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USA 1948
OT: Sorry, wrong number
R: Anatole Litvak
D: Barbara Stanwyck, Burt Lancaster
Abends halb zehn in Deutschland New York: Leona Stevenson ist schwerreich, aber auch schwerkrank und ans Bett gefesselt. Ehemann Henry wollte um sechs zuhause sein, ist aber noch nicht da, das Hausmädchen hat gerade, weil Henry pünktlich da sein sollte, frei. Sie ist allein im Haus und versucht erneut, Henry telefonisch zu erreichen. Durch eine Fehlschaltung hört sie stattdessen das Gespräch zweier Männer, die noch einmal die Details eines zu begehenden Auftragsmordes durchgehen, der um 11.15 Uhr durchgeführt werden soll.
Nachdem die Polizei wenig Interesse zeigt, versucht Leona telefonisch weiterhin den Verbleib ihres Gatten ausfindig zu machen. Von dessen Sekretärin erfährt sie, dass am Nachmittag eine Frau im Büro aufkreuzte, Henry sich umgehend mit ihr verabredete und danach nicht mehr ins Büro zurückkehrte. Weitere ein- und ausgehende Telefonate Leonas folgen, wobei die Gesprächsinhalte als ausgiebige Rückblenden erzählt werden. So erfahren wir, dass die aus einer vermögenden Familie stammende Leona den armen Schlucker Henry einst ihrer Freundin Susan wegschnappte und gegen den Willen ihres Vaters heiratete. Nun ist Henry offiziell Vizepräsident im Konzern seines Schwiegervaters, hat aber praktisch weder etwas zu sagen noch etwas zu tun. Versuche, einen anderen Arbeitgeber zu finden, wurden von Leonas Vater sabotiert, und Leonas Herzerkrankung macht sie praktisch zum Pflegefall. Henry kommt sich zu recht vor wie in einem goldenen Käfig.
Bei der Dame, die am Nachmittag in Henrys Büro kam, handelt es sich Susan, die seit Jahren keinen Kontakt mehr zu den Stevensons hatte und nun mit einem Staatsanwalt verheiratet ist. Und in dessen aktuellen Ermittlungen geht es um Vorgänge beim Cotterell-Konzern von Leonas Vater und immer öfter fällt dabei der Name Stevenson. Und genau deshalb wollte Susan mit Henry sprechen. Was geht in der Firma vor? Was hat Henry mit einem heruntergekommenen Haus am Strand von Staten Island zu tun? Und wer ist dieser Mr. Evans, der Stevenson unbedingt kurzfristig sprechen will?
Je mehr Informationen Leona erhält, desto mehr deformieren sie ihre Selbstwahrnehmung. Und dann wird ihr klar: Die beiden Männer am Telefon sprachen über den Mord an ihr!
Da die Handlung des Films sich in Leonas Schlafzimmer konzentriert, handelt es sich mehr oder weniger um eine One-woman-Show von Barbara Stanwyck. Und die meistert sie mit Bravour. Im Luxus aufgewachsen, ist sie daran gewöhnt, zu bekommen, was sie haben will, wie z.B. auch Henry. Leider ist dessen Dressur nicht vollständig geglückt, er zeigt immer noch Spuren selbstständigen Denkens und versucht gar, sich der Umklammerung zu entziehen. Das freilich geht so nicht, was für ein Glück, dass Leona so schwer krank ist. Den Zuschauer von heute wird es nicht großartig überraschen, als sich herausstellt, dass das Herz sehr wohl organisch gesund ist. Psychisch steht es um Leona in der Tat nicht gut, bei dieser Mischung aus schwerer Neurose mit Realitätsverweigerung und reiche-Leute-Gehabe wünscht man sich dann, dass der Killer doch jetzt mal zur Tat schreiten möge...
Das Ende dieses gut gemachten Psychothrillers hält dann noch eine Überraschung parat.
Zum Glück gibt es hier ARTE, denn auf Scheibe gibt es nur hochgradig zweifelhafte Discs, die bitte nicht aus dem Laser-Paradies abgeholt werden möchten.