Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Shallow Ground

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01.jpg (58.51 KiB) 211 mal betrachtet
Kurz bevor die örtliche Polizeistelle wegen eines lokalen Staudamm-Projekts geschlossen wird, überschlagen sich in den beschaulichen Ort Shallow Valley die Ereignisse. Ein blutverschmierter Jugendlicher, der kein Wort spricht, steht vor der Türe und stellt die Beamten vor große Rätsel. Wer ist der Junge, den niemand zu vermissen scheint und warum scheint er etwas über die Vermisstenfälle der vergangenen Jahre zu wissen? Wenig später gibt es einen weiteren Mord und alles spricht dafür, dass eine dunkle Macht in den Ort gekommen ist um für ungesühnte Verbrechen Rache zu üben und der Ort gerät immer weiter in dunkle Ereignisse, die weitere Kreise ziehen.

Ruppiger Indie-Horror von Regisseur Sheldon Wilson, der eigentlich recht passabel daherkommt. Die Ausgangslage ist mysteriös und die Geschichte hält sich auch nicht mit Nebensächlichkeiten auf und startet auch mit einem Paukenschlag. Mit der Ankunft des blutverschmierten Jungen ist es mit dem Frieden im Ort vorbei und nach und nach werden finstere Abgründe aufgedeckt, während die örtlichen Polizisten versuchen, das Rätsel zu lösen und das Schlimmste zu verhindern. Die Geschichte ist halbwegs originell, das Tempo passt, die Effekte sind blutig und auch ansonsten gibt es hier im Grunde nicht viel zu meckern. Die restlichen Kritiken sind ebenfalls durchaus positiv und die DVD wird verramscht, sodass man durchaus einen Blick riskieren kann.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

A Woman under the influence

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01.jpg (22.89 KiB) 189 mal betrachtet
Mabel ist seit 10 Jahren mit Nick verheiratet, der jedoch aufgrund seiner Arbeit kaum zu Hause ist, während das Leben der Frau in mittleren Jahren mit ihren drei Kindern von zunehmender Überforderung geprägt ist. Ihre kleinen Ticks werden von Nick liebevoll zur Kenntnis genommen, während es auch ihrem Umfeld nicht verborgen bleibt, dass es Mabel psychisch nicht gut geht. Als es bei einer Kindergeburtstag zum Eklat kommt, erleidet Mabel einen Nervenzusammenbruch und wird in eine Klinik eingewiesen. Sechs Monate später wie Mabel entlassen, doch an ihrem Zustand hat sich wenig geändert und die von Nick initiierte Willkommensparty mit Freunden und Verwandten überfordert die Frau neuerlich…

Der große Klassiker des amerikanischen Indie-Films und ein realitätsnahes Portrait eines Paares in der Krise mit einer großartigen Gena Rowlands, die psychisch immer mehr in Ausnahmesituationen gedrängt wird, während sie versucht nach außen hin „normal“ zu wirken. Absolut kein einfacher Film, der auch dem Zuschauer so einiges abverlangt und sehr ambivalente Figuren bietet, die eindrucksvoll zeigen, wie sehr auch das Umfeld psychisch erkrankter Menschen leidet und wie schwer bzw. umöglich es ist, in solchen Situationen das richtige zu tun. Heutzutage hat sich zum Glück einiges zum Besseren gewandelt, wobei Filme wie „A Woman under the Influence“ sicher maßgeblich zum Verständnis der breiten Masse beigetragen haben. Die Figuren des Films würde man heutzutage auch anders bewerten und mit der Rolle des Peter Falk hab ich mir persönlich schon recht schwer getan. Dazu kommt ein fast dokumentarischer Regie-Stil, der perfekt zum Charakter der Geschichte passt und mir ebenfalls sehr nahe gegangen ist. Das Gegenteil von einem Wohlfühl-Film, der dem Zuschauer auch ein paar Mal ziemlich garstig den Boden unter den Füßen wegreißt und lange über den Abspann hinaus beschäftigen wird.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Copykill

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01.jpg (52.69 KiB) 155 mal betrachtet
Ein Jahr nachdem die Psychologin und Profilerin Helen nur sehr knapp einem Mordanschlag von einem Serienkiller entgeht, leidet diese immer noch unter den Folgen und wird dennoch indirekt wieder Ziel in einem mysteriösen Fall. Ein neuer Serienmörder, der nach berühmten Vorbildern mordet in San Francisco und stellt die ermittelnden Beamten vor große Rätsel. Die Polizistin MJ und ihr Partner Ruben beschließen Helen um Rat zu fragen, die widerwillig in die Untersuchungen einsteigt, aber mit ihrem Täterprofil dem Mörder schon sehr nahekommt. Dieser mordet jedoch weiter nach berühmten Vorbildern, eher er auch Helen auf seine Liste zu setzen, um das zu beenden, was sein Vorgänger nicht geschafft hat.

Weiter geht es mit meiner Achtziger-Neunziger-Thriller-Retrospektive und „Copykill“ den ich seinerzeit tatsächlich nie gesehen hab. Im Geiste von „Im Schweigen der Lämmer“ mordet hier ein Serienkiller nach berühmten Vorbildern und ackert dabei von Gacy über Dahmer so alles ab, was popkulturell verankert ist. Dazu gibt es eine von Phobien geplagte Psychologin, eine „Happy-go-Lucky“-Ermittlerin mit ihrem chauvinistischen Partner und noch vieles, vieles mehr, was hier so zusammenkommt. Logisch ist das zwar selten, aber dafür temporeich und unterhaltsam dargebracht, sodass man dem Film doch so einiges an Plotholes, Ungereimtheiten und Zufälligkeiten verzeiht. Sigourney Weaver und Holly Hunter machen ihre Sache toll und haben spannende Figuren, während die Männer hier eher in die zweite Reihe geschickt werden und als Stichwortgeber agieren. Das ist neben dem Handlungsort San Francisco schön zu sehen und auch sonst versprüht „Copykill“ sehr viel Neunziger-Charme und platziert sich mit seinem gekonnten Spannungsaufbau auch mühelos im oberen Mittelfeld.
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jogiwan
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Creation of the Damned / Gefangene der Tiefe

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exorcismo.png (102.4 KiB) 135 mal betrachtet
Irgendwo in der Nähe von New York treffen wir in einem geräumigen Apartment von Bob und Margie, ihrem fast erwachsenen Sohn Chris, sowie das befreundete Paar Carol und Arthur. Man lebt zusammen, spielt zusammen Billard, vertreibt sich die Zeit mit Lesen und Video schauen, während Chris die meiste Zeit vor dem Funkgerät verbringt oder Carol beobachtet. Erst später wird klar, dass die fünf ihre Zeit nicht freiwillig miteinander verbringen und das Zusammenleben auch zunehmend von Problemen und Paranoia geprägt ist, welche später auch in handfeste Konflikte steigern…

Spanischer Low Budget-Streifen mit gerade mal sechs Darstellern, der zu 90 Prozent in einem Apartment bzw. Studiokulisse spielt, dass der Zuschauer aufgrund des Beginns nach Nordamerika verortet. Zuerst wirkt auch alles recht normal, ehe man aufgrund des Verhaltens der Protagonisten merkt, dass bei der Szenerie etwas nicht stimmt. Die Wohnung ist ein Bunker unter der Erde, die Umgebung Atom-verseucht und die Eingeschlossenen warten über Funk auf weitere Instruktionen, die nur spärlich eintrudeln und auch wenig positiv sind. So kommt eines zum anderen und als auch noch das Essen ausgeht und einer nach dem anderen am Rad dreht, führt alles zur Eskalation. „Creation of the Damned“ lässt sich dabei viel Zeit und ist in der ersten Hälfte zugegeben auch etwas lahmarschig, während die zweite Hälfte wieder mehr Tempo aufnimmt und wesentlich stimmiger wirkt. Vor allem gegen Ende kommen auch ein paar Garstigkeiten ins Spiel, die aber immer eher subtil behandelt werden. Die Angst vor einem Atomschlag war in den Siebzigern ja präsent und wurde auch in „The People who own the Dark“ aufgegriffen, der aber in eine andere Richtung geht. „Gefangene der Tiefe“ ist dagegen eher ein über weite Strecken etwas unspektakuläres Kammerspiel mit grimmigen Ende, dass die klaustrophobische Stimmung nicht ganz so gelungen rüberbringt, aber dank der Darsteller, allen voran Craig Hill und Patty Shepard und ein paar Ruppigkeiten gegen Ende dem geneigten Fan dennoch zu gefallen weiß. Gesehen in der spanischen Fassung mit englischen UT in der jetzt schon empfehlenswerten "Exorcismo"-Box, die auch die englische Fassung an Bord hat. "Creation of the Damned" ist auch wie angekündigt codefree.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

The Living and the Dead

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01.jpg (139.57 KiB) 106 mal betrachtet
„The Living and the Dead“ ist ein Streifen, der die Zuschauerschaft doch stark zu polarisieren scheint. Einerseits ist der Streifen ein Psychodrama mit sehr unschönen Momenten, andererseits auch ein stilistisch überambitioniert wie unausgegoren erscheinendes Werk, bei dem man aber auch nicht wirklich weiß, worauf jetzt eigentlich der Fokus gelegt wurde. Zudem wirkt auch die Geschichte befremdlich, wenn der Vater Hals über Kopf das schlossartige Haus verlässt und die bettlägerige Gattin und den geistig beeinträchtigten Sohn einfach ihrem Schicksal zu überlassen scheint. Dieser entwickelt in weiterer Folge ein Beschützerinstinkte und ist dabei heillos überfordert, sodass die Katastrophe ihren Lauf nimmt. Allerdings wirkt das einerseits sehr effekthascherisch, dann wieder unglaubwürdig und auch mit optischen Verfremdungen und Zeitraffer-Effekten meint es Regisseur Simon Rumley auch etwas zu gut. Die Figurenkonstellation reicht meines Erachtens jedenfalls nicht für die Geschichte. Herausgekommen ist daher auch nur ein unangenehmer, teils ekliger Streifen über häusliche Pflege und geistige Beeinträchtigungen, der mich aber ohne Infos über den Zweck des Streifens oder Bezug des Regisseurs zum Geschehen doch eher ratlos zurücklässt.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

1 Mord für 2

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Andrew Wyke ist ein erfolgreicher Autor vor Kriminalromanen, der in einem modern eingerichteten und mit allerlei Überwachungskameras ausgestatteten Landhaus lebt und kürzlich von seiner Frau verlassen wurde. Nun steht der Liebhaber namens Milo Tindle vor der Türe und begehrt Andrews Einwilligung zu Scheidung, an die Andrew aber nicht denkt. Viel mehr kommt es zum verbalen Duell der beiden unterschiedlichen Männer, die später in einem zweifelhaften Angebot zu einem Juwelenraub enden. Milo soll Schmuck aus dem Safe stehlen und mit Andrews Frau ein sorgenfreies Leben führen. Doch all das ist nur ein perfider Plan um den Nebenbuhler zu demütigen und einen gehörigen Schreck zu verpassen, der jedoch auch nicht das wehrlose Opfer ist, sondern Andrew durchaus ebenbürtig erscheint.

Kenneth Branaghs Remake zu „Mord mit kleinen Fehlern“ mit zwei hochkarätigen Schauspielern, einem modernen Haus und allerlei Wendungen. Die mir unbekannte Vorlage basiert auf einem erfolgreichen Theaterstück und hatte Michael Cane in der Rolle von Milo, der unter der Regie von Branagh in der modernen Neuauflage nun den damaligen Gegenpart verkörpert. Herausgekommen ist ein Kammerspiel mit Wendungen, dass allerdings auch bewusst artifiziell und etwas seelenlos daherkommt und Emotionen auf Sparflamme hält. Das moderne Haus als Schauplatz wirkt oberflächlich, weil es zur Handlung nicht viel beizutragen hat, außer dass es modern aussieht und seine Protagonisten hübsch ausleuchtet. Die Figuren wirken eher kühl und distanziert und auch die Wendungen sollen laut anderen Kritiken der Vorlage entsprechen und nur geringfügig geändert und modernisiert worden sein. Wenn man „Mord mit kleinen Fehlern“ kennt, wird „1 Mord für 2“ wohl eher unnötig sein, aber so ist er durchaus interessant gemacht und von kurzer Dauer, sodass er sich als Krimi-Snack für zwischendurch eignet. Irritierend sind sicher wie leicht sich Milo zuerst manipulieren lässt und auch der eher irritierende "Horst Schlämmer"-Moment, der wirklich nicht sonderlich subtil daherkommt. Der immer schon etwas selbstverliebt erscheinende Branagh ist ja mittlerweile Experte für Hochglanz-Remakes, die man mögen kann, oder auch nicht. Ich neige generell immer zu den Originalvorlagen und das würde hier vermutlich auch nicht anders sein. Kann man gucken, oder besser gleich zur Vorlage greifen oder ins Theater gehen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Blood Simple

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01.jpg (62.88 KiB) 72 mal betrachtet
Schwarzhumoriger Thriller über böse Menschen, böse Pläne und Zufälle im Umfeld einer jungen Frau, die sich aus ihrer toxischen Beziehung mit einem Barbesitzer lösen möchte. Dazu ein neuer Lover, ein Auftragsmord, ein doppelt betrogener Auftragsgeber und eine Leiche, die so tot dann gar nicht ist und immer wieder das Unvermögen Probleme auch so zu benennen oder miteinander zu kommunizieren. Es kommt schon einiges zusammen im Regie-Debüt der Coen-Brüder und darüber schwebt immer der Geist der völligen Unberechenbarkeit, die den Streifen besonders macht. Irgendwie kommt es auch nie so, wie man es sich vorstellen würde und am Ende gibt es fast nur Verlierer auf allen Seiten. Eigentlich ist „Blood Simple“ ja „aktuelles Weltgeschehen im Kleinformat“ im Texas der Achtziger und zeigt hübsch, wie alles eskalieren kann, obwohl es eigentlich gar nicht müsste, wenn die Menschen nicht so viel Stolz und Vorurteile hätten. Toller Film!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Gonjiam: Haunted Asylum

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01.jpg (36.16 KiB) 55 mal betrachtet
Um die seit Jahrzehnten verlassene Gonjiam-Klinik ranken sich unrühmliche Gerüchte über Geistererscheinungen und vor allem eine verschlossene Türe zu einem Zimmer regt die Fantasie der Menschen an. Um der ganzen Sache auf den Grund zu gehen, soll eine Gruppe von Leuten die Klinik in der Nacht aufsuchen, während das ganze Unterfangen von dutzenden Go-Pro-Kameras und anderen Dingen in einem Livestream übertragen werden soll. Zuerst beginnt auch alles recht vielversprechend und die verlassene Klinik entpuppt sich als gruseliger Ort und während die Streaming-Zahlen in die Höhe steigen, zeigt sich, dass auch die Macher die Klaviatur der Angst beherrschen und hinter den Kulissen mit diversen Vorkehrungen dafür gesorgt haben, dass die anderen Mitspieler bald Todesängste auszustehen haben. Doch wenig später mischt sich noch eine Macht in das Treiben und dieses Mal sind die Geister echt…

Found Footage die Drünfzigste, dieses Mal in Form einer illustren Truppe, die mittels Livestream die Vorgänge in einer unrühmlichen und verlassenen Nervenklinik aufdecken wollen. Der „most disturbing found footage film“ aus Südkorea bietet aber wieder einmal die üblichen Muster dieser Filme, wobei dank moderner Technik auf zu viel Wackelkamera und Gekreische verzichtet wird. Auch bei den Jump-Scares hält man sich vornehm zurück, auch wenn die dunklen Räume und finsteren Ecken der Klinik jede Menge Potential dazu bieten würden. Leider enthüllt der Film relativ rasch die Tatsache, dass sich die Macher offensiv ins Geschehen mischen und anfänglich selbst für die Gruselmomente verantwortlich sind, ehe sich die echten Geister ins Geschehen mischen. Diese Enthüllung der Geschichte nicht wirklich gut tut und auch die unvermeidliche Hui-Bui-Momente wirken eher auf unfreiwillige Weise erheiternd, wenn die Nerven allzu schnell weggeschmissen werden. Die titelgebende Klinik mit dem Charme einer Lagerhalle gibt es ja wirklich und auch die Gerüchte dazu, aber so richtig gruselig ist das für den erfahrenen Fan natürlich alles nicht. Ich würde meinen, dass hier alles recht solide dargebracht wird und man mit eingeschränkter Erwartungshaltung auch recht gut unterhalten wird, während das Programm in üblicher Weise abgespult wird. Nicht mehr – nicht weniger.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Auge um Auge - Eye for an Eye

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01.jpg (54.3 KiB) 36 mal betrachtet
Bei den Vorbereitungen zur Geburtstagsparty ihrer kleinen Schwester wird Julie von einem Lieferanten vergewaltigt und ermordet, während ihre Mutter Karen hilflos am Telefon alles mithören muss. Wenig später ist der mutmaßliche Täter zwar gefasst, muss aber aufgrund eines Verfahrensfehlers wieder laufen gelassen werden. Zur Trauer mischt sich auch die Wut und die Tat belastet nicht nur ihre Ehe mit Mack und das Verhältnis zu ihrer Tochter, sondern auch sonst beginnt sich Karen zu verändern. Sie verfolgt den Täter, besucht eine Selbsthilfegruppe, besorgt sich eine Waffe und versucht gegen die Regeln der Vernunft und dem Rat ihres Umfelds die Gerechtigkeit selbst in die Hand zu nehmen, ohne zu ahnen, dass sie dafür selbst alles riskieren muss.

Was es nicht alles gibt: Eine klischeelastige und etwas glattgebügelte „Ein Mann sieht rot“-Variante von John Schlesinger mit Sally Field als Racheengel und Kiefer Sutherland als Täter, der recht wenig Raum für Differenzierungen lässt. Die Mutter ist der erfolgreiche amerikanische Durchschnittstyp, der Täter natürlich abgrundtief böse, das Rechtssystem lückenhaft und fehleranfällig, sodass in Eigenregie und mit Waffengewalt die Gerechtigkeit wieder hergestellt werden muss. Der Zuschauer soll dabei wohl das moralische Dilemma der betroffenen Mutter nachvollziehen und dennoch wirkt das alles auch wie ein Werbefilmchen der Waffenindustrie oder Law&Order-Politik, wie wir das aktuell auch wieder erleben müssen. Der Film selbst ist eigentlich gut gemacht, gut gespielt und dennoch irgendwie verwunderlich, dass ich im Zuge meiner Thriller-Retrospektive eher zufällig darauf gestoßen bin und so ein Werk mit Anleihen des Siebzigerjahre-Exploitation-Kinos Mitte der Neunziger noch möglich war.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Trouble in Mind

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01.jpg (19.66 KiB) 20 mal betrachtet
Der frisch aus dem Knast entlassene Ex-Cop Hawk besucht seine Freundin Wanda, die in der retrofuturistischen Metropole Rain City ein Frühstückscafe betreibt, in dem sich allerlei exzentrische Gestalten herumtreiben. Wenig später landet auch das junge Paar Georgio und Coop mit Wohnwagen und Baby in der Absteige und erweckt das Interesse der Beiden. Wanda gibt Georgia einen Job, während Coop mit Gaunereien versucht Geld zu verdienen, um die junge Familie über Wasser zu halten. Hawk entwickelt Beschützerinstinkte für Georgia, während er auch mit Sorge das Treiben von Coop verfolgt, der sich mit immer größeren und brutaleren Deals auch in der Unterwelt zu behaupten weiß. Als er sich mit dem Gangsterboss Hilly Blue anlegt, begibt er sich allerdings in große Gefahr und Hawk verspricht Georgia ihn vor dem Schlimmsten zu bewahren, auch in Hinblick Geogias Herz so für sich alleine zu gewinnen.

„Trouble in Mind“ ist eine ungewöhnliche, aber auch immer etwas seltsam anmutende Mischung aus Noir und Kostümball mit einem Hauch Sci-Fi und Pulp. Angesiedelt in einer fiktiven Stadt namens Rain City tummeln sich hier allerlei schräge Charaktere, denen aber kaum Background gegeben wird und bei denen man auch nie so richtig weiß, wie man diese verorten soll. Hawk ist ein Ex-Cop, der aus dem Gefängnis entlassen wurde und wieder hinabtaucht in die Unterwelt, um die junge und naive Georgio zu beschützen, deren Gatte drauf und dran ist, alle in große Gefahr zu bringen. Dabei switcht der Streifen zwischen Love-Story, Thriller und Komödie hin und her, ist manchmal maßlos überzeichnet, sleazy und dann wieder dramatisch. Dazu kommt ein furchtbarer Achtziger-Look, Frisuren die kaum auszuhalten sind, ein sperriger Soundtrack mit Marianne Faithful und Saxophon und ein Handlungsort, der mit totalitären Strukturen ebenfalls nie so wirklich festzumachen ist. Herausgekommen ist ein durchaus interessanter, sicherlich ungewöhnlicher aber gleichzeitig auch völlig verfahrener Film irgendwo zwischen Arthouse, Bahnhofskino und Seifenoper in dem sich die Protagonisten scheinbar orientierungslos durch die Handlung treiben lassen und auch ich als Zuschauer nicht so recht weiß, was ich davon eigentlich halten soll.
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