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Suicide Kings - Peter O'Fallon (1997)
Verfasst: Do 19. Feb 2026, 07:22
von jogiwan
Suicide Kings

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Originaltitel: Suicide Kings
Herstellungsland: USA / 1997
Regie: Peter O'Fallon
Darsteller:innen: Christopher Walken, Denis Leary, Henry Thomas, Sean Patrick Flanery, Johnny Galecki
Story:
Bei einer abendlichen Lokalrunde trifft die Unterweltgröße Carlo scheinbar zufällig auf eine Gruppe von Männern aus gutem Hause, mit denen er ins Gespräch kommt. Man ist sich sympathisch und beschließt gemeinsam um die Häuser zu ziehen. Wenig später sitzt Carlo gefesselt und mit abgeschnittenem Finger in einer abgelegenen Villa und die jungen Männer offenbaren ihre wahren Absichten. Die Freundin eines der Männer ist ebenfalls entführt worden und es werden zwei Millionen Dollar Lösegeld gefordert, die die jungen Männer nicht auftreiben können. Mit Carlo als Opfer und seinen Kontakten in die Unterwelt soll nun eine Gegenerpressung stattfinden und das Geld aufgetrieben werden. Carlo ist jedoch nicht das einfache Opfer und obwohl er anfänglich das Spiel mitzuspielen scheint, beginnt er schon wenig später die Männer zu manipulieren und auch sonstige Ereignisse sorgen dafür, dass sich die Entführung nicht so wirklich nach Plan entwickelt...
Re: Suicide Kings - Peter O'Fallon (1997)
Verfasst: Do 19. Feb 2026, 07:22
von jogiwan
„Suicide Kings“ ist auch einer dieser Filme, die es ohne „Pulp Fiction“ wohl nicht gegeben hätte und hier treffen eine Unterwelt-Größé auf Yuppies und Gangster-Pathos auf Humor und Gewalt, ohne dabei die Coolness aus den Augen zu verlieren. Die Geschichte ist zwar arg konstruiert und manche Figuren wirken angesichts der doch recht drastischen Ereignisse arg unbedarft, aber das kammerspiel-artige Drama in der abgelegenen Villa mit Christopher Walken und aufstrebenden Jung-Darsteller funktioniert auch recht gut und wird mit allerlei Wendungen am Laufen gehalten. Nach einem eher turbulenten Start wird ja das Tempo wieder rausgenommen und man konzentriert sich auf die Figuren, wobei sich recht schnell herauskristallisiert, dass einer der Beteiligten wohl mehr weiß, als er zugibt. Dazu kommt noch ein zweiter Handlungsstrang mit einem anderen Kriminellen, der ziemlich unberechenbar agiert und nicht lange fackelt. Herausgekommen ist ein überraschend kurzweiliger Streifen mit gut aufgelegten Cast und einem Christopher Walken, der ebenfalls Spaß an seiner Rolle gehabt hat. „Suicide Kings“ mag zwar gegen Ende ein oder zwei Wendungen zuviel haben, aber insgesamt betrachtet ist er schon schwer unterhaltsam.
Re: Suicide Kings - Peter O'Fallon (1997)
Verfasst: Do 19. Feb 2026, 13:25
von Arkadin
Ich schrieb vor sechs Jahren anderswo:
Die drei Freunde Avery (Henry Thomas), Max (Sean Patrick Flanery) und Brett (Jay Mohr) entführen den ehemaligen Paten Charlie Barret alias Carlo Bartolucci (Christopher Walken), der sich angeblich vor einiger Zeit aus dem kriminellen Geschäft zurückgezogen haben soll. Ihr Plan: Barret soll mit seinen alten Kontakten und seinem Geld dafür sorgen, dass Averys Schwester Elise (Laura Harris), die von zwei Gangstern (Frank Medrano, Brad Garrett) entführt wurde, wieder freigelassen wird. Als Zeichen, dass sie es ernst meinen, haben die Entführer Elises kleinen Finger abgeschnitten. Um Barret unter Druck zu setzen, hat der angehende Arzt T.K, (Jeremy Sisto) ein weiterer Freund Averys, dieselbe Operation an Barret durchgeführt, was diese naturgemäß weniger lustig findet. Trotzdem willigt er ein, den Freunden zu helfen. Mit ein paar Telefonaten bringt er die Sache ins Rollen, findet dabei aber heraus, dass einer der Freunde tiefer in der Sache steckt, als er zugeben will. Während Barrets Anwalt Marty (Cliff DeYoung) die Geldübergabe organisiert und sein Chauffeur/Bodyguard/Killer Lono (Denis Leary) auf der Such nach seinem Boss eine blutige Spur durch die Stadt zieht, beginnt Barret die freunde langsam gegeneinander auszuspielen…
Die 90er Jahre waren die große Zeit der Gangster-Komödie im Fahrwasser von „Reservoir Dogs“ und „Pulp Fiction“. Überall schossen sie aus dem Boden, die Filme mit den philosophischen Killern in skurrilen Situationen. Brutalität gewürzt mit schwarzem Humor. Und ob Regisseur Peter O’Fallon es jetzt im auf dieser Blu-ray enthaltenen Interview vehement bestreitet oder nicht – auch „Suicide Kings“ reiht sich in diese Welle ein. Nun ist „Suicide Kings“ zwar kein platter Tarantino-Epigone, doch der Vergleich mit den Filmen des Meisters drängt sich immer wieder auf. Was möglicherweise an dem brillanten Christopher Walken liegt, der in einigen Filmen diese Welle bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Zum Beispiel in „Pulp Fiction“ selber, in „Das Leben nach dem Tod in Denver“ oder in dem grandiosen „True Romance“ mit einem Tarantino-Drehbuch. Hier bringt er das Kunststück fertig, den gesamten Film zu beherrschen, ohne sich dafür bewegen zu müssen. Denn 90% der Spielzeit ist er an einen Stuhl gefesselt und auf Stimme und Mimik reduziert. Dass dies für Walken kein Hindernis darstellt, eine ebenso faszinierende, wie furchterregende Darstellung abzuliefern, dürfte niemanden überraschen, der schon einmal einen Film mit diesem Ausnahme-Schauspieler gesehen hat. Walken kann selbst den größten Schrott veredeln.
Von „großem Schrott“ ist „Suicide Kings“ weit, weit entfernt. Der Film ist ein mehr als solider Vertreter seines Genres. Auch wenn er etwas hinter den Erwartungen bleibt. So präsent und beeindruckend Walken hier auch aufspielt, es geht zu Lasten seiner direkten Mitspieler, die demgegenüber blass und uninteressant wirken. Was verwundert, da es sich hier nicht um irgendwelche Leichtgewichte handelt. Sean Patrick Flanery war durch seine Hauptrolle in „Die Abenteuer des jungen Indiana Jones“ kein Unbekannter und scheinbar auf dem Weg, auch als Erwachsener ein Star zu werden. Henry Thomas kennt man natürlich als E.T.s jungen Freund. In den 90ern strampelte er sich aber vom Kinderstar-Image frei. Jay Mohr gehörte zu Besetzung von „Saturday Night Live“ (wo er u.a. Christopher Walken imitierte) und hatte gerade in „Jerry Maguire“ mitgespielt. Jeremy Sisto konnte man auch in einigen damals populären Filmen gesehen und Johnny Galecki war zwar noch nicht der TV-Superstar aus „The Big Bang Theory“, aber durch die immens erfolgreiche Serie „Roseanne“ ein bekanntes Gesicht. Walken wurde also gleich eine ganze Truppe aufstrebender, junger Stars entgegen gesetzt. Warum funktioniert es dann nicht? Die Antwort ist recht simpel: Weil ihre Rollen so schrecklich unsympathisch gezeichnet sind, und sich zwischen den Figuren niemals eine besondere Chemie einstellt. Man hat das Gefühl jeder spielt für sich allein und nicht miteinander. Am Besten schlägt sich noch Galecki, der allerdings auch den dankbarsten Part hat. Ein pedantisches, zur Hysterie neigendes Papasöhnchen, welches ständig versucht, sich bei Walken einzuschleimen.
Vielleicht ist die Präsenz der „Bösen“ in diesem Film auch einfach zu stark und erschlägt alles andere. Denn der wie immer großartige Dennis Leary ist Walken durchaus ebenbürtig. Mit der Rolle des persönlichen Chauffeurs (und Mädchen für alle – insbesondere die dreckigen Aufgaben) Lono geht Leary einfach durch die Decke. Er gleitet durch seine Szenen mit einer fröstelnd machenden Coolness, sieht unverschämt gut aus (nicht auf die glatte Posterboy-weise wie Flanery, sondern auf die wirklich interessante Art), improvisiert in Hochgeschwindigkeit Sätze, auf die der große Quentin neidisch sein kann und wirkt dabei gleichzeitig ebenso amüsant, wie gefährlich. Eine Schlange in Mantarochen-Stiefeln. Da ist es fast klar, dass der Film jedes Mal, wenn Walken und Leary nicht im Bild sind, in ein Loch fällt, welches die anderen Darsteller nicht füllen können. Allenfalls noch Brad Garrett und Frank Medrano als tumbes und unberechenbares Entführerpaar können da mithalten. Der Rest bleibt seltsam blass und kann für seine schablonenhaften, inhaltsleeren und verzogenen Figuren kein wirkliche Sympathie hervorrufen. So bleibt einem das Schicksal seiner „Helden“ herzlich egal, was sich nicht gut auf den Gesamtfilm auswirkt. Erschwerend kommt noch hinzu, dass der Plan der fünf Freunde absolut hirnrissig ist und von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Wer glaubt den ernsthaft, man können einen supergefährlichen Gangsterboss mit legendärem Ruf als kaltblütiger Killer einen Daumen abschneiden und am Ende trotzdem davonkommen? Selbst wenn man in Betracht zieht, dass es vielleicht noch einen Twist gibt, so funktioniert das einfach nicht.
„Suicide Kings“ ist eine grandiose Show für Walken und Leary, die den Film zu jeder Sekunde dominieren. Den Beiden zuzuschauen macht einen riesigen Spaß und sie genießen spürbar ihre toll geschrieben Rollen. Demgegenüber stehen die blassen und unsympathischen Protagonisten und die Bürde eines allzu offensichtlich dämlichen Plans, den Zuschauer den IQ unserer akademischen Freunde im einstelligen Bereich vermuten lässt. Schluckt man dies, wird man an „Suicide Kings“ durchaus seine Freude haben.