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Darsteller(innen): Joe Zaso, Felissa Rose, Andreas Schnaas, Brenda Abbandandolo, Joseph Lagana, Joe Lattanzi, Preston Barnes, Joy Seligsohn, Dennis Albanese, Mike Russo, Dennis Keeley, Sal Sirchia, Tina Kay, Steve Moramarco, Frank Gagliardotto, Bela B., Lloyd Kaufman u. A.
Vor etwa 1000 Jahren wurde in Rumänien der blutrünstige und sadistische Krieger Nikos (Andreas Schnaas) von einem aufgebrachten Mob gelyncht, weil er hunderte von Menschenleben gnadenlos dahinmetzelte. New York in der Gegenwart: Bei einer Ausstellung zum alten Rumänien, die Kunstprofessor Frank Heller (Joe Zaso), die Lehrerin Sandra Kane (Felissa Rose) und ihre Klasse besuchen, befindet sich auch der Leichnam des barbarischen Schlächters, der nun durch einen Blutstropfen wiederbelebt wird. Zu neuem Leben erwacht, beginnt Nikos ein grauenvolles Blutbad unter den Besuchern der Ausstellung anzurichten und gelangt schliesslich auf die Strassen der Metropole...
„Oh Gott, sieh dir diesen Mist mal an. Kaum zu glauben, dass sich diese Menschen Künstler nennen, geschweige denn Menschen.“
Nach „Demonium“ drehte der deutsche Amateur-Splatter-Filmer Andreas Schnaas die Fantasy-Horror-Komödie „Nikos The Impaler“, die er offenbar als vierten Teil seiner „Violent Shit“-Reihe verstanden wissen will. Hierfür reiste er eigens in die USA nach New York City und drehte mit einem internationalen Ensemble. Die Hauptrolle übernahm er höchstpersönlich.
„This makes no fucking sense!“
Vor 1.000 Jahren musste der sadistische rumänische Krieger Nikos (Andreas Schnaas) dran glauben, nach hunderten Gräueltaten und Morden wurde er gelyncht – schwor aber Rache. In der Gegenwart findet eine Ausstellung in einer Galerie in New York City statt, die das altertümliche Rumänien und die damit verbundenen Schrecken zum Thema hat. Kunstprofessor Frank Heller (Joe Zaso, „Demonium“) und die Lehrerin Sandra Kane (Felissa Rose, „Sleepaway Camp“) mitsamt ihrer Schulklasse zählen zu den Gästen. Als ein Dieb die ausgestellte Maske Nikos‘ stehlen will, erschießt er einen Wachmann und wird selbst getroffen, sein Blut gerät auf die Maske und erweckt den Schlächter zum Leben. Dieser fackelt nicht lange und metzelt sich mit seinem Schwert durch die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung, bis er schließlich die Straßen der Metropole unsicher macht…
„Gewalt verkauft sich!“
Im farbentsättigten Prolog geht es Nikos an den Kragen. Der Massenmörder wehrt sich noch, bis ihm einer seiner Verfolger das Gesicht abreißt. Der entstellte Nikos wird getötet, sein Darm baumelt aus seinem Körper. Er schwört Rache, beißt noch kurz in sein eigenes Gekröse wie der gute alte Man-Eater und bricht tot zusammen. Das klingt schlimm, wirkt aber vor allem albern. Im New York des Jahres 2002 spricht Professor Heller mit seinen Studierenden über die damaligen Ereignisse und die Folgen, was dann doch recht gut gemacht ist. Anschließend gibt’s viel Geplänkel in der Galerie, aber auch den Mord am Wachmann, in dessen Folge Nikos sein Comeback erlebt.
Das Museumsgeplänkel verfügt über einen überraschend gelungenen Humor: Alles total hässlich findende Besucher, bei ihren Kommilitoninnen abblitzende Studenten, eine nerdige Studentin, die mit ihrem unappetitliche Details aufweisenden Geschichtswissen andere dazu bringt, sich zu übergeben... Zur humorigen Ausrichtung passt dann auch das comichaft überzeichnete Gesplattere auf gehobenem Amateurniveau. Panik und Hysterie steigern sich mit jedem Toten und nach 56 Minuten geht's endlich raus auf die Straße – bis dahin handelte es sich quasi um ein Kammerspiel. Das Gemetzel weitet sich nun auf ein Fitnessstudio, ein Kino, in dem natürlich Schnaas-Filme laufen, und Läden des Rotlichtmilieus aus.
Das ist bis dahin für Schnaas- und Amateurverhältnisse größtenteils in Ordnung und, eine entsprechende geschmackliche Eichung vorausgesetzt, unterhaltsam guckbar, eine Nackt- und Duschszene einer Fitnessstudio-Mitarbeiterin bietet sogar einen leichten Erotiktouch. Doch noch vor Troma-Ikone Lloyd Kaufmans und Die-Ärzte-Drummer Bela B.s selbstironischem Gastauftritt zusammen mit Debbie Rochon in einer Videothek (mit Schnaas-Filmen im Schaufenster…) greift Schnaas plötzlich zu schlechten und unpassenden Fantasy-Spezialeffekten. Plötzlich gesellen sich völlig sinnbefreit auch noch ein Zombie und Ninjas dazu und der Film wird immer klamaukiger.
Damit nicht genug: Ein dicker Hitler – wie die anderen von Nikos aus den Videohüllen (!) zum Leben erweckt – stößt auch noch hinzu, angeführt von Nikos. Eine Vampir-Olle ist jetzt auch dabei, der Zombie schon wieder tot; Hitler stammelt etwas auf Deutsch und geht Nikos direkt auf den Sack, sodass er gleich wieder vernichtet wird. Ein Nazimädel in Tracht springt dazwischen ebenfalls herum, macht‘s aber auch nicht lange. Dieser miese, unlustige Trash drückt den relativ verheißungsvoll gestarteten Film leider doch wieder unter den Durchschnitt und muss als misslungener Versuch Schnaas‘, den Fun-Splatter-Bereich zu bedienen, betrachtet werden. Ein paar lachhafte computergenerierte Effekte konterkarieren zudem den Spaß an handgemachten SFX.
Die schauspielerischen Leistungen reichen von amateurhaft bis ganz gut (immerhin konnte man mit Felissa Rose eine echte Genre-Ikone gewinnen), Schnaas trägt einen sichtbares Wohlstandsbäuchlein unterm Kettenhemd spazieren. Der Soundtrack umfasst instrumentalen Metal und Elektroklänge bis hin zu nervigem Bauerntechno. Einmal mehr dürften die Filmemacher mehr Spaß gehabt haben als der gemeine Zuschauer und wenn ich 4 von 10 Punkten zücke, gilt das für Amateurverhältnisse. Schade, hier wäre mehr drin gewesen!
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
mir hat der nicht so gut gefallen und ich hab da vor Jahrzehnten mal einen Verriß für eine Webseite geschrieben. Danach hagelte es böse Mails mit blumigen Beschimpfungen der wüsten Art. Seitdem weiß ich, dass Fans von deutschen Amateurwerken zarte Pflänzchen sind... Ich empfand das aber ähnlich, dass hier viel Potential (unnötig) liegen gelassen wurde. Heute würde ich "Nikos" vielleicht auch besser bewerten, nachdem ich das dunkle Moor deutschen Amateur-Abgründe bereits erfolgreich durchschritten habe.
@bux: du beschreibst den Film auch ungefähr so, wie ich ihn noch in Erinnerung hab.