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Die Munsters - Norman Abott, David Alexander, Charles Barton u.a. (1964-1966) [TV-Serie]

Verfasst: Mo 22. Sep 2014, 20:01
von Prisma

DIE MUNSTERS / THE MUNSTERS (1964 - 1966)

The Munsters.jpg
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in den Hauptrollen Yvonne de Carlo, Al Lewis, Beverly Owen, Pat Priest, Butch Patrick und Fred Gwynne
eine Produktion der Kayro-Vue Productions | für CBS Television Network
eine Serie von Lawrence Dobkin | Jerry Paris | Norman Abbott | Seymour Berns | Earl Bellamy | Ezra Stone |
Joseph Pevney | David Alexander | Charles Barton | Don Richardson | Charles R. Rondeau | Gene Reynolds


Sie sind die schrägste Familie der Welt! Papa Herman Munster (Fred Gwynne) wurde bei einem Experiment geschaffen und sieht aus wie Frankensteins Monster. Mama Lily (Yvonne de Carlo) und ihr Vater Grandpa (Al Lewis) sind Vampire. Und Sohn Eddie (Butch Patrick), dessen Reißzähne jeden Monat ein bisschen größer werden, wächst zum Werwolf heran. Nur Nichte Marilyn (Pat Priest) ist mit ihrem adretten Aussehen und ihren blonden Haaren leider etwas aus der Art geschlagen. Frisch aus Transsilvanien in einen hübschen amerikanischen Vorort gezogen, kämpfen die "Munsters" mit den Tücken des modernen Lebens und haben so einige Schwierigkeiten, sich anzupassen. [Zitat: "Die Munsters", erschienen bei KOCH MEDIA]


Re: Die Munsters (1964 - 1966)

Verfasst: Mo 22. Sep 2014, 20:20
von Prisma

● Folge 1: DAS KOSTÜMFEST / MUNSTER MASQUERADE (1964)
in den Hauptrollen: Yvonne de Carlo, Al Lewis, Beverly Owen, Butch Patrick und Fred Gwynne
Gäste: Linden Chiles, Mabel Albertson, Frank Wilcox, Lurene Tuttle, Walter Woolf, Nina Roman, u.a.
eine Produktion der der Kayro-Vue Productions | für CBS Television Network
Regie: Lawrence Dobkin


Marilyn geht seit längerer Zeit mit Tom Daly aus, einem jungen Mann der aus einer angesehenen Familie stammt. Da Marilyn bislang kein gutes Händchen mit Männern hatte, ist sie umso glücklicher und möchte ihren Freund der Familie vorstellen. Doch zu einem Aufeinandertreffen soll es erst zu einem späteren Zeitpunkt kommen. Toms Familie lädt die Munsters zu einem Kostümfest ein und es kommt bereits im Vorfeld zu Unstimmigkeiten, da Grandpa keine Einladung erhalten hatte. Toms Eltern wundern sich über die seltsamen Ansprüche der Gäste und zweifeln daran, ob Marilyn die richtige Partie für ihren Tom sei. Da man sich zur Party verkleiden muss, fallen die Munsters im Getümmel nicht weiter auf, die sich allerdings über die anderen Gäste wundern, weil sie trotz Kostümierung, in ihren Augen so normal aussehen. Der Abend nimmt seinen Lauf, bis es zu einem kleinen Eklat kommt, da unterschiedliche Welten aufeinander treffen...

Eine junge hübsche Frau steht mit ihrer Verabredung auf der Türschwelle. Sie möchte ihren Freund endlich einmal der neugierigen Familie vorstellen und er hat lediglich Absichten amouröser Art. Man sieht ein Szenario das einem bekannt vorkommt, weil es Anwendung in unzähligen Filmen gefunden hat, doch genau so auffällig ist, dass irgend etwas am Ambiente nicht stimmt. Das düstere Haus wirkt verkommen, es stürmt und es klappert bis man plötzlich Onkel Herman hinter dem Fenster hervor blicken sieht, bei dessen Anblick Marilyns Kavalier sicherlich direkt das Weite gesucht hätte, was - wie man erfährt - schließlich schon öfter vorgekommen sein soll, da die Natur es (laut Familie) mit der armen Marilyn nicht besonders gut gemeint habe. Die Familie wird sofort sehr sympathisch gezeichnet und zieht den Zuschauer natürlich direkt auf seine Seite. Herman hat das friedfertige und naive Gemüt eines Kindes, Lily besticht durch Charme und Aura und Grandpa hat immer eine Geschichte aus der Gruft zum besten zu geben und Eddie ist eben ein ganz normales Kind mit netten Flausen im Kopf. Es darf also herzhaft gelacht werden und die erste Folge gibt nach kürzester Zeit eine eindeutige Marschrichtung vor. Die Munsters müssen sich erst einmal in der neuen Welt einfinden und die running gags werden über die Verwunderung über eigenartige Leute um sie herum und deren unmögliches Aussehen aufgebaut. Diese permanenten Umkehrreaktionen und das leichtfüßige Spiel mit gesellschaftlichen Konventionen wirkt absolut geistreich und erheiternd. Thematisch bringt die erste Folge mit dem bevorstehenden Kostümfest günstige Voraussetzungen dafür, dass die Familie sich unauffällig in der Öffentlichkeit bewegen kann und ganz nach Stil des Hauses Munster wird eine charakteristische und ebenso witzige Maskerade veranstaltet.

Bevor man sich am Titel gebenden Ort wieder findet, gibt es allerlei Konversationen zum Schmunzeln und einige Hintergrundinformationen zur Familie, die sich im Serien-Verlauf immer weiter verdichten werden. Bevor man los fährt, merkt Herman an, dass es aufgehört habe zu regnen. Der Zuschauer denkt sich, dass man von Glück sagen kann, doch Grandpa bemerkt dazu nur trocken: »Ja, aber davon sollten wir uns den Abend nicht verderben lassen!« Ja, das macht schon riesigen Spaß weil es sich bezüglich der Dialogarbeit nicht nur um Zufallstreffer oder erfreuliche Tendenzen handelt, nein, es geht auf absolut gleich bleibendem Niveau weiter und man bekommt immer neue Finessen serviert. Auch eine kleine Nebenhandlung sorgt für heiter bis düstere Momente, da der Sohn des Hauses eine Babysitterin für den Abend vor die Nase gesetzt bekommt. Bei dieser Gelegenheit werden die Eigentümlichkeiten des Hauses und dessen Innenleben näher durchleuchtet und man muss schon sagen, dass man es mit absolut stilvoll hergerichteten und atmosphärisch dienlichen Kulissen zu tun hat. Auch die kruden Haustiere wie die schwarze Katze, die brüllt wie ein Löwe, oder der Rabe in der Uhr sorgen für Amüsement. Der Start in die Reihe ist also durchaus gelungen und man darf gespannt sein auf die weiteren Abenteuer der Familie Munster. Übrigens war es eine blendende Idee der Produktion, sich für die Schwarz/Weiß-Variante zu entscheiden, da die atmosphärische Dichte dadurch nicht nur begünstigt wird, sondern auch schwer zu überbieten ist. Der in Farbe gedrehte Pilotfilm ist zu Vergleichszwecken zwar interessant, wirkt aber bezüglich der Aufmachung zu übertrieben, künstlich und letztlich sogar aufdringlich. Ein weiterer Clou war außerdem die Verpflichtung von Yvonne de Carlo als Lily Munster, die Joan Marshall ersetzte. Eine schöne Folge, so kann es gerne weiter gehen!

Re: Die Munsters (1964 - 1966)

Verfasst: Di 30. Sep 2014, 14:18
von Prisma

● Folge 2: DER LIEBESTRANK / MY FAIR MUNSTER (1964)
in den Hauptrollen: Yvonne de Carlo, Al Lewis, Beverly Owen, Butch Patrick und Fred Gwynne
Gäste: John Fiedler, Claire Carleton, Edward Mallory
eine Produktion der der Kayro-Vue Productions | für CBS Television Network
Regie: David Alexander


Wieder einmal hat Marilyn einen neuen Liebhaber und nach einigen Rendezvous glaubt sie, dass es nun an der Zeit ist, ihren Freund der Familie vorstellen zu können. Doch bereits beim Anblick von Onkel Herman nimmt der junge Mann die Beine in die Hand und sucht verängstigt das Weite. Marilyn versteht die Welt nicht mehr und sie zweifelt an sich und ihrem Aussehen. Nach einem Familienrat beschließen die Munsters etwas zu unternehmen. Grandpa soll einen Liebestrank zusammenbrauen der alle Männer, die Marilyn sehen, absolut verrückt nach ihr werden lässt. Doch Opas Experiment erzielt nicht den gewünschten Erfolg und der Trank gerät in Lilys und Hermans Haferbrei. Ab sofort sind beide mit einer magischen Anziehungskraft gesegnet, sie bringt den Postboten, und er die sich sonst so abweisend verhaltende Nachbarin um den Verstand...

Auch Folge zwei ist auf dem immer wiederkehrenden Umstand aufgebaut, dass die bedauernswerte Marilyn kein besonderes Glück bei ihren Männerbekanntschaften zu haben scheint. Gerade dann, wenn sie ihre Freier der neugierigen Familie vorstellen wollte, suchten diese verängstigt das Weite und niemand hat sie je wieder in ihrer Nähe gesehen. Marilyn versteht die Welt nicht mehr und bezieht jedes fluchtartige Ende der Beziehungen auf sich, wobei die Familie Munster hinter vorgehaltener Hand einen Schritt weiter geht. So hört man beispielsweise Lily sagen: »Die Natur hat es mit ihr nicht so gut gemeint wie mit uns!« Für alle ist also klar, dass die aus der Art geschlagene Marilyn unter diesen Voraussetzungen niemals einen Mann abbekommen dürfte und man sieht sich gezwungen, zu außerordentlichen Mitteln zu greifen. Die Frage und die Verwunderung über das eigenartige Aussehen von Otto-Normalverbraucher stellt einen immer wiederkehrenden und wirtigen running gag dar, der noch viele Variationen innerhalb der laufenden Serie erfahren wird. Grandpa braut also einen Liebestrank zusammen, doch seine Zauberkünste sind mittlerweile recht angestaubt und durch einen Zufall läuft das geplante Experiment in vollkommen unerwartete Bahnen. Plötzlich stellen Lily und Herman die Objekte der Begierde dar und es darf tatsächlich ausgiebig gelacht werden! Jeder, der die beiden erblickt, verfällt in einen unbändigen Liebesrausch.

Bei Mrs. Munster ist es in diesem Falle der Postbote, der sich vorsichtig und wie üblich angewidert auf die Tür zubewegt. Ein Blick genügt und er wird zum Tiger. Herman bekommt es unterdessen mit der sonst so abweisenden Nachbarin zu tun, die ihn ebenfalls verfolgt und verführen möchte. Im Haus entsteht ein sagenhaftes Chaos, denn die liebestollen Gäste verfolgen die Munsters quer durch das komplette Haus, wobei das Stilmittel der Zeitraffer blendend funktioniert und alle Bewegungsabläufe obendrein hervorragend choreografiert wurden. Bei dieser Gelegenheit lernt man das alt-ehrwürdige Haus der Familie auch besser kennen und erfährt, wie man in den zahlreichen Geheimgängen verschwinden kann. Als der Trank nachlässt kehrt wieder etwas Ruhe ein doch man ist beim eigentlichen Problem kein Stück weiter gekommen. Die kurze Spieldauer ist optimal genutzt worden und von der Gruft bis in die oberen Gemächer mit genügend schwarzem Humor angereichert worden. Interessant dabei ist, dass kein Mitglied der Familie zum bloßen Stichwortgeber degradiert wird, so dass sich eine sehr angenehme Eigendynamik entfalten kann. Klasse ist, wenn Herman und Lily in einen Spiegel schauen, der dann sofort zerspringt, oder wenn es zu den üblichen Umkehrreaktionen kommt wie beispielsweise in folgender Szene, als Eddie ins Bett gehen soll und er nur erwidert: »Ich will aber noch nicht ins Bett gehen, es ist doch draußen immer noch dunkel!«. Einfach herrlich! Man darf daher gespannt sein, wie es mit dieser recht unkonventionellen Familie weiter geht!

Re: Die Munsters (1964 - 1966)

Verfasst: Di 4. Sep 2018, 13:07
von buxtebrawler


1964 war das Jahr der gruselkomödiantischen Sitcoms: Nur wenige Tage nach der „Addams Family“ gingen die ein ganz ähnliches Konzept verfolgenden „The Munsters“ an den Start. Norman Abott, David Alexander, Charles Barton und neun weitere Regisseure inszenierten insgesamt 70 rund halbstündige Folgen fürs US-amerikanische Fernsehen, nach der zweiten Staffel wurde die Serie zeitgleich mit der Addam’schen Konkurrenz abgesetzt. Während die nie ausgestrahlte Pilotfolge noch in Farbe gedreht worden war, musste die Serie auf Kolorierung verzichten (eine weitere Gemeinsamkeit mit der „Addams Family“).

Zu fünft bewohnen die Munsters ein großes, altes, reichlich verwittertes Haus in der Mockingbird Lane 1313, Mockingbird Heights, USA, die zahlreichen Haustiere vom Drachen über einen Raben bis hin zur Schlange nicht mitgezählt. Herman Munster (Fred Gwynne, „Friedhof der Kuscheltiere“), einst vom deutschen Dr. Frankenstein zusammengesetzt, ist das Familienoberhaupt, ein tollpatschiger, mehr als 2,20 Meter großer Trampel und liebenswürdiger Simpel, der im Beerdigungsinstitut „Gateman, Goodbury & Graves“ arbeitet und seine Frau Lily (Yvonne De Carlo, „Die zehn Gebote“) über alles liebt. Lily ist Angehörige des Dracula-Clans und einst zusammen mit ihrem Vater Sam (Al Lewis, “Gnadenlose Stadt“) aus Transsilvanien in die USA übergesiedelt. Sam alias Opa Munster alias Graf Dracula vertreibt sich die Zeit mit wissenschaftlichen Experimenten, kann sich in Tiere verwandeln und spricht mit osteuropäischem Akzent. Der kleine Eddie Munster (Butch Patrick, „Lidsville“) ist Lilys und Hermans gemeinsamer Sohn, der mit seinem Aussehen einem jungen Werwolf ähnelt. Er besucht die örtliche Grundschule und ist äußerst tierlieb. Mit im Haus lebt Marilyn, die Tochter von Lilys Schwester, ein blondes, bildhübsches All American Girl, zudem überaus freundlich und wohlerzogen. In ihrer Familie gilt sie damit als entstellt. Herman & Co. geben ihr das Gefühl, ganz besonders hässlich zu sein. Dass sie einfach kein Glück bei der Partnersuche hat, führt sie auf ihr Aussehen zurück, ohne zu ahnen, dass ihre Verehrer es angesichts ihrer Familie stets mit der Angst zu tun bekommen.

Dabei führen die Munsters genauso wenig Böses im Schilde wie die Addams, sie verfügen lediglich über ein anderes Ästhetikempfinden – und haben aufgrund von Hollywood- und Genrefilm-Produktionen nicht gerade den besten Leumund. Tatsächlich sind die Munsters den Universal Classic Monsters nachempfunden, sind sie deren Parodie. Im Gegensatz zu den Addams sind sie weniger vermögend, Herman fungiert als Ernährer der Familie. Auch sind sie kulturell weniger beflissen. Ihren Humor bezieht auch diese Serie jedoch hauptsächlich aus dem Umstand, dass sich die Munster ihrer Andersartigkeit nicht bewusst sind. Die ersten beiden Folgen weisen entsprechend noch sehr viel Ähnlichkeit zu Gomez & Co. auf (bis hin zu einzelnen Figuren: Opa Munster scheint Onkel Festers Charakter zu entsprechen), doch ab Episode 3 entwickelt sich ein durchaus eigener Charakter. Allen voran entpuppt sich Herman als gänzlich anders geartet als Gomez, jenem schöngeistigen Aristokraten-Gigolo: Trotz seiner beeindruckenden Statur ist Herman eher etwas ängstlich, in jedem Falle weniger selbstbewusst. Er weiß um den Umstand, dass er von einem wahnsinnigen Wissenschaftler künstlich erzeugt wurde, was für ihn jedoch kein Problem ist. Im Gegensatz zu Frankensteins Monster aus den Universal-Verfilmungen kann er sich ganz normal und kultiviert artikulieren. Sohn Eddie wurde ursprünglich wilder konzipiert, für die Serie jedoch arg gezähmt.

Köstlich ist Folge 4, „Vaterfreuden“, in der Herman glaubt, Lily sei schwanger. Ähnlich amüsant ist die vorausgegangene Episode „Schlaflose Nächte“ um ein Monster im Park. Beide leben von Verwechslungen und Missverständnissen. Doch verlässt man sich anfänglich noch stark auf den beschriebenen Grundgag, wird man im Laufe der ersten Staffel bald origineller. Mehr und mehr wird man zu einer Persiflage damals zeitgenössischer Familien-Sitcoms, die bereits der Vorspann parodiert. Während Opa immer mehr zum Mad Scientist avanciert, werden immer häufiger typische Alltags- und Ehesituationen durch den Kakao gezogen. Wenn sich dann herausstellt, dass Onkel Lester ein waschechter Wolfsmensch, Onkel Gilbert der „Schrecken vom Amazonas“ und Onkel Jack „Der Unsichtbare“ ist, wird die Riege der klassischen Universal-Horror-Kreaturen komplettiert und ein schöner Spagat zwischen Horror- und Familienunterhaltungsparodie gelingt, indem man sich gleich beide Pole vorknöpft (aus Hermans Zwillingsbruder Charlie machte die deutsche Synchro übrigens den kölschen Dialekt sprechenden Hannes, aber das nur am Rande). Höhepunkt in dieser Hinsicht: Gwynnes Doppelrolle in „Dr. Frankensteins Urenkel“, als Herman seinen Cousin Johannes kennenlernt, der ziemlich tumb ist und am ehesten Frankensteins Monster, wie man es kennt, entspricht – und Lily ihn einerseits zähmt, den Unterschied andererseits aber gar nicht bemerkt… Auch um einige sozialkritische Seitenhiebe ist man in der einen oder anderen Episode nicht verlegen. All dies hat ungefähr zur Hälfte Anteil am Faszinosum „The Munsters“.

Die andere Hälfte ist in den herausragenden Schauspielerinnen und Schauspielern zu suchen: Die „Addams Family“ mag die stärkeren Figuren gehabt haben (eine Wednesday beispielsweise ist nur schwer an Charisma zu überbieten), doch die Munsters hatten die Sympathieträger und ziemlich besten Freunde Fred Gwynne und Al Lewis, die zuvor bereits für die Sitcom „Wagen 54, bitte melden!“ gemeinsam vor der Kamera standen und für „The Munsters“ eindrucksvoll unter Beweis stellten, was es bedeutet, wenn die Chemie zwischen zwei Hauptdarstellern stimmt. Auch über die Schauspielerei hinaus brachten sie sich in die Serie ein, bis hin zu versuchter Einflussnahme auf die Drehbücher der zweiten Staffel, mit denen sie haderten. Hermans Mimik unter seinem dicken Make-up und schweren Kostüm ist unverkennbar, nicht minder ikonisch wurde seine Lache, die Lahme zum Gehen bringt und Tote auferstehen lässt… Sämtliche Kostüme und Masken sind hochwertig und aufwändig, wurden mit Liebe zum Detail gestaltet, so auch der Dress, in den man Yvonne De Carlo steckte. De Carlo war bereits ein richtiger Filmstar, bevor die Dreharbeiten zur Serie begannen, fügte sich jedoch bestens ins Ensemble ein und bewies Mut zur „Hässlichkeit“ ebenso wie große Spielfreude, für die sie voll in ihrer Rolle als starke Ehefrau und heimliche Hausherrin aufging. Nach 15 Folgen gab Beverly Owen („Die letzte Kugel trifft“) die Rolle der Marilyn wegen Heimwehs und Sehnsucht nach ihrem Freund auf, in Pat Priest („Airport“) wurde jedoch die perfekte Nachfolgerin gefunden. Die Ähnlichkeit ist so verblüffend, dass ich den Tausch zunächst gar nicht bemerkte. Ein weiterer Star der Reihe ist das Haus, das fürs passende Gruselhaus-Ambiente sorgt und mit allerlei abseitigem Interieur vollgestopft wurde.

Leider hat man es versäumt, aus der Folge, in der Gwynne als Herman ohne Maske und Kostüm auftritt, etwas Größeres zu machen. Das Resultat dieser für Gwynne sicherlich sehr angenehm zu spielenden Folge ist zu albern ausgefallen, weil sich seine Kleidung jeweils mitverwandelt – weshalb auch immer. Überhaupt hatte sich die zweite Staffel allen Running Gags wie dem des kurzsichtigen Familienarztes (der nie seine Brille aufhat, wenn ein Munster ihn aufsucht – bis auf einmal…), dem der zerspringen Spiegel angesichts Hermans Antlitz oder dessen Unvermögen, seine Kraft zu kontrollieren, insbesondere, wenn er aufgeregt ist – was er in seinem kindlichen Gemüt häufig ist – zum Trotz schließlich abzunutzen begonnen, sodass man das Quotenrennen gegen die „Batman“-Serie verlor. Dennoch lässt es sich königlich amüsieren, wenn Opa Munster im „Playghoul“ liest oder Eddie ganz vernarrt in eine Horrorshow im TV ist, die Lily zudem für pädagogisch wertvoll hält. An die Stummfilmzeit gemahnende beschleunigte Bewegungsabläufe mögen seinerzeit noch besser funktioniert haben als heutzutage und längst nicht jeder Gag zündet noch in vollem Umfang, zudem geht einiger Dialogwitz, von dem die Serie viel zehrt, in der deutschen Synchronisation verloren. Alles in allem aber hat sich die Serie bis zum beschriebenen Abnutzungseffekt gut gehalten.

Wie die Addams verkörpern auch die Munsters schrullige, furchteinflößende, letztlich jedoch harmlose Außenseiter, für deren gesellschaftliche Akzeptanz die Serie wirbt, indem sie sie für sich ganz selbstverständlich in einer Welt leben lässt, die ihr mit Angst und Abscheu begegnet – und den naiven Herman nie etwas Derartiges ahnend durch diese Welt stapfen lässt. Auch die Munsters wurden zu Ikonen der Popkultur, ihr Wiedererkennungseffekt ist enorm, Merchandise, Spielfilme und Neuauflagen trugen ihren Teil dazu bei, ganz zu schweigen von Jack Marshalls Titelmelodie, die einem nicht mehr aus den Ohren geht. Mithilfe der Munsters fand das Makabre und Morbide in familientauglicher Form seinen Weg in die Wohnzimmer und entledigte sich damit seines Schreckens.

Re: Die Munsters (1964 - 1966)

Verfasst: Fr 15. Jul 2022, 12:25
von buxtebrawler
„Die Munsters“-Familie ist zurück: Trailer zu Rob Zombies Film-Hommage der Kultserie
Kinofilm mit Jeff Daniel Phillips und Jorge Garcia angekündigt

Regisseur Rob Zombie, der neben seiner Karriere als erfolgreicher Rockmusiker auch Horrorfilme wie „Haus der 1000 Leichen“ oder eine Neuauflage von John Carpenters Klassiker „Halloween“ drehte, widmet sich mit seinem neuen Film einem weiteren Klassiker: der Kult-Comedyserie „Die Munsters“ aus den 1960er Jahren.



Quelle und weitere Infos:
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