King Kongs Tränen - Peter Kern
Verfasst: Do 23. Jun 2011, 10:16
Land: Österreich
Jahr: 2010
Regie: Peter Kern
Drehbuch: Peter Kern
Darsteller: Peter Kern, Kathrin Beck, Oliver Rosskopf, Cornelia Albrecht,…
Handlung: Ähh…Naja…Ähh…Peter Gläubiger (Peter Kern) nimmt einen afrikanischen Jungen bei sich auf, der nach einem Unfall querschnittsgelähmt ist. Als Gläubiger für die Rolle des King Kong vorspricht kommt ein Tornado und bringt ihn, eine Lehrerin und den Assistent der Theaterdirektorin nach Afrika oder Österreich. Und zwischendurch tötet Gläubiger immer wieder Leute…oder so halt…
Kritik: King Kongs Tränen ist ein Österreichischer Low-Budget-Kunstfilm aber einer von der guten Sorte! Peter Kern verzichtet auf eine Handlung und die Personen wechseln alle paar Minuten mal ihre Charaktere, dafür wird aber mit einigen sehr guten und sehr ansprechenden Ideen aufgewartet.
Die meiste Zeit haben wir es mit kurzen Sequenzen zu tun, die lose miteinander verknüpft sind. In diese Abschnitte hat Kern mit sehr viel Talent in Szene gesetzt. Durch die schönen durchkomponierten Bilder, welche er erzeugt, bekommt der Film den Charakter eines Gedichtes, welches auch nicht immer logisch ist, dafür aber umso schöner.
Er lässt ein großes Maß an Sozialkritik einfließen. Das sieht man schon in der Anfangsszene. Er sitzt fast allein in einem Nachtbus und singt ein unanständiges Liedchen. Wir bekommen Mitleid mit dem Busfahrer, der irgendwelche Betrunkenen durch Wien kutschieren muss. Als der Bus aber gleich darauf einen afrikanischen Jungen anfährt ist es Kerns Charakter, der sich um ihn kümmert, wogegen der Busfahrer nur wütend auf die „Neger“ schimpft und um die Lage extrem zu machen völlig unerwartet eine Flasche an Kerns Kopf zerbricht, als dieser nicht von dem Jungen weichen will.
Wie man daran schon sehen kann ist der Humor des Filmes rabenschwarz. Besonders Grausamkeiten gegen Kinder werden gezeigt, die meist einen etwas spaßigen und sehr kritischen Unterton behandeln. Angefangen von einem Jungen, welchen Kern die Kehle durchschneidet (weil…?) über ein Mädchen, welches von einem herunterfahrenden Feuervorhang geköpft wird, bis hin zu einem Burschen, welcher von einem Kirchendiener belästigt wird. All diese Szenen besitzen keine Einleitung, sind einfach da in all ihrer Kritik, und verschwinden dann wieder ins nicht um nie wieder erwähnt zu werden.
Zum Ausgleich bekommen wir auch ein wenig Gewalt durch Kinder. In einer Szene fesselt Gläubiger die Lehrerin einer Schulklasse und fragt einen Jungen, was er am liebsten mit der Lehrerin machen würde. Die Antwort „Sie schlagen“ kommt wie aus der Pistole geschossen. Dies zeigt gut die Haltung vieler Kinder zu den Lehrkörpern, denn der Hass des Jungens ist so stark, dass er eher auf einen übergewichtigen fremden Psychopathen hört als auf seine besorge Lehrerin.
Man könnte wahrscheinlich jede einzelne Szene kritisieren, denn jede einzelne Szene ist eine Sozialstudie in sich, was manchmal auch nachteile mit sich bringt. So werden wir am Anfang in das Leben von Gläubigers Nachbarn eingeführt. Die Tatsache, dass diese Leute dann, bis auf eine kurze Einstellung, nicht mehr vorkommen verwirrt den kommerziellen Kinobesucher (ja auch auf die sollte man bei einem Kunstfilm Rücksicht nehmen).
Die Bildqualität und besonders der Soundtrack lassen einen die geringen Kosten vergessen, allein die Maske lässt ein wenig zu wünschen übrig. Besonders gut sieht man das in der denkwürdigsten Szene wo Gläubiger Hannibal Lekter imitiert und der Lehrerin das Gehirn auslöffelt. Das hätte man überzeugender Darstellen können. Wenigstens wird der schlechte Effekt von der grandiosen Umsetzung der Lehrerin wettgemacht. Sie spricht während dieser Szene ununterbrochen doch ihre Worte werden mit weniger Gehirn Zunehmens zu einem unverständlichen Gelalle.
Kern passt auch sehr gut in seine Hauptrolle. Da die Figur nicht wirklich definiert ist, scheint er uns zwar mehr Peter Kern statt Peter Gläubiger zu geben, doch darin ist er ziemlich gut. Seine Gesichtszüge lassen einen sehr dreidimensionalen Charakter vermuten, seine füllige Gestalt inklusive Stock und weißen Opernschal erinnern aber mehr an einen cartoon-haften Charakter a la Falstaff. Ebenso widersprüchlich ist sein Wesen, welches stets zwischen Philanthrop sondergleichen und wahnsinnigen Psychopathen hin und her switcht.
Noch kurz zu dem, was mir am besten gefallen hat: Der Film beginnt mit den harschen Worten eines gewissen Mathias J. der einen von Kerns Filmen gesehen hat und daraufhin Kern eine wütende Mail schickte in der er schrieb, dass der Film so widerlich uns unsinnig sei, dass sich Mathias J. nach dem Kinobesuch übergeben musste. Daraufhin blinkt zweimal im Film (unter anderem dann, wenn Kerns Name im Vorspann erwähnt wird) der Schriftzug „Jetzt kotzt Herr J.“ auf.
Fazit: Professioneller Kunstfilm Peter Kerns, welcher mit vielen interessanten Ideen und Eindrücken aufwartet. Nennt mich altmodisch aber ich hab in Filmen nur trotzdem gern eine Handlung und definierte Charaktere, dafür gibt’s einen kleinen Punkteabzug (jetzt kotzt Herr Kern). 8/10