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Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Verfasst: Mi 29. Apr 2026, 15:54
von buxtebrawler
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Bumblebee

„Die Russen werden uns sowieso alle in die Luft jagen...“

Nach fünf Michael-Bay-„Transformers“-Kinofilmen probierte man innerhalb des Franchise einmal etwas anderes aus, ritt auf dem ‘80er-Retro-Trend mit und beauftragte Regisseur Travis Knight mit seiner nach „Kubo – Der tapfere Samurai“ erst zweiten Regiearbeit, der Inszenierung des Prequel-/Spin-off-Drehbuchs Christina Hodsons („Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“). Das in US-amerikanisch-chinesischer Koproduktion entstandene, im Jahre 2018 als „Bumblebee“ in die Kinos gelangte Ergebnis ist eine Jugend-/Familien-Science-Fiction-Action-Fantasy-Komödie mit starken Abenteuer- und Coming-of-age-Anleihen.

„Keine Rebellion ist wirklich tot, bis ihr Anführer bezwungen ist!“

Auf dem Planeten Cybertron tobt eine Schlacht zwischen den Autobots und den Decepticons, den die Autobots um Anführer Optimus Prime zu verlieren drohen. So wird Autobot B-127 zur Erde entsandt, um dort eine Basis zu errichten. Auf der Erde des Jahres 1987 kracht B-127 in eine Militärübung in Kalifornien und wird daraufhin von Agent Jack Burns (John Cena, „Der Sex-Pakt“) verfolgt. Zu allem Überfluss begegnet er auch dem Decepticon Blitzwing, der B-127 gefolgt ist. Es kommt zu einem Kampf zwischen allen drei Parteien, aus dem B-127 siegreich, aber beschädigt hervorgeht. Mit defektem Sprach- und Speichermodul verwandelt er sich in einen gelben VW Käfer und landet auf einem Schrottplatz. Dort findet ihn die 18-jährige Halbwaise und Hobbyschrauberin Charlie Watson (Hailee Steinfeld, „True Grit“), die seit dem Tod ihres Vaters mit ihrer Mutter (Pamela Adlon, „Californication“), ihrem Bruder Otis (Jason Drucker, „Gregs Tagebuch – Böse Falle!“) und Stiefvater Ron (Stephen Schneider, „Lucifer“) zusammenlebt. Auf der Suche nach Ersatzteilen für die Corvette ihres Vaters entdeckt sie den VW Käfer, den der Schottplatzbetreiber Hank (Len Cariou, „Das geheime Fenster“) ihr zum Geburtstag schenkt. Durchs Anlassen des Wagens werden die Decepticons Shatter und Dropkick auf B-127 aufmerksam, während Charlie sich erst über Wandlungsfähigkeit und Eigenleben des „Käfers“ wundert, sich aber rasch mit ihm anfreundet und ihn Bumblebee tauft…

„Bist du Metal-Fan?“

Knights Film beginnt zunächst mit einem als reine Animationssequenz umgesetzten Transformers-Kampf, bevor es auf die Erde ins Jahr 1987 geht. Das dürfte auch das Jahr gewesen sein, in dem ich als Kind erstmals auf die ziemlich coole Transformers-Spielzeugreihe aufmerksam wurde, zwischen „Masters of the Universe“, „Advanced Dungeons & Dragons“ und „Super Powers“. Zwei der Actionfiguren nenne ich bis heute mein Eigen, den Status beispielsweise der „Masters of the Universe“ erlangten die Transformers bei mir jedoch nie. Das hatte mutmaßlich damit zu tun, dass ich mangels Kabelfernsehens die damals auf RTL ausgestrahlte Zeichentrickserie nie sah und auch nie einen Transformers-Comic in die Hände bekam, ich also keinen so starken Bezug zur Reihe aufbauen konnte. Als ab 2007 die Real-/CGI-Verfilmungen in die Kinos kamen, interessierte mich das nicht sonderlich, da computergenerierter Blockbuster-Actionbombast nicht zu meinen bevorzugten Genres zählt und ich seelenlose Materialschlachten befürchtete. Bis heute habe ich keinen dieser Filme gesehen.

„Die Eingeborenen sind sogar noch primitiver als ich dachte!“

Dass „Bumblebee“ seelenlos wäre, kann man ihm nicht vorwerfen, so viel vorweg. Die Militärübung, in die B-127 alias Bumblebee gerät, hat etwas von einem Gotcha-Spiel (und ist mit einer Anspielung auf den Grenada-Krieg gespickt). Bumblebees Point-of-view-Perspektiven sehen wie ein Computerbildschirm mit Waben aus (und gemahnen grob an „Terminator“, was jedoch bewusst in die Irre führt). Der Auftakt ist actionreich, doch im Anschluss wird mit Charlie die jugendliche Heldin eingeführt, einen The-Smiths-Song auf ihrem Walkman hörend. Sie arbeitet in einer Fressbude im Vergnügungspark und trägt abwechselnd Shirts von Motörhead, The Damned, The Rolling Stones und The Smiths. Passend dazu dominieren ‘80er-Pop- und Rock-Hits den Soundtrack. Als der Käfer sich erstmals in Bumblebee zurückverwandelt, wirkt dieser mit seiner scheuen Reaktion auf seine neue Besitzerin überaus menschlich. Generell kommen einem „E.T.“, „Das Wunder in der 8. Straße“, vor allem aber „Nummer fünf lebt!“ in den Sinn, nicht zuletzt aber auch die noch älteren Herbie- und Dudu-Filme, die ebenfalls mit einem VW Käfer als Sympathieträger wuchern.

„Schon blöd, den ganzen Tag in 'nem VW zu hocken...“

Ein großer Unterschied ist indes, dass parallel zu den Ereignissen auf der Erde immer mal wieder Szenen vom Planeten Cybertron zwischengeschoben werden und die bösen Decepticons ebenfalls auf die Erde kommen, wo sie unmittelbar Tod und Zerstörung bringen und sogar die Polizei für ihre Zwecke instrumentalisieren. Charlie übt mit Bumblebee, der sich VHS-Kassetten ansieht, Verhalten in Notsituationen, repariert sein Autoradio und legt ihre Kassetten ein. „Bumblebee“ vermittelt sentimentale Emotionen in Bezug auf Charlies Vater sowie Freiheitsgefühl während einer Spritztour zusammen mit Charlies Nachbar Memo (Jorge Lendeborg Jr., „Spider-Man: Homecoming“) und lässt Charlie Coming-of-age-typisch eine Entwicklung durchmachen, in der sie nicht nur über sich hinauswächst, sondern auch ihre Trauer bewältigt, ihre verschüttgegangene Leidenschaft fürs Turmspringen wiederentdeckt und ihr Herz für andere zu öffnen beginnt.

„Dieses Auto ist einfach nur peinlich!“

Eine Verfolgungsjagd zwischen Polizeiauto und Bumblebee in Käferform ist überaus ansehnlich geraten, Menschen zersplattern hier zu Wasser, und für nicht zu knapp Slapstick sorgt Bumblebee, wenn er versehentlich Charlies elterliche Wohnung verwüstet. Aufgrund des Defekts seines Sprachzentrums kommuniziert Bumblebee mitunter per Songausschnitten mit Charlie, was ein netter Kniff ist. Schön auch die für die deutschsprachige Fassung übersetzte Bildschirmausgabe auf Bumblebees Display, was Erinnerungen an Zeiten weckt, in denen deutsche Inserts mehr oder weniger Standard waren. Ohne einen epischen Kampf im Finale macht’s indes auch dieser Film nicht, an Spielberg gemahnenden Kitsch und Pathos inklusive, und das Ende fällt unschön prüde aus. Wer den Epilog nicht verpassen will, sollte trotzdem dranbleiben.

„Die dunkelsten Nächte bringen die hellsten Sterne hervor.“

Von einem wirklichen Meisterwerk ist „Bumblebee“ noch einige Highway-Meilen entfernt. Er transferiert seine CGI-Action nach 1987 und wirkt ein bisschen, als habe man schlicht die ‘80er durch eine KI gejagt und das daraus entstandene Konzept von Cyborgs umsetzen lassen. Dennoch entsteht dadurch ein reizvoller Kontrast und sorgt bedingt durch die Nähe zu dem, was man populärkulturell in der westlichen Hemisphäre für gewöhnlich mit den 1980ern in Verbindung bringt, für einen nicht von der Hand zu weisenden Wohlfühleffekt. Ja, hier ist viel Essenz dessen drin, was die ‘80er und ihr Jugendkino ausmachten, und damit meine ich weniger die Anspielungen auf Alf, den Kalten Krieg, Pong, Miami Vice und die noch nicht eingeführte Helmpflicht für Mofafahrerinnen und -fahrer als vielmehr die Vermittlung von Mut, Zuversicht und Empowerment im Coming-of-age-Abenteuer-Stil – hier nur eben einmal nicht mit Kids on bikes, sondern einer gerade volljährig Gewordenen in einem Transformer-Käfer. Und das ist sie, die eingangs erwähnte Seele, das Herz des Films, der relativ anspruchslose, nichtsdestotrotz sympathische Unterhaltung bietet und dem es gelingen sollte, sowohl eine ‘80er-affine Zuschauerschaft der Generation X als auch das zeitgenössische junge Publikum für sich zu gewinnen.

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Verfasst: Do 30. Apr 2026, 15:06
von Blap
Die Hummel liegt auf Halde. Muss mich endlich weiter durch das Franchise arbeiten. Teil 1 & 2 mag ich. Danach fehlt Megan Fox, daher blieb der spätere Stoff noch unberührt.

Re: bux t. brawler - Sein Filmtagebuch war der Colt

Verfasst: Do 30. Apr 2026, 15:54
von buxtebrawler
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Der Sommer nach dem Abitur

„Madness forever!“

Komödiant Bastian Pastewka tritt immer mal wieder als Hauptdarsteller von Spielfilmen in Erscheinung, so beispielsweise im von Marc Terjung geschriebenen „Mutter muss weg“ aus dem Jahre 2012. Terjung schrieb auch „Der Sommer nach dem Abitur“, in dem Pastewka Teil eines Hauptrollen-Trios ist. Die von Eoin Moore (Rostocker „Polizeiruf 110“) inszenierte TV-Roadmovie-Dramödie feierte ihr Debüt am 4. Juli 2019 auf dem Internationalen Film Festival München, die Fernseherstausstrahlung folgte am 28. Februar 2020 auf Arte.

„Weißt du, wie lange ich keinen Sex mehr hatte?!“

Paul (Hans Löw, „Toni Erdmann“), Alexander (Bastian Pastewka, „Pastewka“) und Ole (Fabian Busch, „Er ist wieder da“) waren in ihrer Schulzeit große Fans der britischen Two-tone-Ska-Band Madness, verpassten aber leider deren damaliges Reunion-Konzert. Als sie erfahren, dass Madness auf dem fränkischen „Family. For. Fun.“-Festival auftreten, reanimieren sie ihre alte Freundschaft und planen ein gemeinsames Camping-Wochenende mit Festivalbesuch. Paul erwirbt dafür eigens einen 1er-Golf, wie ihn Alex einst fuhr. Doch mit dem Beginn der Reise beginnen auch die Probleme: Dass Alexanders versehentlich auf dem Parkplatz stehengelassener Koffer mit seinen Medikamenten in die Luft gesprengt wird, ist nur eines. Schwerer wiegt, dass alte Geschichten und Konflikte wieder hochkochen und sich Lebenslügen offenbaren…

„Wie ist das eigentlich, wenn man so alt ist?“

Dass ein deutscher Fernsehfilm der britischen Musiklegende Madness huldigt, ist schon Grund genug, sich ihn anzusehen. Eingebettet in ein humoriges Drama um drei verdammt „erwachsen“ gewordene alte Schulfreunde, denen ihr Alter nicht unbedingt zum Vorteil gereicht, entspinnt sich ein mit Madness-Hits gespicktes Roadmovie der deutschen Prä-Covid-19-Gegenwart. Alex ist ein Lobbyist und ziemlicher Spießer geworden, der eine Medikamentenabhängigkeit entwickelt hat, Ole verdingt sich als nicht sonderlich erfolgreicher Autor von Ratgeber-Büchern und Paul entpuppt sich als kriminelles Charakterschwein. Auf ihrer Reise treffen sie auf verschiedene gealterte Vertreter unterschiedlicher Subkulturen, unter anderem Hardrocker (die sich als Zahnärzte und Steuerberater herausstellen) und einen Robert-Smith-Verschnitt, außerdem auf Charly Hübner als schmierigen Supermarktleiter und Anneke Kim Sarnau als Apothekerin – aufs Rostocker „Polizeiruf 110“-Ensemble also und somit für Regisseur Moore vertraute Gesichter.

„Wir waren Freunde, das hat mit Mögen nicht so viel zu tun!“

Es kommt zu sinnlosen, provinziell und alles andere als alterskonform anmutenden Musik- bzw. vielmehr Image-Diskussionen à la AC/DC versus Madness; Zeitkolorit findet sich, wenn erwähnt wird, dass Erstgenannte gerade mit Axl Rose unterwegs sind. Und auf dem Campingplatz läuft plötzlich Heino, ironisch gehört von Jugendlichen – was zum Anlass für einen großartigen Dialog wird. In Ermangelung seiner Medikamente beginnt Alex zu kiffen und zu philosophieren, veranschaulichend gefilmt mit wankender Kamera. Dass das Trio zwei Mädels – Kellnerin Babette (Alessija Lause, „Heiter bis tödlich – Koslowski & Haferkamp“) und Sängerin Stephanie (Pegah Ferydoni, „Türkisch für Anfänger“) – und somit Love oder zumindest Sex Interests kennenlernt, verkompliziert naturgemäß alles und führt zu Missmut untereinander. Ein spontaner Umweg über Schweinfurt wird angetreten, da Paul seinen unehelichen Sohn kennenlernen will, dessen Mutter er einst sitzenließ. Ein Verkehrsunfall gerät zum weiteren Baustein eines katastrophalen Ausgangs des gar nicht mehr so nostalgischen Spaßtrips.

„So was kann man einfach nicht wiederholen!“

Um dies dem eine Komödie erwartenden Publikum nicht einfach vor den Latz zu knallen, folgen zumindest noch eine alles etwas abfedernde, Perspektiven aufzeigende Wendung und ein halboffenes Ende. Und tatsächlich funktioniert der komödiantische Teil mit seiner Situationskomik und eher subtilem Humor inklusive vieler Überraschungen recht gut, wenngleich man keinen Pastewka erwarten darf, wie man ihn aus seiner Serie und seinen Shows kennt. Er ordnet sich hier Drehbuch und Inszenierung unter. Schön auch, wie das Trio in einem ausgelassenen Moment „One Step Beyond“ im Auto choreographiert und das Phänomen Madness in Dialogform erläutert wird – wer Madness bisher eventuell gar nicht kannte, dürfte nach diesem Film eine Vorstellung davon haben, worum es geht. Die unnötig despektierlichen Äußerungen über Whitney Houston hätte man sich hingegen kneifen können.

„Der Sommer nach dem Abitur“ erzählt auf ansprechende und vergnügliche Weise davon, wie schlecht sich Jugend konservieren lässt und wie unwirtlich das Erwachsenenleben sein kann – was umso bitterer wirkt, wenn dieses selbstgemacht ist. Ein gewagter, mit der Wohlfühlfilm-Publikumserwartung brechender Spagat zwischen Komödie und Drama also, der aller karikierenden und dramaturgischen Übertreibung zum Trotz viel Wahres enthält, aus dem man aber sicher auch noch mehr hätte herausholen können: Zuweilen wirkt der Film dann eben doch auch wie eine etwas schaumgebremste TV-Produktion.