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Titel: FEUER UND EIS Originaltitel: FIRE & ICE Regie: Ralph Bakshi Produktionsland: USA (1983) Darsteller: Randy Norton, Cynthia Leake, Steve Sandor, Sean Hannon, Leo Gordon, William Ostrander, Eileen O'Neill, Elizabeth Lloyd Shaw, Micky Morton, Tamarah Park, Big Yank, Greg Wayne Elam...
Story:
Der böse Zauberer Nekron greift die Welt der Menschen mit einem Gletscher an. Das letzte Bollwerk der Menschlichkeit ist der vulkanische Feuerberg des gutmütigen Königs Jarol. Da Gletscher bekanntlich recht langsam unterwegs sind, strebt Nekron eine Beschleunigung der Eroberungszüge durch die Entführung der minimalbekleideten Königstochter an. Dieser gelingt gelegentlich die Flucht, wobei sie im jungen Krieger Larn und dem Barbaren Darkwolf Begleiter und Beschützer in der gefährlichen Welt zwischen Feuer und Eis findet...
Im Prinzip funktioniere ich wie ein Gremlin:
- nicht nach Mitternacht füttern
- kein Wasser
- kein Sonnenlicht
Ralph Bakshi kann Animation. Und besonders gern widmet er sich der Animation für Erwachsene (nicht ungewöhnlich oder verwerflich, wenn der Start ins Mettier mit FRITZ THE CAT erfolgte). 1983 erblickte sein FIRE & ICE (ja, lange vor GAME OF THRONES) das Licht der Lichtspielhäuser. Zu diesem Zeitpunkt lagen FRITZ, der Animationsfilm DER HERR DER RINGE und weitere bereits im Portfolio von Bakshi, Mischungen aus Trick- und Realfilm (COOL WORLD mit Brad Pitt) sollten erst noch kommen. In FIRE & ICE greift Bakshi auf das bereits mehrfach angewandte Rotoskopieverfahren zurück. Sprich: Mit Schauspielern werden Szenen gedreht und jedes Frame wird dann nachbearbeitet, also: nachgezeichnet. Das geschieht auf Folien, sodass die Kolorierung auf der Rückseite angebracht werden kann und die feinen Konturzeichnungen nicht überdeckt. Ein Genuss für die Augen! Die Hintergründe werden abschließend separat gemalt, die Folien mit den Figuren landen auf den Hintergründen und werden dann, Bild für Bild, auf Film gebannt. So die Technik.
Der Look von FIRE & ICE ist aus genannten Gründen sensationell! Das Verfahren kam bereits bei HERR DER RINGE zum Einsatz. Nun jedoch wird es von Bakshi mit nackten Tatsachen gewürzt (obwohl es Sex nicht gibt - auch nicht in Andeutungen; im Angesicht permanent wippender Oberweiten und stets zur Schau gestellter Hintern von Männlein und Weiblein kann man das am Ende auch ernüchternd finden). Der Film wirkt, als wären Artbooks aus den 1980ern verfilmt worden, die eben durch die markante Mischung von Gewalt und Sex und dicken Muskeln in Fantasielandschaften bestechen. Man denke hier allein an die Flut von Covern diverser Metal-Kombos, die sich mit schwertschwingenden Amazonen auf Drachen durch feurige Berglandschaften schlagen (vielleicht siegt hier aber auch nur meine verklärte Erinnerung an diese Zeit, in der ich mit staunend-glänzenden Augen durch Kataloge blätterte und entschied, dass ich das geil finden und auch mal können möchte). Künstler wie Boris Vallejo fallen einem da auf Anhieb ein. Frank Frazetta ebenso. Und letzterer war es dann auch, der für die Figuren in FIRE & ICE die Vorlagen lieferte. Doch die Technik konnte seinen künstlerischen Visionen leider nicht viel Tiefe verleihen. Es fehlt die Masse, es fehlen die Details, es fehlen die Rüstungen, Schädel- und Knochenbeschläge etc. Ein Ölgemälde oder eine fein gearbeitete Airbrush-Arbeit in wuchtigen 90 Minuten in Bewegung zu versetzen ist eben nicht ohne. Und der Limitierung durch Technik und Aufwand (lies: Geld und Zeit) fielen die Detailtiefen zum Opfer. Schade – so verkommt der epische Ansturm der Armee des Bösen eben zum Spießrutenlauf mit 9 handverlesenen Kreaturen. Mehr ist eben nicht drin. Und detailliert erarbeitet (über die reine Physiognomie hinaus) sind sie erst recht nicht. Aber sei es drum – den Rest ergänzt eben die Fantasie.
ABER: Nackte Frauen, muskelbepackte Helden, hirnlose Feindeshorden (die zwischen Ork und Neandertaler in Habitus und Visualität mäandern), Fabelwesen und eine sorgfältige Abarbeit von gefährlichen Stationen einer Heldenreise (immer hübsch eins nach dem anderen – kaum ist der Kraken tot, kommt die Hexe, kommt der Troll, kommen Spähtrupps, wird man getrennt… usw.) – Schauwerte und skurrile Situationen folgen hier Schlag auf Schlag auf Schlag. Kannst du dir nicht ausdenken! Und kannst du heute so wohl nicht mehr bringen. Hier liegt die kuriose Qualität des Films begründet: Das ist ein Zeitdokument. Ein Spiegel dessen, was zu Beginn der 1980er Jahre eben ein Fantasie-Spektakel ausmachte. Wohlige Erinnerungen an CONAN und dessen italienische Eiferer, an Bilder und Cover, an Geschichten und Comics reichen sich hier permanent die Hand. Man ist zuhause in dieser Welt, wenn man diese Zeit mit Kinderaugen sah. Langweilig wird das nie. Aber – und da greift nun der nüchterne Blick eines Erwachsenen im digitalen Zeitalter – albern ist das alles schon. Zum Glück nimmt sich hier nichts und niemand ernst. Das ist Entertainment! Mehr nicht. Und so treibt ein epischer Score die Story durch lose angereihte Fantasiebausteine, bis nach knapp 90 Minuten der Held in Glanz und Ruhm die Prinzessin sein Eigen und das Böse vernichtet nennen darf. Geht klar!
Im Prinzip funktioniere ich wie ein Gremlin:
- nicht nach Mitternacht füttern
- kein Wasser
- kein Sonnenlicht