "Wallace Marathon" steuert unaufhaltsam auf die Ziellinie zu. Es wird ein erhabenes Gefühl sein, all diese Perlen innerhalb weniger Monate geschaut zu haben. Ein wenig wehmütig stimmt es mich auch, doch bekanntlich ist nach der Sichtung vor der Sichtung! Für ein endgültiges Fazit ist es noch zu früh, doch das Unternehmen hat mir bereits jetzt jede Menge Freude bereitet. Alte Schätzchen aus der Jugend wurden erneut geschaut, vergessene Perlen ausgegraben, mancher Titel gar der Erstsichtung zugeführt. Nebenbei steht noch "Der Teufel kam aus Akasava" an. Eine Wallace Verfilmung von CCC-Film, bei der Jess Franco Regie führte. Dazu nach erfolgter Betrachtung mehr.

"Der Mann mit dem Glasauge" schafft es nicht in die vorderen Ränge meiner "Wallace Rangliste", doch bei einem derart starken Feld, soll dies nun wahrlich kein Mangel sein. Alfred Vohrers Abschied hat mich gut unterhalten, kleine Schwächen mag ich dem Streifen nicht ankreiden. Es reicht ganz locker für 7/10 (gut), die Tendenz weist in Richtung "gut bis sehr gut".

Lieblingszitat:

"Aha! ...und wie lange soll ich blasen?"
"Wie ich schon sagte, bis er ganz steif ist!"
(Nein, dieses Zitat hat nichts mit Sex zu tun! Ihr Ferkel!)
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitrag von Arkadin »

Blap hat geschrieben: Mein persönlicher "Wallace Marathon" steuert unaufhaltsam auf die Ziellinie zu. Es wird ein erhabenes Gefühl sein, all diese Perlen innerhalb weniger Monate geschaut zu haben. Ein wenig wehmütig stimmt es mich auch, doch bekanntlich ist nach der Sichtung vor der Sichtung! Für ein endgültiges Fazit ist es noch zu früh, doch das Unternehmen hat mir bereits jetzt jede Menge Freude bereitet. Alte Schätzchen aus der Jugend wurden erneut geschaut, vergessene Perlen ausgegraben, mancher Titel gar der Erstsichtung zugeführt. Nebenbei steht noch "Der Teufel kam aus Akasava" an. Eine Wallace Verfilmung von CCC-Film, bei der Jess Franco Regie führte. Dazu nach erfolgter Betrachtung mehr.
Als die Boxen damals rauskamen habe ich auch zwei-drei Monate nichts anderes geguckt. :) Hat mir damals auch sehr viel Spaß gemacht und ich kann die "Wehmut" kurz vor Schluss verstehen. Aber als Methadon gibt es ja noch die CCC-Filme (neben "Akasava" noch "Fluch der Gelben Schlange") und den "Rächer", sowie noch einige Wallace-Rip-Offs, die unter dem Label "Bryan Edgar Wallace" erschienen.
Ich bin schon sehr auf Dein Fazit gespannt.
"Glassauge" gefiel mir damals überraschend gut, waren meine Erwartungen an die späten Wallace doch eher niedrig. Aber wenn man sich est einmal damit abgefunden hat, dass die "alten Zeiten" mit Hexern, Fröschen und Äbten vorbei ist, kann man sich gemütlich zurücklehnen und geniessen. :popcorn:
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitrag von Blap »

Arkadin hat geschrieben: 1. Aber als Methadon gibt es ja noch die CCC-Filme (neben "Akasava" noch "Fluch der Gelben Schlange") und den "Rächer", sowie noch einige Wallace-Rip-Offs, die unter dem Label "Bryan Edgar Wallace" erschienen.
Ich bin schon sehr auf Dein Fazit gespannt.
2. "Glassauge" gefiel mir damals überraschend gut, waren meine Erwartungen an die späten Wallace doch eher niedrig. Aber wenn man sich est einmal damit abgefunden hat, dass die "alten Zeiten" mit Hexern, Fröschen und Äbten vorbei ist, kann man sich gemütlich zurücklehnen und geniessen. :popcorn:

1. Der Stoff steht bereits im Regal. Die drei BEW Boxen, die CCC-Filme, der Rächer, die Mabuse Box. Zum Teil kenne ich die Filme, doch meist ist die Sichtung schon ewig her, lange bevor es DVDs gab. Den ersten CCC-Film "Gelbe Schlange" habe ich bereits geschaut, hat mir gefallen. "Der Rächer" war ebenfalls im Player, ein wenig lahmarschig, insgesamt aber noch in Ordnung (bisher aber der letzte Platz in der Wallace Hitliste).

2. Ich schätze die Farbfilme genauso sehr wie die Schwarzweißfilme. "Solange" ist gar mein Liebling der gesamten Reihe, allerdings in der internationalen Version. Die deutsche Fassung steht bald zur Sichtung an, ich bin gespannt.

***

Derzeit überlege ich noch, ob ich mir eventuell noch die EW Boxen 9 und 10 kaufe. Ist zwar ein anderer Spielplatz, aber neugierig bin ich schon.
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitrag von Arkadin »

Blap hat geschrieben: 2. Ich schätze die Farbfilme genauso sehr wie die Schwarzweißfilme. "Solange" ist gar mein Liebling der gesamten Reihe, allerdings in der internationalen Version. Die deutsche Fassung steht bald zur Sichtung an, ich bin gespannt.
Geht mir genauso. Die Lieblinge verteilen sich munter über die komplette Serie. Aus Kindertagen kenne ich nur die S/W-Filme. Die Farbfilme liefen in den frühen 80ern irgendwie nie im TV. Daher musste ich mich erst etwas dran gewöhnen. Besonders, wenn die Themen zum Ende der Serie hin "aktueller" werden und sich doch sehr weit von den Ursprüngen entfernen.
Blap hat geschrieben:Derzeit überlege ich noch, ob ich mir eventuell noch die EW Boxen 9 und 10 kaufe. Ist zwar ein anderer Spielplatz, aber neugierig bin ich schon.
Hmmm. Ich habe die nie gesehen. Auch nicht, als die auf RTL (oder war es RTL2) liefen. Ich habe nichts gutes drüber gehört. Sind halt billig produzierte TV-Filme. Aber über einen Bericht wäre ich trotzdem erfreut, da ich gerade sehe, dass Bernd Eilert ("Titanic"-Mitgründer) für die Drehbücher verantwortlich war.
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitrag von Blap »

Friedhof der Kuscheltiere (USA 1989, Originaltitel: Pet Sematary)

Der Mediziner Louis Creed (Dale Midkiff) zieht mit seiner Familie von Chicago in den Bundesstaat Maine. Louis und seine Frau Rachel (Denise Crosby), die beiden Kinder Ellie (Blaze Berdahl) und Gage (Miko Hughes), leben sich schnell in der beschaulichen Gegend ein. Der freundliche Nachbar Jud (Fred Gwynne) ist ein älterer Herr, zwar ein wenig verschroben, doch man versteht sich auf Anhieb gut. In der Nähe des Hauses führt ein schmaler Weg in den Wald. Jud zeigt seinen neuen Nachbarn wohin dieser Pfad führt. Einst errichtete man einen kleinen Friedhof für Haustiere, der später mit Hilfe der Landstrasse regen Zugang verzeichnen konnte. Die Idylle des Landlebens wird durch dieses morbide Detail nicht nachhaltig gestört. Der tatsächliche Schönheitsfehler ist die Landstrasse, an der das Haus der Creeds liegt, über die ständig dicke Trucks mit hoher Geschwindigkeit rasen. Es kommt wie es kommen muss, eines Tages findet Louis die geliebte Katze seiner Tochter tot auf. Da Frau und Kinder momentan nicht zuhause weilen, will der besorgte Vater das Tier in aller Stille verscharren. Die anstehende Seelenqual, die seine Tocher heimsuchen wird, bereitet im selbst sehr grosse Pein. Doch Nachbar Jud kommt mit einer rettenden Idee aus der Kiste. Er unternimmt mit Louis und dem Kadaver einen Spaziergang, welcher die Wanderer zu einem alten Indianerfriedhof führt. Louis soll die tote Katze dort verbuddeln und abwarten. Tatsächlich geschieht das Unfassbare, am nächsten Tag taucht das Tier wieder auf! Allerdings hat sich der Vierbeiner verändert, verhält sich aggressiv und befremdlich. Der wahre Schrecken soll aber erst einige Zeit später über die Familie hereinbrechen. Der kleine Gage rennt auf die Strasse, ein Truck prescht erbarmungslos auf das Kind zu...

Als "Friedhof der Kuscheltiere" 1989 in die Kinos kam, sorgte der Film für einige Aufmerksamkeit. Im Freundeskreis war meine Begeisterung für Horrorfilme selbstverständlich bekannt, ergo legte man mir den Film mit Nachdruck an Herz. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass ich nach der Sichtung stinksauer war, der Film hat mir damals überhaupt nicht gefallen. Vermutlich war meine Erwartungshaltung übersteigert, vielleicht war ich an dem betreffenden Tag einfach nicht in Form. Da (fast) jeder Film eine zweite Chance verdient, beschaffte ich mir vor kurzem die DVD für ein paar Stücke Kleingeld. Wie schlägt sich der Film inzwischen, nachdem gut zwanzig Jahre ins Land gezogen sind? "Horror auf dem Land" hat bei mir immer Kredit, spielt der Streifen in den USA, gefallen mir besonders die Neuanglandstaaten sehr gut. So kann auch "Pat Sematary" mit hübscher Landschaft punkten, inklusive der für die Gegend typischen Holzhäuser. Die Atmosphäre wird mit zunehmender Laufzeit dichter, gleiches gilt für die Daumenschrauben namens Spannung und Gewalt. Sicher, die Handlung ist sehr vorhersehbar, doch der Plot punktet kräftig, weil er bis zum Schluss konsequent bleibt. Man sollte keine ausufernde Orgie der Gewalt erwarten. Doch die während der letzten halben Stunde, legt sich der Film ordentlich ins Zeug, für ein paar fiese Momente ist gesorgt. Den Höhepunkt des Schreckens will ich nicht verraten, doch der ungleiche Kampf sorgt für wohlige Gruselschauer. Die Darsteller wirken frisch und unverbraucht (Im Sinne von "sieht man nicht alltäglich". Ansonsten glotzt Herr Gwynne nämlich alles andere als frisch aus der Wäsche. Die Furchenfratze des Burschen ist eine wahre Freude). Allerdings bin ich trotzdem ein kleines bißchen zwiegespalten. Die Herren schlagen sich gut, Dale Midkiff und Fred Gwynne passen perfekt in das Geschehen. Der kleine Bengel Miko Hughes kommt im Finale richtig zum Zuge. Sauer aufgestossen sind mir die weiblichen Teilnehmer. Denise Crosby finde ich sehr unsymphatisch, das Kind Blaze Berdahl neigt zur Nervensägerei. Den Spass können mir die beiden Gesichtsruinen aber nicht verderben, soooo schrecklich sind sie dann doch nicht.

"Pat Sematary" ist ansprechend gefilmt, passend ausgestattet, die Atmosphäre stimmt, den Schauspielern kann man keine ernsthaften Vorwürfe machen. Aus heutiger Sicht ist mir unbegreiflich, warum mir der Film damals nicht gefallen hat. Egal, die Scharte ist ausgewetzt, die Anschaffung hat sich gelohnt. Zu Begeisterungsstürmen reisst mich der Film zwar noch immer nicht hin, solide Horrorkost bietet der Streifen aber ohne Zweifel. Für Regisseurin Mary Lambert war "Friedhof der Kuscheltiere" ihr grösster Erfolg. 1992 inszenierte sie den Nachfolger "Pet Sematary II", der nicht an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen konnte. Ich kenne den zweiten Aufguss nicht, werde diesen Zustand aber in absehbarer Zeit ändern. Die akutelle DVD Auflage von Paramount bietet dem Filmfreund ordentliche Qualität an, leider gibt es keinerlei Boni, bei Paramount trauriger Standard. Das Cover ist ein Fehlgriff. Doch schliesslich zählt der Film, von daher kann ich die Scheibe empfehlen. Der Preis fällt moderat aus, mehr als 8€ sollte man nicht ausgeben müssen.

6,5/10 (Mit Tendenz zu 7/10)

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"Wahrscheinlich ist er unterwegs, um sich Hamburger zu holen. Du weisst doch wie die Männer sind, wenn sie alleingelassen werden, mein Kind."
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitrag von Blap »

The Being (USA 1983, Originaltitel: The Being)

Das kleine Städtchen Pottsville liegt im US-Bundesstaat Idaho, der wichtigste Wirtschaftszweig ist der Anbau von Kartoffeln. Plötzlich verschwinden Menschen auf unerklärbare Weise, es gibt keine brauchbaren Spuren, keine erkennbaren Motive. Detective Mortimer Lutz (Bill Osco) geht als örtlicher Vertreter des Gesetzes der Sache nach, als er plötzlich selbst einem bizarren Monstrum gegenüber steht. Ein widerwärtiges Ungetüm, welches sich auf Menschen stürzt, diese verschleppt und zu Mettgut verarbeitet. Woher stammt diese abscheuliche Kreatur? Gibt es einen Zusammenhang mit der Lagerstätte am Rande der Stadt, in der man fleissig Atommüll unterbringt? Immer wieder erklärte die Industrie mit allem Nachdruck, dass keinerlei Gefahr von dem strahlenden Material ausgehen würde. Selbst der angesehene Wissenschaftler Garson Jones (Martin Landau). wird nicht müde dies in aller Öffentlichkeit zu verkünden, vorzugsweise im regionalen Fernsehprogramm. Mort macht sich bei Bürgermeister Lane (José Ferrer) unbeliebt, weil er diesen auf das Monster hinweist. Ein Zusammenhang mit dem Atommüll kann keinesfalls bestehen. Schliesslich hat die Stadt ganz andere Sorgen, denn verdorbene Individuen wollen einen "Massagesalon" im Herzen des Ortes eröffnen, pfui Deibel!


Regisseurin Jackie Kong kann nur wenige Titel in ihrer Filmgraphie verzeichnen. Der bekannsteste ihrer Streifen dürfte "Blood Diner" (1987) sein, der erst vor wenigen Monaten erneut veröffentlicht wurde. "The Being" ist das Erstlingswerk der Frau Kong. Selbst ein Blinder würde sofort die Entstehungszeit des Films bestimmen können. Das Thema Atomkraft war in den frühen achtziger Jahren in aller Munde, genau wie die Angst vor dem Dritten Weltkrieg. Erwartungsgemäß setzt sich "The Being" zwar nicht ernsthaft mit der Problematik Kernenergie auseinander, doch der sehr humorvolle Umgang mit dem Thema, ist meiner Meinung nach die grösste Stärke des Films. Ein Wissenschaftler spricht davon, wie harmlos doch Radioaktivität im Trinkwasser sei. Weder Flora noch Fauna würden Schaden nehmen, der Mensch sowieso nicht. Da passt es vortrefflich ins Bild, dass am Schauplatz in erster Linie Nahrungsmittel produziert werden. Nebenbei prangert er den moralischen Verfall an, die Pornographie wird als Geißel der Menschheit ausgemacht. Der ironische Ton ist geistreicher als man zunächst vermuten mag, ansonsten haben wir es mit einer eher hirntoten Sause zu tun. Den Gipfel des Irrsinns stellt eindeutig die Kreatur dar. Zunächst bekommt man sie kaum zu Gesicht. Ab und an sieht es so aus, als würde man einen verdreckten und gefüllten Schlafsack durchs Bild werfen. Im Finale präsentiert man uns das Geschöpf, der Monsterfreud wird dabei manches Lachtränchen vergießen, dessen bin ich mir sicher! Stellt euch eine Mischung aus Ridley Scotts "Alien" und Steven Spielbergs "E.T." vor, übergossen mit Schleim, annährend lebensnah wie ein defekter Pappaufsteller.

So ungelenk wie das Monster, so wenig gelungen scheint mir auch der Schnitt. Keine Ahnung woran es lag, vielleicht war der Cutter auf Dope, vielleicht besoffen, vielleicht aber auch schlicht und ergreifend ein talentfreier Pfeifenkopf. Regie und Kamera bleiben recht unauffällig, die Kamera ist (besonders während der Monsterszenen) nicht immer auf der Höhe der Ereignisse. Aber letztlich ist diese Tatsache eine glückliche Fügung, das Geschöpf des Grauens muss nicht allzu oft bestaunt werden, mein Zwerchfell dankt. Hauptdarsteller Bill Osco glotzt ab und an reichlich dämlich aus der Wäsche, passt aber genau aus diesem Grunde prima in die Rolle des Kleinstaftbullen. Martin Landau hatte beim Dreh entweder diebisches Vergnügen... ...oder war völlig zugedröhnt. Er spielt den fragwürdigen Wissenschaftler dermaßen übertrieben, hier kann man nur von Genie oder Drogenmißbrauch ausgehen (oder beide Mutmaßungen treffen zu!?). José Ferrer steht als unwilliger Bürgermeisterkauz, unter dem Pantoffel seiner zur Hysterie neigenden Gattin. Die Freundin des Helden Mort, wird von einer Dame namens Marianne Gordon gespielt, unscheinbar und unaufdringlich.

"The Being" ist ein nettes Monsterfilmchen. Nur Freunde des Genres werden sich dafür erwärmen können. Recht unscheinbaren Darstellern (mit Ausnahme von Martin Landau), steht ein mißlungenes Monster gegenüber. Dieses Teil ist so schlecht geraten, dass es wirklich schon wieder Freude macht. Mettgut spielt eine untergeordnete Rolle, spektakuläre Auswüchse gibt es nicht zu sehen. Wie ich weiter oben erwähnte, ist die Stärke von "The Being" sein köstlicher Humor. In Kombination mit den liebenswerten Schwächen, ist ein schmackhaftes Menü für den kleineren Hunger das Resultat. Ein Kurzkommentar dieser Art mag zwar unpassend erscheinen, doch ich wundere mich darüber, wie gleichgültig wir heute mit dem Thema Atomkraft/Atommüll umgehen. Klar, die Präsenz in den Medien ist nach wie vor gegeben. Aber wo bleibt der zornige Aufschrei, der die Menschen zu Millionen auf die Strasse treibt? Heute sind die Probleme grösser denn jemals zuvor. Die Atomkraftwerke werden mit zunehmendem Alter wohl kaum sicherer, es gibt kein geeignetes Endlager für den strahlenden Müll, die Laufzeiten der Reaktoren sollen verlängert werden... ...vor dreissig Jahren war der Protest intensiver und empörter. Was zum Geier ist mit uns los???

Der Film ist in Deutschland von Shock Entertainment und X-Rated verfügbar. Während die X-Rated Scheibe wie üblich in einer grossen Hartbox daherkommt, bietet Shock Entertaiment uns ein Amaray im stablien Schuber an. Im Amaray findet man vier "Collector Cards" mit Motiven aus dem Film vor. Die DVDs sind meiner Information nach identisch. Ich habe daher zur günstigeren Variante von Shock Entertainment gegriffen. Eine Besonderheit ist bei beiden Auflagen zu beachten, der Film liegt nicht in PAL vor. Es handelt sich nicht um einer grausige Ruckelwandlung, sondern tatsächlich um NTSC. Man hat vermutlich die US-DVD als Vorlage benutzt. Heutige Gerätschaften sollten damit keine Probleme haben, doch der Hinweis sei mir trotzdem gestattet.

Monstertrash mit diversen Schwächen, knuffig und sympathisch. 6/10

Lieblingszitat:

"Verdammt nochmal... ...was ist das für ein klebriger Scheissdreck!?"
Zuletzt geändert von Blap am So 8. Aug 2010, 02:03, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitrag von Blap »

Puppet Master (USA 1989, Originaltitel: Puppetmaster)

Der Puppenmacher Andre Toulon verfügt über geheimes Wissen der alten Ägypter, welches im Laufe vieler Generationen nur wenigen Auserwählten anvertraut wurde. Die Ägypter konnten leblosen Figürchen Leben einhauchen, Toulon tat genau dieses mit seinen kleinen Schöpfungen. Als er in einem Hotel verweilt, sind finstere Häscher bereits auf dem Weg zu ihm. Der alte Herr verstaut seine Lieblinge in einem Koffer, den er geschickt hinter der Wandvertäflung seines Zimmers versteckt. Bevor die Männer im schwarzen Anzug auf Toulon zugreifen können, pustet er sich per Kopfschuss die Hirnmasse aus dem Schädel... ...inzwischen liegen diese Ereignisse mehr als fünfzig Jahre zurück, wir befinden uns in den späten achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Das besagte Hotel befindet sich im Besitz von Megan Gallagher (Robin Frates), deren Gatte Neil (Jimmie F. Skaggs) leider den Löffel für immer zur Seite gelegt hat. Doch Neil hatte einen letzten Wunsch. Seine alten Bekannten Dana (Irene Miracle), Alex (Paul Le Mat) und ein paar weitere Menschlein, sollen zu seiner Beerdigung erscheinen. Am offenen Sarg ergehen sich die Angereisten in wüsten Vermutungen, der gute Neil hatte zu Lebzeiten nicht den besten Ruf. Interessant wird die Sache dadurch, dass alle Trauergäste über erstaunliche, übersinnliche Fähigkeiten verfügen. Was wusste Neil über die Arbeit von Andre Toulon? Die blutige Antwort wird bald über die Gäste hereinbrechen...

Die US-Filmschmiede Full Moon ist immer für nette Horrorflicks gut. "Puppet Master" ist längst zu einer stattlichen Filmreihe angewachsen. Mit "Puppet Master: Axis of Evil" (2010) tütete man unlängst den zehnten Teil ein. Es ist daher an der Zeit, dem Erstling ein paar Zeilen zu widmen. Bitte erwartet keine wüste Orgie, der Film kommt recht langsam in die Hufe, erst im Finale drehen die Puppen richtig auf. Damit sind wir auch gleich beim Schwachpunkt von "Puppet Master" angelangt. Um die Püppchen herum wurde zwar eine ansprechende Hintergrundgeschichte gesponnen, doch der atmosphärisch dichte und ansprechend fotografierte Auftakt, weckt übergrosse Erwartungen, die dann überwiegend nicht erfüllt werden können. Die Handlung neigt zum Geplätscher, die begrenzten Fähigkeiten der Darsteller sind kaum dazu geeignet, den durchhängenden Spannungsbogen überzeugend zu überspielen. Als kleine Entschädung gibt es ein paar nette Erotikszenen, in deren Verlauf dann endlich auch die Puppen deftig ins Geschehen einsteigen. Auf die Schauspieler möchte ich daher nicht weiter eingehen, denn keiner der Verpflichteten fällt in irgendeiner Form aus dem Rahmen. Lediglich Jimmie F. Skaggs kann sich als Fiesling ein klein wenig in den Vordergrund spielen.

Wirklich bemängeln mag ich die ein wenig unscheinbare Besetzung nicht, denn die Puppen sind ohne Zweifel die Stars der Sause, die kleine, grosse Hauptattraktation. Einige Puppenarten bereiten mir in der Realität nacktes Entsetzen. Ihr erinnert euch sicher an die blassen Gestalten, mit einem Häkelkleidchen bekleidet, die bei Omi auf dem Sofa ihren Platz innehatten. Irgendwie schienen die vermeintlich ausdrucklosen Gesichter etwas zu verbergen. Lauerte hinter der starren Fassade vielleicht das unsagbar Böse, das pure Grauen? Lauerten die kleinen Ungetüme nicht gierig auf die finstere Nacht? Das Verlöschen des letzten Lichts, um auf ihren kleinen Füßchen durch die großmütterliche Wohnung zu tippeln... ...ääähmm... Nun gut, diese Art Puppen bleibt dem hier Zuschauer erspart, dem Leibhaftigen sei Dank. Es regieren herzallerliebste Knuffelschätzchen, deren Absichten immer offenkundig sind. Sie wollen schneiden, schlagen, bohren und ekelhafte Egel erbrechen, was mir allemal weitaus lieber ist, als die in der Verborgenheit der Nacht blühende Boshaftigkeit von Omas Sofapüppchen. Die kleinen Kerlchen sind echte Sympathieträger, denn letztlich verarbeiten sie doch nur intrigante Nervensägen zu Mettgut. Mit der Animation der Puppen hat man sich wirklich Mühe gegeben. Der grosse Aufwand dahinter, ist sicher dafür verantwortlich, dass die Kleinen nicht so oft zum Zuge kommen, wie man es sich als begeisterter Fan wünscht. Wenn sie loslegen, dann bleibt unter Garantie kein entzündetes Auge trocken. "Blade" schneidet das Fleisch, "Tunneler" bohrt sich mit seinem Schädel durch Haut und Knochen, "Pinhead" ist Meister im Fratzengeballer. Nicht zu vergessen die liebliche "Leech Woman", die bizarres Gewürm aus ihrem Mund absondert.

Sicher, "Puppet Master" ist kein herausragender Film. Dazu herrscht einfach zu viel Leerlauf, sind die Schauspieler zu austauschbar und belanglos. Doch immer wenn die Puppen von der Leine gelassen werden, steigt der Unterhaltungswert umgehend in höchste Sphären empor. Ich freue mich auf den Genuß der weiteren Auswüchse, auf die ich nach erfolgter Sichtung kurz eingehen werden. Der erste Teil der Reihe liegt mir als DVD von CMV Laservision vor. Die Scheibe wird in einer kleinen Hartbox geliefert, es stehen zwei unterschiedliche Covermotive zu Auswahl bereit. Die Boni sind nicht ausufernd, doch eine kleine Doku sorgt für interessante Fakten. Ferner findet man diverse Trailer und eine Bildergalerie vor. Die Indizierung des Streifens ist übrigens ein schlechter Scherz, ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Heute gehen diverse Gemetzel ab 16 durch, gegen die "Puppet Master" wie die Sesamstrasse anmutet.

6,5/10 (9/10 für die Puppen des Todes!)

Lieblingszitat:

"Professorchen, du hälst besser deine Schnauze!"
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

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Poltergeist II - Die andere Seite (USA 1986, Originaltitel: Poltergeist II: The Other Side)

Steve Freeling (Craig T.Nelson) und seine Gattin Diane (JoBeth Williams), sind mit ihren beiden Kindern Carol Anne (Heather O'Rourke) und Robbie (Oliver Robins), knapp den erschreckenden Ereignissen in Cuesta Verde entkommen. Ihr Haus ist nach dem Geisterterror verschwunden, daher wohnt man nun bei Jess (Geraldine Fitzgerald), der Mutter von Diane, die auch ihren Enkelkindern eine liebevolle, warmherzige Großmutter ist. Die feinfühlige und kluge Dame, erkennt die besonderen Fährigkeiten ihrer Enkelin. Doch Steve und Diane wollen die Ereignisse in Cuesta Verde am liebsten vergessen, da bleibt kein Platz für Übersinnliches. Als der Indianer Taylor (Will Sampson) bei den Freelings auftaucht, ist besonders Steve zunächst wenig erbaut über den selbsternannten Beschützer. Doch unter der Oberfläche brodelt es bereits gewaltig, ein kauziger Alter taucht auf, er begehrt mit Nachdruck Einlass in das Haus der Freelings. Dieser rätselhafte und zugleich unheimliche Bursche trägt den Namen Kane (Julian Beck), er hat vor langer Zeit ein grauenvolles Verbrechen begangen, seine Seele findet keine Ruhe. Besonders auf die kleine Carol Anne hat das Böse ein Auge geworfen. Kann Taylor der Familie wirklich helfen, reicht die Kraft der Freelings aus, um gegen den mächtigen Gegner zu bestehen...???

Nach dem sehr unterhaltsamen "Poltergeist" (1982) von Tobe Hooper, kam vier Jahre später die vom weniger bekannten Brian Gibson inszenierte Fortsetzung in die Kinos. Der Nachfolger orientiert sich sehr nah am Erstling, was sich als durchaus sinnvoll und überzeugend herausstellt. Familie Freeling konnte mit den selben Schauspielern besetzt werden. Eine ebenso erfreuliche Fügung, denn Craig T. Nelson und JoBeth Williams überzeugten bereits vier Jahre zuvor mit ihrer Darbietung, gleiches gilt für deren Filmkinder Heather O'Rourke und Oliver Robins. Die schrullige Zelda Rubinstein gibt sich erneut die Ehre, ihre Auftritte sind zwar eher selten, dafür aber nicht minder überzeugend. Ein weiterer Glückgriff ist ohne Frage Julian Beck in der Rolle des bösartigen Kane. Für Beck war es der letzte Auftritt in seiner Karriere, er verstarb noch 1985 an Krebs. Nach dem dritten "Poltergeist" (1988), verstarb die kleine Heather O'Rourke im zarten Alter von lediglich zwölf Jahren. Da die Rolle des Mädchens in den "Poltergeist" Filmen stets einen übernatürlichen Anstrich innehatte, sorgt das Wissen um ihren frühen Tod für eine morbide, melancholische Schlagseite, für die es keinerlei grotesker Verschwörungstheorien bedarf. Der Horroranteil nimmt im Verlauf des Werkes beständig zu, die erste Hälfte bringt erneut den feinen Humor rüber, der bereits den Vorgänger auszeichnete. Besonders in diesen Momenten, profitiert der Film gewaltig vom sehr guten Zusammenspiel der Akteure, allen voran Craig T. Nelson und JoBeth Williams.

Die Effekte kommen diesmal nicht ganz so spektakulär daher, die "Ahaaaa-Momente" des 82er Films bleiben mehr oder weniger aus. Trotzdem stimmt die Qualität des Geschleimes und Gegeifers, inklusive gruseliger "Leuchterscheinungen" und diverser Boshaftigkeiten. Für mich bleibt die Szene aus dem ersten Teil unereicht, in der eine "Erscheinung" die Treppe im Anwesen der Freelings hinabschwebt. Gruselterror pur, unheimlich und wunderschön zur gleichen Zeit. Solche Momente gibt es hier auch, nur sind sie nicht von dieser Intensität. Erwartungsgemäß macht "Poltergeist II" auch vor extrem kitschigen Momenten nicht halt. Kann man, sofern man guten Willens ist, oft einen Hauch von Ironie in der Zeichnung der Kleinfamilie erkennen, schütten die Macher final ein ganzes Faß von Kitsch und Klischee über dem Zuschauer aus. Meinen Zorn erregte dies seltsamerweise trotzdem nicht. Irgendwie muss man die Freelings einfach mögen, sich mit ihnen freuen.

Grössere Schwachpunkte sind nicht auszumachen. "Poltergeist II - Die andere Seite" kocht die bewährten Zutaten seines Vorgängers auf. Erfreulicherweise stimmt die Mischung nach wie vor, ein schaler Beigeschmack ist nicht zu beklagen. Die DVD Auswertung von MGM bietet leider so gut wie keine Boni an, lediglich ein Trailer hat es zusätzlich auf die Scheibe geschafft. Da die DVD aber in den wichtigsten Disziplinen überzeugt (korrektes Bildformat, englischer Originalton vorhanden), kann man bei dem aktuell günstigen Preis ohne Reue zugreifen.

Es reicht ganz knapp für 7/10 (gut). Den Vorgänger bewertete ich mit 7,5/10 (gut bis sehr gut), "eigentlich" sollte ein komplettes Pünktchen Abstand zu Teil 2 angemessen sein. Doch ich möchte den Erstling weder aufwerten, noch die Fortsetzung unterhalb 7/10 einsortieren. Was solls, letztlich sind die Punkte sowieso nur eine Krücke. Wer "Poltergeist" mochte, wird aller Wahrscheinlichkeit auch mit dem zweiten Teil zufrieden sein.

Lieblingszitat:

"Auto noch voller Zorn, hm?"
"Voller Zorn? Dieser Wagen schäumt vor Wut!"
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Blap
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

Beitrag von Blap »

Puppet Master II (USA 1990, Originaltitel: Puppet Master II)

Die grausigen Ereignisse im Bodega Bay Inn Hotel schreien nach Aufklärung. Carolyn Bramwell (Elizabeth Maclellan) reist mit ein paar weiteren Gestalten an, man baut Kameras und sonstigen Technikkram auf. Der einzige Überlebende der damaligen Vorfälle verweilt im Irrenhaus, von dieser Person sind keine glaubwürdigen Hinweise zu erwarten. Die Puppen des Schreckens sind derweil alles andere als untätig. Pinhead befreit die Überreste von Andre Toulon aus dessen Ruhestätte, durch ein magisches Elixir hauchen die Puppen ihrem Schöpfer neues Leben ein. Über die frischen "Gäste" des Hotels bricht das Grauen herein. In der Nacht besucht Tunneler ein Mitglied des Teams, um mit seinem Schädel die Stirn des Unglücklichen aufzubohren. Carolyn und ihre Begleiter können die Puppe in ihre Gewalt bringen, wissenschaftliche Untersuchungen fördern unfassbare Tatsachen ans Tageslicht. Als unvermittelt eine vermummte Gestalt auftaucht, fährt Carolyn und ihren Mitstreitern erneut der Schrecken in die Gebeine. Der rätselhafte Fremde stellt sich als Eriquee Chaneé vor, besonders Carolyn scheint sein Interesse zu wecken. Toulons Puppen lassen sich nicht davon beirren, sie führen emsig die Anweisungen ihres Beherrschers aus. Ihre Mission ist von äusserster Wichtigkeit, für den Erfolg sind frische Teile des menschlichen Hirns unverzichtbar. Der Schrecken nimmt erneut seinen Lauf...

Nach dem soliden Auftakt der Reihe, kommen die kleinen Killerpuppen erneut zum Zuge. Der Zuschauer erfährt nun ein wenig mehr über die Hintergründe. In kurzen Rückblenden wird aufgezeigt, wie Andre Toulon zu seinem Wissen kam. Was dazu benötigt wird, die Puppen für einen gewissen Zeitraum zum Leben zu erwecken. Dieser recht ausgedehnte Zeitrahmen neigt sich hier dem Ende zu, daher stehen Toulon und seine Geschöpfe unter Druck. Schliesslich will man es auf gar keinen Fall versäumen, in die heiss ersehnte Verlängerung zu gehen, irgendwer muss ja für Angst und Schrecken sorgen. Es ist kaum überraschend, dass die Puppen erneut die Stars des Films sind. Blade, Tunneler, Leech Woman, Jester und Pinhead geben sich die Ehre, sie werden durch den neu erbauten Torch unterstützt. Torch ist wahrlich ein heisser Geselle, mit seinem Flammenwerfer macht er jedem Widersacher gewaltig Feuer unter dem Hintern. Herrlich ist die Szene, in der ein kleiner Rotzlöffel seine Actionfigur im Wald mißhandelt. Das leblose Plastikpüppchen wird von dem Bengel als Nazi beschimpft und ausgepeitscht (Warum zum Geier sorgt dies bei mir für wohlige Kindheitserinnerungen? Fragt meine längst verstorbenen "Big Jim" Figuren lieber nicht danach...). Im Rausch der Peitschenzucht, entdeckt der fiese Saupanz plötzlich Torch im Wald. Natürlich kann er es nicht lassen, er muss sich mit dem Meister des Feuers anlegen...

Schauspielerisch geht es auf ähnlichem Niveau wie beim Vorgänger zu. Die Darsteller machen ihre Arbeit, niemand fällt besonders positiv oder negativ aus dem Rahmen. Steve Welles schaut hinter seinen Mullbinden gar gruselig aus, dazu sondert er reichlich grotesken Wahn ab, er läuft als Sieger der "Menschenmannschaft" über die Ziellinie. Sex und Gewalt wurden ein wenig zurückgeschraubt, für einen Film wie "Puppet Master II", stellt dies keine besonders clevere Entscheidung dar. Andererseits werden die Puppen effektiver eingesetzt, wodurch diese Scharte wieder ausgewetzt wird. Im Finale spielen sich Blade und Konsorten endgültig in die Herzen ihrer Sympathisanten, diese kleinen Knuffelschätzchen muss man einfach mögen.

Full Moon hat zwar in den Disziplinen Sex und Gewalt ein wenig auf die Bremse getreten, dafür fällt die Atmosphäre intensiver und packender aus. Schon allein die Eröffnungssequenz auf dem Friedhof ist eine Klasse für sich. Die Puppen sind erneut sehr liebevoll zum Leben erweckt worden, Neuling Torch fügt sich prima in die Gruppe der kleinen Killer ein. Mir liegt der Film auf einer DVD von CMV Laservision vor. Diese kommt -wie Teil 1- in einer kleinen Hartbox daher, es stehen erneut zwei unterschiedliche Covermotive zur Auswahl. Die gebotene Qualität geht in Ordnung, die Boni sind zwar nicht üppig, dafür aber durchaus ansprechend und sehenswert. Auch der zweite Puppentanz wurde in Deutschland indiziert, erneut eine völlig überzogene Maßnahme. Eine Freigabe ab 16 wäre völlig ausreichend, gewissermaßen den Gegenbenheiten angemessen.

Erneut reicht es für solide 6,5/10 (erneut 9/10 für die Puppen des Schreckens!)

Lieblingszitat:

"Sind hier Satansjünger in der Gegend?"


Zur Feier des Tages ein weiteres Zitat:

"Die Aura von ruchlosem Wüten, ist aufgesogen in jedem Teilchen dieses Gebäudes!"
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