Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Euer Filmtagebuch, Kommentare zu Filmen, Reviews

Moderator: jogiwan

Benutzeravatar
jogiwan
Beiträge: 40861
Registriert: So 13. Dez 2009, 10:19
Wohnort: graz / austria

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Black Out - Anatomie einer Leidenschaft / The Dark Inside / Bad Timing

01.jpg
01.jpg (18.95 KiB) 28 mal betrachtet
Die junge Milena wird mit einer Überdosis in ein Wiener Krankenhaus eingeliefert, nachdem der Psychologie-Professor Alex die Rettungskräfte informiert hat. Dort wird dieser von Inspektor Netusil zu dem Selbstmordversuch der jungen Frau befragt und stellt sich zuerst nur als Bekannter der Patientin hin. Während um das Leben von Milena gekämpft wird, verfängt sich Alex jedoch in Widersprüchlichkeiten und weitere Befragungen offenbaren das Bild einer leidenschaftlichen, wie toxischen Beziehung der Beiden, in der Lebenslust, Offenherzigkeit, sowie zunehmend besitzergreifendes Verlangen, Sex, Drogen und Alkohol geradewegs auf ein tragisches Ende zusteuerten.

„Black Out“ erzählt die abgründige, wie leidenschaftliche Geschichte zweier unterschiedlicher Menschen, die von Nicolas Roeg jedoch auf recht ungewöhnliche Weise erzählt wird. Wien als multikultureller Handlungsort für den amerikanischen Professor und die tschechische Studentin präsentiert sich als kunstvoll-musealer, wie kalter Ort und bietet den Schauplatz für eine Achterbahnfahrt der Gefühle, in der am Ende, wie auch zu Beginn des Filmes ein Selbstmordversuch steht. Dabei ist der Streifen einerseits Beziehungsstudie im Arthouse-Stil andererseits auch Krimi-artig, wobei die Beziehung der Beiden in einem Puzzle-artigen Schnittmassaker präsentiert wird. Die Handlung springt wild hin und her und ist auch eher Bruchstück-haft, sodass man als Zuschauer eigentlich nie so recht weiß, wo die Figuren herkommen, was ihre Beweggründe sind und warum gewisse Dinge passieren und vom jeweils anderen akzeptiert werden. Liebe und Leidenschaft sind auch nicht mit rationalen Maßstäben messbar und das zeigt „Black Out“ auch recht eindringlich, selbst wenn der Film doch auch etwas anstrengend zu schauen ist und in seinem Verlauf nicht viele Fragen beantwortet, sondern noch mehr solcher aufwirft. Trotz sperriger Figuren, die man eigentlich nicht mögen kann, der verworrenen Erzählweise, den wenigen Antworten ein überraschend stimmiger Film über toxische Menschenbilder und dysfunktionale Beziehungen, dessen Gesamtbild jedoch der aufmerksame Zuschauer fast im Alleingang zusammensetzen muss.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



» Es gibt 1 weitere(n) Treffer aus dem Hardcore-Bereich (Weitere Informationen)
Benutzeravatar
jogiwan
Beiträge: 40861
Registriert: So 13. Dez 2009, 10:19
Wohnort: graz / austria

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitrag von jogiwan »

Suicide Kings

01.jpg
01.jpg (9.86 KiB) 13 mal betrachtet
Bei einer abendlichen Lokalrunde trifft die Unterweltgröße Carlo scheinbar zufällig auf eine Gruppe von Männern aus gutem Hause, mit denen er ins Gespräch kommt. Man ist sich sympathisch und beschließt gemeinsam um die Häuser zu ziehen. Wenig später sitzt Carlo gefesselt und mit abgeschnittenem Finger in einer abgelegenen Villa und die jungen Männer offenbaren ihre wahren Absichten. Die Freundin eines der Männer ist ebenfalls entführt worden und es werden zwei Millionen Dollar Lösegeld gefordert, die die jungen Männer nicht auftreiben können. Mit Carlo als Opfer und seinen Kontakten in die Unterwelt soll nun eine Gegenerpressung stattfinden und das Geld aufgetrieben werden. Carlo ist jedoch nicht das einfache Opfer und obwohl er anfänglich das Spiel mitzuspielen scheint, beginnt er schon wenig später die Männer zu manipulieren und auch sonstige Ereignisse sorgen dafür, dass sich die Entführung nicht so wirklich nach Plan entwickelt...

„Suicide Kings“ ist auch einer dieser Filme, die es ohne „Pulp Fiction“ wohl nicht gegeben hätte und hier treffen eine Unterwelt-Größé auf Yuppies und Gangster-Pathos auf Humor und Gewalt, ohne dabei die Coolness aus den Augen zu verlieren. Die Geschichte ist zwar arg konstruiert und manche Figuren wirken angesichts der doch recht drastischen Ereignisse arg unbedarft, aber das kammerspiel-artige Drama in der abgelegenen Villa mit Christopher Walken und aufstrebenden Jung-Darsteller funktioniert auch recht gut und wird mit allerlei Wendungen am Laufen gehalten. Nach einem eher turbulenten Start wird ja das Tempo wieder rausgenommen und man konzentriert sich auf die Figuren, wobei sich recht schnell herauskristallisiert, dass einer der Beteiligten wohl mehr weiß, als er zugibt. Dazu kommt noch ein zweiter Handlungsstrang mit einem anderen Kriminellen, der ziemlich unberechenbar agiert und nicht lange fackelt. Herausgekommen ist ein überraschend kurzweiliger Streifen mit gut aufgelegten Cast und einem Christopher Walken, der ebenfalls Spaß an seiner Rolle gehabt hat. „Suicide Kings“ mag zwar gegen Ende ein oder zwei Wendungen zuviel haben, aber insgesamt betrachtet ist er schon schwer unterhaltsam.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



» Es gibt 1 weitere(n) Treffer aus dem Hardcore-Bereich (Weitere Informationen)
Antworten