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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Do 2. Apr 2026, 19:54
von jogiwan
Messiah Superstar

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Thomas hatte unter seinem Künstlernamen Messiah in den Neunzingern einen riesigen Eurodance-Hit mit dem Titel „XTC“, ehe eine Mischung aus Selbstüberschätzung, Drogen und abgehobenes Verhalten zu seinem Absturz führten. Nun führt er aber gemeinsam mit seiner Mutter mehr schlecht als recht ein Restaurant in Berlin und hechelt den Zeiten hinterher, in denen er von Fans und Medien gleichermaßen hofiert wurde. Bei seinem Versuch eines Comebacks im Zuge des 90er-Jahre-Retro-Booms wird Thomas von einem Filmteam begleitet, die ihn und sein Umfeld gleichermaßen portraitieren und das Bild eines gescheiterten Künstlers zeigen, der trotz aller Widrigkeiten und Rückschläge niemals den Glauben an sich selbst verloren hat.

Überraschend lustige Serie aus Deutschland mit überraschend viel Fremdscham-Humor, von der ich bis vor kurzem noch nichts gehört hatte. Die erste Episode ist aber sowas von temporeich und schräg und auch wenn die restlichen Episoden das sehr hohe Niveau nicht halten können, ist „Messiah Superstar“ insgesamt schon eine sehr lohnende Sache mit viel 90er-Charme und Selbstironie und teils haarsträubender Situationskomik. Thomas ist ja eigentlich ein armes Würstchen, der sein Umfeld mit Allüren nervt und sich vor allem mit völliger Selbstüberschätzung zum Affen macht und dabei auch noch sehr unbedarft zu Wege geht. Im Stil von „Spinal Tap“ werden dabei als Mockumentary die Mechanismen der Popkultur durchexerziert und viele Stars und Sternchen aus der Zeit geben sich die Ehre, um auch eine entsprechende Authentizität zu erreichen. Die Charaktere sind schrägt und liebenswert, die Ereignisse zum Schreien komisch und immer wenn man glaub, es kann nicht mehr ärger werden, setzt die Serie noch einen drauf. Warum man Thomas noch nicht längst im Dschungelcamp gesehen hat, liegt wohl daran, dass der Charakter leider nur fiktiv ist und auch „Messiah Superstar“ noch um eine Staffel verlängert wird.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Fr 3. Apr 2026, 20:15
von jogiwan
Bad Influence - Todfreunde

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Michael hat einen gut bezahlten Job in der Finanz-Branche, eine Beziehung, eine große Wohnung mit Terrasse und ist im Rennen um eine Führungsposition, obwohl es mit seinem Durchsetzungsvermögen nicht zum Besten steht. Als er eines Tages in einer Bar auf Alex trifft, so ist dieser das genaue Gegenteil: skrupellos, zielstrebig, draufgängerisch und am Puls des Lebens. Trotz der unterschiedlichen Charaktere entsteht eine Freundschaft und Alex hilft Michael dabei, seine Ziele zu erreichen und dabei die Konkurrenz mit den eigenen Waffen zu schlagen. Bald wird Alex zunehmend manipulativ und bringt Michael in unangenehme bzw. kriminelle Situationen und als Michael bemerkt, dass er immer mehr zu Spielball eines Psychopathen wird und die Reißleine ziehen möchte, ist es bereits zu spät…

Ich mag ja diese Hochglanz-Yuppie-Thriller aus den Neunzigern ja generell recht gern, als dieses Lebensmodell zwischen Geld und Skrupellosigkeit noch als erstrebenswert propagiert wurde und dann genüsslich zerlegt wird. Auch „Bad Influence“ schlägt in diese Kerbe und zeigt Menschen mit viel Geld, aber wenig Moral bzw. einen jungen Mann, der eigentlich alles hat, was man sich wünschen würde und dennoch nicht zufrieden scheint. Mit dem Auftauchen von Alex ändert sich das Leben und auf einmal stehen nicht mehr Erfolg und Beruf, sondern auch andere Dinge auf der Tagesordnung. Dabei sind die Ereignisse zuerst noch recht harmlos, ehe die Spannungsschraube immer weiter angezogen wird und man Zeuge wird, wie schnell so ein Abstieg von statten gehen kann. Dabei ist „Bad Influence“ sehr stylisch geraten, bietet schöne Bilder und tolle Darsteller und wirkt auch inhaltlich gar nicht so sehr in den Neunzigern verhaftet, da es um universelle Themen wie Freundschaft und Loyalität geht. Eigentlich eine rundum gelungene Sache, bei der nur die deutsche Synchronstimme von Rob Lowe so gar nicht passt – sonst gibt es hier auch nichts zu meckern.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Sa 4. Apr 2026, 20:02
von jogiwan
Cliffhanger

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Der Action-Thriller für Couch-Potatoes und sonstige Leute, die wohl noch nie in den Bergen waren. „Cliffhanger“ sieht mit seiner Kulisse und schroffen Steilhängen natürlich sehr schön aus, aber Distanzen, mangelnde Ausrüstung, Minusgrade, Schneesturm und Höhenmeter sind hier alles so gar kein Problem und notfalls nimmt man hier einfach die Abkürzung durch (!) den Berg. Darüber sollte man besser nicht zu sehr nachdenken, dann funzt der Streifen mit Sly Stallone als Bergretter, drei Koffer voller Bargeld und einer Horde Krimineller in den als Rocky Mountain verkleideten, italienischen Dolomiten auch recht gut. Statt Helden-Pathos gibt es menschliche Charaktere, die über sich hinauswachsen müssen und jede Menge Szenen, dass auch unter Beweis zu stellen. Das Tempo ist hoch, die Outdoor-Kulissen beeindruckend, es rappelt in der Kiste und auch der Cast hatte offensichtlich seinen Spaß an dem Treiben. Aber in Momenten, wo Sly im ärgsten Schneesturm im Ruder-Leiberl auf den Berg geschickt wird, um seinen stählernen Körper präsentieren zu können, ist das Ganze dann doch etwas zuviel des guten und ich glaube auch so, dass „Cliffhanger“ nun einmal voll und ganz auf seinen Hauptdarsteller zugeschnitten ist. Der Streifen ist in meinen Augen zwar mehr Action als Thriller, aber insgesamt durchaus okay und macht in den richtigen Momenten auch sicherlich großen Spaß.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: So 5. Apr 2026, 19:26
von jogiwan
Supernatural

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Die von ihrem gewalttätigen Ehemann und toxischen Ehe geflohene Julia erreicht in Barcelona die Nachricht, dass dieser bei einem Unfall schwer verletzt wurde. Zurück in Madrid ist dieser aber bereits verstorben und ein befreundeter Pfarrer übernimmt die Formalitäten der Bestattung. Damit ist der Alptraum aber noch nicht zu Ende und am Abend des Todestages steht ein Medium im Haus, dass behauptet, dass der Verstorbene Kontakt zu Julia sucht. Diese glaubt zuerst nicht an Geister, doch wenig später geschehen sehr seltsame Dinge und auch ihr neuer Freund Victor wird Zeuge von Phänomenen, die sich rational nicht erklären lassen. Was zuerst noch eher harmlos beginnt, verwandelt sich aber immer mehr in eine reale Bedrohung und schon bald müssen auch die Menschen in Julias Umfeld spüren, wie sehr der Hass und die Eifersucht auf seine Ehefrau selbst nach dessen Tode noch nachwirkt.

In den Siebzigern und Achtzigern war das Interesse an Parapsychologie groß und die Wissenschaft zur Stelle, wenn es darum ging, vermeintlich übernatürliche Phänomene auf die Spur zu kommen. „Supernatural“ ist dabei eine recht plakative Mischung aus Geisterfilm mit wissenschaftlichem Deckmantel, in der auch Einrichtungsgegenstände und sonstige Dinge durch die Gegend fliegen und der auch ein, zwei garstige Szenen zu bieten hat. „Supernatural“ ist ja recht solide und flott inszeniert, auch wenn sich in der zweiten Hälfte die Dinge wiederholen und die wissenschaftliche Aura-Fotografie jetzt nicht gar so spannend ist. Der verstorbene Ehemann traktiert als Geist seine noch lebende Ehefrau, die von Christina Galbo auch sehr packend gespielt wird und einiges erdulden muss. Gar so spooky wird es aber nicht und als sonderlich subtil würde ich die Geisterbahnfahrt auch nicht bezeichnen, wenn gefühlt im Sekundentakt was passiert und alle immer noch so tun, als wäre es die normalste Sache der Welt. „Supernatural“ ist aber flott erzählt, durchaus ruppig dargebracht und ein paar Überraschungen gibt es auch noch, sodass es auch nicht viel zu meckern gibt. Kein absolutes Highlight, sondern gute spanische B-Ware mit sympathischer Hauptdarstellerin und allerlei Hui-Bui.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Mo 6. Apr 2026, 20:03
von jogiwan
Poppers / Hunting

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Während eines Konzerts ersticht der Sänger Santos seinen besten Freund aus Eifersucht und landet im Jugendgefängnis. Schon zwei Jahre später wird er überraschend entlassen, doch nicht wegen guter Führung, sondern aufgrund eines perfiden Plans. Der Vater des getöteten Jugendlichen und fünf andere, schwerreiche und einflussreiche Leute haben eine Menschjagd geplant, bei der Santos als vermeintlich leichte Beute gejagt werden soll. Doch der Plan geht schief und Santos kann fliehen, ebenfalls mit dem Vorsatz, sich an seinen Peinigern zu rechnen, wobei ihm auch die Tänzerin Lola und ihr Wissen über die Abgründe der spanischen Gesellschaft einen gewissen Vorteil verschafft.

Der spanische Streifen „Poppers“ aus dem Jahr 1984 ist ja überraschenderweise keine weitere Verfilmung von „Dr. Zaroff – Genie des Bösen“ sondern eher eine knallbunte Abrechnung mit den Mächtigen, wie sie wohl nur zur Zeit der hedonistischen „Movida Madrilena“-Bewegung entstehen konnte. Hoffnungslos überambitioniert, hochgradig seltsam, quietschbunt und immer etwas neben der Spur entwickelt sich hier eine teils quietschbunte, teils surreale Groteske über einen jungen Mann, der ohne Moralvorstellungen zuerst zur Beute, dann zum Jäger wird, um einflussreiche, wie schreckliche Mächtigen die Leviten zu lesen. Dabei gibt es viel Musik, Tanz und nackte Haut, sowie auch jede Menge Momente, wo man sich eigentlich fragen muss, was sich die Macher dabei gedacht haben. Auch die Ausstattung nimmt hier einen großen Schwerpunkt ein und die ist auch immer völlig neben der Spur, wenn sich während eines Konzerts auf einmal eingesperrte Skinheads neben einer Horde Ziegen finden, während die Sängerin sich lasziv zu Klängen bewegt, die ebenfalls so gar nicht zur Szenerie passen. Warum weiß wohl niemand mehr so genau, aber „Poppers“ ist wohl irgendwo zwischen „Querelle“, „Gesetz der Begierde“, „The Most Dangerous Game“ und B-Movie-Softsex einzuordnen, der zwar inhaltlich ordentlich schlingert, aber dabei stets genügend Schauwerte bietet, um nicht zu langweilen. Wie die deutsche Fassung ist, müsste ich noch herausfinden, aber auf Blu-Ray und im Original sieht „Poppers“ sehr gut aus und ist auch ein hübscher, wie auch gelungener Spielfilm-Abschluss der empfehlenswerten „Exorcismo“-Box.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Di 7. Apr 2026, 19:57
von jogiwan
Red Rock West

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Auf der Suche nach einem Job landet der Texaner Michael in einem kleinen Ort namens Red Rock West in Wyoming und wird dort von dem örtlichen Barbesitzer Wayne für einen Auftragskiller gehalten, der seine Frau Suzanne ermorden soll. Michael nimmt zwar die Anzahlung, aber warnt Suzanne um sich danach aus dem Staub zu machen. Doch Michael kommt nicht weit und Wayne entpuppt sich auch noch als örtlicher Sheriff, der natürlich keine Zeugen für seinen Plan die untreue Ehefrau zu ermorden gebrauchen kann. Doch nicht nur er spielt im Spiel um das große Geld mit falschen Karten und als der tatsächliche Killer ebenfalls in Red Rock West auftaucht geht es für alle Beteiligten bald um Leben und Tod.

Wendungsreicher und raffiniert erzählter Thriller über einen Mann, der recht unvermittelt in einem kleinen Ort in Wyoming für einen Auftragskiller gehalten wird und so in ein Spiel aus Macht, Geld und Intrigen gerät. Durch eine Verkettung eher unglücklicher Umstände wird der unverhoffte Geldsegen aber rasch zum Bumerang und Michael muss sich plötzlich auf allen Seiten seiner Haut erwehren. Zwar gibt es allerlei Zufälle, die man als Zuschauer akzeptieren muss, aber John Dahl präsentiert seine Geschichte sehr temporeich und flockig und auch wenn man weiß, dass die Sache natürlich völlig aus dem Ruder läuft, bleibt es dank allerlei Überraschungen und undurchsichtiger Charaktere auch bis zum Ende spannend und unberechenbar. Die Motivation der Hauptfigur wirkt nachvollziehbar und auch wenn die Figuren dem üblichen Mustern entsprechen vermag John Dahl das Beste auch ihnen herauszuholen und selbst die Western-artige Kulisse passt hier ganz gut. Im Grunde ein mehr als solider Streifen mit hohem Unterhaltungswert, der seine Mischung aus Noir-Thriller, Kleinstadt-Drama und schwarzer Komödie auch sehr ausgewogen präsentiert. John Dahls Neo-Noir-Trilogie macht wirklich großen Spaß.

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Verfasst: Mi 8. Apr 2026, 20:09
von jogiwan
36 Stunden bis zum Tod

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Eigentlich sollte sich Brauerei-Besitzer Noah nach einem knapp überstandenen Herzinfarkt noch schonen, als ihn beunruhigende Nachrichten aus der Buchhaltung erreichen. Sein Bruder hat Geschäfte mit der Mafia gemacht und der Betrieb soll mit manipulierten Bank-Überweisungen in den Konkurs geschickt werden. Als Noah dieses verhindern möchte, gerät er nicht nur ins Visier der Mafia, sondern auch in das des FBI, die dem aufstrebenden Mafiaboss das Handwerk legen wollen. Doch Noah wagt mit seinem Umfeld den Alleingang und sticht so in ein Wespennest, dass sein Leben auf den Kopf stellt und auch seine Familie in größte Gefahr bringt.

Neunziger-Thriller aus TV-Produktion mit Treat Williams, der für seine Verhältnisse eigentlich überraschend ruppig daherkommt. Die Geschichte über die feindliche Übernahme einer Brauerei durch die Mafia wirkt zwar etwas bei den Haaren herbeigezogen, aber der Rest ist solides Kino, wenn sich der gesundheitlich angeschlagene Besitzer mit seinem Umfeld gegen die Schergen der Mafia zur Wehr setzt und dabei auch allerlei Porzellan zu Bruch geht. Treat Williams sehe ich ja immer gerne und auch Kim Cattrall darf hier mal etwas anderes, als Cocktails zu schlürfen und über Männer und Mode zu philosophieren. „36 Stunden bis zum Tod“ beginnt relativ harmlos, aber mit fortschreitender Laufzeit merkt man gar nicht mehr, dass es sich hier um eine TV-Produktion mit vergleichsweise kleinerem Budget handelt und Regisseur Yves Simoneau führt seine Darsteller routiniert und temporeich durch alle familiären Belastungsproben und mafiösen Übergriffen. Vielleicht kein Highlight, aber doch solide Thriller-Ware aus den Neunzigern mit Mafia-Touch und einem sympathischen Hauptdarsteller, der 90 Minuten bestens unterhält.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Do 9. Apr 2026, 19:53
von jogiwan
Kiss of Death

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Autoknacker Jimmy hat eigentlich den Ausstieg aus dem Milieu geschafft, als er eines Abends noch zu einem letzten Deal als Fahrer genötigt wird. Dieser geht prompt schief und er wandert für mehrere Jahre ins Gefängnis und muss bald noch einen weiteren Schicksalsschlag verkraften. Um seine Tocher weiterhin sehen zu können, willigt er in einem Deal mit der Staatsanwaltschaft ein, um den aufstrebenden Mafiaboss Little Junior hinter Gitter zu bringen und kommt diesen bald näher als ihm lieb ist. Bald gerät Jimmy jedoch zwischen die Fronten und muss erkennen, dass ihm weder die staatlichen Behörden noch die Mafia dauerhaft Schutz gewähren können und er beschließt gemeinsam mit dem Polizisten Calvin sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen…

Mafia-Thriller von Barbet Schroeder, der sich auch nicht lange mit Nebensächlichkeiten aufhält und für die Dauer von knapp 90 Minuten auch überraschend temporeich ausgefallen ist. Hier ist es wieder mal ein „letzter Deal“ der gehörig schief läuft und ein Autoknacker, der eigentlich mit seiner kriminellen Vergangenheit abgeschlossen hat und sich auf einmal als polizeilicher Spitzel mitten in Milieu- und Revierstreitigkeiten wiederfindet. David Caruso mag ich ja sehr gerne und Nicolas Cage ist die Rolle als psychopathischer Mafiaboss wieder einmal auf den Leib geschrieben. Die Ereignisse überschlagen sich förmlich und irgendwann bemerkt auch Jimmy, dass er hier als Schachfigur beider Parteien im Grunde nur verlieren kann. Dabei ist „Kiss of Death“ auch eher ruppig, wendungsreich, unvorhersehbar und bietet auch schwarzhumorige Momente. Auf den üblichen Gangster-Pathos wird verzichtet und Barbet Schroeder hält auch geschickt die Fäden in den Händen, dass „Kiss of Death“ trotz aller Wendungen kurz und knackig bleibt. Auch wieder so ein gelungener Thriller, den man sich durchaus wieder in Erinnerung rufen kann.

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Verfasst: Fr 10. Apr 2026, 19:43
von jogiwan
Office Killer

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Bei dem Magazin „Customer Consumer“ stehen Einsparungsmaßnahmen an und Norah wird von der cholerischen Chefin Virginia beauftragt die Belegschaft wahlweise zu feuern oder kostensparend ins Home Office zu schicken. Auch die unscheinbare Dorine ist davon betroffen und soll in Zukunft im Keller ihres Hauses ihre Arbeit verrichten und nebenher ihre auf den Rollator angewiesene Mutter pflegen. Ein kleiner Unfall in der Arbeit bringt Dorine jedoch bald auf eine wagemutige Idee, wie sie nicht nur ihren Job retten kann, sondern sich auch ihren Heimarbeits-Bereich hübscher gestalten kann, sodass sie dabei nicht gänzlich auf ihre geschätzten Kollegen und Kolleginnen verzichten muss…

„Office Killer“ ist der eher missglückte Versuch die Home-Office-Einsparungs-Debatte in Form eines satirischen Slashers abzuhandeln, in dem sich überzeichnete Figuren und Ereignisse die Klinke in die Hand geben. Cindy Sherman ist eine bekannte Fotografin und viele Einstellungen zeugen von einem geschulten Auge, nur leider ist die Geschichte ziemlich mau und nervt zudem mit ihren Figuren, Schulhof-Psychologie und einen Mischmasch aus unterschiedlichen und unausgereiften Ideen die hier so zusammenkommen. Hätte ein Mann bei „Office Killer“ Regie geführt, hätte man sicherlich die hysterischen, weiblichen Charaktere völlig zurecht kritisiert, aber dass gerade eine weibliche Regisseurin ihre Geschlechtsgenossinnen so derart in ein schlechtes Licht rückt, ist eigentlich schon arg befremdlich. Zudem gibt es viele Figuren, die auch wenig bis gar keine Funktion haben und nur kreischend in der Gegend herumlamentieren und Hysterie verbreiten. Carol Kane mag ich normalerweise gerne, aber hier ist sie kaum auszuhalten und auch über die restlichen Figuren hülle ich hier lieber den Mantel des Schweigens. Herausgekommen ist ein Streifen, der weder witzig, noch spannend, noch sonderlich satirisch oder originell ausgefallen ist, nie so wirklich in die Gänge kommt und sich auch zwischen alle Stühle setzt. Die Idee einen Film über Einsparungsmaßnahmen und Personaldebatte auf diese Weise zu inszenieren klingt zwar prinzipiell lustig, aber das Endergebnis ist leider nicht.

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Verfasst: Sa 11. Apr 2026, 20:32
von jogiwan
L.A. Confidential

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Toll erzählter Neo-Noir-Thriller im Los Angeles der Fünfziger-Jahre mit Mafia und einer Prise Hollywood über charakterlich sehr unterschiedliche Polizisten, die gemeinsam einen Kriminalfall lösen, der sich bis in die höchsten Kreise zieht. „L.A. Confidential“ startet ja auch temporeich mit vielen Charakteren und unterschiedlichen Blickwinkeln, dass einem ja fast Hören und Sehen vergeht und dennoch fallen Regisseur Curtis Hanson auch nie die Fäden aus der Hand und die scheinbar losen Handlungsstränge verdichten sich immer mehr, ehe man das ganze Ausmaß des Falles erkennen kann. Dabei gibt es zuhauf bekannte Gesichter und Überraschungen und gegen Ende auch sehr spannend. Mich haben die vielen Namen und Auszeichnungen ja eher abgeschreckt, aber als mainstreamig oder glattgebügelt würde ich „L.A. Cofidential“ ja nicht bezeichnen und da sind es eher meine früheren Vorbehalte, die ich hinterfragen muss. Manchmal dauert es einfach länger und der Streifen ist wie alle anderen Werke von Curtis Hanson, die ich bislang kenne und jetzt kommen wohl noch ein paar andere dazu. Hat mir ausnehmend gut gefallen und eine Top-Platzierung in meiner 80/90er-Thriller-Retrospektive ist dem Film jetzt schon gewiss. Tipp!