Karl or Karla goes to Cinema

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Moderator: jogiwan

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karlAbundzu
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Re: Karl or Karla goes to Cinema

Beitrag von karlAbundzu »

Eine kleine Reisegruppe machte sich auf zum angenehmen Monster machen Mobil Fest, diesmal trotz sehr gutem Programms nur einen Tag, der hatte es aber in sich:
7.11.2025, 17:30, Metropolis
Der Vampir von Notre Dame (1957)
35mm
R: Riccardo Freda, Mario Bava, D: Gianna Maria Canale, Carlo D’Angelo, Dario Michaelis, Wandisa Guida, Angiolo Galassi, Renato Tontini, Charles Fawcett, Gisela Mancinotti, Miranda Campa, Antoine Balpêtre, Paul Muller; M: Roman Vlad
Italienischer Gothic Klassiker, moderner Art.
Es gibt blutentleerte Frauenleichen, ein unheimliches Haus, einen Wissenschaftler mit Frankenstein-Ambitionen, ein investigativer Journalist mit Bathory Love Interest.
Klar, vielleicht ein bisschen viel Handlung drin, aber gefilmt, gespielt, ausgestattet ist der natürlich großartig. Allein die Einrichtung des Schlosses, voller Totenköpfe, halbnackte weibliche Drachen (*innen?) mit skelettierten Flügel. Von Bavas Kamera noch sehr expressionistisch, viel Licht und Schatten (eben auch in schwarz weiß). Der Alterungseffekt auch sehr klasse gemacht.
Diesen Film mal in sehr guter Qualität auf 35mm im Kino zu sehen, ein Traum.

20:15
Nightmare- Möderische Träume (1984)
35mm
R: Wes Craven, D: Heather Langkamp, Johnny Depp, Robert Englund, John Saxon; M: Charles Bernstein
Wir begaben uns in die Ulmenstraße zum allseits bekannten Schauplatz von Freddy Krüger, der den Slasher mit dem Übernatürlichen verband. Eigentlich eine Geist- oder Poltergeist-Geschichte, bei der der Kindermörder sich für die Selbstjustiz rächt.
Zu recht ein Klassiker des blutigen amerikanischen Kinos der 80er. Freddy hat kurze Lines und intensive Auftritte, es gibt allerhand gute Ideen. Da es immer wieder in der Traumwelt spielt, konnte Craven die Naturgesetze aufheben wie er wollte. Heather Langkamp wirklich angenehm in der Rolle, umgeben vom üblichen Opferkram der Slasher. Auch Johnny Depp hat da keine Chance, mehr raus zu holen, auch wenn er schon sehr süß aussieht.
Ich hatte den noch ein wenig heftiger in Erinnerung, doch gerade die alte Kinofassung ist ja ungeschnitten.
Zum ersten Mal auf großer Leinwand, ein Gewinn.

22:30
Das Blutgericht der reitenden Leichen (1975)
35mm
R: Amando de Ossorio, D: Víctor Petit, María Kosty, Sandra Mozarowsky, José Antonio Calvo, Julia Saly, Javier de Rivera, María Vidal; M: Antón García Abril
Der Ärztemangel auf dem Land war anscheinend auch schon im Spanien der 70er ein Thema und so verschlägt es ein paar in die Provinz, um seine Ärztekarriere zu starten. Die Bewohner des beschaulichen Ortes sind darüber allerdings nicht so erfreut, soll sie doch niemand beim opfern für die toten, reitenden Templer stören.
Ein Atmosphären-Kracher. Eigentlich kaum etwas langsameres gesehen, ist es doch die ganze Zeit faszinierend. Beginnt es noch typisch mit einem alten Ritual inklusive Jungfrauenverspeisung, ist es in der Neuzeit auf mindeste reduziert. Auch die Dialoge. Ich habe etwas gehört. Schlaf.
Dazu die eindringliche Musik, wenn die Templer in langsamer Zeitlupe einreiten.
Das hier ist sozusagen die Quintessenz der Reihe um den „blinden Terror“: Schön auch, das der Originaltitel übersetzt „Die Nacht der Möwen“ heißt. Ist auch viel am Strand.
Die Kopie war nicht mehr so der Bringer, aber auf großer Leinwand ein absolutes Erlebnis.

Danke, Andreas & Alex, Suse, Metropolis. Alle Filme wie immer mit passenden Trailern.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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karlAbundzu
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Re: Karl or Karla goes to Cinema

Beitrag von karlAbundzu »

12.11.25, 15 Uhr, City46, Saal 1
Reflet dans un diamant mort (2025)
OmU
R: Hélène Cattet, Bruno Forzani, D: Fabio Testi, Yannick Renier, Koen De Bouw, Maria de Medeiros, Thi Mai Nguyen, Céline Camara, Kézia Quental; M: Dan Bruylandt (bzw. Sound Design, verwendet viele bekannte italienische Klassiker: Morricone, Cipriani, Celentano...)

Da ich bei unserer eigenen Reihe kränkelte, musste ich den Film im hiesigen Kommunalkino nachholen.
Cattet und Forzani nehmen sich ja immer wieder 70er Euro-Genres vor, diesmal den Eurospy, im Grunde allerdings vor allem Bond als auch Diabolik.
Dabei gehen sie nie rein narrativ vor, steckt hier allerdings mehr Story drin als z.B. in Amer. Ein alternder Agent lebt in einem Hotel und Begegnungen lassen ihn immer wieder an die großen Geschichten seiner Vergangenheit denken und vermuten, dass seine größte Gegnerin noch immer in der Nähe ist.
Hie vermischt sich Vergangenheit und Gegenwart, paranoide Vorstellungen, Träume, und auch die Metawirklichkeit, die Filmrealität wird in Roman und Comic gespiegelt und vermischt sich mit der Realität im Film. Das ist sehr bildgewaltig, voller Referenzen, wunderbaren Einstellungen, surrealer Szenen und Begebenheiten, unterlegt mit einem starken Soundkonzept, immer wieder aufgebrochen mit Musik von Genreklassikern. Ausstattung, Drehorte und Kamera im perfekten Zusammenspiel.
Ebenso die Darsteller*innen, die ja alle nur Fetzen eines Charakters spielen und die sich dessen (eventuell) bewusst werden. Interessant fand ich hier die Besetzung: Fabio Testi in der Hauptrolle, freut den Italo-Fan, hatte ja auch schon 1973 mit Diamanten zu tun, zwar kein Eurospy-Star, aber mit seiner körperlichen Spielweise und seinem kantigen Aussehen hätte er einer sein können. War ja erst Stuntman, wollte aber unbedingt Schauspieler werden, nachdem er Dreharbeiten am Comer See sah. Dagegen Maria de Medeiros, die meisten kennen sie als Fabienne, der Lebensgefährtin von Butch in Pulp Fiction. Sie sucht sich ihre Rollen gewissenhaft aus, ist jetzt nach Pulp Fiction nicht jedem Ruf aus Hollywood gefolgt, dreht lieber ambitioniertes in ihrer Heimat Portugal, hat ein großbürgerlichen Bildungsbackground (Vater sehr erfolgreicher Komponist, Musiker, Autor, Mutter Journalistin), Testi ja eher kleinbürgerlich, und engagiert sich stark, um auf soziale Missstände aufmerksam zu machen. Testi unterstützte Berlusconi und Forza Italia. Schauspielerisch hat de Medeiros eher einen ästhetischen, intellektuellen Zugang, ist auch Regisseurin, Autorin, Sängerin (immerhin hat Testi in ein paar Filmen in Duetten auch gesungen).
Da war sozusagen von der Besetzung schon eine Spannung drin, leider haben beide wenig Szenen zusammen, bzw. de Medeiros zu wenig Screentime, um das wirklich erfahrbar erscheinen zu lassen.
Genreversatzstücke werden aufgenommen: die technischen Gimmicks, die harte Gewalt, die auch vom Helden ausgeht, der tief verankerte Sexismus (u. a. auch in der Gewalt). Beides wird hier gezeigt, aber in der Darstellungsweise auch kritisch beleuchtet. Dazu die Metaebene: Filmarbeiten, Verwertungsebenen wie Romane, Comics, dessen sich die Figuren zwar bewusst werden, aber dem nicht ausbrechen können. Auch die Bondneubesetzungen und der Vorspann sind ein Thema. (der oft etwas peinliche Humor (meist ja auch auf sexistischer und/oder rassistischer Ebene) vieler Eurospys wird allerdings ausgelassen)
Das klingt gerade sehr intellektuell verkopft, ist aber alles eher sinnlich gelöst. Das sind Assoziationsketten, Bilderräusche, extreme Nahaufnahmen, eindringliche Sounds. Es wird nichts erklärt, sondern erfahrbar gemacht, was ja oberflächlich trügerischer ist, aber auch tiefer gehender. Und ich vermute, auch das war als Thema drin bzw. kann heraus gelesen werden. Oder eben nicht: einfach als 90 Minuten Filmerfahrung genießen. Am besten auf größtmöglicher Leinwand.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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karlAbundzu
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Re: Karl or Karla goes to Cinema

Beitrag von karlAbundzu »

20.11.2025, 20 Uhr, Cinema Ostertor
Bugonia (2025)
R: Giorgos Lanthimos, D: Emma Stone, Jesse Plemons, Aidan Delbis, Alicia Silverstone, Stavros Halkias; M: Jerskin Fendrix
Ein paranoider Verschwörungstheoretiker hat erkannt, wer an seinem Leid und an allen Ungemach der Welt Schuld ist: Die außerirdischen Besatzer von Andromeda. Einer ihrer Vertreterinnen ist seine oberste Chefin Michelle Fuller, die auch am Leid seiner Muttermitschuld hat.
Zu Beginn noch ein Kammerspiel: Es spielt meist im Haus, dass der Hauptdarsteller mit seinem ihm ergebenen Cousin bewohnt. Die beiden reden, dann, nach der Entführung Michelles, wird auch wieder viel geredet. Doch ist die Stimmung von Anfang an bedrohlich und nach und nach bricht einiges auf und aus.
Die drei Hauptdarsteller*innen machen das sehr gut, mir waren Jesse Plemons und Aidan Delbis bisher eher unbekannt oder nicht aufgefallen, und Emma Stone liefert hier eine Emma Stone Performance ab. Auch Stavros Halkias bleibt nachhaltig in Erinnerung.
Ansonsten hier Lanthimos vom feinsten, doch irgendwie erinnert es auch an Shyamalan. Mit
Jerskin Fendrix (Musik), Robbie Ryan (Kamera),Yorgos Mavropsaridis (Schnitt) haben wir ja auch übliche Mitstreiter von Lanthimos an Bord.
Wenn man das original Save the green Planet kennt, bleiben Story-Überraschungen halt aus, Lanthimos folgt in den Grundzügen der Handlung, setzt hier und da die Schwerpunkte ein wenig anders, und der innewohnende Humor ist auch ein anderer. Also nicht ins Overacting und Slapstick lappende (doch auch das Original geht da nicht ins Lächerliche, sondern auch in eine Groteske), sondern in feine Groteske. Das ist aber auch durchaus schon unangenehm, gewalttätig, blutig.
Die zwei Stunden sind auch nicht zu kurz, und das Ende ist einfach wunderbar gefilmt und ausgestattet. Und es zeigt sich, dass das hochaktuell ist, Save the Green Planet war wohl seiner Zeit voraus.
Empfehlung.
Jetzt fehlt mir noch das Frühwerk und Kinds ging leider auch an mir vorüber....
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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karlAbundzu
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Re: Karl or Karla goes to Cinema

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29.11.2025, 21 Uhr, Sputnik 1 am Südstern
Must Auk / The Black Hole (2024)
OmenglU
R: Moonika Siimets, D: Ursel Tilk, Liina Tennosaar, Rea Lest, Doris Tislar, Anne Reemann; M: Ann Reimann
Bei einem Berlinbesuch versuche ich ja immer auch ins Kino zu kommen, gelingt oft nicht, obwohl Berlin in Deutschland das ausdifferenzierteste Programm hat. So wie auch an diesem Wochenende: Im Sputnik Kino am Südstern, nicht weit von meiner Schlafstätte, lief ein dreitägiges estnisches Filmprogramm. Und so zeigten sie auch diese Science Fiction Komödie. Das Kino schön voll, neben mir auch mehrere Esten.
Drei Episoden rund um einen Plattenbaublock in Estland. Zwei Freundinnen auf der Suche nach einem Job treffen auf Außerirdische, die mit Experimenten ihre Geldbeutel auffüllen. EIne Frau mit einem Schlägertypen als Freund flieht zu ihrer Fitnesstrainerin und eine komplizierte Liebe entsteht, die eine riesige Spinne empfindlich stört. Jüri wohnt noch bei seiner Mutter, lernt eine offene Frau kennen und lieben, doch leider ist sie verheiratet und irgendwie hat sie mit dem österreichischen Staubsaugervertreter zu tun.
Da ist viel drin. Ja, eine schräge Komödie, die auch durch das kluge Spiel mit Erwartungen gewinnt: Außerirdische nehmen hier die Menschen mit ihrem Einverständnis mit, Experimente gibt es trotzdem. Körper werden geöffnet, aber es splattert nicht. Und die Riesenspienne ist zwar eine Gefahr für eine Beziehung, da sie einiges offen legt, aber eigentlich keine für Leib und Leben, da sie sehr zutraulich und ungefährlich ist.
Da ist auch einiges Groteskes und Absurdes drin. Der Grundton ist allerdings melanchollisch (da passt die finnische Koproduktion). Wir sind hier am Rande einer Stadt, Plattenbau, sozial eben eher auch am Rande. Und auch wirklich unangenehm. Der Mann schlägt die Frau und ist so richtig ein Arschloch, und das wird dann auch nicht sofort positiv aufgelöst.
zum Glück gibt es ein hübsches, wenn auch nicht durchgehend positives, Ende.
Die Schauspieler machen das klasse, die Bilder sind toll, ebenso die visuellen Ideen. Die Bastler tobten sich neben der süßen Spinne vor allem bei den Aliens aus, die an den 50er US-Monstern angelehnt sind.
Empfehlung.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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karlAbundzu
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14.12.25, 20 Uhr, Cinema Ostertor
Weird Xperience präsentiert:
Demon Pond, 夜叉ヶ池 (1979)
R: Masahiro Shinoda, D: Tamasaburo Bando, Go Kato, Tsutomu Yamazaki, Koji Nanbara, Yatsuko Tanami, Norihei Miki, Fujio Tokita, Hisashi Igawa, Jun Hamamura, Megumi Ishii, Ryûnosuke Kaneda, Juro Kara, Toru Abe, Shigeru Yazaki, Hatsuo Yamaya; M: Isao Tomita
Ein Wanderer kommt in eine Gegend, die von einer langen Dürre geprägt ist. Dies hat alles mit einem Fluch und einem Versprechen zu tun, bei dem es um eine Yakshi Prinzessin und einen Drachen geht. Doch so lange dreimal täglich die Glocke klingt, bleibt das Dorf von einer Flut verschont. Die Bewohner bezweifeln allerdings, ob das wirklich schlechter als die Dürre ist.
Ein wunderschöner Märchenfilm. Der sich Zeit nimmt, wir folgen lange dem Wanderer, es gibt einen langen Dialog mit beinah poetischer Anmutung.
Die fantastischen Wesen tauchen nicht ganz so lange auf wie Titel und Genre versprechen lassen, das ist ein wenig schade, wie auch, dass einiges an Story im Dialog und nicht filmisch erzählt wird.
Trotzdem zieht es uns in diese sehr reale Welt. Und trotz tragischer und unschöner Geschehnisse fühlte ich mich im Film wohl. Das lag an den schön gefilmten Bildern, eben auch an der langsamen und genauen Erzählweisen und dem starken Spiel. Und den klasse Drehorten, Bauten und Kostüme.
Wie jedes gute Märchen erzählt auch dieses hier von Fehlverhalten der Menschen und seiner Abgründe.
Spannend auch der Sound: Isao Tomita ist ja ein Pionier der elektronischen Musik und das hört man auch, ungewöhnliche Geräusche und früher Synthiesound.
Sehr gelungen.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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karlAbundzu
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Re: Karl or Karla goes to Cinema

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Neues Jahr, erster Film:
2.1.26, 17:15, Cinemaxx Bremen
Anaconda (2025)
R: Tom Gormican, D: Jack Black, Paul Rudd, Selton Mello, Daniela Melchior, Thandiwe Newton, Steve Zahn, Ione Skye; M: David Fleming
Vier alte Freunde, die in ihren jugendlichen Tagen Amateurmonsterfilme drehten, treffen zusammen. Griff, inzwischen erfolgloser Hollywoodschauspieler, behauptet, die Rechte an dem Anaconda-Franchise zu haben. So beschliessen sie, ihren alten Traum zu leben und im Dschungel einen independent Tierhorrorfilm zu drehen.
An der Besetzungsliste sieht man ja schon die Schlagrichtung des Humors. Und mit Jack Black und Paul Rudd hat man ja auch zwei Könner in den Hauptrollen, die anderen beiden stehen denen aber in nichts nach. Steve Zahn hat auch eine richtig schöne schräge Rolle.
Die Story ist (bis auf einen Twist) soweit vorhersehbar, die kleinen Erfolge, die Misserfolge, die Streitereien, das hat aber eher Wohlfühlcharakter, man kuschelt sich so in dem Film ein, irgendwann geht auch der Tierhorror richtig los, und der ist auch nicht von schlechten Eltern.
Mir hat das gut gefallen, der Humor fällt selten unter die Gürtellinie, ich habe mich ein paar mal erschreckt. Da uns (mir und meine Begleiterin, die sich zwischen diesen und den neuen Ozon entscheiden durfte) ja das Original auch sehr gut damals im Kino, und so kam diese Film im Film – Story mit schönem Cameos gut bei uns an.
Viel gibt es nicht zu kritisieren oder zusätzlich heraus zu heben, einfach drauf einlassen.
Und für uns Forensianern gab es noch ein Argentos Inferno Plakat gut angebracht.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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karlAbundzu
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Re: Karl or Karla goes to Cinema

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11.01.26, 20 Uhr, Cinema Ostertor
Weird Xperience präsentiert:
La vampire nue (1970)
OmU
R: Jean Rollin, D: Caroline Cartier, Olivier Rollin, Maurice Lemaitre, Bernard Musson, Jean Aron, Ursule Pauly, Catherine Castel, Marie-Pierre Castel, Michel Delahaye; M: Yvon Gerault, François Tusques, Acanthus
Rollins erster Farbfilm.Lose beruhend auf RL Stevensons Geschichten aus New Arabian Nights. Im Grunde nimmt er den esoterischen Teil der Hippiebewegung auf. Also den Age of Aquarius. Die Menschen, die bereit sind mehr zu erkennen, sind anscheinend vom Schicksal geküsst und eine Stufe weite in der Evolutionsskala, bzw vorwärts mutiert (Ich schätze, dass die X-Men-Autoren das auch aufnahmen). Vorher bekommen wir es mit einem geheimnisvollen Kult zu tun, mit Leuten in Tiermasken, mit eventuellen Vampirinnen. Mit drei „Wissenschaftlern“, bei denen der Widerlichkeitsgrad hübsch graduell unterschiedlich ist.
Das ist auch noch grell bunt, hat einen psychedelischen Soundtrack mit Free Jazz und Bongogetrommel, tolle Klamotten und sehr schöne Schauplätze inklusive des Rollin-Strands.
Ich hatte zwar mehr Gothic in Erinnerung, dass ist aber gar nicht drin. Ein 60er 70er bunter Traum. Im Grunde ein langes Gedicht.

12.01.16, 20 Uhr, City46, großer Saal
Fabula (2025)
OmU
R: Michiel ten Horn, D: Fedja van Huêt, Sezgin Güleç, Michiel Kerbosch, Anniek Pheifer, Livia Lamers, Georg Friedrich, David Kross, Hasan Ali Mete; M: Djurre de Haan
Jo kommt aus einer traditionsreichen Familie der Verlierer. Sein Großvater fand einst beim Torfstechen einen goldenen Helm, und verbuddelte ihn irgendwo. Jo nennt sich Geschäftsmann, ist aber Kleingangster, versucht immer wieder ein Bein auf die Erde zu bekommen,was natürlich nicht klappt. Und der eine große Coup, der ihn zurück aufs Tapet bringen soll, läuft auch nicht wie gedacht.
Belgien machen ja gerne skurrile Komödien. Und auch hier haben wir eine Gruppe von originalen Charakteren. Und das macht total Laune, irgendwo in der Mitte wird es ein wenig redundant (Klappt nicht, machen wir das, suchen wir den Bruder, klappt nicht...), und dann gibt es immer wieder überraschendes, so dass man wieder gefesselt dran bleibt.
Dabei sind das alles keine Sympathen, die Gewaltspitzen sind recht heftig, und das Menschenbild auch nicht unbedingt positiv. Was für mich für den Film spricht ;)
Also gelungene dunkle Komödie. Sehr gute Kamera. Und klasse erzählt: Die Erzählerin ist eine Zecke, die der Hauptperson im Nacken steckt, sehr passend zu einigen Blutanalogien.
Empfehlung.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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karlAbundzu
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Der Mondo Weekender in Düsseldorf.
6.2. - 8.2.26 Black Box
Alles auf 35mm, mit Einführung, klassischer Werbung, Trailer und Infofilmchen
Wie jedes Jahr geht es im Bahnhofskino um die Welt, organisiert vom klasse Mondo-Team. Und ich auch schon seit 2017 (?) dabei.
Am Freitag ging es mit einem Double Feature los, erst mal Italien.

20:30
Andy Warhols Dracula (1974)
R: Paul Morrissey, D: Udo Kier, Joe Dallesandro, Arno Juerging, Vittorio de Sica, Maxime McKendry, Milena Vukotic, Dominique Darel, Stefania Casini, Silvia Dionisio, Roman Polański; M: Claudio Gizzi
Beziehungsweise nach Rumänien. Da es dort keine Jungfrauen mehr, so beschließt Draculas Diener ins züchtige Italien zu fahren, bei diesen Christen müssten die Jungfrauen da noch scharenweise herum laufen. Doch die Rechnung wurde ohne den kommunistischen Hausangestellten gemacht....
Der vielleicht erbärmlichste Dracula aller Zeiten wird hier toll von Kier dargebracht. Wie er sich herumschieben und schubsen lässt, wenn er die Treppe hoch stolpert. Und nach dem beissen meterweise Blut kotzt, und am Ende einiges verliert.
Das beginnt als Horrorkmödie mit sleazigen Sex-Einschüben und wird immer grotesker. Wunderbar von der Kamera eingefangen mit teils ungewöhnlichen Bildern. De Sica als sprachverrückter Hausherr hat seine schönen Momente, verschwindet leider mit Draculas Urin und kommt nicht wieder. Insgesamt noch mehr Komödie und weniger Horror als Andys Frankenstein, aber in der Sozialkritik genau so drüber. Gegen Ende wird noch ordentlich ins Überdrehte gefahren.
Sehr gut.

22:30 ging es nach Kalifornien und ins Unterbewusste
The Trip (1967)
R: Roger Corman, D: Peter Fonda, Susan Strasberg, Bruce Dern, Dennis Hopper, Salli Sachse, Barboura Morris, Judy Lang, Luana Anders, Beach Dickerson, Dick Miller, Caren Bernsen, Katherine Walsh, Michael Nader; M: Michael Bloomfield
Peter Fonda ist unzufrieden mit seiner Beziehung, geht zu Bruce Dern in sein Hippie Haus, um einen betreuten LSD-Trip zu nehmen. Wir sehen seine Visionen, und seine Reise durch die Nacht.
Natürlich sehr bunt, Kameras durch Lavalampen und Prismen, wie man sich halt so Trips vorstellt. Man trifft langsame Reiter am Strand (keine reitenden Leichen), findet sich in alten Corman Kulissen wieder. Guckt mit fremden Mädchen in fremden Häusern Vietnam-Dokus, und ist auch immer wieder im Hippie-Penthouse.
Das hat natürlich wenig Story und viele bunte Bilder. Ein harmloser Rausch, der gewaltig und schön anzusehen ist.

Samstag, 7.2.26
18 Uhr auf nach Sri Lanka.

Kommissar X – Drei gelbe Katzen (1966)
R: Rudolf Zehetgruber, D: Tony Kendall, Brad Harris, Ann Smyrner, Michèle Mahaut, Dan Vadis, Siegfried Rauch, Rudolf Zehetgruber; M: Gino Mariukki
In Ceylon soll eine reiche amerikanische Tochter entführt werden, irgendwer stirbt an einem Karateschlag und irgendwas mit einer alten Geheimorganisation der drei Katzen, auf alle Fälle müssen Jo Walker, Kommissar X und sein Kumpel Tom Rowland kommen, um den Tag zu retten. Die Handlung ist angenehm verwirrend und auch nicht so wichtig, es gibt exotische Schauplätze, irre Technik und eben die beiden Kumpels. Allerdings sind die für einen Kommissar X Film dann an Sprüchen, Anzüglichkeiten und Übergriffigkeiten zurück haltend. Zehetgruber lässt zwar viel explodieren und auch Action und Handgreiflichkeiten sind ausreichend drin, doch ist alles ein wenig langsamer, gemütlicher.
In den gut besetzten Nebenrollen gefiel mir Siegfried Rauch als Nitro, dessen Sprengsätze und eben sein Nitroglycerin eine wichtige Rolle spielten.
Hübsche Nachmittagsunterhaltung.

20:30 aufs Land nach Arizona, USA
Rabbits (1972)
R: William F. Claxton, D: Stuart Whitman, Janet Leigh, Rory Calhoun, DeForest Kelley, Paul Fix, Melanie Fullerton; M: Jimmie Haskell

Kaninchenplage im Großfarmgebiet. Ein recht aufgeklärter Farmer will nicht mit der Chemokeule vorgehen und der örtliche Jäger ist an der Plage mitschuld, da er die Kojoten ganz ausrottete, was halt gut für die Karnickel war, und sucht neue Wege. Da gibt es ein Forscherehepaar, das mit moderner Medizin und Geburtenkontrolle umgehen will. Nur kommt eins der Laborviecher zur normalen Poulation, die Lepus werden groß wie ein Wolf und bekommen Hunger auf Fleisch, Menschenfleisch....
Beim Setting gibt es durchaus Westernvibes, dazu Schauspieler mit ebendieser Genre-Erfahrung, sowieso prominent besetzt. An sich nimmt er der Film sich ernst, erinnert so abgesehen vomÖko-Konzept an 50er Tierhorror. Das Militär taucht auch auf, arbeitet ungewöhnlicherweise mit den hiesigen Polizisten zusammen und ordnet sich diesen sogar unter.
Und das hat was, ist gut gemacht, und bezieht den Horror wie immer aus diesen Filmen. Nur haben wir keine üblichen Horrortierchen, sondern eben Kaninchen. Blutverschmiert mal, mal dargestellt durch Menschen im Hasenkostümen oder mümmelnd in kleinen Kulissen. Und die Szene, in denen sie in Zeitlupe über einen Zaun springen, ist vielleicht vier- fünfmal zu häufig eingesetzt. Aber ich mag solche Filme und war tatsächlich über die Güte überrascht, habe mir doch eher einen Film aus der ganz unteren Schublade erwartet.
Sehr gut.

23 Uhr zurück übern Teich nach Freiburg im Breisgau
Suspiria (1977)
R: Dario Argento, D: Jessica Harper, Stefania Casini, Flavio Bucci, Miguel Bosé, Udo Kier, Alida Valli, Joan Bennett, Margherita Horowitz; M: Goblin
Meisterwerk. Auf großer Leinwand in laut noch mehr. Super Projektion.

Sonntag,
13 Uhr, ins Bermuda-Dreieck.

Roboter der Sterne (1974)
R: Koichi Takano, D: Yosuke Okada, Tesuya Oshita, Hisashi Kato, Pepe Hozumi, Godfrey Ho; M: Chin Liang Chiang
Den außerirdischen im Bermudadreieck stehen die Haare zu Berge, tragen auffällige Narben und wollen die Menschheit vernichten. Dafür schicken sie Footballspieler im vollen Dress los. Oder riesige Vernichtungsroboter. Die erstaunlich kleine Gruppe um einen Wissenschaftler setzt Jagdbomber und eben auch einen Riesenroboter ein.
Kampf der Spielzeugroboter. Pacific Rim 40 Jahre früher. Synchro aus der Ferienprogrammhölle. Kinderprogramm für uns, die im Herzen das begeisterungsfähige Kind behalten haben. Der nostalgische Spaß, die Freude daran, das es sowas geben durfte.
Nur Lächeln.

15:30 über England nach Portugal
Hammerhead (1968)
R: David Miller, D: Vince Edwards, Judy Geeson, Peter Vaughan, Diana Dors, Michael Bates, Beverly Adams, Patrick Cargill, Patrick Holt, William Mervyn, Douglas Wilmer, Tracy Reed, Kenneth Cope, Kathleen Byron, Jack Woolgar, Joseph Fürst; M: David Whitaker

Die Überraschungsbox des Festivals, kaum jemand kannte den Film, es war wenig vorher heraus zu finden.
Englischer Eurospy, benannt nicht nach dem Helden, sondern nachdem Bösewicht. Auch Hood, der Held, nur halb Bondmäßig, nimmt nicht jede Gelegenheit auf Sex war, muss tatsächlich sehr viel einstecken, ist gar nicht sadistisch. Und wer er ist, zeigt sich auch nach und nach, dass er im Auftrag des britischen Geheimdienstes ist, ist erst spät eindeutig. Das ist sehr klug und wirklich mal anders erzählt. Die Geschichte mit dem Doppelgänger, den Geheimdokumenten und dem Bösewicht, der auf erotische Darstellungen steht, hat bekannte Zutaten, ist aber nie langweilig. Ungewöhnlich, dass der Antagonist auch wirklich viel mitmischt, wo ich zuerst dachte, dass es ein running Gag wird, das er nie auftaucht.
Dazu schöne Drehorte in Portugal, ungewöhnlich viele hippieske Szenerien, und ein weiblicher Sidekick, der auch in der Zeit nicht unangenehm ist. Und eine heftige überraschende Schlusszene.
Der hat mir ausserordentlich gut gefallen und überrascht, auch ob der Qualität in allen Bereichen.

18 Uhr, schnell noch nach Hong Kong und Macao

Spezialkommando Feuervogel (1980)
R: Bruce Le, D: Bruce Le, Richard Harrisson, Brad Harris, Hwang Jang-Lee, Dick Randall, Bolo Yeung, Uwe Schier; M: Chow Fuk Leung
Irgendeine Geheimformel findet seinen Weg über Spanien nach Hong Kong, zwei US-Agenten sollen sie wiederbringen. Ein Karatekämpfer und ein Frauenaufreißer. Sie folgen der (Nazi?) Geheimorganisation, treffen auf dies oder jene, und haben eher mäßigen Erfolg.
Ein echter Waswardasdenn-Film. Unglaubliche Szenen. Zu Beginn der Forscher und sein Hiwi im Muppet-Labor: Unheimlich süß, wie sie sich über die Entdeckung ihrer Formel freuen. Dann die Etablierung Richard Harrisons. Haufenweise nackte Frauen auf seinem grundstück, minutenlanges oben ohne (außer Richie) Tennis spielen. Später ein Shoot out mit ihm, man denkt, ok Le ist der Kämpfer (viele gute Zweikampfszenen, das hatte der echt drauf), Harrison der Scharfschütze, muss aber dann nie mehr schiessen. Bekommt eher ordentlich auf die Fresse, bis auf die Endprügelei. Synchro aus dem Freudenhaus. Und irgendwo laufen Jack Klugman und Morgan Fairchild im Hintergrund herum, wohl ein Versehen.
Spaßgranate!
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Karl or Karla goes to Cinema

Beitrag von karlAbundzu »

15.02.26, 20:00 Uhr,
Weird Xperience präsentiert:
Nowhere (1997)
OV
R: Gregg Araki, D: James Duval, Rachel True, Nathan Bexton, Chiara Mastroianni, Debi Mazar, Kathleen Robertson, Heather Graham, Christina Applegate, Beverly D’Angelo, Mena Suvari, Denise Richards; M: Best of alternative 90s

Dark auf der Suche nach der einen Person, er lebt zwar in einer Art offenen Beziehung mit Mel, träumt von Monte, Mel hat was mit Lucifer und Zwillingen. Sex, Drogen, Hedonismus, und das Ende ist nah.
Hedonistisches Lebensgefühl, alle wollen das maximale an Spaß heraus holen, wollen was mit Video machen, viele nehmen Drogen, Sex ist die Ausdrucksweise. Im Grunde folgen wir Dark, der nicht nur von etwas bleibendem träumt, sondern der einzige, der sich über die Außerirdischen wundert, die immer wieder Menschen verschwinden lassen.
Dabei bleibt die Geschichte nicht so nah an ihn dran, verfolgt immer wieder kurz den einen oder die andere. Wir bekommen Fetzen aus deren Leben und deren Einstellung mit, die viel mit dem Ende und Tod zu tun hat.
Das ist wild und sehr bunt gefilmt, sehr artifiziell ausgestattet und passend mit vielen amerikanischen TV-Gesichtern besetzt.
Ich ging die Reise mit, mal amüsiert, mal angeekelt, und ein paar mal auch sehr unangenehm angefasst. Zog mit rein. Funktioniert anders als der Vorgänger Doom Generation, hier alles viel flüchtiger, Tiefe erahnt man nur bei einigen Charakteren. Insofern ein gutes Doppel (der erste Teil der Teen Apocalypse Trilogy , Totaly f***ed up, fehlt mir noch) und ein interessanter Abend.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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