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Originaltitel: Oswalt Kolle: Was ist eigentlich Pornographie?
Herstellungland: Deutschland / 1971
Regie: Oswalt Kolle
Trailer: http://www.3l-film.de/film/trailer/181/ ... rnographie
Moderator: jogiwan
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Diese Filme sind züchisch krank!
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Diese Filme sind züchisch krank!
Ich habe keinen der Kolle-Filme gesehen, kann somit auch hierzu konkret nichts sagen.buxtebrawler hat geschrieben:
Kolle betont zwar mehrmals und vollkommen richtig, wie wenig die Darstellung in Pornos mit der Realität zu tun habe, bleibt ansonsten aber oberflächlich und nur in eine Richtung kritisch. Seine undifferenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema Pornographie liefert kaum tiefere Einblicke in die Branche und spart sämtliche Schattenseiten aus, findet keine kritischen Worte zu Rand-, Begleiterscheinungen und Themen wie Kinder- und Jugendpornographie, Sodomie, die Ausnutzung von Darstellerinnen, Geschlechterklischees, Zwang, Sucht, Geschlechtskrankheiten, gesellschaftliche Ächtung etc., ist stattdessen in erster Linie eine spürbar wütende, provokante Reaktion auf die Gesetzeslage der damaligen BRD, über die sich Kolle deutlich erregt echauffiert, der anscheinend am liebsten seinem Publikum unter dem Mantel des Dokumentarischen eine ordentliche Breitseite echten Sex um die schamesroten Ohren gehauen hätte. Inwieweit auch kommerzielle Erwägungen dabei eine Rolle spielten, vermag ich nicht zu beurteilen. Kolles Empörung über Erwachsenenbevormundung ist verständlich, seine Trotzreaktion ist es auch, ein unaufgeregterer, auf mehr echte Information bedachter Film wäre aber bestimmt ein adäquateres Argument geworden.
Ich meine auch, dass man sich das sicherlich hätte denken können und habe große Schwierigkeiten mit dieser Art der Naivität ach so "progressiver Kräfte", wenn es denn überhaupt immer Naivität und nicht mitunter auch bewusstes sexistisches Kalkül unter dem Deckmantel der sexuellen Revolution war.FarfallaInsanguinata hat geschrieben:Im Nachhinein hätte man sich sicherlich denken können, dass diese "Zügellosigkeit" als gegensätzliches Extrem zu den vorherigen verklemmten Zuständen nicht nur eitel Sonnenschein hervorbringen wird. Wenn da in Kontaktmagazinen zwölfjährige Mädchen zum Entjungfern gesucht werden, Hefte mit entsprechenden Kleinanzeigen liegen mir vor und waren sogar eine Zeitlang legal, bis die Gesetzgebung einen Riegel vorschob, hört der Spaß auf. (...) Von Zwangsprostitution, Vergewaltigungen, generellem uferlosen männlichen Sexismus, der jetzt eben auch frei ausgelebt werden konnte usw. wollen wir gar nicht reden.
Das hast du schön formuliert und auf den Punkt gebracht.FarfallaInsanguinata hat geschrieben:Erst im Laufe der Achtziger machte sich dann langsam die Erkenntnis breit, dass die reine Sexualisierung einer Gesellschaft nicht gleichbedeutend ist mit der sexuellen Erfüllung und Glückseligkeit für jede/n Einzelne/n.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Diese Filme sind züchisch krank!
Ich denke, es gab wohl beides, sowohl Naivität (die ja sowohl positiv als auch negativ gesehen werden kann) als auch echten Sexismus, der heute dann umso mehr aufstößt.buxtebrawler hat geschrieben:Ich meine auch, dass man sich das sicherlich hätte denken können und habe große Schwierigkeiten mit dieser Art der Naivität ach so "progressiver Kräfte", wenn es denn überhaupt immer Naivität und nicht mitunter auch bewusstes sexistisches Kalkül unter dem Deckmantel der sexuellen Revolution war.FarfallaInsanguinata hat geschrieben:Im Nachhinein hätte man sich sicherlich denken können, dass diese "Zügellosigkeit" als gegensätzliches Extrem zu den vorherigen verklemmten Zuständen nicht nur eitel Sonnenschein hervorbringen wird. Wenn da in Kontaktmagazinen zwölfjährige Mädchen zum Entjungfern gesucht werden, Hefte mit entsprechenden Kleinanzeigen liegen mir vor und waren sogar eine Zeitlang legal, bis die Gesetzgebung einen Riegel vorschob, hört der Spaß auf. (...) Von Zwangsprostitution, Vergewaltigungen, generellem uferlosen männlichen Sexismus, der jetzt eben auch frei ausgelebt werden konnte usw. wollen wir gar nicht reden.
Hat sich diese Erkenntnis tatsächlich breitgemacht? Ich meine, klar ist diese Erkenntnis richtig, aber ist die Gesellschaft nicht immer noch dabei, sexualisierter zu werden?buxtebrawler hat geschrieben:Das hast du schön formuliert und auf den Punkt gebracht.FarfallaInsanguinata hat geschrieben:Erst im Laufe der Achtziger machte sich dann langsam die Erkenntnis breit, dass die reine Sexualisierung einer Gesellschaft nicht gleichbedeutend ist mit der sexuellen Erfüllung und Glückseligkeit für jede/n Einzelne/n.
Dass einst sogar Kinderpornographie legal war, war mir allerdings neu
Das sehe ich genauso. Viele werden ob der spannenden Aufbruchszeit tatsächlich euphorisch und blauäugig naiv gewesen sein. Aber wie bei jeder kulturellen Gegenbewegung gab es selbstverständlich auch hier Subjekte, die auf die sich anbahnende Mode aus rein kommerziellen oder skrupellos egoistischen Motiven aufsprangen.ugo-piazza hat geschrieben: Ich denke, es gab wohl beides, sowohl Naivität (die ja sowohl positiv als auch negativ gesehen werden kann) als auch echten Sexismus, der heute dann umso mehr aufstößt.
Tatsache ist aber auch, wie du sicherlich in deinem Masterstudienabschnitt feststellen wirst, dass die 70er nicht ohne Grund als "Golden Age of Porn" gelten, die zumindest in den USA einige echte Meisterwerke hervorgebracht haben. Und auch hierzulande entstanden nach der offziellen Freigabe Anfang 1975 einige Werke, die zumindest zeitgeschichtlich interessant sind.
Damit meinte ich, dass sich diese Erkenntnis bei den zehn Jahre zuvor naiv euphorisierten Linken breitgemacht hatte, siehe etwa die "PorNO"-Kampagne von Alice Schwarzer.ugo-piazza hat geschrieben:Hat sich diese Erkenntnis tatsächlich breitgemacht? Ich meine, klar ist diese Erkenntnis richtig, aber ist die Gesellschaft nicht immer noch dabei, sexualisierter zu werden?buxtebrawler hat geschrieben:Das hast du schön formuliert und auf den Punkt gebracht.FarfallaInsanguinata hat geschrieben:Erst im Laufe der Achtziger machte sich dann langsam die Erkenntnis breit, dass die reine Sexualisierung einer Gesellschaft nicht gleichbedeutend ist mit der sexuellen Erfüllung und Glückseligkeit für jede/n Einzelne/n.
"legal" war wohl etwas missverständlich ausgedrückt, ich denke "Grauzone" oder "rechtsfreier Raum" trifft es besser. Die entsprechenden Exemplare des Magazins "weekend-sex" liegen bei mir im Schrank und die erwähnten Kontaktanzeigen könnte ich (ungern) zitieren, falls sich jemand das antun möchte.ugo-piazza hat geschrieben:Kinderpornografie war in Deutschland nie legal. Allerdings ist zu beachten, dass "Kind" im rechtlichen Sinne <14 bedeutet, und erst vor einigen Jahren ein weiterer Paragraf ins StGB eingefügt wurde, der auch Jugendpornografie unter Strafe stellt.
Bis dahin waren die Werke von Traci Lords hier völlig legal zu bekommen, und mir fiel auch mal ein P-Roman aus den 70ern in die Hände, wo dann 15jährige bei einer Orgie voll in Action mitmischten!Sehr befremdlich, das DAS damals legal war.
Besser nicht.FarfallaInsanguinata hat geschrieben:
"legal" war wohl etwas missverständlich ausgedrückt, ich denke "Grauzone" oder "rechtsfreier Raum" trifft es besser. Die entsprechenden Exemplare des Magazins "weekend-sex" liegen bei mir im Schrank und die erwähnten Kontaktanzeigen könnte ich (ungern) zitieren, falls sich jemand das antun möchte.
In einer späteren Ausgabe heißt es dann sinngemäß "Leider dürfen wir aus rechtlichen Gründen Kleinanzeigen, in denen die Formulierungen "Kinder-Sex". "Tier-Sex", "Sado Maso" vorkommen nicht mehr veröffentlichen."
Auch hier kann ich wörtlich zitieren, wenn daran gelegen ist.
Das kann gut sein, allerdings glaube ich nicht, dass ich das feststellen werde, da ich Pornos in meiner Retrospektive ausklammere.ugo-piazza hat geschrieben:Tatsache ist aber auch, wie du sicherlich in deinem Masterstudienabschnitt feststellen wirst, dass die 70er nicht ohne Grund als "Golden Age of Porn" gelten, die zumindest in den USA einige echte Meisterwerke hervorgebracht haben. Und auch hierzulande entstanden nach der offziellen Freigabe Anfang 1975 einige Werke, die zumindest zeitgeschichtlich interessant sind.
Ja und nein. Einerseits ist Sex als Ware oder Verkaufsargument allgegenwärtig, andererseits gab es ja schon ein Zurückrudern von "freier Liebe" etc., haben nach dem Abflauen der sexuellen Revolution Werte und Lebensentwürfe wie Treue und monogame Partnerschaft, Familie etc. wieder an Bedeutung gewonnen, oder? Deinen Kulturpessimismus kann ich übrigens nachvollziehen, würde das aber nicht so allgemeingültig sehen. Viele bevorzugen m.E. Sexualität im von dir genannten Kontext oder sehnen sich danach.Farfalla hat geschrieben:Damit meinte ich, dass sich diese Erkenntnis bei den zehn Jahre zuvor naiv euphorisierten Linken breitgemacht hatte, siehe etwa die "PorNO"-Kampagne von Alice Schwarzer.ugo-piazza hat geschrieben:Hat sich diese Erkenntnis tatsächlich breitgemacht? Ich meine, klar ist diese Erkenntnis richtig, aber ist die Gesellschaft nicht immer noch dabei, sexualisierter zu werden?
Die Gesellschaft ansich ist natürlich nach wie vor auf ein Maximum sexualisiert, heute mehr denn je zuvor. Sex ist schon lange reine Wahre wie eine Flasche Bier, eine CD oder ein Smartphone, ohne dass der eigentlich essentielle Kontext, nämlich Menschen und ihre Gefühle, dabei noch Beachtung finden würde.
Ich bezog mich in erster Linie auf ugos Aussage, dass Kinderpornographie in Schweden legal gewesen sei. Die von dir genannten Beispiele sind natürlich auch an Widerwärtigkeit kaum zu überbietenFarfalla hat geschrieben:"legal" war wohl etwas missverständlich ausgedrückt, ich denke "Grauzone" oder "rechtsfreier Raum" trifft es besser.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Diese Filme sind züchisch krank!