Corruption
Corruption
USA 1983
Regie: Roger Watkins
Jamie Gillis, Michael Gaunt, Tiffany Clark, Milton Ingley, George Payne, Samantha Fox, Tanya Lawson, Marilyn Gee, Tish Ambrose, Kelly Nichols, Nicole Bernard, Bobby Astyr, Alexis X, Sabrina Vale, Melissa Strong, Vanessa del Rio

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OFDB
Ein Geschäftsmann, der sich mit den falschen Leuten einlässt. Der Schulden hat, für deren Begleichung(?) sein Vertrauter für ihn einen Koffer besorgen soll. Doch dieser Vertraute muss durch einen Sumpf von Versuchung und Sünde, und er wird dieser Versuchung erliegen. Er wird auf die andere Seite wechseln und seinem früheren Chef ein teuflischer Widersacher sein. Oder vielleicht doch nur ein Narr? Die Schwester des Geschäftsmannes wird als Geisel festgehalten, und der Bruder des Geschäftsmannes nimmt es auf sich, die Schwester zu befreien.

CORRUPTION beginnt damit, dass der Geschäftsmann, Williams, die Unterwelt betritt. Oder zumindest scheint es so. Möglicherweise hat er mit dem Teufel einen Deal gemacht, vielleicht sind aber seine Geschäftspartner auch nur Dämonen, denen er sich ausgeliefert hat um Macht zu bekommen. Macht als alleingültiger und zulässiger Wunsch eines Mannes. Der Preis dafür ist, der Liebe zu entsagen. Dies ist der Deal, den der Vertraute, Alan, eingehen muss, um an das Objekt seiner(?) Begierde zu kommen. Ein Koffer, von dem wir nie erfahren werden was darin ist. Müssen wir auch gar nicht. Am Ende des Films wird Williams diesen Koffer mit seinem Leben beschützen, und 10 Jahre später werden John Travolta und Samuel L. Jackson diesen Koffer im Auftrage ihres Herren wiederbeschaffen. Die Gerüchte, die sich dann in der Fanszene um diesen Koffer ranken, könnten fast in der Handlung von CORRUPTION begründet sein, aber dies nur nebenbei …
Alan wird zum Clown, oder macht er sich durch seine Verdorbenheit zum Clown? Der Bruder, Larry, ist jedenfalls der wahre Herr über den Sündenpfuhl. Sein Lächeln ist unheilvoll, sein Lachen boshaft, und jede seiner Gesten verheißt den Tod. Sein Leben scheint darin zu bestehen, einer Tänzerin beim Striptease zuzuschauen, während in den Toiletten seines Etablissements böse und verdorbene Spiele stattfinden. Larry zeigt Williams diese Spiele, und in einem davon, das mit Schmerz und Erniedrigung zu tun hat, nimmt Williams anscheinend auch teil, während er sich selbst dabei beobachtet. Die titelgebende Verdorbenheit hat alles und jeden durchdrungen. Menschliche Wärme, dessen intensivste und naheste Ausprägung die Sexualität eigentlich ist, wird nur noch eingesetzt um den Grad der Verdorbenheit zu steigern. Um mehr Macht zu bekommen. Um zu fallen …

In einer hinreißend schönen Sequenz schaut Williams aus dem Fenster in die Welt der Menschen, in die Oberflächenwelt. Zur elegischen Musik von Tomaso Albinoni sieht er das nächtliche New York, in dem Menschen wandeln und nach Glück suchen. Er hat sein Glück gefunden, und es heißt Unglück. Einsamkeit. Leere. Aber er hat das was er wollte, er hat seinen Koffer und eine Gespielin die ihn befriedigt. Die Menschen da draußen sind weit weg und völlig uninteressant, weswegen sie auch in den Schatten laufen. Nur Williams‘ Welt ist es die zählt. Nur das Spiel um Macht, das Streben und die Gier nach mehr, immer mehr. Dass Alan sich zum Narren macht? Dass sein Bruder zum Mörder wird? Dass seine Schwester dem Tode geweiht ist? Uninteressant – Nur das eigene Wohl zählt! Merkwürdig, wie hochaktuell dieser Film 35 Jahre nach seiner Entstehung wirkt.
CORRUPTION ist keine leichte Kost. Eine fragmentarische und hochgradig kryptische Aneinanderreihung von Szenen, die meistens mit seelenlosem Sex zu tun haben. Eine Abfolge von Momenten die Unterwerfung und Macht zeigen, ohne sich dem Zuschauer näher zu erläutern. Gerade Sex ist ja, trotzdem es kaum näher zu einem anderen Menschen geht, das Instrument der Unterwerfung schlechthin. Entsprechend wird der Sex in CORRUPTION auch fast ausschließlich zur Unterwerfung benutzt; die wenigen Szenen, in denen Williams Sex mit seinen Gespielinnen hat, sind nichts anderes als die Erfüllung männlicher Fantasien und damit ebenfalls wieder Teil eines Unterwerfungsrituals. Selbst während seine Freundin(?) ihm einen bläst kann er die Hand nicht von seinem Penis lassen, muss er das Instrument seiner Macht in der Hand halten. Damit es/sie ihm nicht entgleitet? Der Sex in CORRUPPTION ist kaum irgendwie anregend oder sexy, und die Darstellerinnen sind, genauso wie ihre männlichen Pendants, mit wenigen Ausnahmen von ausgesuchter Hässlichkeit. Frauen, denen man die Jahre der Ausschweifung und der Verdorbenheit deutlich ansieht. Und die mit dem gängigen Schönheitsideal eines Pornos nichts zu tun haben. Einzig die Schwester entspricht noch am ehesten dem, was üblicherweise mit dem Begriff gutaussehend verbunden wird. Doch ihr Name ist Felicitas, was nicht von ungefähr an
Fellatio erinnert, und ihr Schicksal wird der Tod sein In ihrem rosafarbenen Mädchenschlafzimmer hat sie dem Bösen und dem Habgierigen nichts entgegenzusetzen …
Durch seine Erzählweise bietet CORRUPTION jede Menge Möglichkeiten zum Hineininterpretieren wildester Theorien, und ich muss auch zugeben, dass ohne den hervorragenden Artikel von Simon Frauendorfer in der Splatting Image 87 selbst die grobe Inhaltsangabe nicht zustandegekommen wäre, geschweige denn die Versuche der Analyse. CORRUPTION ist fremdartiges Untergrundkino, das den Bereich unterhalb des Bauches kitzelt und den Kopf zum eigenständigen Denken anregen kann. So man es zulässt.
5/10