Schüler-Report - Junge! Junge! Was die Mädchen alles von uns wollen! - Eberhard Schröder (1971)

Moderator: jogiwan

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Schüler-Report - Junge! Junge! Was die Mädchen alles von uns wollen! - Eberhard Schröder (1971)

Beitrag von buxtebrawler »

Schüler-Report - Junge! Junge! Was die Mädchen alles von uns wollen!.jpg
Schüler-Report - Junge! Junge! Was die Mädchen alles von uns wollen!.jpg (121.48 KiB) 56 mal betrachtet

Originaltitel: Schüler-Report - Junge! Junge! Was die Mädchen alles von uns wollen!

Herstellungsland: Deutschland / 1971

Regie: Eberhard Schröder

Darsteller(innen): Sascha Hehn, Astrid Kilian, Maria Raber, Hans Bergmann, Josef Moosholzer, Edgar Wenzel, Dunja Lock, Josef Fröhlich, Uli Steigberg, Astrid Boner, Felix Franchy, Hans Kern, Hasso Preiß, Elisabeth Volkmann, Thomas Brendl, Peter Kranz, Angela Cenery u. A.
In sieben Episoden wird aus dem Leben von Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren erzählt. Diese schildern ihre Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht: entweder beim Manöver im Gebirge, mit der bisher unberührten Nachbarstochter oder gestört von einer rachsüchtigen Schwester.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%BCler-Report
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!
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Re: Schüler-Report - Junge! Junge! Was die Mädchen alles von uns wollen! - Eberhard Schröder (1971)

Beitrag von buxtebrawler »

„Das Mädchen der Siebzigerjahre ist sexuell wesentlich früher erwacht als seine Großmutter. Es menstruiert im Durchschnitt drei Jahre eher als die Urgroßmutter.“

Eberhard Schröder („Hausfrauen-Report“) war einer jener deutschen Fummelfilmer der 1970er, die mit ihren Inszenierungen auf die vom „Schulmädchen-Report“ losgetretene Pseudoreportagen-Sexploitation-Welle aufsprangen. Der im Jahre 1971 veröffentlichte „Schüler-Report“ ist ein typisches Produkt jener Zeit.

„Totaler Sexualentzug – da wird einem echt die Milch sauer!“

Die von Manfred Purzer geschriebene „Reportage“ beginnt im Altertum mit einem klassischen Duell zweier junger Männer um ein Mädchen, anschließend wird zur Kaiserzeit im Ersten Weltkrieg vorgespult, gefolgt von der Weimarer Republik, der Nazi-Diktatur und dem Zweiten Weltkrieg, alles im Schnelldurchlauf. In den 1950ern angelangt, wird der titelgebende Schlager gesungen und dazu getanzt, während der Vorspann läuft. Ein Voice-over-Erzähler meint zu wissen, dass die Mädchen heute viel selbstbewusster und die Jungs daher verunsichert seien. Diverse Jungs werden als Zeugen dafür angeführt, der 17-jährige Schorsch (Dieter Stolzenburg) ist einer von ihnen und so gebührt ihm die erste Episode: Er ist bei der Bundeswehr und führt aus dem Off in seine Anekdote ein.

In seiner Eigenschaft als Gebirgsjäger zeltet er mit seinen Kameraden im Gebirge inmitten einer idyllischen Landschaft. Eine weibliche Wandergruppe kommt des Weges, als die Soldaten gerade homoerotisch nacktbaden. Eines der Mädchen simuliert eine Verletzung und spricht nun auch selbst aus dem Off. Mit ihrer Freundin Traudl (Felicitas Peters, „Der Neue Hausfrauen-Report – 2. Teil“) beäugt sie die wehenden Bananen durchs Fernglas. Auf einem Bergwipfel erwarten die beiden Schorsch und dessen Kameraden im Eva-Kostüm. Mittlerweile sind alle nackt und es wird gemeinsam geplanscht. Eine Softsexszene oder ähnliches gibt es hier noch nicht zu sehen. Stattdessen weiß ein wissenschaftlicher, mit einer albernen Zeichentrickszene illustrierter Einschub über Eifersucht von Brüdern, wenn ihre Schwestern sexuell aktiv zu werden beginnen, zu berichten.

Die nächste Episode erzählt Toni (Andy Vix), der eine Gesäßverletzung auskuriert. Er berichtet dem Arzt, wie das passieren konnte, was eine Rückblende einleitet: Ein Wespennest wird geborgen, Tonis Schwester vögelt mit ihrem Freund im Haus, Toni und seine Freunde spielen ihnen mit dem Wespennest einen Streich. Toni und seine Freundin Bettina (Birgit Tetzlaff, „Liebe unter 17“) werfen sich anschließend nackt aufs Bett, doch jeglicher Ansatz von Erotik wird durch die Racheaktion seiner Schwester mit Feuerwerk im Bett zunichte gemacht – was dann auch seine Verletzungen erklärt. Es folgt ein statistischer Einwurf, erneut inklusive alberner Zeichentrickszene, zur überholten kirchlichen Sexualmoral.

„Einmal im Monat sind die Alten weg und du machst schlapper Hugo!“

Helmut (Thomas Brendl) und Günther (Peter Kranz, „Ehemänner-Report“), beide 17 Lenze, spielen Tischtennis, als Helmut aus dem Off zu erzählen beginnt: Günther zieht zu Helmuts Entsetzen um, was eine nun wiederum von Helmut aus dem Off erzählte Rückblende einläutet: Er mag Günthers Mutter Linda (Elisabeth Volkmann, „Zieh dich aus, Puppe“) sehr. Er übt Englisch mit ihr, als sie übereinander herfallen. Am Abend steigt er dann mit seiner Hannelore (Inge Vierzi) ins Bett, hat aber keine Lust mehr. Günther weiß Bescheid und nimmt’s gelassen, doch Helmut hat ein schlechtes Gewissen. Dennoch wird eine richtige Affäre daraus. Helmuts Mutter (Angela Cenery, „Nachbarn sind zum Ärgern da“) findet Lindas Liebesbriefe und reagiert erzürnt. Sie informiert Lindas Mann und stresst herum, bis sich Günther gegen seine eigene Mutter richtet. Trotzdem wird am Ende dieser in der Ober- bzw. „gehobenen Mittelschicht“ spielenden Episode umgezogen. Blöd für Günther. Ein Zeichentrickintermezzo mit Statistik, diesmal zur Meinung Jugendlicher zu ihren Eltern, folgt wie gewohnt.

„9 von 10 Befragten, das sind 90 Prozent…“

Der 14-jährige Hubert (Arnim Hennig) interessiert sich für die körperliche Entwicklung seiner Schwester Carla (Sonja Spitzweg, „Die jungen Ausreißerinnen“), nennt seinen Vater Heinz (Günther Kieslich, „Schulmädchen-Report“) stets „Erzeugervater“ und hat auch eine per Rückblende erzählte Geschichte auf Lager. Der Erzeuger glotzt in der Stadt den Mädchen hinterher, schwingt zu Hause aber Reden gegen freizügige junge Frauen. In einer Bar gräbt er die junge Doris (Helene Sedlekova) an, die genervt reagiert und ihn auffordert, direkt zu sagen, was er wolle. Er blitzt ab und wird düpiert. Keine Ahnung, weshalb das in Huberts Rückblende vorkommt, aber sei’s drum. Jedenfalls kommt nun Carla ins Spiel, die mit Tiefbaustudent Olaf (Klaus Bradke, „Die Klosterschülerinnen“) liiert ist und sich mit ihm eine kurze Softsexszene liefert. Anschließend suchen sie gemeinsam besagte Bar auf, wo Clara von Doris erfährt, was los war. Doris beweist ihr, wie einfach es ist, Heinz abzuschleppen. Sie nehmen sich ein Zimmer, Doris zieht sich aus und… man redet über Altersunterschiede. Sie will, dass er erst duschen geht und wird anschließend von seinen Kindern überrascht. Dies war ein heilsamer Schock: Fortan lässt Heinz seine Kinder abends ausgehen, was er ihnen bisher untersagt hatte.

„Aber das ist doch alles ein saudummer Scheiß!“

Nach einem Intermezzo über Eltern stellt sich Michael (Gerhard Ruhdorfer), sechzehneinhalb, vor und berichtet aus dem Off, vor 14 Tagen mit Hilde (Kati Kienzle, „Die Klosterschülerinnen“) von gegenüber gevögelt zu haben. Die sei zwar erst 14, zeige aber gern ihre Brüste am Fenster. Hildes Vater Franz (Uli Steigberg, „Deep End“) findet ihre Klamotten ohnehin zu kurz und erfährt zu allem Überfluss am Frühstückstisch von seiner Frau, dass sein Töchterchen keine Jungfrau mehr sei. Er reagiert stocksauer, zumal seine Frau ihr die Pille erlaubt hatte. Er konfrontiert Michaels Vater (Josef Fröhlich, „Urlaubsreport – Worüber Reiseleiter nicht sprechen dürfen“) damit und geht sogar auf Michael los. Nun schimpft auch noch Michaels Vater mit seinem Sohn und will ihn ins Internat schicken. Franz wiederum schimpft mit seiner Tochter, die sich jedoch alsbald heimlich mit Michael in der Mühle trifft. Es stellt sich heraus, dass sie bis dato noch gar nichts miteinander hatten! Nun legen sie es aus Trotz aber darauf an. Beide ziehen sich aus, eine ungelenke Softsexszene wird kurz angedeutet, dann will sie doch nicht mehr und zieht sich wieder an. Beim Frauenarzt beweist sie ihren Eltern schließlich, dass sie noch unberührt ist, woraufhin der Arzt zwischen den Fronten vermittelt. So versöhnen sich die Struckmeiers mit den Kohsiecks. Witzige Wendung: Just in diesem Moment machen Hilde und Michael tatsächlich miteinander herum…

„Auf gute Nachbarschaft!“

Ein weiteres Intermezzo leitet über zum 15-jährigen Kochlehrling Peter Baumeister (Wolfgang Grimm). Der hat strenge Chefs und lässt versehentlich eine Packung Kondome in die Salatschüssel fallen. Bei einem jungen Kollegen holt er sich Ratschläge für sein Rendezvous mit Anni (Monika Hagen, „Lehrmädchen-Report“), einer wunderschönen Blondine – und berichtet sein Erlebnis aus dem Off: Anni und er liegen auf Tierfellen und sind so scheu, dass niemand den Anfang macht. Anni ergreift schließlich die Initiative, indem sie so tut, als habe sie etwas gestochen, und ihr Oberteil liftet. Sie verlangt, dass er sie auszieht, doch zum Beischlaf kommt’s nicht mehr. Am nächsten Tag beschwert er sich bei seinem Kollegen über die falschen Tipps. Gemeinsam rätselt man über die richtige Herangehensweise.

Das obligatorische Intermezzo gibt die nächste Statistik zum Besten. Dann heißt es Bühne frei für den 16-jährigen Max (Sascha Hehn, „Mädchen beim Frauenarzt“). Der hat katholische Eltern und deshalb sieben Geschwister. Seine Freundin ist die Balletttänzerin Bibi (Astrid Kilian, „Wilder Sex junger Mädchen“), mit der er sich nur heimlich treffen kann. In ihrer Garderobe wollen sie intim werden, werden jedoch gestört. Er versteckt sich, als andere den Raum betreten, darunter eine Opernsängerin (Maria Raber, „Josefine Mutzenbacher“). Diese freut sich, Max zu entdecken, zieht ihn aus und verführt ihn. Acht Tage später ist sie wieder da und schnappt sich sofort Max, obwohl er weiterhin mit Bibi zusammen ist. Er kann nicht, also nimmt sie sich kurzerhand einen Bühnenarbeiter. Bibi ahnt, dass ihr Max ihr fremdgegangen ist und der Film endet alsbald ganz abrupt ohne Abspann.

Schröders Film ist deshalb nicht uninteressant, weil er zwar klar der Sexploitation zuzuordnen ist, aber weniger Altherrenfantasien bedient als sich vielmehr als Anwalt der Jugend gibt und für selbstbestimmte weibliche Sexualität eintritt. In Zusammenhang mit der Zurschaustellung Minderjährige spielender Darstellerinnen und Darsteller bleibt da natürlich ein Geschmäckle, jedoch reizt Schröder diesen Aspekt nicht allzu sehr aus und verzichtet weitestgehend auf Sexszenen. Viele Episoden handeln davon, dass es eben nicht zur Kopulation kommt. Sexuelle Verhältnisse zwischen den Generationen finden ausschließlich zwischen älteren Frauen und Jünglingen statt; sich an ältere Männer heranschmeißende Nymphchen gibt es hier nicht und wer wie Heinz mit einem Teenie ins Bett will, bekommt dafür die Quittung. Das mag den einen oder anderen Voyeur enttäuschen, zeugt aber von einem gewissen Fingerspitzengefühl, das anderen Reportfilmen der 1970er völlig abging. Sogar der Humor ist hier subtiler als unter anderen Fummelfilm-Regisseuren, wenngleich er wahrlich keine Bäume ausreißt und es nun auch nicht sonderlich viel gibt, das den Film so richtig interessant machen würde.

Viele Pointen sind mau, die „Berichte“ wirken gekünstelt statt authentisch, die ach so frechen Sprüche klingen spätestens heute altbacken und der pseudowissenschaftliche Anstrich ist lachhaft. In Summe ergibt all das jedoch einen zumindest teilweise nett unterhaltsamen, bunten und kurzweiligen Ausflug in die Subgenre-Historie mit einem wie üblich zeigefreudigen Ensemble (darunter der blutjunge Sascha Hehn), der als No-Brainer an einem Sonntagabend durchläuft, ohne zu verstören, aber auch mehr als nur erahnen lässt, weshalb solche Filme schon lange nicht mehr gemacht werden: Die exploitative Behandlung der Sexualität Minderjähriger für ein älteres Publikum ist ein moralisches Minenfeld.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!
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