Devil Fetus - Hung-Chuen Lau (1983)

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Salvatore Baccaro
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Devil Fetus - Hung-Chuen Lau (1983)

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Originaltitel: Mo tai

Produktionsland: Hong Kong 1983

Regie: Hung-Chuen Lau

Darsteller: Eddie Chan, Yung-Chang Chin, Pak-Kwong Ho, Meng-Kuang Hsu, Dan Lau, Sai-gang Lau, San Leung, Hsiu-Ling Lu

MO TAI dürfte dann wohl der mit Abstand unterhaltsamste Film sein, den ich in den letzten Wochen zu Gesicht bekommen habe, da in ihm von einer Welt gekündet wird, in der wirklich ALLES von dämonischen Mächten besetzt werden kann, - besessene Vasen, besessene Haushunde, besessene Geburtstagstorten, besessene PKWs, besessene Badezimmer, besessene Föten etc. pp. – und selbst die sowohl außerfilmische wie innerfilmische Logik bleibt nicht verschont, wenn keine der vorgestellten Plotvolten, keine der handelnden Figuren, keiner der einander die Klinke in die Hand gebenden kruden Einfälle zu irgendeinem Zeitpunkt den Eindruck erweckt, selbst im derangierten Paralleluniversum, in dem dieser unfassbare Streifen angesiedelt ist, irgendeinen Sinn zu ergeben.

Auf einer Trödelauktion ersteigert eine Dame eine Vase, die ihr ad hoc besonders gut zu ihrer Schlafzimmergarnitur zu passen scheint. Zu Hause angekommen entwickelt der nun wirklich nicht besonders ästhetische Dekorationsgegenstand ein befremdliches Eigenleben: Unsere Heldin unterhält eine nahezu obsessive Beziehung zur Vase, belässt sie bald nicht nur auf ihrem Nachttischschränken, sondern nimmt sie, zumal sich ihr Ehegatte gerade auf langer Geschäftsreise befindet, zu sich unter die Bettdecke, - wo sich die Vase in ein schleimiges manngroßes Monstrum verwandelt, das mit der Dame den Beischlaf vollzieht! Den übrigen Hausbewohnern, namentlich: die Mutter unserer Heldin, ihre Schwester, ihr Schwager, deren beide Söhne sowie das Gesinde, dämmert bald, dass mit ihrer Verwandten etwas nicht stimmt, doch vollends eskaliert die Situation erst, als ihr Angetrauter in den Schoß der Familie zurückkehrt, und eines Abends seine inzwischen schwangere Frau bei ihrem Techtelmechtel mit dem Ding aus dem Sumpf erwischt: Dass er indes die Vase im ersten Wutanfall sogleich zertrümmert, nehmen ihm die Dämonen, die in ihr hausen, derart übel, dass sie sein Gesicht zwischen zwei Lidschlägen in eine verwesende, wurmbesetzte Masse zertriefen lassen. Aber auch seine Frau überlebt den Vorfall nicht lange, und wird nur kurze Zeit später von der inzwischen ebenfalls zum Füllhorn übernatürlicher Schadstoffe gewordenen Hauskatze derart erschreckt, dass sie ihren Sturz die Treppe hinab mit einem Genickbruch beschließt. Die Familie vergeht in Trauer, und die buddhistischen Priester warnen die tiefreligiöse Familienälteste: Erst nach zwölf Jahren seien die Seelen der beiden Toten erlöst genug, dass keine Gefahr mehr für ihre Angehörigen von ihnen ausginge. Deshalb verstaut die alte Dame die Urnen von Tochter und Schwiegersohn in ihrer Kammer, und zwar mit der Auflage vor allem in Richtung der Enkel, diesen Schrein niemals anzurühren.

Tja, und das ist nun gerade einmal der Prolog von MO TAI gewesen, dessen Drehbuch nach einem Zeitsprung von etwa einem Jahrzehnt vorsieht, dass natürlich die Totenruhe der Eheleute gestört wird, - und zwar von der Freundin eines der nunmehr im jungen Erwachsenenalter befindlichen Neffen der Toten –, und dass natürlich die Familie alsbald mit Dingen zu tun hat, die mit regelrechten Schöpfkellen aus dem großen Fundus der Horrorfilm-Topoi-Kessel entnommen wurden: SUSPIRIA-like wird der brave Familienschäferhund zur reißenden Bestie und liefert sich mit einem der beiden Söhne einen Kampf auf Leben und Tod; POLTERGEIST-like meint die neugierig am Schein fummelnde Freundin bald, dass ihr irgendwelche Frauengestalten auf den Kopf zu stürzen drohen; das Familienauto schaltet sein Licht und seinen Motor ein, wie es ihm beliebt, und verfolgt auch schon mal den Hausangestellten im Schneckentempo. Nachdem auch noch die Geburtstagstorte auf Großmütterchens Wiegenfest sich im Mund einiger Gäste in eine widerliche Pampa aus (echtem!) Gewürm verwandelt und eine junge Frau zu wahren Kotz-Orgien animiert hat, ist es vor allem der jüngste Spross der Familie, der sich EXORCIST-like mit teuflischer Energie auflädt, und nicht nur beispielweise den im nahen Waldstück bestatteten Haushund ausbuddelt, um ihn in seinem Kinderzimmer zu verstecken, wo er sich die Zeit vertreibt, indem er seine Eingeweide verspeist (!), sondern auch einen Mordanschlag auf seine Schwägerin in spe verübt, indem er sie im Swimming-Pool zu ersaufen versucht. Da aber keiner unserer Protagonisten irgendein Fundament menschlicher Psychologie zu besitzen scheint, ist selbst das noch nicht Anlass zum Alarmschlagen: Nachdem die Freundin des älteren Sohnes nur knapp dem Tod durch Ertrinken entkommen ist, belässt man es bei einer kleinen Verwarnung des jüngeren Sohnes, und schreitet danach weiter zur Tagesordnung. Lediglich Großmütterchen erkundigt sich bei ihrem Stammpriester, warum bei ihr denn bloß der Haussegen schiefhinge. Die Antwort des Weisen: Da stecke ein Dämon bei ihr im Stübchen, den man einzig und allein mit Adlerblut bekämpfen könne. Grund genug für MO TAI, dann auch endlich einmal den bei Hongkong-Horrorfilmen offenbar zum Standardrepertoire zählenden Tiersnuff einzufädeln, wenn einem Adler im Rahmen einer magischen Zeremonie die Kehle durchschnitten wird. Da besagter Ritus letztlich – wie so vieles andere in diesem Film – nicht die geringsten weder positiven noch negativen Auswirkungen auf den Besessenheitsstatus des Eigenheims unserer Helden hat, ist die ganz sicher nicht mittels Spezialeffekten realisierte Szene nur noch umso unnötiger.

Zu Gewaltspitzen versteigt sich MO TAI indes nur selten, am heftigsten vielleicht, wenn der Familienvater von den Wänden des eigenen Badezimmers zerquetscht wird, dass ihm der Kopf wie eine reife Tomate platzt. Dabei dominieren – (einmal abgesehen von dem armen Adlerchen!) – während der gesamten neunzig Minuten Laufzeit handgemachte Body-Horror-Effekte der comichaft-überzeichneten Art: Gerade wenn im Finale Bruder gegen Bruder antritt, wobei der eine Samuraischwerter und Martial-Arts-Künste ins Feld wirft, während der andere zunächst EVIL-DEAD-like seine Außenhülle platzen lässt, um das Ding aus dem Sumpf zu gebären, und sich sodann in eine Art Hydra verwandelt, der die enthaupteten Köpfe permanent frisch nachwachsen, dann besitzt das sowohl Charme wie Schock-Potential einer Geisterbahnfahrt. Muss ich extra betonen, dass dieser Film nach glorreicher Niederringung des Monstrums einfach abrupt endet, - und zwar mit einer Aufnahme des scheinbar aus Knetmasse geformten abgeschlagenen Ungeheuerkopfes, der vor der Kameralinse noch ein bisschen beim langsames Verwesen hin und her cruist? Ja, wäre MO TAI ein Cocktail wie sein (Fast-)Namensvetter, dann einer, in dem der sturzbesoffene Barmann blindlings miteinander verrührt hätte, was ihm der Zufall gerade so in die Hände fallen ließ, und vor allem einer, nach dessen Genuss man sich des (temporären) Verlusts von Sinnes- und Verstandeskraft sicher sein kann wie des Amens in der Kirche. Amen.

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