The Devil - Chang Jen-Chieh (1983)

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Salvatore Baccaro
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The Devil - Chang Jen-Chieh (1983)

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Originaltitel: Xie Mo

Produktionsland: Taiwan 1983

Regie: Chang Jen-Chieh

Darsteller: Shao-Tung Chou, Bao-Yu Wang, Ti Ou, Hung Lieh Chen

Was ekelerregende Eröffnungssequenzen betrifft, dürfte dieser taiwanische Beitrag zur Ende der 70er, Anfang der 80er in Asien grassierenden Horrorwelle tatsächlich zumindest von all den einschlägigen Filmen, die ich in letzter Zeit gesichtet habe, die Nase weit vorne haben: Ein Mann hat sich aufgrund eines unübersehbaren körperlichen Leidens, das sich in eitrigen Wunden, schwärenden Blasen, nässenden Fisteln niederschlägt, in die Hütte einer Hexe geschleppt, die ihm mit einigem übernatürlichem Brimborium die Gesundheit wiederherstellen soll. Dies tut sie unter anderem damit, dass sie ihm zunächst einmal den Bauch aufschneidet und ihm mit bloßen Händen die von lebendwuselndem Gewürm überzogenen Eingeweide herausrupft. Anschließend muss eine kleine Schlange (natürlich ebenfalls bei lebendigem Leibe!) mit einem Mörser zerstampft werden. Dazu gibt’s irgendwelche Zauberpulver und -tränke, und das Gebräu findet anschließend Einlass in die offene Bauchwunde des trotz zerrissenem Gedärms noch immer vor sich hin stöhnenden Patienten. Diese Rosskur zeitigt Erfolg: Nachdem der Kunde in Großaufnahme weitere Insekten und eine Art Schleim erbrochen hat, kann er sich kurz darauf von seiner Pritsche erheben, und bekommt von der Magierin noch einige Ratschläge mit auf den Weg, wie lange er sich in Abstinenz bezüglich Frauen und Alkohol üben solle, um die Krankheit sanft ausklingen zu lassen. Ich vermute, wenn derartige Filmkost seinerzeit in Deutschland eine Kinoauswertung erfahren hätte, wäre ein Regisseur wie Lucio Fulci mit seinen surrealistischen Splatter-Exzessen möglicherweise nicht zum Prügelknaben der alarmschlagenden Zensoren und Jugendschützer geworden…

Andererseits: Wo Fulci in seinen Meisterwerken wie L’ALDILÀ oder PAURA NELLA CITTÀ DEI MORTI VIVENTI einzig von besagten engstirnigen Filmprüfstellenmitarbeitern angesichts der avantgardistischen Montage, der assoziativen Bilderstürme, der zahllosen Anleihen an theologischen, kunsthistorischen und literarischen Ikonographien auf seine Gewaltspitzen reduziert wurde, fällt es mir bei einem Streifen wie XEI MO deutlich schwerer, einen weiterführenden künstlerischen Anspruch in der nachfolgenden Story zu erkennen, und sie nicht in den Verdacht geraten zu lassen, bloßes Lötmaterial für weitere widerliche Einlagen zu sein. Zumal die Handlung reichlich konfus daherkommt, (was aber auch daran liegen kann, dass ich mit den gesellschaftlichen Gepflogenheiten Taiwans kaum bis gar nicht vertraut bin, und mich bei solchen „exotischen“ Filmen immer die Vermutung beschleicht, etwas kulturelles Wissen könne das eine oder andere vermeintliche Logikloch doch rasch zuschütten): In einem abseits der Zivilisation an irgendeiner verschlafenen Bahnstation liegenden Hotel ist eine junge Frau ermordet worden. Etwa zeitgleich verschlägt es einen adretten Herrn in die Gegend, der nicht nur sofort Freundschaft mit dem minderjährigen Sohn der Hotelbetreiber schließt, - (einem Bübchen namens Ding Dong, das den halben Tag in einer Portiersuniform umherläuft und das ich hiermit zur nervigsten Kinderrolle küre, die mir jemals jenseits von Roy-Black-Filmen untergekommen ist!) -, sondern auch der etwas älteren Tochter des Hauses schöne Augen macht. Während die Turteltäubchen schon die anstehende Hochzeit beschließen, und während Ding Dong als Mixtur aus schwiegermutterherzenerweichendem Heintje und Streiche ausheckendem Lönneberga-Michel viel zu viel Laufzeitraum einnimmt, häufen sich die unheimliche Vorkommnisse: Ein männlicher Hotelgast nach dem andern kommt auf mysteriöse, um nicht zu sagen abstoßende Weise ums Leben, wenn ihnen ihre Körper unter akutem Würmer- und Schleim-Befall regelrecht zerfließen, und ihnen das Ungeziefer bald aus Nase und Mund baumelt. Gemeinsam haben die bemitleidenswerten Opfer auch, dass ihnen stets vor ihrem grausamen Verscheiden die Hexe aus dem Prolog begegnet, deren Worte zu entnehmen ist, dass sie Rache nehmen will für das Mädchen, das ebenfalls im Prolog sein Leben hat lassen müssen, - und da die magischen Fähigkeiten offenbar nicht ausreichen, den wahren Schuldigen zu bestimmen, metzelt sie sich eben munter durch sämtliche Gäste des Hotels, die für den Mord in Frage kommen. All das hält unseren Helden indes nicht davon ab, mit seiner Liebsten unter den Traualtar zu treten, sich im Hotel seiner Schwiegereltern einzunisten, - und sich alsbald als mit allen Wassern gewaschener Hochstapler zu entpuppen, der von Anfang an nur vorgehabt hat, sich in die Familie einzuschleichen, um das Hotel meistbietend zu verkaufen und sich mit dem Geld aus dem Staub zu machen. Dabei hat er die Rechnung aber freilich ohne unsere grimmige Kräuterfrau gemacht…

Dass ich nicht gerade begeistert bin von diesem wie betrunken zwischen Tierhorror, selbstzweckhaftem Suhlen in Schockeffekten, Rosamunde-Pilcher-Romanze, Murder Mystery und Rache-Thriller hin und her geisternden Streifen, haben die Zwischenräume meiner Zeilen wahrscheinlich bereits verraten. So sehr ich Genre-Hybride schätze, und so wenig ich normalerweise Achterbahnfahrten ins Abjekte abgeneigt bin: Nein, XIE MO hat es doch wirklich schwergehabt, mich bei seinen eineinhalb Stunden Laufzeit bei der Stange zu halten, denn zu gleichgültig sind einem die Charaktere, zu wenig ausgefeilt, geradezu sprunghaft wirkt die Dramaturgie, ja, und zu sehr erweckte mir der Film den Eindruck, dass all seine Plotvolten doch nur dazu dienen sollen, etwas Abwechslung in die end- und uferlosen Szenen zu bringen, in denen Männer und Frauen Würmer ausspucken, sich in Würmern wälzen, Würmer aus platzenden Wunden pfriemeln. Dass sich überhaupt Darsteller finden ließen, die bereit sind, für eine Rolle in einem B-Movie derartige Dinge zu tun, darüber habe ich mich kürzlich bereits bei dem Tausenfüßler-Horror WU GONG ZHOU gewundert. Dort aber beschränkten sich die schleimigen Schauwerte auf gerade einmal zwei vergleichsweise kurze Szenen, bei XEI MO scheinen sie mir kein Ende zu nehmen, - und wenn sie das doch einmal tun, dann bekommen sie starke Konkurrenz durch den Quälgeist Ding Dong, dessen vorlautes, besserwischerisches Wesen vorliegendem Werk endgültig den letzten Sargnagel ins Holz pfeffert, puh...

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