Das Kabinett des Professor Bondi - Andre De Toth (1953)

Moderator: jogiwan

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horror1966
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Das Kabinett des Professor Bondi - Andre De Toth (1953)

Beitrag von horror1966 »

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Das Kabinett des Professor Bondi
(House of Wax)
mit Vincent Price, Frank Lovejoy, Phyllis Kirk, Carolyn Jones, Paul Picemi, Rpy Roberts, Angela Clarke, Paul Cavanagh, Dabbs Greer, Charles Bronson, Reggie Rymal
Regie: Andre De Toth
Drehbuch: Crane Wilbur / Charles Belden
Kamera: Bert Glennon / J. Peverell Marley / Robert Burks
Musik: David Butolph
FSK 16
USA / 1953

Beim Brand seines historischen Wachsfigurenkabinetts wird das gesamte Werk des Bildhauers Bondi zerstört, er selber entkommt knapp dem Flammentod. Fortan hat der grausam entstellte Bondi nur ein Zeil: blutige Rache an den Brandstiftern, seinem ehemaligen Geschäftspartner und dessen Braut, zu nehmen. Er ersinnt einen neuen - und mörderischen - Weg, sein Wachsfigurenkabinett wieder zu erneuern...


Irrtümlicherweise gehen immer noch viele Leute davon aus, das es sich hier um das Original zum 2005 neu verfilmten "House of Wax" handelt, in dem ja auch Miss Hilton mitgespielt hat. Dem ist aber nicht so, handelt es sich doch auch hier um ein Remake des 1933 entstandenen Filmes "das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts" von Michael Curtiz. In der Hauptrolle agiert der unvergessene Schauspieler Vincent Price wieder einmal absolut herausragend und drückt auch diesem Film durch seine grandiose Mimik seinen ganz eigenen Stempel auf. Die Rolle des verbitterten Bildhauers ist ihm wie auf den Leib geschneidert und wird durch seine allgegenwärtige Präsenz mit einer schier unglaublichen Authenzität dargestellt, das es wirklich eine wahre Freude ist, diesem großartigen Darsteller bei seiner Arbeit zuzuschauen. In einer Nebenrolle erkennt man sogar die spätere Schauspiel-Ikone Charles Bronson, der einen von Professor Bondis Helfern spielt und ihm bei seinen Greueltaten immer hilfreich zur Seite steht.

Nun mag man zu diesen Klassikern der alten Schule stehen wie man will, Regisseur Andre De Toth hat seiner Geschichte ein äusserst atmosphärisches Ambiente mitgegeben, wobei auch immer wieder Momente in den Vordergrund treten, bei denen ein echtes Grusel-Feeling beim Zuschauer entstehen kann. Aus heutiger Sicht werden vor allem die meisten jüngeren Zuschauer das sicherlich ganz anders sehen, aber "Das Kabinett des Professor Bondi" kann man durchaus zu den älteren Filmen zählen, die streckenweise sogar eine mysteriöse-und unheimliche Aura umgibt. Besonders die nächtlichen verfolgungsjagden in herrlich düsteren Straßen sind ein absoluter Höhepunkt des Filmes, menschenleere Gassen und eine unheimliche Geräuschkulisse ziehen einen dabei ganz unwillkürlich in ihren Bann. Und dann sind da nicht zuletzt die Taten des dem Wahnsinn verfallenen Professors, die einem kalte Schauer über den Rücken jagen.

Das liegt aber keinesfalls in irgendwelchen Härten begründet, denn von diesen gibt es hier nichts zu sehen, aber allein schon die Vorstellung, was der gesiteskranke Mann mit seinen Opfern anstellt, lässt einem das Blut in den Adern gefrieren. Meine offensichtliche Begeisterung für dieses Werk mag sicherlich nicht jeder teilen, aber ich liebe diese extrem atmosphärischen Klassiker, die durch den Einsatz der minimalistischsten Mittel ein maximales Gänsehautgefühl beim Betrachter hervorrufen. Zudem wohnt der Geschichte auch noch ein gut aufgebauter Spannungsbogen bei, was auch durch die Offensichtlichkeit der Ereignisse auf keinen Fall beeinträchtigt wird. Der verwendete Score und das äusserst kräftige Farbenspiel tun ihr Übriges, um dieses Werk zu einem eindrucksvollen Filmvergnügen zu machen.

Einziger kleiner Wermutstropfen im gesamten Szenario ist ganz sicher die Figur der Cathy Gray, die in der deutschen Fassung mit einer furchtbaren Synchronstimme ausgestattet wurde. Ihre piepsige Stimme raubt einem innerhalb kürzester zeit den allerletzten Nerv, so das man keinesfalls verärgert darüber ist, das auch sie dem Professor als Opfer dienen muss. Ansonsten habe ich persönlich keinerlei Grund zur Beanstandung und kann jedem diesen tollen Klassiker nur ans Herz legen, der ganzzeitig herrlich atmosphärische Gruselunterhaltung vom Feinsten bietet. Und wer nach der Sichtung des Werkes immer noch nicht genug hat, kann als Bonus auch das auf der DVD enthaltene Original aus dem Jahre 1933 bewundern, das allerdings leider nur im englischen Original vorliegt, aber mit deutschen Untertiteln versehen ist.


Fazit:


2 tolle Filme auf einer DVD, die zudem auch noch in erstklassiger Qualität vorliegen, das das allein müsste für Liebhaber der alten Klassiker schon Grund genug sein, ein paar Euro zu investieren. Ausserdem handelt es sich um wirklich sehenswerte Werke, die in keiner gut sortierten Sammlung fehlen sollten.


8/10


Faz
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Re: Das Kabinett des Professor Bondi - Andre De Toth

Beitrag von buxtebrawler »

Erscheint voraussichtlich am 04.10.2013 bei Warner auf Blu-ray - inkl. 3D-Fassung!

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Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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Re: Das Kabinett des Professor Bondi - Andre De Toth

Beitrag von buxtebrawler »

Ich zitiere aus dem OFDb-Newsletter zur Blu-ray-Veröffentlichung:
Übrigens war dieser Vincent Price-Klassiker der erste Film eines Major-Studios, der in 3D gedreht wurde. Er steht sogar bis heute im Guinness Buch der Rekorde als "erster 3D-Film mit Stereoton".
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
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Re: Das Kabinett des Professor Bondi - Andre De Toth

Beitrag von jogiwan »

Wunderbar oldskooliger Gruselstreifen mit Vincent Price, der sich als Wachsfigurenkünstler zuerst mit seinem habgierigen Geschäftspartner überwirft und anschließend bei einem gelegten Brand seine Fähigkeiten und Sammlung einbüßt und sich einer ungewöhnlichen Geschäftsidee bedienen muss um wieder zu neuen Figuren zu kommen. „Das Kabinett des Professor Bondi“ ist angesichts seines Entstehungsjahres ja überraschend kurzweilig und knackig inszeniert und vor allem die Szenen im Wachsfigurenkabinett haben auch heute noch einen ganz eigenen und hübsch morbiden Charme und üben eine Faszination aus, der man sich als Gruselfan auch nicht entziehen mag. Schon die Eröffnungssequenz in der kurzerhand das Museum des Professor Bondi abgefackelt wird, ist ganz großartig ausgefallen und auch der Rest des als 3D-Streifen konzipierten Gruselstreifens hat mir ausnehmend gut gefallen, selbst wenn das Gezeigte stets etwas harmlos bleibt und man Blut und Gore natürlich nicht erwarten darf. Vincent Price liefert ja gewohnt und wieder einmal eine grandiose Performance ab und als taubstummer Diener Igor gibt es auch noch Charles Bronson in einer wichtigen Nebenrolle in dem hübsch ausgestatteten Werk. Alles in allem ein wunderbarer Klassiker des fantastischen Films, der mit kleinem Nostalgie-Bonus auch 63 Jahre nach Erscheinen noch immer wunderbar funktioniert und der auch gleich ein Menge erinnerungswürdiger Momente sein Eigen nennen kann.
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Re: Das Kabinett des Professor Bondi - Andre De Toth

Beitrag von jogiwan »

herrlich, unser Charles Bronson (hier noch unter seinem Geburtsnamen Charles Buchinsky gelistet) im Alter von 32 Jahren als taubstummer Igor! :thup:
 ! Nachricht von: buxtebrawler
Entfernt, da beim Bildhoster directupload.net leider nicht mehr verfügbar.
PS: auch interessant, dass der olle Charly bei seinen meisten Actionkrachern in den Achtzigern auch schon den Sechziger überschritten hatte...
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Re: Das Kabinett des Professor Bondi - Andre De Toth (1953)

Beitrag von buxtebrawler »

„Ein Künstler muss anscheinend ein bisschen verrückt sein!“

Die US-amerikanisch produzierte „House of Wax“-Neuverfilmung aus dem Jahre 1953 wurde vom ungarisch-stämmigen (und einäugigen!) Regisseur André De Toth („Gegenspionage“) als Farbfilm in damals ganz neuer 3D-Technologie inszeniert und gilt als erster 3D-Film mit Stereoton. Der deutsche Verleih benannte die Hauptfigur von Henry Jarrod in Henry Bondi um. Für Hauptdarsteller Vincent Price („Laura“) bedeutete dieser Horrorfilm den endgültigen Durchbruch im Genre.

„Sensation! Grauen! Nervenkitzel!“

New York im Jahre 1910: Wachskünstler Henry Bondis (Vincent Price) ganzer Stolz ist sein Wachsfigurenkabinett prominenter Persönlichkeiten. Sein Geschäftspartner Matthew Burke (Roy Roberts, „Tabu der Gerechten“) klagt über zu wenig Besuch und fordert eine sensationellere Ausrichtung des Kabinetts, die Bondi jedoch ablehnt. Kurzerhand fackelt Burke das ganze Museum ab, um die Versicherungssumme von 25.000 Dollar zu kassieren. Es wird davon ausgegangen, dass Bondi in den Flammen umkam. Doch just, als eine mysteriöser Todesserie unter Bondis ehemaligen Partnern grassiert, deren Leichen zudem aus dem Leichenschauhaus entwendet werden, erscheint Bondi wieder auf der Bildfläche. Der mittlerweile auf einen Rollstuhl angewiesene Exzentriker baut sein Kabinett wieder auf – mit verblüffend realistisch anmutenden Exponaten, die Grausamkeiten nachstellen…

Bondis klassisches Kabinett bekommt das Filmpublikum zu Beginn zu sehen, als er durch die Ausstellung führt. Bereits zu diesem Zeitpunkt wirkt der Künstler exzentrisch, spricht mit seinen Figuren, als seien sie lebendig. Der erste dramaturgische Höhepunkt des Films folgt sodann, als die Ausstellung in Brand gesetzt und Bondi niedergeschlagen wird. Die Figuren werden ein Raub der Flammen, während Bondi noch verzweifelt zu löschen versucht und nach einem weiteren Kampf in den Flammen zusammenbricht. Es ist sicherlich nicht gespoilert, wenn ich schreibe, dass Bondi mitnichten tot, vielmehr derjenige ist, der seine Peiniger tötet und es wie Suizide aussehen lässt. Dass er auch vor Cathy (Carolyn Jones, „Eintritt verboten“), der Ex-Freundin Burkes, nicht zurückschreckt und deren Freundin Sue (Phyllis Kirk, „Unser eigenes Ich“) verfolgt, weil er in ihr Marie Antoinette, das ehemalige Prunkstück seiner Ausstellung, zu erkennen glaubt, macht Bondi vom bemitleidenswerten Sympathieträger zum Antagonisten dieses Stoffs. Scotland Yard nimmt die Ermittlungen auf und besorgt somit den Krimianteil.

Bondi sieht (zumindest bis zum Finale…) überraschend normal aus und hat mit seinem taubstummen Diener Igor (Charles Bronson, „Pat und Mike“) eine neue Werkstatt eröffnet. Auf Bondis Einladung des Investors Sidney Wallace (Paul Cavanagh, „Tag und Nacht denk’ ich an Dich“) folgen ein größerer Zeitsprung, eine Intermission und die Eröffnung der neuen Ausstellung. Diese ist für manche Besucherin zu viel, doch der seine Exponate blumig kommentierende Bondi hat Riechsalz parat. Da Sue sich als Scream Queen und Final Girl geriert, geraten Bondis weitere Pläne schließlich ins Stocken, was den Anfang vom Ende bedeutet und in einem wunderschön gruselig und suspensiv gestalteten Finale kumuliert. Überhaupt sieht der Film nicht nur aufgrund seiner Farben toll aus, die Aufnahmen unheilschwangerer nebelverhangener Straßen und Gassen sowie expressionistische Schattenwürfe tragen ihren Teil dazu bei und sorgen für die richtige Atmosphäre. Vincent Price geht voll in seiner Rolle auf und legt viel „Phantom der Oper“ in sein Schauspiel, was ihm zu gleichen Teilen Erhabenheit, Tragik und Grauen verleiht.

Der komödiantische Anteil des Originals wurde stark zurückgefahren und findet sich lediglich in von Nebenfiguren eingebrachten Einsprengseln wieder. Die Polizisten reden indes etwas schnell miteinander, den Dialogen ist somit nicht immer leicht zu folgen. „Das Kabinett des Professor Bondi” ist gegenüber dem Original ein großer Schritt nach vorn und die wesentlich bessere, stimmigere Verfilmung, wenngleich der Film natürlich etwas an Spannung verliert, wenn man seine Geschichte kennt. In Bezug auf Schockeffekte und Terror wäre zudem mehr drin gewesen, doch das ist von einem Film aus dem Jahre 1953 sicherlich nur schwer zu erwarten.

Ein verdienter, prachtvoller Genre-Klassiker!
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.
Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)
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