Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn Blap.

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Blap
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn B

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Kleine Hartbox aus der CMV Trash Collection (#51)


Die Mumie des Pharao (Italien, Ägypten, USA 1981, Originaltitel: Dawn of the Mummy)

Gold und Mettgut, hirntoter Ritt durch die Wüste

Gierige Grabräuber öffnen die Ruhestätte des Safiraman. Noch bevor die Burschen in aller Ruhe nach dem begehrten Goldschatz suchen können, taucht plötzlich ein Fotograph mit einem kleinen Rudel Fotomodellen im Schlepptau auf. Bisher fanden die Amerikaner keine eindrucksvollen Motive in der Wüste, was sich nun zum Leidwesen der Grabschänder schlagartig ändert. Flugs bauen die ungebetenen Gäste ihre Ausrüstung auf, rauben den Dieben nahezu den letzten Nerv. All diese schändlichen Vorgänge lassen Safiraman aus seiner Totenruhe erwachen. Mit ihm erhebt sich seine Armee der Toten aus dem Staub, niemand soll dem Zorn des Pharao entkommen. Nicht nur in den Grabräumen schlägt der alte Herrscher zu, auch in der nahen Oase und der nächsten Ortschaft, werden Safiraman und seine Untoten für Angst und Schrecken sorgen...

Regisseur Frank Agrama bietet dem Zuschauer einen sehr sympathischen Horrorstreifen an. Zunächst schreitet die Handlung im gemäßigten Tempo voran, sieht man von den schnoddrigen Dialogen ab, fühlt man sich unwillkürlich an Gruselstreifen aus den fünfziger und sechziger Jahren erinnert. "Die Mumie des Pharao" ist aber auch eindeutig als Kind der frühen achtziger Jahre identifizierbar, das Finale könnte durchaus aus einem typischen Italo-Horrorflick aus dieser Zeit stammen. Daher mag sich der Film ein wenig zwischen die Stühle setzen, denn Freunden klassischer Horrorwerke dürfte es zu kaputt und blutig zugehen, während die andere Fraktion das groteske Treiben vermutlich als langweilig abkanzeln wird.

Zu den Schauspielern mag ich nicht viel schreiben. Besonders bei der Erstsichtung muten die Damen und Herren sehr blass an, fallen weder positiv noch negativ auf. Die Herren geben wahlweise den Macho, Gönner oder Depp (vereinen teils alle Aspekte in sich), die Damen zicken, plärren, keifen und taumeln durch die Landschaft. Dies erweist sich allerdings nicht als störend, die Fratzen gehen auf angenehme Weise in der Gesamtheit dieses epischen Überwerks auf (hä?). Der Flick lebt von seiner liebenswerten, übergreifenden "Jahrzehnte-Mixtur", aus der eine äusserst knuffige Atmosphäre erwächst. Beim Anblick der Mumie kommt Freude auf, wenn die Zombies des Herrn Pharao dem Sandkasten entsteigen, macht sich endgültig wohlige Stimmung in meinem Herzen breit. Bezüglich nackter Tatsachen hält sich das Werk bedeckt (haha), die blutigen Momente kommen überraschend krude daher. Zunächst präsentiert sich alles eher harmlos, die ersten Panschereien sorgen daher für kleine Ausrufezeichen. Freilich darf der Filmfreund nun keine wild-hysterische Blutorgie erwarten, doch vor allem in der letzten Viertelstunde hauen der alte Wickel und seine Gesellen fröhlich und saftig aufs Mett. Qualitativ sind die Effekte mehr putzig als schockierend, passen sich dem vorherrschenden Niveau des Gesamtpaketes an.

Dank der DVD aus der Trash Collection von CMV, kommt man in den Genuß zweier unterschiedlicher Fassungen. Die alte VHS-Version wurde um rund fünf Minuten Handlung erleichert, wodurch das Tempo ein wenig anzieht. Insgesamt halte ich die ungekürzte Fassung für eine Spur "runder", beide Varianten funktionieren jedoch sehr zufriedenstellend. Pixelzähler werden an der Scheibe keine Freude haben, aber diese Personen dürften sowieso kaum zur Zielgruppe der Veröffentlichung zählen. Ich halte die vorliegende Auswertung für brauchbar, lediglich die Kompression schwächelt zweitweise störend. Der Ton liegt in deutscher und englischer Sprache vor, ergänzend ist ein Kommentar des Regisseurs an Bord. Wie im Rahmen der hauseigenen Trash Collection üblich, hat CMV der DVD eine kleine Hartbox spendiert. Ferner wurde der Silberling im Rahmen der sogenannten "Retro-Edition" auf den Markt geworfen, bei dieser Reihe verwendet CMV Glasboxen (Super-Jewelcase). '84 Entertainment hat ein Repack der CMV-Scheibe am Start. Ältere Ausgabe von Laser Paradise (und weiteren Labeln) sollte man meiden, ebenso die gekürzte CMV Scheibe mit FSK 16 Freigabe.

Klar, von einem Klassiker und/oder Meisterstück ist "Die Mumie des Pharao" mindestes zweihundert Grabkammern weit entfernt. Selbst viele Fans deftiger Kost aus den frühen Achtzigern werden nicht vorbehaltlos mit dem Streifen glücklich werden. Mich hat die harmlose Sause gut unterhalten, ich habe mir zwei schöne Abende mit dem Film gemacht, weitere werden zweifellos folgen.

Zunächst wollte ich 6/10 ziehen, doch nach Sichtung beider Fassungen lege ich noch ein halbes Pünktchen drauf!

Lieblingszitat:

"Was ist hier los? Was sind das für Gestalten?"
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn B

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Nightmare on Elm Street - Mörderische Träume (USA 1984)

Freddy Krueger feiert seinen Einstand. Für mich hatte der Brandenburger zwar nie den Stellenwert von Jason Voorhees oder Michael Myers, alle Jahre wieder schaue ich mir seine Untaten jedoch gerne an. Wes Craven kommt mit wenigen Opfern aus, der Streifen bietet eine tolle Atmosphäre und einen Bösewicht mit Potential. John Saxon sorgt sich um seine Tochter, der junge Johnny Depp verwandelt sich in seinem ersten Kinofilm in eine rote Pfütze. Freddy (hier überwiegend "Fred" genannt) neigt noch nicht zu ausufernden Albernheiten wie in einigen späteren Auftritten, erste Tendenzen in Richtung Spassvogel sind allerdings deutlich erkennbar.

Wer Horror aus den achtziger Jahren mag, wird zwangsläufig auch auf Freddy Krueger treffen. Der Erstling ist ein unverzichtbarer Pflichtfilm, ordnet sich brav hinter "Freitag der 13." (1980) und "Halloween" (1978) ein. Wer sich mit den verfügbaren DVDs begnügen kann, sollte zur günstig erhältlichen "Nightmare on Elm Street Collection" greifen. In der Box sind die Teile 1-7 der Reihe enthalten, Teil 1 und 5 in der jeweiligen R-Rated-Variante.

8/10 (sehr gut)


Nightmare on Elm Street 2 - Die Rache (USA 1985)

Der verkokelte Satansbraten sucht erneut nach Opfern. Innerhalb der Reihe nimmt der Zweitling eine Sonderstellung ein, da Freddy auf etwas andere Art agiert. So ist "Nightmare 2" gewissermaßen mit dem fünften "Freitag der 13." vergleichbar. Den Hauptdarsteller Mark Patton zu mögen ist nicht ganz einfach, mit ein wenig Mühe gelingt das Unterfangen jedoch. Die Fortsetzung des ersten Teils mutet deutlich gwöhnlicher an, verliert besonders in den Disziplinen Atmosphäre und Intensität deutlich an Boden.

Ein kleiner Sonderling der Serie, andererseits ein eher unkreativer Teenie-Slasher. Mir gefällt der Flick auf nach rund 25 Jahren noch immer gut, er hat (im Gegensatz zum ersten Teil) aber spürbar an Boden verloren. Ich freue mich auf die Sichtung der folgenden Teile, von denen ich besonders den dritten Aufguss als sehr gelungen in Erinnerung habe. Erneut lege ich jedem Interessenten die Box ans Herz!

7/10 (gut)
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Blap
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn B

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DVD von Mondo Macabro (USA)


Satanico Pandemonium (Mexiko 1975, Originaltitel: Satánico pandemonium)

Luzifers Lust

Schwester Maria (Cecilia Pezet) erscheint der Teufel höchstpersönlich. Zunächst wehrt sich die Nonne gegen den Deibel, verfällt jedoch mehr und mehr ihren Gelüsten und dunklen Wünschen. Selbstgeißelung und Gebete können die Umtriebe Marias nicht aufhalten, bald sind erste Todesopfer zu beklagen. Maria ist dem jungendlichen Schafhirten zugeneigt, der ganz in der Nähe des Klosters in einer ärmlichen Behausung lebt. Als der Junge sich verzweifelt gegen die sexuellen Attacken der Ordensschwester stemmt, artet ein nächtlicher Besuch in ein bizarres Blutbad aus...

Bewusst halte ich den Inhaltseinblick diesmal sehr kurz, denn "Satanico Pandemonium" will von aufgeschlosssenen Filmfreuden auf eigene Faust entdeckt werden. Der mexikanische Regisseur Gilberto Martínez Solares (1906-1997) hat im Laufe seiner langen Karriere über einhundertfünfzig Filme inszeniert, jede Menge Komödien gehen auf sein Konto. Mit dem hier vorliegenden Werk gelang ihm ein sehr respektabler Beitrag zum Nunsploitation-Genre, garniert mit einer märchenhaften Horror-Atmosphäre. Märchen ist im Bezug auf "Satanico Pandemonium" ein treffendes Stichwort. Obschon Nacktheit und Gewalt eine Rolle spielen, wird der Streifen von der bereits erwähnten "märchenhaften Horror-Atmosphäre" dominiert. Klar, in typischen Märchen umschreibt man entsprechende Auswüchse (mehr oder weniger) geschickt, geht weniger offensiv mit erotischen Elementen um. Sadistische Machenschaften werden dort keineswegs ausgesperrt, wer erinnert sich nicht an die "rotglühenden Eisenpantoffeln" aus Schneewittchen, in denen die böse Königin bis zum Eintritt des Todes tanzen musste?

Wer nun jedoch auf wildes Gerödel, fliegende Körperteile und Blutfontänen hofft, der hat eindeutifg auf Sand gebaut. Die Nacktszenen sind meist von erotischer Schönheit geprägt, beschränken sich in erster Linie auf eine gepflegte Dosis Nippelschau. Der Besuch beim Schafhirten gerät ausser Kontrolle, dort verlieren die Verantwortlichen für einige Momente die Contenance. Unerwartet ruppig lässt Maria ihrem Zorn und ihrer Enttäschung freien Lauf, der Einschub verkommt trotz seiner blutroten Konsequenz nicht zum selbstzweckhaften Krawall, sondern unterstützt letztlich die Kraft und Eindringlichkeit (im wahrsten Sinne des Wortes) des Films. An Symbolen mangelt es auf keinen Fall, beachtet z. B. den immer wieder auftauchenden roten Apfel. Hin und wieder springt die Handlung recht holprig voran, wirkt ungelenk und harsch aufs Ziel zugeschoben. Ob dies dem Drehbuch oder den Produktionsumständen geschuldet ist, erscheint mir aus heutiger Sicht nicht mehr relevant, denn selbst die handwerklichen Unzulänglichkeiten können den Film nicht nachhaltig beschädigen. Der Score soll nicht ohne Würdigung bleiben, psychedelisch anmutende Klänge und Nonnengesäusel sorgen für die passende musikalische Untermalung.

Cecilia Pezet erweist sich als Glücksgriff, besser hätte man die Hauptrolle kaum besetzen können. Frau Pezet schaut überzeugend naiv und bei Bedarf geschockt aus ihrer Ordenstracht hervor, bringt Angst, Verzweiflung und Wärme glaubhaft rüber, beherrscht aber auch Hass und Verschlagenheit ohne Einschränkungen. Gleichzeitig ist Cecilia Pezet eine sehr attraktive Erscheinung, die umgehend die Phantasie des Zuschauers anregt (in welche Richtung die Gedanken driften, bleibt naturgemäß jedem Betrachter selbst überlassen). Enrique Rocha verkörpert den Leibhaftigen nicht minder treffsicher, er geht vermutlich auch in der "realen Welt" als Frauentyp durch. Ich möchte euch (und mir) die Auflistung sämtlicher Nebenfiguren ersparen, beschränke mich daher auf möglichst wenige Worte. Die Mutter Oberin grummelt genretypisch vor sich hin, gehört aber zu den etwas zahmeren Vertreterinnen ihrer Zunft. Die ergänzenden Nönnchen sind nett anzuschauen, der Schafhirte ein typischer Jüngling, damit genug zum Ensemble.

Lasst euch bitte auf diesen schönen Film ein! Abseits von Hektik und hohlen Effektspektakeln, sorgt "Satanico Pandemonuim" für liebenswerte, sympathische Unterhaltung. Wieder eines dieser Werke in dessen Atmosphäre ich mit grösster Wonne eintauche, mich glückselig in der warmen Suhle wälze, die Welt vor der Tür vergesse. Sehr genehm ist mir das Ende, welches den Gedanken des Zuschauers keine krampfige Auflösung aufzwingt. Dank des zuverlässigen Labels Mondo Macabro dürfen sich interessierte Filmfreude auf die Reise begeben. Die Scheibe aus den USA präsentiert den Film in schöner Qualität, der spanische Originalton lässt sich durch englische Untertitel ergänzen, ferner ist die DVD codefree. Im Bonusbereich plaudert der Sohn des Regisseurs aus dem Nähkästchen, weitere sehenswerte Kleinigkeiten runden den guten Eindruck ab.

Fazit: Ein Film zum verlieben, ein echter Knuffel! Zunächst ziehe ich dicke 7,5/10 (gut bis sehr gut)! Doch mein Herz ist offen wie ein Scheunentor, da geht noch was...

Lieblingszitat:

"I don't fear Hell... ...for I AM Hell!"
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Blu-ray von Blue Underground (USA)


Circle of Iron (USA 1978, Originaltitel: Circle of Iron)

Tuco in der Tonne, Graf Dracula mit Mütze

Cord (Jeff Cooper) will um jeden Preis Zetan (Christopher Lee) finden, der das sagenumwobene Buch allen Wissens bewacht. Bis dahin sind einige Prüfungen zu bestehen, die vordergründig aus Prügeleien mit kampfstarken Widersachern bestehen. Cord fürchtet diese Auseinandersetzungen nicht, denn der selbstbewusste Bursche ist ein ausgezeichneter Kämpfer. Unterwegs begegnet unser Held einem rätselhaften Blinden (David Carradine), der offensichtlich völlig mühelos eine Truppe fieser Schergen umhaut. Beeindruckt folgt Cord dem Blinden, den er zunächst für den gesuchten Zetan hält. Weitere Abenteuer warten auf das ungleiche Duo, wird Cord eines Tages tatsächlich Zugriff auf die wahre Erkenntnis erhalten...???

Richard Moore inszenierte einen bunten und unterhaltsamen Mix aus Abenteuer, Fantasy und Martial Arts, der manchmal wie ein Ausblick auf die wenige Jahre später beginnende Welle der Barbarenfilme anmutet. Die Handlung entführt den Zuschauer in eine antike, exotische Welt, in der sich allerlei Helden, Fieslinge, Paradiesvögel und groteske Gestalten tummeln. Israel diente als Drehort, daher kann "Circle of Iron" mit herrlichen Außenaufnahmen wuchern, bietet dem faszinierten Betrachter wundervolle Kulissen und Ausblicke an. Gern wird werbewirksam darauf hingewiesen, dass Bruce Lee an der Entstehung ursprünglichen Geschichte beteiligt war. Später verlor er vermutlich das Interesse, letztlich wurde das Projekt erst einige Jahre nach seinem Tod realisiert. Eventuell wird sich der ein oder andere Filmfreud an den immer wieder auftretenden philosophischen Anmerkungen des Herrn Carradine stören, sie sind aber ein unverzichtbarer Teil der Geschichte, sorgten bei mir für manchen wohlwollenden Schmunzler.

Jeff Cooper blieb eine grössere Karriere leider verwehrt, da wundert es kaum, dass sich das Cover der BD sich in erster Linie auf David Carradine bezieht. Doch Ehre wem Ehre gebührt, daher zunächst ein paar Worte zu Jeff Cooper. Als drahtiger und ungestümer Held macht Cooper einen guten Job, ferner nimmt man ihm Cords sympathisch dargebotene Naivität ohne Vorbehalte ab. Bereits zum Auftakt darf der langhaarige Recke ein paar andere Kämpfer vermöbeln, bei einem Turnier wird entschieden wer sich auf die Suche nach Zetan begeben darf. Obschon Cord nicht besiegt wird, schickt man einen anderen Zappelheine auf den Weg, Cord wird kurzerhand wegen eines Regelverstoßes disqualifiziert. Natürlich hält diese Tatsache den unbeugsamen Heroen nicht von seiner Mission ab, er heftet sich unverfroren an die Fersen des "eigentlichen" Siegers. Damit ist der Charaker der Hauptfigur treffsicher umrissen, er ist furchtlos, lässt sich keine Vorschriften machen, hat seine Fähigkeiten aus eigenem Antrieb erworben. Ganz anders der blinde Meister, von David Carradine herrlich selbstironisch zum Leben erweckt. Ständig geht im sein Begleiter mit bohrenden Fragen auf den Zeiger, die er stets mit Fragen und/oder Rätseln beantwortet. Das Drehbuch erweist sich dabei als humorvoll, bürdet jedoch keinem Beteiligten den Part einer Knallschote auf. Naja, David Carradine macht sich zumindest in einer Rolle zum Affen, wenn er als eine Art sprechender Affenmensch gegen Cord antritt. Ja, Carradine spielt nicht nur den blinden Meister, er übernahm insgesamt vier Rollen in diesem Film. Neben dem erwähnten Affen sehen wir ihn als Wüstenfürst Changsha, obendrauf in einer (nicht ganz geglückten) Passage als Tod. Der blinde Meister spielt liebliche Melodien auf einer grossen Flöte, die er auch gern im Kampf als sehr hilfreiche Waffe einsetzt. Sicher wäre "The silent Flute" der passendere Titel für den Flick gewesen, man entschied sich jedoch bereits damals für "Circle of Iron". Roddy McDowall, bekannt aus der "Planet der Affen" Reihe, hat zu Beginn einen einprägsamen Auftritt, noch eindrucksvoller gerät die humorige Vorstellung von Eli Wallach, der in der Wüste auf "Diogenes in der Tonne" macht. Muss man sehen und erleben, kann man nicht beschreiben! Auf Christopher Lee habe ich mich selbstverständlich ganz besonders gefreut. Herr Lee bekommen wir jedoch erst in den letzten Minuten zu Gesicht, gewandet in einer wallende Robe, gekrönt durch ein knuffiges Mützchen. Cord trifft auf einen Zetan der kaum seiner Phantasie entspricht, umso überraschender gerät sein Blick... *Spoilergefahr!!!*

Die wichtigsten Akteure sind genannt, was gibt es noch über "Circle of Iron" zu berichten? Gute Darsteller, eine prächtige Landschaft, gekonnt inszeniert und stilsicher von Kameramann Ronnie Taylor eingefangen. Zugegeben, vielleicht muten die philosophischen Ausritte und die etwas grobschlächtige Symbolik ein wenig zu dick aufgetragen an, dennoch -ich muss dies erneut betonen- fügen sie sich ansprechend ins Gesamtbild ein, ohne sie wäre der Film seltsam leer und unfertig. "Circle of Iron" nimmt flott Fahrt auf, hat aber im weiteren Verlauf mit ein paar kleinen, verzeihbaren Hängerchen zu kämpfen. Bei genauer Betrachtung erscheint mir die zeitweilige Drosselung von Tempo und Action sinnvoll, ansonsten würde die Martial Arts Abteilung zu sehr an Dominanz gewinnen, was wiederum dem Gesamteindruck in diesem Fall nicht unbedingt zuträglich wäre. Übrigens sollten Fans wilder Kämpfe keine Meisterleistungen erwarten, in dieser Disziplin zählt die Sause eher zum gepflegten Mittelmaß (was für mich nichts am hohen Unterhaltungswert ändert, da ich die Fights sehr launig finde). "Circle of Iron" macht fast alles richtig, von meiner Seite eine klare Empfehlung!

Dank der guten Blu-ray aus dem Hause Blue Underground, kann man den Streifen in sehr ansprechender Qualität in den eigenen vier Wänden geniessen. Interessantes Bonusmaterial unterstreicht den positiven Eindruck, angenehmerweise kommt die BD codefree daher.

Fazit: Unterhaltsames Abenteuer mit markanten Charakterköpfen, gefilmt vor einer prächtigen Kulisse! Gut bis sehr gut = 7,5/10

Lieblingszitat:

"The desired fruit may be enjoyed without consuming it."


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Der Werwolf von Washington (USA 1973)

Dean Stockwell spielt einen hirntoten Journalisten, der in Ungarn von einem Werwolf angefallen wird. Zurück in der Heimat arbeitet er eng mit dem US-Präsidenten zusammen, da ist gewaltiger Ärger vorprogrammiert...

"The Werewolf of Washington" ist wohl der bekloppteste Werwolf-Flick den ich je gesehen habe. Unfassbarer Schwachsinn, ein unfassbar aus dem Ruder laufender Dean Stockwell, unfassbare Nebendarsteller, unfassbare Dialoge, ein grosser Haufen Schund! Kein Fall für den Trash-Olymp, aber für Freude des schlechten Geschmack sicher einen Blick wert. Die Bewertung fällt mir nicht leicht. Ich ziehe freundliche 5,5/10 -von denen "normale" Zuschauer mindestens vier Punkte abziehen sollten- irgendwie mag ich diesen debilen Rotz.

Die DVD von WGF/Schröder Media reisst keine Bäume aus, doch letztlich ist die technische Qualität der Auswertung hier sowieso eher unerheblich. Für Trashologen geeignet, alle anderen Menschlein sind hiermit gewarnt!
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Blu-ray von Splendid


Carriers (USA 2009, Originaltitel: Carriers)

Der Planet befreit sich...

Fast die gesamte Menschheit ist einem tödlichen Virus zum Opfer gefallen. Zu den wenigen Überlebenden zählen die Brüder Brian (Chris Pine) und Danny (Lou Taylor Pucci), die von Brians Freudin Bobby (Piper Perabo) und Kate (Emily VanCamp), einer Bekannten Dannys, begleitet werden. Der flotte Vierer ist auf dem Weg an die Westküste der USA, Brian und Danny wollen unbedingt zurück an den Ferienort ihrer Kindheit. Um jeden Kontakt mit dem tödlichen Erreger zu vermeiden, unterwirft sich die Gruppe selbstauferlegten Regeln, beim Kontakt mit fremden Personen ist ein Mundschutz zu tragen, im Auto führt man jede Menge Desinfektionsmittel mit. Als die Reisegruppe auf den besorgten Frank (Christopher Meloni) trifft, dem auf der einsamen Landstrasse der Sprit ausgegangen ist, entdecken die jungen Leute Franks erkrankte Tochter Jodie (Kiernan Shipka), die bereits deutlich von der Infektion gezeichnet ist. Es kommt zu Spannungen innerhalb der Gruppe, denn Brian denkt zunächst gar nicht daran Frank und Jodie in irgendeiner Form zu helfen. Schliesslich wird eine friedliche Lösung gefunden, doch nicht nur Traumziel der Brüder liegt in weiter Ferne...

"Carriers" wurde von den Brüdern Àlex und David Pastor inszeniert, die ferner für das Drehbuch verantwortlich zeichnen. Anstatt auf Horden geifernder Zombies und/oder verwüstete Landstriche, baut "Carriers" fast ausschliesslich auf das Beziehnungsgeflecht zwischen den Hauptcharakteren. Nur im Ansatz bekommen wir verlassene Ortschaften zu Gesicht, überwiegend spielt sich die Handlung "in freier Wildbahn" ab, die malerische Landschaft verbreitet einen trügerischen Frieden. Freilich kann ein Werk dieser Gangart nur dann funktionieren, wenn die Schaupieler ihren Job beherrschen, überdies das Drehbuch die Charaktere mit Tiefe ausstattet (oder zumindest in einem interessanten Licht erscheinen lässt).

Brian ist der Chef im Ring, er lässt gern den coolen Macker und Macher raus, eckt mit seiner wenig feinfühligen Art häufig bei seinen Mitreisenden an. Chris Pine spielt den großen Bruder mit dem noch größeren Maul überzeugend, gleichzeitig aber frei von Überraschungen. Danny tischt dem Zuschauer eine etwas breitere Palette auf, an der Lesitung von Lou Taylor Pucci gibt es ebenfalls nichts zu meckern. Piper Perabo bietet in der Rolle der Bobby ihrem kernigen Freund bei Bedarf die Stirn, weist Brian notfalls in die Schranken, vermittelt zwischen den Parteien. Die von Emily VanCamp dargestellte Kate mutet nur auf den ersten Blick unscheinbar und langweilig an. Gerade Kate offenbart im Verlauf der Handlung erstaunliche Charakterzüge, hinter der biederen Fassade lauert eine unerwartet konsequente und kalte Person. Neben den vier Hauptrollen präsentiert der Film dem Zuschauer mit Christopher Meloni ein bekanntes Gesicht, Meloni ist seit etlichen Jahren in der TV-Serie "Law & Order: Special Victims Unit" zu sehen. Als Frank treibt ihn die verzweifelte Besorgnis um seine kleine Tocher an, bereit nach nahezu jedem noch so kleinen und dünnen Strohhalm zu greifen. Vermutlich würde fast jeder Vater ähnliche Verhaltensweisen an den Tag legen, entsprechende Szenarien mag ich niemandem wünschen. Kiernan Shipka meistert den Part des todgeweihten Mädchens sehr gut, ihr Schicksal rührt an, drückt aber nicht plump und kitschig auf die Tränendrüse. Auf die übrigen Akteure vor der Kamera gehe ich nicht weiter ein, dazu bleiben ihre Auftritte zu klein und beliebig.

Insgesamt kann man der Besetzung ein gutes Zeugnis ausstellen, alle Beteiligten füllen ihre Rollen mit Leben. Sicher, wirklich tiefschürfend wird es kaum, dennoch bleiben die Charaktere nicht fremd oder lassen den Zuschauer völlig kalt. Mancher Filmfreud wird eventuell bemängeln, dass "Carriers" eine Spur zu wenig nach Endzeit, Massensterben und totalem Untergang aussieht, die Optik zu freundlich und friedlich über den Bildschirm flimmert. IMHO benötigt der Film die gängige Maskerade nicht, geschickt hat man die Handlung auf Nebenstrecken verlegt, streut nur ab und zu eine Prise grafisches Verderben ein. So funktioniert "Carriers" auch ohne typischen "Weltuntergangslook" gut, obschon die Charaktere eine etwas intensivere, tiefere Ausarbeitung verkraften könnten. Vor allem im Hinblick auf die Optik stellt sich die Frage der Machbarkeit, Zeit und Geld setzten wahrscheinlich sicht- und spürbare Grenzen. Aus den Charakteren hätte man durchaus mehr herauskitzeln können.

Macht das Leben noch Sinn, wenn alle nahen Menschen aus dem Leben geschieden sind? Wozu die eigene Qual verlängern, wenn am Ende des Tunnels kein Licht erkennbar wird? "Carriers" klingt ruhig aus, lässt der Phantasie einen gewissen Freiraum. Dass hier die vermeintlich Schwachen am längsten überleben, verpasst der Hoffnung eher Dämpfer, aber ich möchte nicht zu viel verraten. Vielleicht habe ich gelogen, schaut nach, überprüft es.

Die Blu-ray aus dem Hause Splendid präsentiert das Werk in solider Form, an Bord befindet sich eine kleine Bonusabteilung, als "Gag" liegt eine Virenschutzmaske bei. Inzwischen ist die Scheibe für kleines Geld erhältlich, ich bin mit der vorliegenden Auswertung zufrieden, flatschenneurotiker dürfen sich am Wendecover ergötzen. "Carriers" mag nicht der ganz große Wurf geworden sein, doch im Rahmen seiner Möglichkeiten ist der Film kurzweilig inszeniert, gut gespielt und ansprechend fotographiert.

Gut = 7/10

Lieblingszitat:

"Hol das Benzin!"


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Blu-ray von Savoy. Endlich offiziell in Deutschland erhältlich, auch als DVD am Start


Heathers (USA 1988, Originaltitel: Heathers)

Ein älterer Kurzkommentar von 2009:

Heathers

Heather, Heather und Heather. Diese drei Mädel sind die coolsten Bräute der High School, bewundert und gleichzeitig gefürchtet. Veronica (Winona Ryder) gehört irgendwie auch zu dieser Clique, schliesslich steht sie gern auf der Seite der vermeintlichen Gewinner. Doch die junge Dame ist längst nicht mit dem Treiben der drei Heathers einverstanden. Zu gern drangsalieren die Pissnelken andere Mitschüler, davon ist Veronica nicht angetan, sogar zunehmend angeekelt. Der Neuling J.D. (Christian Slater) erregt Veronicas Aufmerksamkeit, denn er hebt sich von allen anderen Schülern ab, schwimmt nicht mit dem Strom, macht sogar die prolligen Sportskanonen des örtlichen Footballteams öffentlich zur Sau. Als es zum Krach zwischen der "Ober-Heather" und Veronica kommt, hat J.D. eine Idee wie man das Biest in die Schranken weisen kann. Allerdings gehen seine Vorstellungen weit über Veronicas Rachegelüste hinaus. Bald bricht eine regelrechte Welle von angeblichen Selbstmorden über die Schule her...

"Heathers" (1988) ist ein etwas anderer Teenie-Film. Eine Satire, die ein erschreckendes Zerrbild (?) der amerikanischen Gesellschaft zeigt. Dabei wird der Film teils angenehm böse, erhebt sich aus der breiten Masse des meist recht albernen Genres. Winona Ryder und besonders Christian Slater stellen sich als gute Besetzung heraus, damals noch jung und unverbraucht, in der Frühphase ihrer Karrieren. Die bekannteste "Heather" dürfte heute Shannen "Schiefgesicht" Doherty sein, man nimmt ihr die Rolle einer Mega-Zicke problemlos ab. Die fieseste "Heather" wird von Kim Walker verkörpert, die Schauspielerin verstarb leider bereits 2001 im Alter von erst 32 Jahren.

Als ich den Film damals kurz nach der Veröffentlichung auf Video sah war ich absolut begeistert. Aus der Erinnerung heraus hätte ich 9/10 gezogen. Der erneute Genuss bestätigt diese extrem hohe Einstufung nicht ganz, dazu ist einfach das Ende zu harmlos und brav ausgefallen. Spass macht mir der Streifen aber noch immer, gute bis sehr gute Unterhaltung bietet er ohne Zweifel. Leider gibt es noch immer keine offizielle deutsche Veröffentlichung auf DVD, ergo muss man zu -durchaus brauchbaren- Alternativen greifen!

Macht Spass! 7,5/10

Nachtrag: Die seit einigen Monaten verfügbare BD war längst überfällig, Savoy bietet "Heathers" auch als DVD an. Zum fairen Preis wechselt die anständige BD den Besitzer, das Wendecover kommt ohne Flatschen aus, zeigt ausserdem ein leicht verändertes Bild. An der Bewertung ändert sich nichts, der Flick macht immer wieder Freude, kaufen!

Lieblingszitat:

"Ich hab zum Dank Kotze bekommen!"
"Leck es auf, Baby. Leck es auf!"
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn B

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RoboCop 3 (USA 1993)

Der OCP-Konzern will seine miesen Machenschaften ohne Skrupel durchziehen. Ein kompletter Stadtteil Detroits soll geräumt werden, die Einwohner werden mit Waffengewalt vertrieben. Als fiese Schergen RoboCops Lieblingskollegin Anne Lewis abknallen, stellt sich der stahlharte Gesetzeshüter endgültig gegen das pervertierte Unternehmen, schlägt sich auf die Seite der rebellischen Bürger. Doch selbst RoboCop scheint gegen die gnadenlose Übermacht chancenlos...

Im Vergleich zu den Vorgängern verliert der dritte Aufguss des Blech-Bullen deutlich an Boden. Schon Teil 2 konnte die Klasse des Erstlings nicht halten, nun geht es weiter abwärts. Vor allem mangelt es an Härte und Zynismus, Action und Humor könnten deutlich mehr Power vertragen. Dennoch hat die etwas zahnlose Veranstaltung ihre Reize, entwickelt hin und wieder trashigen Charme. Spätestens wenn RoboCop im Finale wie ein Düsenjet fliegt (!) bleibt kein Auge trocken, der "normale" Zuschauer wird vermutlich mit hochroter Zornesbirne fluchend den Raum verlassen. Herrlich bekloppt kommt der japanische "Killer-Cyborg" rüber, der dem tapferen Robo ordentlich einschenkt, aber leider zu kurz zum Zuge kommt.

Wer bereits mit dem zweiten Teil nicht mehr einverstanden war, sollte eine Sichtung dieses Machwerks unbedingt vermeiden! Peter Weller wurde übrigens durch Robert John Burke ersetzt (was nicht weiter stört), Nancy Allen darf sich stilvoll verabschieden, mit Rip Torn, Mako, Jill Hennessy und CCH Pounder gibt es bekannte Gesichter aus der zweiten Reihe zu sehen. Mir liegt die britische DVD-Box mit allen drei Teilen vor. Die gebotene Qualität ist ordentlich, das Set gibt es zum Spottpreis, Englischmuffel dürfen sich bei allen drei Filmen über die deutsche Tonspur freuen. Seit einiger Zeit sind die Filme auch auf BD erhältlich, ich kann in diesem Fall aber gut mit den vorhandenen DVDs leben.

6/10 - Die allerdings mit Vorsicht zu geniessen sind, man sollte schon einen Hang zu debilen Auswüchsen haben!
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn B

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Kleine Hartbox aus der Trash Collection von CMV (#50)


Top Mission (Hongkong 1987, Originaltitel: Top Mission)

Jenseits des Verstands

Ein ehemaliger Agent der CIA dreht durch, sorgt mit seiner kleinen Privatarmee für Ärger. Der zuständige Chef setzt seine beiden besten Männer auf den Krawallbruder an. Zunächst wollen die Herrschaften nicht glauben, dass ihr ehemaliger Mentor nun am anderen Ende des Tischtuchs zieht. Ein Treffen mit Mr. Größenwahn räumt jedoch alle Zweifel aus dem Weg, der Kerl muss schnellstmöglich eingesargt werden! Freilich hat der Schurke bereits Gegenmaßnahmen eingeleitet, die Lage eskaliert unaufhaltsam...

Viele Worte muss ich nicht über dieses Machwerk verlieren. Nur wer auf völlig bescheuerten Actiontrash aus der untersten Schublade steht, wird "Top Mission" eventuell in voller Pracht über den Bildschirm/die Leinwand taumeln und poltern lassen, vielleicht sogar ertragen können. Schundmeister Godfrey Ho versteckt sich diesmal hinter dem Pseudonym Henry Lee. Keine Ahnung warum, denn ist der Ruf erst ruiniert, trasht es sich bekanntlich völlig ungeniert...

C-Action wird durch ein kleines Familiendrama und eine Flugzeugentführung ergänzt, eine kleine Dosis Titten rundet das meisterliche Filmchen ab. Vermutlich hat Herr Ho die vorliegende Sause aus Material zusammengewürfelt, welches "eigentlich" nicht nur für einen Film bestimmt war (was bei ihm keine Seltenheit darstellt). So kommt zusammen was nicht zusammengehört, noch weniger zusammenpasst, sowieso keinen Sinn ergibt, egal in welcher Schnittfolge das Totalversagen aller Mitarbeiter dem Zuschauer aufs Fressbrett gekloppt wird. Ich habe keinen Bock die Namen der Fratzen aufzulisten, die sich vor der Kamera der völligen Lächerlichkeit preisgeben. Schon der Auftakt sorgt für Schenkelklopfer, ein Supertyp pflügt mit der Pumpgun den Garten um, sein werter Kollege nagelt lustvoll eine wenig attraktive Dame. Besonders die Rammelszene treibt dem Trashologen mit Hang zum Sleaze die Freudentränen aus den eitrigen Kanälen. Madame quittiert die Attacken ihres Stechers mit wohligem Gestöhne, während Mr. Sackhuber unglaubliche Sprüche aus dem Mund hervorquillen. Damit ist längst nicht der Gipfel der Schaffenskraft erreicht, Meister Ho übertrifft sich mehrfach selbst. Ohne Vorwarnung eiern die Helden in bunten Kostümchen durchs Hinterland, schwingen die Schwerter, tragen lustige Stirnbändern mit der Aufschrift "Ninja". Schon taucht wieder ein fieser Killer des oberfiesen Fieslings auf, den unsere Helden quasi mit einem kalten Lächeln von der Platte putzen. Was treibt den bösartigen Abtrünnigen überhaupt an? Die Gründung eines eigenen Staates? Der Griff nach der Weltherrschaft? Die Qualen nach dem Genuss einer Überdosis Bohnensuppe? Egal, er will um jeden Preis eine geheime Superduber-Laserwaffe in seine Krallen bekommen. Um seine Forderung zu untermauern, lässt er frisch rekrutierten Hilfsbösewicht ein Flugzeug entführen. Frischling Hilfsbösewicht ist durch unglücklich Umstände auf die schiefe Bahn geraten, aber das tut nichts zur Sache... und überhaupt...

Was zum Geier??? Godfrey Ho fügt seiner Filmografie mit "Top Mission" einen weiteren Tiefpunkt hinzu. Handwerkliches Unvermögen, der Verzicht auf eine nachvollziehbare Handlung, extrem ungelenker Schnitt, "Schauspieler" aus der Klapse, keinerlei Gespür für Spannung oder halbwegs brauchbar choreografierte Action. Sinnlose Gewalt, eine Prise Sleaze, fertig ist die Laube. Der endgültige Gnadenhammer prügelt allerdings in Gestalt der deutschen Synchronisation auf den Filmfreud ein! Wer für diese faulige Sülze aus der Sondermülltonne verantwortlich zeichnet, hat vermutlich zuvor (und/oder währenddessen) die Reste seines kranken Hirns mit Unmengen illegaler Substanzen in den Orbit geschossen. Ich verzichte auf Beispiele, da auch mir ansonsten die Einlieferung in die geschlossene Abteilung droht.

Die wundervolle Trash Collection aus dem Hause CMV, hat es inzwischen auf mehr als 80 Titel gebracht! Dem Fan bietet die Reihe eine bunte Mischung aus unterschiedlichen Genres, Herkunftsländern und Entstehungszeitpunkten. Eine Reise durch die Jahrzehnte, einmal, zweimmal, dreimal rund um die Welt, zurück in die Zwangsjacke der grauen Verdammnis. Mancher Titel mag gar nicht so furchtbar "trashig" anmuten, doch bei "Top Mission" trifft der Stempel genau ins Zentrum des schwabbelnden Schwachsinns. Wie üblich kommt die DVD in einer kleinen Hartbox ins Haus, die gebotene Bildqualität ist Nebensache, sie erfüllt ihren Zweck, die Boni sind rar.

Jeder Versuch diesen Film irgendwie "seriös" zu bewerten -was ich sowieso weder kann noch will, bei keinem Film- erscheint mir völlig unmöglich. Mehr als 2/10 sind eine Frechheit, ein Faustschlag ins Gesicht versierter Filmemacher. Mir machen die Entgleisungen des Herrn Ho immer wieder Spass, ergo ziehe ich 6/10 auf dem Trash-O-Meter, rate gleichzeitig jedem "normalen" Zuschauer zur Vorsicht. Was solls, "normale" Menschen werden eine Sichtung sowieso kaum in Erwägung ziehen, also traut euch ran, liebe Trash-O-Matiker.

Ganz ohne Lieblingszitat geht es dann noch nicht:

"Ihr dämlichen Nachgeburten! Ich hätte wissen müssen, dass ich Krüppel schicke! Was glaubt ihr, was wir hier machen!?"
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn B

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Grosse Hartboxen von X-Rated


Emanuelle im Sexrausch aka Emanuelle Nera und ihre wilden Hengste (Italien 1976, Originaltitel: Emanuelle Nera No. 2)

Shulamith Lasri statt Laura Gemser

Emanuelle (Shulamith Lasri) leidet unter massiven Gedächtnislücken, der erfahrene Psychologe Paul (Angelo Infanti) behandelt die junge Frau in seiner Klinik. In Beirut wurde Emanuelle in Kampfhandlungen verwickelt, doch ist dieses traumatische Erlebnis tatsächlich für ihren Zustand verantwortlich? In langen Gesprächen versucht Paul mehr über die Vergangenheit seiner Patientin zu erfahren, nebenbei trifft er sich mit Menschen aus ihrem Umfeld. Offenbar ist Emanuelles Blick in Vergangenheit stark verzerrt, so stellt sie z. B. ihren Vater (Don Powell) als haltlosen Trinker dar. Beim ersten Kontakt mit dem angeblichen Alkoholiker erlebt der Seelenklempner eine Überraschung, denn der alte Herr entspricht in keinster Weise den Ausführungen seiner Tochter. Paul trifft weitere Personen die Emanuelle nahestanden, hofft darauf den Nebelschleier aus der Psyche seiner Patientin zu vertreiben. Welches schreckliche Ereignis war der tatsächliche Auslöser für den Gedächtnisverlust der rassigen Schönheit, sowie für ihr seit längerem gestörtes Sexualverhalten? Wird der Mediziner das Rätsel zum Wohl seiner Patientin lösen können???

Regisseur Bitto Albertini sorgte vor diesem Film für den Auftakt der losen Filmreihe Black Emanuelle, 1975 inszenierte er "Emanuelle Nera" mit Laura Gemser in der Titelrolle. Frau Gemser sollte noch häufiger in die Rolle der Emanuelle schlüpfen, doch diesmal sehen wir eine gewisse Shulamith Lasri als Hauptattraktion des Geschehens. Frau Lasri kann zwar nicht mit der anmutigen, edlen Schönheit einer Laura Gemser konkurrieren, wirft jedoch ersatzweise einen herrlich prallen Früchtekorb in die Waagschale, der auf einem knackigen Fahrgestell durch die Kulissen wandelt. Zwar mag mir ihr ein wenig herbes Antlitz weniger gefallen, doch unterhalb der Kinnlade regiert die dralle Freude, mir hängt noch immer die Zunge aus dem Halse (Contenance, Contenance!).

Emanuelle Nera No. 2 kommt erwartungsgemäß mit einigen erotischen Szenen daher, es geht dabei aber nie allzu wüst zu, auf HC-Inserts wurde passenderweise gänzlich verzichtet. Albertini reiht nicht nur Gerödel an Gerödel, er haucht den Figuren Leben ein, streut hier und da eine kleine Prise Humor über uns aus. Der Auftakt entpuppt sich als Ritt durch die Phantasie der Hauptfigur, Emanuelle erlebt diverse Folterszenarien an unterschiedlichen Schaupläzen. Hier spielt der Film gekonnt mit der Erwartungshaltung des Zuschauers, verneigt sich gleichzeitig augenzwinkernd vor anderen Spielarten des Genrekinos. Clever treibt das Drehbuch die Handlung vorwärts, die Zeitsprünge muten nie plump an. Dies gelingt durch den treffsicheren Einbau einer knuffigen Nebenrolle. Der extrem sympathische Attilio Dottesio rückt Doc Paul mit "aufgezwungen" Vereinbarungen zu Leibe, mit denen er stets zum "vereinbarten" Termin beim Leiter der Klinik auf der Matte steht. Angelo Infanti wird nicht auf die Rolle des behandelnden Psychologen begrenzt, Blicke in sein Privatleben zeigen uns das angespannte Verhältnis zu seiner Gattin, die die Arbeit ihres Ehemannes mit Skepsis und zunehmender Eifersucht beäugt. Immerhin behandelt der Göttergatte junge Schönheiten, die teils von einem ausgeprägten Hang zur Nymphomanie angetrieben werden.

Nein, eine liebliche Schönheit ist Shulamith Lasri in meinen Augen nicht. Dennoch versprüht sie jede Menge Power und einen offensiven Sex-Appeal, dem ich mich nicht entziehen kann, sowieso nicht entziehen mag. Die Darstellung der gepeinigten, trotzigen und manchmal wilden Emanuelle gelingt ihr gut, Lasri kommt sehr natürlich rüber. Angelo Infanti sprengt das Klischee des notgeilen Fieslings, den man "eigentlich" in einem Streifen dieser Gangart erwartet. Zunächst scheint seine Rolle ambivalenter Natur zu sein, die falsche Fährte verschwindet allerdings flott, der Psychologe ist eine ehrliche und seriöse Haut. An Infantis Spiel gibt es kaum ernsthafte Kritikpunkte, vielleicht wird es in wenigen Szenen eine Spur zu theatralisch, dennoch bewegt sich Infanti dauerhaft im grünen Bereich. Don Powell gibt den betroffenen Vater, Percy Hogan den drahtigen Gatten Emanuelles, den die Gelüste seiner Liebsten fast die Karriere als Profisportler kosteten. Dagmar Lassander agiert als zickiges Weib des Herrn Infanti, darf aber letztlich eine positive Entwicklung vorweisen, verkommt auf diese Weise nicht zum nervigen Abziehbild. Attilio Dottesio erwähnte ich bereits, seine kleine Rolle ist vorbehaltlos liebenswert. Danielle Ellison ist als notgeile Nichte des Klinikbosses unterwegs, sie sorgt für einen angenehmen Schmuddeltouch, ohne dabei tatsächlich völlig aus dem Ruder zu laufen. Ferner gibt es eine scharfe Krankenschwester zu sehen, die sich hin und wieder mit dem trotteligen Pförtner austauscht, dazu noch Franco Cremonini als dürren Fotographen.

Freilich darf man von "Emanuelle Nera No. 2" kein tiefsinnigen Charakterstudien erwarten. Klar, es gibt überdies zweifellos Szenen, die die Handlung nicht vorwärts bringen. Das Krankenschwesterchen und der Schrankenmann dienen lediglich als Aufhänger für Unfug und Gerammel, bremsen den Film aber trotzdem nicht nachhaltig aus. Die Augen werden nicht nur durch aufregende Kurven verwöhnt, kurzzeitig entführt man uns nach Venedig, die Innenaufnahmen mag sich schon wegen ihres typischen 70er-Jahre-Looks gern. "Emanuelle Nera No. 2" verschiebt keine Grenzen, lotet keine Extreme aus, bleibt in den SC-Szenen eher brav. Mir hat der Flick viel Spass gemacht, ich bin tauche ungemein gern in die unvergleichliche Atmosphäre ein, die das italienische Genrekino der siebziger Jahre zu einem unverzichtbaren Freudenspender und Hochgenuss macht. Da stört selbst die fast banale Auflösung nicht, die der aufmerksame Zuschauer sich sowieso lange vor dem Ende der Sause ausmalen kann. Der Streifen ist kein Film für Menschen die an jeder Kleinigkeit rumnörgeln, dem Liebhaber wird angenehme Unterhaltung geboten, schöne Frauen mit aufregenden Kurven, gewürzt mit Humor und hübschen Kulissen.

Mir liegt der Film in zwei Varianten vor. Zunächst als deutsche DVD aus dem Hause X-Rated, die in brauchbarer Qualität ins Haus kommt. Zusätzlich befindet sich diese US-Box von Severin in meiner Sammlung:

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Black Emanuelle's Box - Volume 2

Auf dem Cover ist Laura Gemser zu sehen, die bekanntlich den Titel der "echten" Black Emanuelle für sich in Anspruch nehmen darf. Sie ist in der Hauptrolle der beiden anderen enthaltenen Filme zu sehen:

• Black Emmanuelle / White Emmanuelle (1976)
• Emanuelle and the White Slave Trade (1978)

Die Severin-DVD bietet ein im Vergleich zur X-Rated ein besseres Bild, zudem ist die gebotene Fassung etwas anders geschnitten. Ausserdem bietet Severin ein Interview mit Dagmar Lassander an, X-Rated "Bonusszenen" (die aber IMHO in der US-Fassung sowieso enthalten sind). Man kann sicher gut mit der einheimischen Scheibe leben, die US-Ausgabe ist eine angenehme Ergänzung, die Box steht aber hauptsächlich wegen der beiden anderen Filme in meiner Sammlung. Als Fanatiker bin ich glücklich beide Varianten zu besitzen, der Wahn kennt keine Grenzen. Übrigens bietet die Severin-Box eine Soundtrack-CD zu den enthaltenen Streifen an!

Fazit: Schön, gut, knuffig und unverschämt liebenswert! Dicke 7/10 + Wohlfühlpunkte

Lieblingszitat:

"Du bist herrlich! Wie eine Mondgöttin! Wie eine Pantherin!"
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn B

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Die Verfluchten (Der Untergang des Hauses Usher) (USA 1960, Originaltitel: House of Usher)

Corman, Price & Poe - Der erste Streich

Philip Winthrop (Mark Damon) will seine Verlobte Madeline Usher (Myrna Fahey) endlich zu sich nach Boston holen. Als er das herrschaftliche Anwesen ihrer Familie erreicht, wundert sich der junge Mann über die Abwesenheit jeglicher Flora und Fauna, eine trostlose und bedrohliche Stille umhüllt das alte Gemäuer. Der erste Kontakt mit einem Bewohner des Hauses gestaltet sich kaum erfreulicher, der hüftsteife Diener Bristol (Harry Ellerbe) lässt den Besucher nur ungern über die Türschwelle schreiten, denn Madeline sei krank und bettlägerig. Wenige Momente später trifft Philip auf Roderick Usher, Madelines äusserst verschrobenen und abweisenden Bruder. Roderick verweigert Philip zunächt jeglichen Kontakt mit Madeline, fordert den ungebetenen Gast mit Nachdruck zur sofortigen Abreise auf. In seiner Verliebtheit denkt Philip nicht daran den Worten des Hausherrn zu folgen, völlig wirr und unglaubwürdig scheint dessen Gerede über einen alten Fluch zu sein, der angeblich auf der Familie Usher und deren Haus liegen soll. Im Gegensatz zu ihrem Bruder, freut sich Madeline sehr über die Ankunft ihres Verlobten, schreckt aber zunächst vor einem überstürzten Aufbruch in ihr neues Leben zurück. Unaufhaltsam braut sich unfassbares Unheil über dem Hause Usher zusammen, Roderick wird nicht müde den ungeliebten Störenfried zur Rückkehr nach Boston zu drängen, selbstverständlich ohne Madeline...

"House of Usher" ist der erste Film aus der Reihe der Poe-Verfilmungen von Roger Corman, die der damals noch junge Filmemacher im Zeitraum von 1960-1965 inszenierte. Stets wirkte Vincent Price in diesen Werken mit, lediglich bei "Lebendig begraben" (The Premature Burial, 1962) stand Price nicht zur Verfügung. Jeder dem Gothic-Horror zugeneigte Filmfreund wird die Streifen kennen, ergo werde ich mich auf wenige Zeilen beschränken, das Netz gibt genügend Lesestoff zum Thema her.

Sofort wird uns unmißverständlich vor Augen geführt, dass wir es mit gepflegter Gruselunterhaltung zu tun bekommen. Dicke Nebelschwaden liegen wie wabernde Leichentücher über dem Szenario, das direkte Umfeld des alten Gebäudes wirkt tot und trostlos. Nicht minder trist steht das finstere Anwesen in der Landschaft, der Putz bröckelt nicht nur von der Außenhülle, auch im Inneren knirscht und ächzt es an allen Ecken und Enden. Treffender und eindeutiger kann man den Verfall einer Sippe nicht symbolisieren, überdies dem gesamten Adel, der sogenannten "besseren Gesellschaft", den Spiegel vor die entstellte Fratze halten, nachdem zuvor gnadenlos die Masken heruntergerissen wurden. Unaufhaltsam schreitet der Verfall voran, entlädt sich in einem höllischen Inferno des Grauens, der Begriff "Untergang" ist hier keineswegs nur eine leere Worthülse. Mit Floyd Crosby hatte Roger Corman einen erfahrenen Kameramann an seiner Seite, die stimmungsvollen Bilder wurden von Les Baxter mit einem zupackenden Score untermalt. Kurzzeitig schaut Corman gar über den Tellerrand des wohligen Genres hinaus, eine "farbenfroh-hysterische Albtraumsequenz" mutet wie ein Fingerzeig auf psychedelische Trips an, die in den späten sechziger Jahren das Blut in Wallung bringen sollten. Im Haus hängen zudem schaurig-schräge Gemälde, quasi eine gar schröcklich-schöne Ahnengalerie der Familie Usher, herzallerliebst!

Dank der kammerspielartigen Anlage des Werkes, kommt "House of Usher" mit wenigen Darstellern aus. Der "flotte Vierer" bedarf fast nie einer Ergänzung, umso schwerer lastet die Verantwortung auf den Schultern der Akteure vor der Kamera. Mark Damon war später häufiger in italienischen Filmen zu sehen, Sandalen-Sausen und Western gehörten dazu, aber auch der schöne Giallo "Sieben Jungfrauen für den Teufel" (Nude... si muore, 1968) von Antonio Margheriti. Damon passt prima in die Rolle des zunehmend verzweifelten Verlobten, steht allerdings im Schatten der übrigen Besetzung. Seine Figur sorgt für den bodenständigen Teil, schauspielerisch freilich eine weniger reizvolle Bühne. Dennoch meistert Mark Damon seine Aufgabe angemessen, ich könnte ihn mir auch gut in Hammer-Flicks vorstellen, in denen er sich gegen den Grafen Dracula oder Herrn Frankenstein zu Wehr setzen muss (dazu kam es jedoch nie). Harry Ellerbe kommt bereits eine Spur kantiger rüber, bewahrt aber die Contenance, gefällt mit seiner knarzigen Art, die auf besondere Weise sympathisch bleibt. Myrna Fahey versteht es den Zuschauer zu überraschen. Was als typische Darbietung des ängstlichen und hilflosen Weibleins beginnt, mündet in toll gespieltes Gegeifer, dämonisch und erschreckend, schaut euch diese Augen an! Klar, der Star ist und bleibt Vincent Price, einer der ganz Grossen des Genres, zusammen mit Peter Cushing und Christopher Lee die Krönung des Gothic-Grusels. Price spielt bekanntlich meist überzogen, "irgendwie" immer eine Spur drüber, kippt aber nie in unfreiwillig alberne Untiefen ab. Ungehalten tritt er in seiner ersten Szene Mark Damon gegenüber, wird gleichzeitig durch die bloße Anwesenheit des unerwünschten Besuchers gepeinigt, großartig! Wer könnte die teils pathetischen Dialoge besser als Vincent Price vortragen, vor allem dermaßen packend? (Das war keine Frage, das ist eine Feststellung!)

Damit will ich meinen Kurzkommentar beschliessen, als Fan muss man den Film sowieso kennen, Einsteigern rate ich aus Überzeugung zur Sichtung! MGM präsentiert "House of Usher" in solider Qualität, leider gibt es lediglich einen Trailer als Bonus. Die Aufmachung der Scheibe ist zweckmäßig, zweifellos hätte dieser Edelstein eine liebevoller gestaltete Ausgabe redlich verdient. Da der Film immer im Zentrum meines Interesses steht, kann ich trotzdem eine klare Kaufempfehlung für die DVD ausprechen.

Sehr gut = 8/10 (Zunächst wollte ich 7,5/10 ziehen, da ich andere Filme aus Cormans Reihe noch mehr liebe, doch unterhalb 8/10 geht dieser Oberknuffel nicht durch!)

Lieblingszitat:

Zwei fahle Tropfen Licht, die in der alles verschlingenden Dunkelheit flackern.
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Re: Möpse, Mettgut, Mainstream! Die Verfehlungen des Herrn B

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Grosse Hartbox von XT, Cover A (Das Bild zeigt meinen kleinen Bruder, ist er nicht ein knuffiges Kerlchen?)


Dämonen (Italien 1986, Originaltitel: Demoni 2)

Fiese Fratzen im Hightech-Hochhaus

Sally (Coralina Cataldi-Tassoni) hat die Bude voll, mit Freunden will sie ihren Geburtstag feiern. Als sich ein unangehmer Besucher per Telefon ankündigt, zieht sich die junge Frau zunächst in ein anderes Zimmer zurück, verfolgt im Fernsehen eine Dokumentation über Dämonen. Plötzlich geschieht das Unfassbare, aus der Glotze tritt ein fürchterlicher Dämon in die reale Welt hinüber, fällt das Geburtstagskind an. Wenig später ist Sally selbst zu einem blutrünstigen Dämon mutiert, fällt geifernd über ihre Geburtstagsgesellschaft her. Schnell gleicht die Wohnung einem Schlachthaus, fast alle Gäste verwandeln sich in grausige Geschöpfe, wogen wie eine Welle des Todes durch das moderne Hochhaus in dem Sally lebt(e). Nun erweist sich der Segen des komfortablen Wohnes als unbarmherziger Fluch, der Ausfall der computergesteuerten Anlage sorgt für eine völlige Abriegelung des Gebäudes, sämtliche Ein- und Ausgänge nicht mehr passierbar, stabile Türen und Panzerglas machen jeden Fluchtversuch zunichte. Auch George (David Edwin Knight) und seine hochschwangere Frau Hanna (Nancy Brilli) leben in dem neuen Wohnkomplex, gibt es für das glückliche Paar eine Chance auf Rettung aus dieser Hölle auf Erden...???

Mit dem Vorgänger "Dämonen 2" (Demoni, 1985) gelang Lamberto Bava ein sehr unterhaltsamer Horrorstreifen, in dem sich die Höllenbrut in einem Kino an den anwesenden Gästen verlustierte (lasst euch nicht von den deutschen Titeln verwirren, "Dämonen" ist der zweite Teil, "Dämonen 2" der Vorgänger). Der Zweitling kocht die Story ohne neue Einfälle auf, die Handlung wanderte kurzerhand von einem Lichtspielhaus in ein Hochhaus, verlegte die Vorfälle von Berlin nach München. Daran stört mich zunächst nichts, bewährte Zutaten dürfen von mir aus gern immer wieder zum Einsatz kommen. Dennoch fällt der zweite Teil spürbar ab, kann nur ansatzweise an die stimmige sehr Atmosphäre des vorherigen Films anknüpfen.

An Humor mangelt es nicht, egal ob dieser aus heutiger Sicht oft eher unfreiwillig als gewollt anmutet. Meine Lieblinge: Zunächst der großmäuige Fitnesstrainer, der seine Schützlinge ständig anmault und allerlei debilen Unfug absondert. Als er wild mit einer langen Hantelstange auf Panzerglas einprügelt, sich aber kein Erfolg einstellen mag, wirft er eben einen Blumenkübel aus Keramik gegen die Tür, der selbstverständlich sofort und ohne jegliche Wirkung zerschellt. Was sich nicht allzu lustig liest muss man wirklich gesehen haben, live und in Farbe strapazieren solche Szenen nachhaltig das alte Zwerchfell. Mein zweiter Liebling ist der bekloppte Typ, der in Begleitung drei anderer Fratzen wie ein Berserker mit seiner Karre durch die Stadt rast. Ab und an sehen wir die hektische "Reisegruppe", die aber "irgendwie" nie ihr Ziel erreicht, obschon der Heizer alles aus seiner Kiste rausholt. Naja, kurz vor dem Finale kracht es, die Gestalten scheiden per Unfall aus. Das ist so dreist und sinnlos, man kann dem grotesken Treiben nur mit Humor begegnen. Ich beschränke mich auf zwei Beispiele, die Sause gibt jedoch viele, viele mehr her, jeder geneigte Zuschauer wird seine ganz persönlichen Höhepunkte finden. Die Effekte und Metzeleien untermauern die gute Laune, sind aber nicht immer solide ausgeführt. Wer genau hinsieht, kann problemlos diverse Schlampereien beim Make-Up der Dämonen erkennen. Was solls, dafür gibt es einen putzigen "Mini-Dämon", der dem Körper eines zuvor infizierten Bengels entsteigt, sich im Anschluss einen unterhaltsamen, hirntoten Zweikampf mit der schwangeren Hanna liefert. Für einige Brüller sorgt auch der Kampf in der Tiefgarage, wo sich die verzweifelten Hausbewohner unter Anleitung des glatzköpfigen Fitnesstrainers, der wild geifernden und erbarmungslos anstürmenden Horde des Todes stellen.

Die Schauspieler passen gut ins Bild. Eine Betrachtung der wichtigsten Mitwirkenden kann ich mir an dieser Stelle mit gutem Gewissen ersparen, dazu sind die Damen und Herren dann doch zu sehr belanglose Metzelmasse, die nahezu vollständig austauschbar bleibt. Asia Argento -damals noch eine brave Göre- ist in einer Nebenrolle zu sehen, Papi war schliesslich Produzent. Wer sich noch an die achtziger Jahre erinnern kann, bekommt die volle Breitseite der damaligen Mode und Musik auf die Augen und Ohren. Inzwischen liegt dieses Jahrzehnt bereits lange genug zurück, um die peinliche Berührtheit durch ein wohliges Nostalgiefeeling zu ersetzen. Lamberto Bava konnte nie ganz aus dem übermächtigen Schatten seines Vaters treten, Mario Bava war zweifellos einer der herausragenden Filmemacher überhaupt. Meiner Meinung nach erreichte Lamberto in der Tat nie das Genie seines Vaters, aber dennoch hat er einige sehr liebenswerte Filme inszeniert. Ist der ewige Vergleich mit dem "Übervater" nicht sowieso unfair, sollte man darüber hinaus nicht berücksichtigen, dass Lamberto erst gegen Ende/nach der Blütezeit des italienischen Genrekinos zum Regisseur aufstieg? Meine Zuneigung ist Lamberto Bava sicher, daran ändert auch der im Vergleich zum Erstling deutlich abfallende "Demoni 2" nichts. Der Streifen sollte Freunde abgedrehter "80er-Jahre-Unterhaltung" zufriedenstellen, ich sehe gern über die zahlreichen Unzulänglichkeiten weg.

Dragon hatte den Flick bereits vor einigen Jahren auf DVD veröffentlicht, damals unter dem Titel "Dance of the Demons 2". Aus dem Hause XT kam vor ein paar Monaten eine neue Ausgabe, typisch für das Label sind die zahlreichen Verpackungsvarianten, kleine und grosse Hartboxen mit unterschiedlichen Covermotiven wurden auf den Markt geworfen, weitere werden mit ziemlicher Sicherheit nachgelegt. Ich musste -einem inneren Zwang folgend- zur oben abgebildeten Version greifen, denn dieses Motiv zierte bereits das Tape aus den achtziger Jahren, ich stand damals immer wieder minutenlang fasziniert vor dem Regal in meiner Stammvideothek. Glücklicherweise sind die "Leihzeiten" lange her, heute wird gierig und lüstern gesammelt, aber ich komme vom Thema ab... Die Scheibe bietet ein brauchbares Bild, die deutsche Synchronisation fehlt an wenigen Stellen, dort kommen Untertitel zum Einsatz. Gegen Ende wurden die Dialogen zwischen Hanna und George mit einer nachträglichen Synchro ausgestattet, die leider nach Amateuren tönt. Perfekt ist die Scheibe also keinesfalls, sie sollte den Filmfreund erfreuen, dem Technikfetischisten wird sie nicht gefallen.

Unterhaltsamer Unfug. Deutlich schwächer als der Vorgänger, gleichwohl eine schmackhafte Nachspeise.

6,5/10 (oberste Mittelklasse)

Lieblingszitat:

"Was ist mit diesen Leuten passiert? Ich werde wahnsinnig!"


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Da nun endlich eine offizielle DVD zu "The Riffs" vorliegt, habe ich nach erfolgter Sichtung meinen alten Kurzkommentar ausgegegraben und angepasst:

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Kleine Hartbox von X-Cess


The Riffs - Die Gewalt sind wir (Italien 1982, Originaltitel: 1990: I guerrieri del Bronx)

Mit dem Stock im Arsch durch die Bronx

Die Vereinigten Staaten im Jahre 1990, die Offiziellen New Yorks haben den Stadtteil Bronx abgeschrieben. In der verwüsteten Gegend regieren diverse Banden, Aussenstehende sollten sich daher nicht in die Bronx wagen, doch auch untereinander bekämpfen sich die Gangs immer wieder bis aufs Blut. Eines Tages retten die Riffs eine junge Dame aus den Fängen einer feindlichen Bande. Der Anführer der Riffs, der junge, kernige und dynamische Trash (Mark Gregory), nimmt sich Ann (Stefania Girolami) an, die beiden werden ein Paar. Ann ist jedoch die zukünftige Erbin eines gigantischen, einflussreichen Konzerns, diverse Schergen sollen sie zurück in die Fänge der feinen Gesellschaft bringen. Ann denkt allerdings nicht im Traum daran in ihr altes Leben zurückzukehren, sie war todunglücklich in ihrem goldenen Käfig. Der fiese Bulle Hammer (Vic Morrow) soll den Job übernehmen, wird dabei durch den frustrierten Hot Dog (Christopher Conelly) unterstützt. Bald geraten die Riffs unter Druck, doch der clevere Trash ersucht King Orgy (Fred Williamson) um Hilfe. Zusammen mit dem Obermotz der Bronx will Trash verhindern, dass man die Gangs manipuliert, gegeneinander aufhetzt und ausspielt. Trash bekommt es jedoch auch mit einem Feind aus den eigenen Reihen zu tun...

Enzo G. Castellari gehört zu meinen Lieblingsregisseuren des italienschen Genrekinos. Was der gute Mann mit "1990: I guerrieri del Bronx" 1982 aus dem Hut gezaubert hat ist mal wieder aller Ehren wert, ein Exploitation-Kracher aus dem Bilderbuch, herrlich! Manchmal erinnert der Film ein wenig an "The Warriors" von Walter Hill, allerdings ist hier alles bunter und lauter, verpackt in ein "Der-Anfang-der-Endzeit-Szenario". Die Story unterhält während der gesamten Laufzeit prächtig, irgendein Eisen hat Castellari immer im Feuer. Die Hauptfigur Trash -von Mark Gregory mit stoischer Mimik und Körperhaltung gespielt- könnte gut und gern einem Barbarenfilm entsprungen sein, der Typ ist einfach arschcool und erinnert mich an Dave Lombardo, den Drummer von Slayer. Der Fan freut sich über die Fratzen von Chris Conelly, Joshua Sinclair oder auch Castellari himself. Sinnlicher Höhepunkt ist aber eindeutig die Klopperei zwischen den Exploitation-Göttern Fred Williamson und George Eastman. Fred als König der Bronx in knallig bunten Klamotten, George als Anführer einer Truppe irrer Rollschuhfahrer, da gibt es ordentlich Fratzengeballer, grandios! Vic Morrow darf im Finale eine faschistoid anmutende Uniform tragen und völlig ausrasten, Knaller!

Wer auf den Mix aus Action und Endzeit steht, darf sich diesen ganz wundervollen Beitrag des Herrn Castellari keinesfalls durch die Lappen gehen lassen! Da die Riffs sich -meist- per Motorrad bewegen wird sogar für Biker etwas geboten, die Hells Angels waren auch mit von der Partie (allerdings "getarnt"). Endlich hat sich ein hiesiges Label um die Veröffentlichung des Streifens bemüht, gleiches gilt für den starken Nachfolger "The Riffs II - Flucht aus der Bronx". Die DVD bietet den Film in ansprechender Qualität an, an vier Stellen habe ich digitale Schlampereien eingeschlichen, die sich jedoch auf jeweils wenige Sekundenbruchteile beschränken, daher noch im erträglichen Bereich angesiedelt sind. Keine perfekte Auswertung, aber eine gute Scheibe, klarer Pflichtkauf!

Der Film ist ein massiver Freudenspender. Sehr gut bis überragend, absolut unverzichtbar! Fette 8,5/10 mit steigender Tendenz!

Lieblingszitat:

"Du bist eine Ratte, und Ratten vergiftet oder zerquetscht man!"
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