Der letzte Zug nach Durango - Mario Caiano

Moderator: jogiwan

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unsociable
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Der letzte Zug nach Durango - Mario Caiano

Beitrag von unsociable »

Koch Media (Western Collection Nr.9)

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Originaltitel: Un treno per Durango

Herstellungsland: Italien / Spanien 1968

Regie: Mario Caiano

Darsteller: Anthony Steffen, Mark Damon, Enrico Maria Salerno, Dominique Boschero, Roberto Camardiel, José Bódalo, Aldo Sambrell u.A.

Story:
Während der Revolution versuchen die beiden Glücksritter Gringo (Anthony Steffen) und Lucas (Enrico Maria Salerno) den Geldschrank eines mexikanischen Generals zu klauen. Auf ihrer Jagd nach dem Objekt der Begierde hilft ihnen ein Amerikaner namens Brown (Mark Damon), der lieber mit dem Auto als auf dem Pferd unterwegs ist - und nicht nur in Sachen Manieren und Waffen-Know-how wie ein James Bond des Wilden Westens daherkommt.
(Covertext)

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DrDjangoMD
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Re: Der letzte Zug nach Durango - Mario Caiano

Beitrag von DrDjangoMD »

Hier eine Kritik, die vielleicht ein wenig merkwürdig formuliert ist (viele Wort wie witzig, lustig und meisterhaft kommen übertrieben oft vor), aber das liegt nur an meiner Euphorie, die ich nach Sichtung dieser Witzkanone hatte.

Wenn man mich nach meinem liebsten Spaß-Western fragen würde, bekäme man keinen Terence-Hill-Film zur Antwort, sondern den herrlichen „Der letzte Zug nach Durango“!
Ich frage mich eh mindestens zweimal täglich, warum diesem Streifen bis dato nicht mehr Beachtung entgegengebracht wurde. Er veräppelt das sonst so ernsthafte Genre des Italowesterns meisterhaft und dies zu einer Zeit, als Enzo Barboni noch hinter der Kamera und nicht im Regiestuhl saß.
Die Regie übernahm Mario Caiano, der sich mit ernsten Western schon auskannte und offenbar auch einen Sinn fürs Komische hat. Er inszeniert die Gags mit wunderbarem Timing und leistet auch außerhalb der Witzelein eine gute Arbeit im Aufbau von Spannung.
Am Drehbuch war Duccio Tessari beteiligt, welcher mit „Sundance Cassidy und Butch the Kid“ einen weiteren, wenn auch ungleich schlechteren Frühklamaukwestern schuf. Für „Der letzte Zug nach Durango“ ließ er sich ein paar tolle Ideen einfallen. Zu nennen ist neben den Unmengen an überzeichnet lustigen Situationen das finale Duell,
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Neben der Arbeit des Teams hinter der Kamera sind es in erster Linie die Haupt- und Nebendarsteller die diesen Streifen unvergesslich machen, allen voran Anthony Steffen. Mein Anthönchen ist mit viel Spaß bei der Sache und lockert sein Stoneface, auch wenn er in dieser Beziehung nicht an seinen Partner Salerno herankommt, ein wenig auf. Daneben ist es allein das Faktum Anthony Steffen, den Helden mit den tragischsten Rollen, in einer Persiflage zu sehen. Er müsste nicht mal was machen, ich lache mich auch so schon unter dem Tisch wenn in einem Steffen-Western ein Gag vorkommt.
Ich kann einfach nicht umhin hier die Pfefferoni-Szene zu erwähnen, sorry aber diese geniale Szene darf nicht unerwähnt bleiben. Steffen und Salerno gehen in eine Bar, wo Ihnen Pfefferoni offeriert werden. Salerno ist seinen sichtlich unbekümmert, warnt seinen Partner aber vor der Schärfe. Steffen, cool wie eh und je beist von dem Ding ab und…selten so gelacht! :kicher:
Salerno ist in Höchstform und strahlt eine verspielte Heiterkeit aus, wie sie nicht mal Hill, Hilton und Gemma zusammen hinbekämen. Mark Damon macht den übertrieben lässigen James Bond und Dominique Boschero parodiert mit viel Witz eine hinterlistige Femme Fatala (P.S. und sieht einfach atemberaubend aus, wenn sie sich im Korsett wäscht und dazu ein französisches Lied trällert :pfeif: :arrow: :sabber: ).
Die weiteren Nebendarsteller sind das Beste vom Besten. Roberto Camardiel als dümmlicher Revolutionsgeneral, Jose Bodalo als…ein anderer dümmlicher Revolutionsgeneral und Aldo Sambrell als patriotischer Soldat, der sein Land aber auch mal ganz gerne hinter die eigenen Interessen stellt. Jede einzelne dieser Rollen ist für zahllose Späße gut und beweist, dass Caiano seine Darsteller im Griff hatte und eine tolle Stimmung am Set erzeugt haben muss.
Fazit: Das lustigste was der Italowestern je hervorgebracht hat. Lustige Regie von Caiano, lustiges Drehbuch von Tessari, Kamera geführt von Spaßwestern-Legende Barboni und das ganze mit einer Reihe hervorragender Darsteller in Höchstform. 10/10 (ich kenne sonst niemanden, der diesem Film die Höchstwertung geben würde, aber als das was er ist und was er sein will ist er einfach perfekt. :thup:

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Blap
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Re: Der letzte Zug nach Durango - Mario Caiano

Beitrag von Blap »

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#9 der Koch Media Western Collection


Der letzte Zug nach Durango (Italien, Spanien 1967, Originaltitel: Un treno per Durango)

Herr Steingesicht macht Spass

Gringo (Anthony Steffen) und Lucas (Enrico Maria Salerno) schlagen sich mühevoll durchs Leben, gerade haben sie einen erfolglosen Trip auf der Suche nach Platin hinter sich. Nun soll die Reise per Zug nach Durango führen, für die Tickets gehen Gäule und Knarren drauf, denn die Taschen des Duos sind völlig leer. Im Zug trifft Gringo auf die äusserst anziehende Journalistin Elène (Dominique Broschero), in die er sich Hals über Kopf verliebt. Plötzlich knallt und scheppert es gewaltig, eine wilde Bande mexikanischer Schurken überfällt den Zug, Ziel ihrer Begierden ist ein Tresor voller Gold. Es kommt jedoch nicht dicker, Gringo wird von einem Banditen niedergeschossen, Elène fällt in die Hände der ruchlosen Verbrecher. Immerhin hat Gringo Glück im Unglück, die Kugel des Killers wurde durch ein zuvor gestohlenes Zigarrenetui gestoppt. Auch Lucas überlebt die Attacke der wüsten Horde, ferner finden die ungleichen Freunde die beiden zum Tresor gehörigen Schlüssel. Nun beginnt ein aufregendes Abenteuer für unsere Helden, die sich umgehend an die Fersen der Mexikaner heften, zumindest unternehmen sie den Versuch dazu. Selbstverständlich geraten Gringo und Lucas in jede Menge brenzlige Situationen, aus denen sie immer wieder ein rätselhafter Bursche (Mark Damon) rettet...

"Der letzte Zug nach Durango" nutzt die mexikanische Revolution als "Hintergrundszenario", beschäftigt sich aber nur am Rande mit Politik. In erster Linie ist der Streifen ein typischer Italowestern, der durch die Zugabe einer ordentlichen Portion Humor in Richtung Komödie tendiert. Im Vorfeld sorgte das Wort "Komödie" für Sorgenfalten auf meiner alten Stirn, denn mit den üblichen Klamaukreissern kann ich (oft) nicht allzu viel anfangen. Glücklicherweise war meine Sorge unbegründet, der Humor rasselt hier nicht mit dem Vorschlaghammer samt "Kalauer-Synchronisation" auf den Zuschauer hernieder. Nein, dieser Film kann tatsächlich mit wirklich lustigen Momenten aufwarten, besonders die herrlich selbstironische Darbietung von Anthony Steffen sorgt für jede Menge Schmunzler (der Vollständigkeit halber: Antonio Luis von Hoonholtz de Teffè. Oder in der Kurzform: Antonio De Teffè). Regisseur Mario Caiano wirkte bei der Entstehung der Story mit, auch Duccio Tessari war involviert, der Fan des italienischen Genrekinos nimmt es mit Wohlgefallen zur Kenntnis.

Anthony Steffen ist noch immer für viele Italowestern-Fans ein Reizthema, oft wirft man ihm seine eingeschränkte Mimik vor, stempelt ihn als hüftsteif und hölzern ab. Unbestritten ist jedoch, dass Steffen zur grossen Zeit des Genres einer der gefragtesten Akteure war, daran können selbst seine grössten Skeptiker nicht rütteln. Ich mag Herrn De Teffè, seine Gestalt und sein markantes Gesicht reichen mir aus, um ihn zum erweiterten Kreis meiner liebsten Westernhelden zu zählen. Vielleicht lassen sich diesmal sogar die Nörgler zu einem milden Urteil bewegen, denn Steffen nimmt sich so treffsicher und gelungen auf die Schippe, wie soll man ihn da noch verteufeln? Also ihr spitzfindigen Meckermäulchen, gebt euch einen Ruck, es lohnt sich! Klar, Steffen profitiert ungemein von der Zusammenarbeit mit Enrico Maria Salerno, der die ihm zugeworfenen Bälle mit lockerer Meisterschaft zurückspielt, die beiden "tragisch-komischen Möchtegern-Helden" ergänzen sich vortrefflich. Bereits die zahllosen knuffigen Augenblicke zwischen Steffen und Salerno verleihen der Sause jede Menge Liebenswürdigkeit, der sich sogar ein Mufflon wie ich nicht entziehen kann. Mark Damon taucht stets zur rechten Zeit auf, hilft den überforderten "Schmalspur-Giganten" aus der Patsche. Bei Bedarf tuckert er mit seinem zwölf Pferdestärken aufbietenden Automobil herbei, lässt den Colt sprechen, im Ernstfall auch das Maschinengewehr rattern. Als undurchsichtiger "James-Bond-Ersatz" macht er eine gute Figur, obschon die Helden nur ungern und unfreiwillig auf seine Unterstützung bauen. Dominique Boschero sorgt für die weiblichen Reize, versteht es aber ebenso sich als wehrhafte Kratzbürste zu behaupten. In den Nebenrollen tauchen bekannte Gesichter auf, die jedem Freund des Italokinos ans Herz gewachsen sind. Namen wie Aldo Sambrell, Roberto Camardiel und José Bódalo sollten in dieser Hinsicht für sich sprechen. Wem diese Namen kein Begriff sind, sollte nach Bildern suchen, dadurch dürften sich einige "Ahaaaa-Momente" einstellen.

Mario Caiano stand ein solides Ensemble zur Verfügung, aus dessen Kreis vor allem Anthony Steffen mit einer bemerkenswerten Vorstellung im Gedächtnis bleibt. Die Kamera wurde von Enzo Barboni bedient, der später diverse Spencer & Hill Schoten als Regisseur verantwortete. "Un treno per Durango" bietet dem Fan ein wohlschmeckendes Mahl an. Es wird fleissig geballert und gestorben, der Humor ist für einen Western erstaunlich geistreich, eine Prise Revolution und ein Hauch Erotik runden den positiven Gesamteindruck ab. Übrigens beissen etliche Gesellen in den Staub, bei genauer Betrachtung offenbaren sich ab und an zynische Zwischentöne. Dass der Flick letztlich gar nicht soooo furchtbar typisch daherkommt, ist vor allem ein Verdienst des gelungenen Humors. Auf den Punkt gebracht: Überwiegend typisch, jedoch keinesfalls abgenudelt, angenehm frisch, frech & fröhlich!

Die Western Collection aus dem Hause Koch Media -wegen der farbenfrohen Covergestaltung gern "Regenbogen-Collection" genannt- ist für jeden Italowestern-Freund eine Quelle der Lust. Neben Klassikern des Genres ("Der Gehetzte der Sierre Madre" (1966) und/oder "Töte Amigo" (1967)) bietet die Reihe vor allem kleinere Perlen an, die auf ansprechende Weise aus dem Strudel der Vergessenheit gerettet wurden. "Der letzte Zug nach Durango" präsentiert sich sehr gut aufbereitet, die Bildqualität lässt kaum noch Wünsche offen, viel mehr geht auf einer DVD nicht. Im Bonusbereich plaudern Regisseur Mario Caiano und Darsteller Mark Damon aus dem Nähkästchen, ferner gibt es einen Trailer und eine Bildergalerie zu sehen. Wie üblich befindet sich die DVD in einem aufklappbaren Digipak, welches im Inneren einen lesenswerten Textbeitrag und hübsche Bilder anbietet. Noch ist die Scheibe für rund 10€ zu bekommen, in Anbetracht des Gebotenen ein geradezu unverschämt günstiger Preis, also greift schnellstmöglich zu!

Fraglos bleibt "Der letzte Zug nach Durango" deutlich hinter meinen Lieblingen zurück, dennoch ist dieser Streifen eine Bereicherung für jede Sammlung, für Fans sowieso unverzichtbar. Eine "sachlich-nüchterne" Bewertung (haha, als ob ich dazu in der Lage wäre) würde ich im Bereich 6,5-7/10 ansiedeln. An dieser Stelle muss ich einmal mehr in die grosse Kiste mit den Wohlfühl- und Knuffigkeitspunkten greifen, die der geneigte mit dem Herzen schauende Filmfreund bitte hin­zu­ad­die­ren möge.

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DrDjangoMD
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Re: Der letzte Zug nach Durango - Mario Caiano

Beitrag von DrDjangoMD »

Du hast mit diesem Kommentar einen jungen Mann sehr sehr glücklich gemacht :D Sicher einer der zu Unrecht unbekanntesten Italoperlen, was es umso schöner macht, wenn ihn mal einer sieht.
Blap hat geschrieben:Im Zug trifft Gringo auf die äusserst anziehende Journalistin Elène (Dominique Broschero), in die er sich Hals über Kopf verliebt.
Übrigens, der guten Dominique hast du ein "r" zuviel gegeben.

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Blap
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Re: Der letzte Zug nach Durango - Mario Caiano

Beitrag von Blap »

DrDjangoMD hat geschrieben: Übrigens, der guten Dominique hast du ein "r" zuviel gegeben.
Sehr unangehm. Immerhin nicht im gesamten Text. ;)
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buxtebrawler
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Re: Der letzte Zug nach Durango - Mario Caiano

Beitrag von buxtebrawler »

„Wir haben Revolution!“

Der italienische Regisseur Mario Caiano („Nazi Love Camp 27“) drehte im Jahre 1967 die Italo-Western-Komödie „Der letzte Zug nach Durango“, zu dem er auch zusammen mit José Gutiérrez Maesso und Duccio Tessari das Drehbuch verfasst hat. Der vor dem Hintergrund der mexikanischen Revolution spielende Film präsentiert Genrestar Anthony Steffen („Django und die Bande der Bluthunde“) in einer ungewohnt komischen Rolle.

Die nicht sonderlich von Erfolg gekrönten Goldsucher und Tunichtgute Gringo (Anthony Steffen) und Lucas (Enrico Maria Salerno, „Das Syndikat“) kehren per Zug nach Durango zurück, wofür auch noch ihre letzten Penunsen draufgingen. Doch während der Fahrt wird die Bahn von mexikanischen Banditen überfallen, die einen Tresor voller Bargeld stehlen und auch gleich noch die nette und attraktive Helen (Dominique Boschero, „The Child – Die Stadt wird zum Alptraum“) mitnehmen, mit der Gringo just angebändelt und sich Hoffnungen gemacht hatte. In der Verwüstung finden die beiden überlebenden Tagediebe jedoch den Schlüssel zum Tresor und reisen fortan den sich als Revolutionäre ausgebenden Banditen hinterher, da sie endlich das große Geld wittern, ferner will Gringo unbedingt Helen wiedersehen. Ihre gefährlichen Wege kreuzen sich auf eigenartige Weise immer wieder mit denen des motorisierten und kultivierten feinen Pinkels Brown (Mark Damon, „Der Untergang des Hauses Usher“), der das Duo aus manch brenzliger Situation heraushilft...

„Ihr beiden quatscht mir zuviel! Ich brauche schweigsame Männer in meiner Bande!“

Verglichen mit den Abenteuern von Terence Hill und Bud Spencer ist „Der letzte Zug nach Durango“ ein eher unbekannter Vertreter der italienischen Westernkomödie – und ein ungewöhnlicher dazu, denn ausgerechnet Anthony Steffen mit seinem traurigen Blick und seiner versteinerten Mimik für die Hauptrolle besetzen zu haben, dürfte manch Filmfreund skeptisch machen. Das macht jedoch einen besonderen, subtilen Reiz dieses Films aus: Man wird neugierig, wie sich Steffen wohl schlagen würde, ob er komisches Talent besitzt, man wartet auf Gefühlsregungen und fragt sich, ob er zum grimassenschneidenden Clown mutieren würde. Tut er natürlich nicht, aber er wirkt tatsächlich etwas lockerer in der Hüfte und seine müde, geschaffte Mimik passt einmal mehr ideal zum Typus Mensch, den er hier verkörpert: Einem auf der Suche nach dem Glück von Ort zu Ort Getriebenem. Ein herzhafter Biss in eine Peperoni zwingt ihn gar zu ungeahntem Mienenspiel. Fürs Temperament ist jedoch Salerno zuständig, der seinen mexikanischen Kumpel mimt. „Der letzte Zug nach Durango“ ist keine überkandidelte, absurde Slapstick-Revue und erst recht keine Kalauerkanonade, sondern eine charmante Wohlfühlkomödie mit viel herzerwärmendem, augenzwinkerndem Humor, der einen liebevoll karikierenden Umgang mit dem Italo-Western-Genre erkennen lässt. Caianos Film hat viel von einem sog. Buddy-Movie; zwei Verlierer schlagen sich mehr schlecht als recht durchs Leben und haben nicht viel als ihre Klamotten am Leib und ihre Freundschaft. Lauter und krawalliger wird es immer dann, wenn die Mexikaner gehäuft auftauchen. Mexikaner in Italo-Western sind nicht nur das Salz in der Suppe, sondern das Chili in der Bolognese. Auch hier sorgt das sympathische Völkchen für reichlich Feuer, doch leider missbrauchte man die grundsätzlich äußerst angenehme Thematik der mexikanischen Revolution, um die Revolutionäre wenig differenziert allesamt als primitive, geldgierige, auf ihren eigenen Vorteil bedachte Halunken darzustellen, was in dieser nichts sonderlich ernstnehmenden Komödie zwar verzeihbar ist, dem Thema jedoch in keiner Weise gerecht wird. Dieser Umstand führt auch zur Abwertung.

Gut gelungen ist hingegen der allgemeine zynische Blick auf die kollidierenden Interessen unterschiedlicher Parteien, die natürlich alle hinter dem Geld her sind – was in zahlreichen Toten mündet. Diesbezüglich macht auch „Der letzte Zug nach Durango“ trotz seiner komödiantischen Herangehensweise keinerlei Zugeständnisse, verzichtet aber weitestgehend auf den Einsatz von Kunstblut. Und nicht alles endet gleich in Mord und Totschlag, süffisant hält in manch Szene auch die „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich“-Mentalität Einzug. Zwar ahnt man, dass sicherlich nicht gleich beide unserer Möchtegern-Helden, die so einiges ertragen müssen und sich in die unmöglichsten Gefahren begeben bzw. in sie hineinstolpern, ihr Leben werden lassen müssen – man kann sich allerdings nie ganz sicher sein, ob nicht doch zumindest einer über die Klinge springen wird. Ihre Spannung gewinnt die Dramaturgie jedoch in erster Linie aus dem mehrmaligen unvermittelten Auftauchen Browns, von dem man nie genau weiß, was er wirklich bezweckt. All das führt zu einer überraschenden Pointe eines Finales, das auf amüsante Weise ein klassisches Western-Duell, jedoch ohne Kugeln in den Revolvern (!), zelebriert. Am Schluss steht einmal mehr ein – Achtung, Spoiler! – anscheinend typisches Steffen-Ende, indem er (fast) alles verliert, was er zu besitzen glaubte.

Eine ebenso starke wie attraktive weibliche Rolle bekleidet Dominique Boschero, die sich in der testosterondominierten Welt durchaus zu behaupten versteht. Zu beobachten, wie sich der arme Gringo um sie bemüht, ist köstlich und mitleiderregend zugleich. Schön auch, dass man es manch erfolgreichem Italo-Western gleichtat und einen verdienten US-Schauspieler für eine der tragenden Rollen verpflichtete, in diesem Falle Mark Damon, der seinen schießgewaltigen Gentleman einwandfrei abliefert. Auch die Nebenrollen wurden namhaft besetzt, daran gibt es nichts zu mäkeln. Carlo Rustichellis Soundtrack weist eine stimmungsvolle Titelmelodie auf, bleibt ansonsten aber gemessen an anderen Genreproduktionen eher unauffällig. Für die die staubige, schwüle Stimmung inmitten karger Landstriche perfekt einfangende Kamera verantwortlich zeichnete übrigens niemand Geringerer als Enzo Barboni, der nur wenige Jahre später mit „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ seine erste eigene Western-Komödie – eine der eingangs erwähnten – als Regisseur drehte und in der Folge viele weitere Spencer/Hill-Filme inszenierte, darunter auch das Meisterwerk „Vier Fäuste für ein Halleluja“.

Fazit: Eine leichtfüßige, dennoch angenehm atmosphärische Italo-Western-Komödie für Freunde des Genres, das erfolgreich viele liebgewonnene Genre-Charakteristika vereint, weitestgehend sorgfältig inszeniert und besetzt wurde und Anthony Steffen einmal von einer etwas anderen Seite zeigt – die aber leider etwas am wenig mexikanerfreundlichen Drehbuch krankt. Die eigentliche Revolution des Films ist Steffens Peperoni-Biss mit entsprechendem Resultat, nicht das Bemühen der Compañeros.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
Diese Filme sind züchisch krank!
Suche (dt. Sync): Dr. Jekyll und Mr. Hyde ('31) / The Last Song (Permanent Record)

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DrDjangoMD
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Re: Der letzte Zug nach Durango - Mario Caiano

Beitrag von DrDjangoMD »

buxtebrawler hat geschrieben:Man wird neugierig, wie sich Steffen wohl schlagen würde, ob er komisches Talent besitzt, man wartet auf Gefühlsregungen und fragt sich, ob er zum grimassenschneidenden Clown mutieren würde. Tut er natürlich nicht, aber er wirkt tatsächlich etwas lockerer in der Hüfte und seine müde, geschaffte Mimik passt einmal mehr ideal zum Typus Mensch, den er hier verkörpert: Einem auf der Suche nach dem Glück von Ort zu Ort Getriebenem. Ein herzhafter Biss in eine Peperoni zwingt ihn gar zu ungeahntem Mienenspiel.
BUX! :knutsch: Da hat sich das Warten ja richtig gelohnt, ich fand deine Kritik absolut großartig und sie wird dem Film mehr als gerecht!!! :thup: Neben dem Ansehen von Steffen-Filmen erhebe ich nun auch das Lesen von Bux-Kritiken zu Steffen-Filmen zu meinen absolut liebsten Lieblingsbeschäftigungen. War wirklich eine einmalige Rezension, die selbst mir einige neue Erkenntnisse einbrachte. Wenn du dafür nicht schon wieder einen ofdb-Preis bekommst, verliere ich mein Vertrauen in diese Filmdatebank :nick:
buxtebrawler hat geschrieben:Am Schluss steht einmal mehr ein – Achtung, Spoiler! – anscheinend typisches Steffen-Ende, indem er (fast) alles verliert, was er zu besitzen glaubte.
Und ich find es fantastisch, dass "Steffen-Ende" langsam aber sicher beginnt, sich als wissenschaftliches Fachwort durchzusetzen. 8-)


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jogiwan
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Re: Der letzte Zug nach Durango - Mario Caiano

Beitrag von jogiwan »

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it´s fun to stay at the YMCA!!!



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dr. freudstein
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Re: Der letzte Zug nach Durango - Mario Caiano

Beitrag von dr. freudstein »

so schauts aus :D

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sergio petroni
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Re: Der letzte Zug nach Durango - Mario Caiano

Beitrag von sergio petroni »

DrDjangoMD hat geschrieben: Und ich find es fantastisch, dass "Steffen-Ende" langsam aber sicher beginnt, sich als wissenschaftliches Fachwort durchzusetzen. 8-)
[/url]
Der Steffen ist nie am Ende, was für eine Blasphemie! :twisted: ;)
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“

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