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Killer's Romance - Philip Ko (1990)

Verfasst: So 8. Feb 2026, 06:45
von Maulwurf
 
Killer's Romance
Long Man Sa Sau Ji Yau Yan
Hongkong 1990
Regie: Philip Ko
Simon Yam, Joey Wong, Philip Ko, Lau Siu-Ming, Luk Chuen, Jason Pai Piao, Kenichi Ishida, Carman Lee, Siu Yuk-Lung


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OFDB

KILLER’S ROMANCE wird allgemein damit beworben, dass er die erste Verfilmung des Mangas Crying Freeman ist. Es ist lange her, dass ich zumindest die deutsche Ausgabe des Comics gelesen habe, und damit hat der Film eigentlich recht wenig zu tun. Wenn ich die Inhaltsangabe der zugrunde liegenden Geschichte in der deutschen Wikipedia lese, kommt mir der Film gleich noch viel entfernter vor. Die Grundgeschichte ist sehr wohl vorhanden, bloß sollte man sich da nicht so viel Originaltreue erwarten:

Als der Kopf der britischen Sektion der Yamada-Gang in London ermordet wird, kommt sein Adoptivsohn Yo aus Paris zurück um Rache zu nehmen und die Familie als Anführer zu übernehmen. Die Attentäter waren die Chinesen, ganz klar, und deren fieser Killer Chan Ben. Yo räumt also unter den chinesischen Bossen auf, wird dabei aber von einem jungen Mädchen, der Studentin Paula, fotografiert. Dass die Chinesen die Säuberungsaktion nicht wirklich lustig finden ist klar, also hängen sie sich an Paula, um den Aufenthaltsort Yos herauszufinden. Ein guter Plan, haben sich doch Yo und Paula längst ineinander verliebt, und Yo hat eigentlich gar keine Lust mehr auf Rache und Töten und so. Gleichzeitig kommt Chan Ben aus dem kurzzeitigen Exil zurück nach London, um nach der Macht zu greifen, jetzt wo über ihm niemand mehr steht. Chan Ben verständigt sich mit Yoshikawa, Yos rechter Hand, dass sie den lukrativen Drogenmarkt unter sich aufteilen. Der Einzige, der diesem Deal im Weg steht, ist – Yo.

Ja, die Grundstory von Crying Freeman ist in ihren rudimentären Ansätzen durchaus vorhanden: Der Killer, der sich in eine Zeugin verliebt, und sie zu seiner Verbündeten macht. Aber wer diese Geschichte sehen will, sollte vielleicht besser zu Christophe Gans‘ 1995er CRYING FREEMAN – DER SOHN DES DRACHEN greifen. KILLER’S ROMANCE ist eine andere Sache. Eine ganz andere Sache. Der Film spielt in London (was einen starken Hintergrund gibt, mal was ganz anderes als das ewig gleiche Hongkong) und thematisiert einen Bandenkrieg. Und zwar auf die denkbar ungünstigste Weise, nämlich durch langwierige Autofahrten, ein paar flotte Autostunts, viele bedeutungsschwangere Blicke, und ein paar wenige Actionszenen Die allerdings nicht von Pappe sind! Zwar wurde bei den Kämpfen in erster Linie über den Schnitt gearbeitet, was aber dem Ganzen keinen Abbruch tut: Es wird geballert und gestorben, und das nicht von schlechten Eltern. Der Schlusskampf ist dabei so intensiv geraten, dass er tatsächlich den größeren Teil des Films aufwiegt. Denn eigentlich ist mir während der Sichtung aufgefallen, dass die melancholische Stimmung des Mangas im Film ersetzt wird durch gediegene Langeweile. Nein, das stimmt nur bedingt, denn die Melancholie ist noch da, gemeinerweise nur ergänzt durch die genannte Langeweile. Der Film lässt sich einfach alle Zeit der Welt, um seine Geschichte zu entwickeln. Ein wenig zu viel Zeit vielleicht, denn wenn er dann mal in Fahrt kommt, dann beschleunigt er richtig und rast über den dösenden Zuschauer glatterdings hinweg. Aber bis dahin muss man leider ein wenig Sitzfleisch und Geduld mitbringen …

Philip Ko war halt kein Ringo Lam, kein Johnny To und schon gar kein John Woo (behaupte ich jetzt einfach mal), und schafft es hier einfach nicht, eine stringente Geschichte zu erzählen, die mit Spannung und guten Fights unterfüttert ist. Schnitte und Szenenanschlüsse der Handlungsszenen haben oftmals Amateurniveau, und sogar als Schauspieler greift er daneben: Wenn er als Chan Ben ein bedauernswertes Opfer zu Tode tritt blickt Ko tatsächlich mehrmals in Richtung des Monitors, um seine Bewegungen zu kontrollieren …

Nein, der ganz große Wurf ist das nicht. Die Kämpfe sind stark, der Schlusskampf ist sogar mitreißend und wirklich knackig, spannend, blutig und waffenstarrend und rettet dem Film seine Wertung, aber der Rest ist eher etwas mau geraten …

5/10