Centipede Horror - Keith Li (1982)

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Salvatore Baccaro
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Centipede Horror - Keith Li (1982)

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Originaltitel: Wu Gong Zhou

Produktionsland: Hongkong 1982

Regie: Keith Li

Darsteller: Tien-Lang Li, Kiu Wai Miu, Hussein Abu Hassan, Chu-Kwong Chan, Szu-Ying Chien, Chok Chow Cheung

Gehe niemals nach Südostasien!, könnte man die Moral der 1982er Hongkong-Produktion WU GONG ZHOU am besten zusammenfassen, denn genau diese mahnenden Worte hat eine chinesische Mutter ihrer Tochter Kay und ihrem Sohn Wai Lun von Kindesbeinen an mit auf den Weg gegeben, - was allerdings nichts daran ändert, dass Kay mit einer Busenfreundin und dank Komplizenschaft ihres Bruders doch irgendwann einmal einen Urlaubstrip in eine nicht näher benannte südostasiatische Feriengegend unternimmt, und den Ausflug just mit dem Leben bezahlt: Als sich die beiden jungen Frauen von ihrer Reisegruppe entfernen, um in einem Wäldchen ihre Blasen zu entleeren, werden sie plötzlich von hunderten Tausendfüßlern attackiert: Kays Freundin stirbt auf der Stelle vor Schreck an einem Herzschlag, während Kay wiederum von den Biestern lebensbedrohlich zugerichtet wird. Schlechten Gewissens, denn immerhin hat er ihre Reisepläne nicht nur gebilligt, sondern auch vor der Frau Mutter gedeckt, eilt Wai Lun in das Krankenhaus, wo seine von Scheitel bis Sohle mit Tausendfüßler-Bisswunden übersäte Schwester mit dem Tod ringt, und den Kampf alsbald verliert, was seinem schlechten Gewissen nur noch mehr Zündstoff liefert. Als ihm Gerüchte zu Ohren kommen, sein Großvater habe sich als junger Mann exakt in der Region aufgehalten, wo Kay die böse Bekanntschaft mit den Insekten schließen musste, unternimmt unser Held Nachforschungen, die eigene Familiengeschichte betreffend. Die Ergebnisse sind alles andere als erfreulich: Offenbar hat sein Opa einem brandgefährlichen Schwarzmagier seinerzeit nicht nur die Frau ausgespannt, sondern diese in dem Versuch, seinen Seitensprung zu vertuschen, versehentlich genauso zu Tode gebracht wie die Dame, mit der er selbst zu diesem Zeitpunkt offiziell liiert gewesen ist. Dass er es für eine prächtige Idee hielt, die Hütte mit den beiden Frauenleichen anschließend anzuzünden, um sämtliche Spuren zu beseitigen, und dabei einen Säugling, den erstgeborenen Sohn des Schwarzmagiers, gleich mitzuverbrennen, sicherte ihm und sämtlichen seiner Nachkommen den fiesesten Fluch, dessen der Zauberer fähig gewesen ist: Den Fluch des Tausendfüßlers! Kein Wunder also, dass Wai Luns Familie, nun, wo sich die Rache des noch immer aktiven Magiers bei Kay als derart effektiv erwiesen ist, alsbald mehrheitlichen Besuch von infernalischen Insekten erhält. Wai Luns letzter Ausweg: Sich an einen zweiten Zauberer zu wenden, der ihm verspricht, ihm bei seinem Kampf gegen den Erzfeind seiner Familie unter die Arme zu greifen…

Leider entwickeln sich die metaphysischen Duelle zwischen den bösen und guten Mächten dann aber doch relativ tranig, nachdem WU GONG ZHOU mit seinem Auftakt und den nachfolgenden Ermittlungen Wai Luns ein durchaus hohes Tempo sowie eine hohe Dichte an mysteriösen Vorkommnissen an den Tag gelegt hatte, die die restliche Stunde Laufzeit kaum einmal einzuholen versteht. Dass sich die Handlung eines Hongkong-Horrorfilms oft und gerne einmal verzettelt, und zumindest einem Zuschauer wie mir, der mit dem asiatischen Mythenschatz wenig bis gar nicht vertraut ist, ebenso oft und gerne wahre Verständnisrätsel aufgibt, das bin ich bereits gewohnt. Dennoch erschließt sich mir beispielweise überhaupt nicht eine lange Sequenz im Mittelsegment, in der plotfremd eine junge Frau, deren Bauch sich vor lauter Dämonenbesessenheit grün verfärbt hat, von ihren Eltern zu einem Dorfmagier geschleppt wird, der wiederum ein wahrlich bizarres Ritual an ihr vollzieht, bei dem involviert sind: Zwei „Puppen“, sprich, zombiehafte Frauen, die „große Bohne“ und „kleine Bohne“ genannt werden, und dem Magier offenbar als überweltliche Assistentinnen dienen; ein Hahn, der (diesmal off-screen) in einer der innerhalb des Genres keine Seltenheit darstellenden Tiersnuff-Szene zunächst viele Federn und dann den Kopf lassen muss; schlussendlich eine Ekeleinlage, in der die junge Frau ihre Besessenheit im wahrsten Wortsinne auskotzt, und zwar zusammen mit mehreren Skorpionen, die die Darstellerin offenkundig tatsächlich zusammen mit einer das Erbrochene symbolisierenden Flüssigkeit im Mund geführt hat. Auch im Finale beweist der Film seinen Mut zum Abjekten: Minutenlang spuckt dort eine weitere Schauspielerin zuckende Tausendfüßler zusammen mit einer milchigen Substanz vor die Kameralinse, dass einem schon der eigene Magen dazu tendiert, in diese Exzesse miteinzustimmen. Da ich mich vor Würmern jedoch, wenn sie nicht gerade vor meinen Augen erbrochen werden, allerdings noch nie geekelt habe, konnte WU GONG ZHOU den mutmaßlich angestrebten Ekelfaktor ansonsten kaum bei mir erzielen, selbst wenn der Film regelrecht in Großaufnahmen der titelgebenden Insekten schwelgt – und folgerichtig mit solchen Einlagen auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei ihm eine veritable Schlaftablette handelt, die gerade im Mittelteil wie betäubt auf der Stelle tritt, und die sich mehr darin gefällt, (mir unverständliche) Ritualhandlungen zu bebildern als sich um eine packende, spannende Dramaturgie zu kümmern. Dass der Film freilich, nachdem besagte Darstellerin sich endlich die Seele aus dem Leib gekotzt hat, quasi im luftleeren Raum endet, so, als sei den Drehbuchautoren nicht einmal ein runder Schluss für ihre zerschossene Chose eingefallen, fällt aber immerhin nicht negativ in einem Streifen auf, der es zu keinem Zeitpunkt schafft, seine drei Standbeine Tierhorror, düstere Familiengeschichte und Magie-Mumpitz an einen halbwegs solide stehenden Tisch zu schrauben.

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