Der vierte Mann
Kansas City confidential
USA 1952
Regie: Phil Karlson
John Payne, Coleen Gray, Preston Foster, Neville Brand, Lee Van Cleef, Jack Elam, Dona Drake, Mario Siletti, Howard Negley, Carleton Young, Don Orlando, Ted Ryan, Orlando Beltran, Ray Bennett, Barry Brooks, Charles Cane, Edward Coch

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OFDB
Drei Männer begehen in Kansas City einen Raubüberfall auf einen Geldtransporter, und der unschuldige Lieferfahrer Joe wird dafür von der Polizei verhaftet, geprügelt, und irgendwann auch wieder ausgespuckt, nur um dann von der Presse bloßgestellt und von allen misstrauisch beäugt zu werden. Der einzige Weg, seine Unschuld zu beweisen, ist, die drei Männer zu fangen. Das Problem: Die drei trugen Masken und kennen sich gegenseitig nicht. Und der Mann im Hintergrund, der den Plan entworfen und die drei eingestellt hat, trug ebenfalls eine Maske. Durch einen Tipp kann Joe den ersten der drei Männer entlarven, einen Glücksspieler namens Pete Harris. Durch Harris kann Joe die Spur zu den anderen aufnehmen, und als Harris von der Polizei erschossen wird, nimmt Joe die Rolle Harris’ an. Er reist in ein Touristenkaff nach Mexiko, wo sich die Männer mit dem vierten Mann, demjenigen im Hintergrund, treffen wollen um das Geld zu verteilen. Er findet zwei mutmaßliche Gangster im Urlaub. Einen pensionierten Polizeicaptain. Und dessen Tochter, die sich leidenschaftlich für ihn interessiert …
Vier Männer üben einen Raubüberfall aus. Einer redet und wird erschossen, die anderen werden vom Sündenbock gejagt. Ein Szenario wie aus dem Lehrbuch für fortgeschrittene Thrillerautoren, und DER VIERTE MANN macht folgerichtig auch keine Gefangenen. Die Story ist schnell, brutal und düster, und jeder hier hat ein Schicksal, das man höchstens seinen Feinden wünscht. Joe wird von den Cops hochgenommen, und die freuen sich wie die Schneekönige über den leicht gefundenen Täter. Und weil Joe bereits einmal im Knast saß, kann er ja nur der Räuber gewesen sein. Mit Einsatz harter Fäuste will man ihn zu einem Geständnis überreden, aber Joe ist härter als die versammelte Polizei von Kansas City. Da ist man beim Zusehen froh, dass man ein unbescholtener Zuschauer ist …
Auch die Gangster selber sind harte Knochen und Charakterschweine wie sie im Buch stehen. Der hypernervöse Kettenraucher Jack Elam, der Schlagetot Neville Brand und natürlich der Womanizer mit dem gefährlichen Blick und der sanften Stimme, Lee Van Cleef. Keine Gestalten denen man gerne im Dunklen begegnen möchte. Im Gegensatz zu den Typen wissen wir auch, wer der vierte Mann ist: der entlassene Captain der Polizei Preston Foster, nur sein Plan ist noch nicht klar. Geht es ihm um Rache an den früheren Kollegen? Um das Geld? Oder darum, zu beweisen, dass er der Beste ist? Ist das überhaupt wichtig? Wichtig ist doch nur eines: dass man sterben muss, damit Joe seine Unschuld beweisen kann.
Man sieht schon, lauter miese Typen, und mittendrin Joe, der seine Knochen hinhält für sein Leben und seine Rache (obwohl es die Rippen von Jack Elam waren, die ihm John Payne in einer Kampfszene gebrochen hat), sowie die hübsche Helen, Tochter von Captain Foster, angehende Rechtsanwältin, und Love Interest von John Payne. Dem aber sehr wohl klar ist, dass das unschuldige Mädchen ihre Füße in einen Haifischpool hängt, und der deswegen auch mal recht grob zu ihr werden muss, damit sie sich von ihm zurück zieht. Der Himmel hängt hier nicht voller Geigen, sondern voller Pistolen, alle Naslang wird jemand niedergeschlagen, und wenn er dann am Boden liegt geht es erst so richtig zur Sache. Feine Gefühle sind nicht die Sache von DER VIERTE MANN, hier wird mit der groben Kelle ausgeteilt und im Zweifelsfall lieber noch einmal mehr draufgehauen.
Der Verbrecher ist ein Ex-Cop, und der Ex-Sträfling läuft als Held und ermittelt, macht also den eigentlichen Job der Polizei – Im Amerika der frühen 50er-Jahre normalerweise undenkbar. DER VIERTE MANN ist düsteres, gewalttätiges und zutiefst unmoralisches Gangsterkino vom Feinsten, bei dem die Schatten an der Wand zusammenstehen und um das Leben der zwielichtigen Charaktere pokern. Großartig!!
7/10
Der Sieg des Kapitalismus ist die endgültige Niederlage des Lebens.
(Bert Rebhandl)