Gefahr in Frisco - Jules Dassin (1949)

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Maulwurf
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Gefahr in Frisco - Jules Dassin (1949)

Beitrag von Maulwurf »

 
Gefahr in Frisco
Thieves' highway
USA 1949
Regie: Jules Dassin
Richard Conte, Valentina Cortese, Lee J. Cobb, Barbara Lawrence, Millard Mitchell, Joseph Pevney, Morris Carnovsky, Tamara Shayne, David Clarke, Howland Chamberlain, Kasia Orzazewski, Norbert Schiller, Hope Emerson, Jack Oakie, Walter Baldwin, Robert Bice, Roy Damron


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OFDB

Ein Film, wie ihn 15 Jahre früher auch William Wellman gemacht hätte, um mal ein wenig Werbung für einen viel zu unbekannten und starken Regisseur zu machen. In GEFAHR IN FRISCO geht es um die Probleme der kleinen Leute, um deren Sorgen, und um das Überleben im Kampf gegen die großen Macker. Nick kommt nach langer Seereise nach Hause, den Koffer voll mit Geschenken für die Lieben daheim. Die Mama bekommt Ohrringe, die Verlobte einen Ehering, und der Papa Pantoffeln. Dumm nur, dass der Papa mittlerweile seine Unterschenkel verloren hat. Ein Unfall mit dem LKW, nachdem er von einer kleinen Feier wegen eines gelungenen Geschäfts bei Mike Figlia in San Francisco weggefahren ist. Aber wenn er es sich so recht überlegt, hat Figlia ihm sein Geld bis heute nicht gezahlt. Und der LKW ist auch futsch. Es ist klar, dass Figlia den Papa über Ohr gehauen hat, und es ist auch klar, dass der Unfall mit Sicherheit kein Unfall war. Genauso klar, wie die Schlussfolgerung, dass Nick in den Krieg zieht. Zusammen mit dem Nachbarn Ed zieht er los, die beiden holen zwei alte LKWs voller Äpfel, und ab geht es nach San Francisco, Mike Figlia die Äpfel verkaufen, Papas Geld holen, und herausfinden, was damals wirklich passiert ist. Nick mag jung und stark sein, aber Figlia ist älter und erfahrener. Und um einige Ecken mieser als man sich das vorstellen kann …

Wir sehen also die kleinen Leute, hier sind es griechische Einwanderer, die sich ein kleines Geschäft aufgebaut haben, sich im Schweiße ihres Angesichts abrackern, nur um am Ende von einem skrupellosen Schwein abgezockt zu werden, und das Ende ihres persönlichen amerikanischen Traums erleben müssen. Gerade, dass das eigene bisschen Leben noch behalten werden kann. Und wir sehen, wie ein aufrechter junger Mann den Kampf gegen das Verbrechen aufnimmt. Zur Freude des Zuschauers reden wir von Richard Conte als Nick, der vielleicht nicht der allerhellste ist (der Nick, nicht der Richard), dafür aber mit Freude und vollem Körpereinsatz bereit ist sich in die Waagschale der Gerechtigkeit zu werfen. Auf seiner Seite kämpfen mit der alte Trucker Ed, der einen noch älteren Truck versucht von Fresno nach Frisco zu fahren, und dabei vor allem mit den Tücken der Technik zu kämpfen hat, sowie eine italienische Hure, die zwar eigentlich für Figlia arbeitet, sich aber in den gutaussehenden Nick mit dem goldenen Herzen verknallt. Auf der Gegenseite hat es eben den schurkischen Figlia mit dem Gesicht von Lee J. Cobb und dem Geschäftsgebaren eines Donald Trump, ein paar seiner übelsten Schläger und Mörder, und zu guter Letzt zwei Typen, die von Ed geschäftlich ausgebootet wurden und ihm dies ziemlich übel nehmen. Ständig fahren sie mit ihrem modernen und halbleeren Truck hinter Ed mit seiner völlig überladenen Klapperkiste her, provozieren ihn wo es nur geht, und wollen auch ein Stück vom Kuchen haben. Keine wirklich üblen Typen, sondern genauso arme Schweine wie Nick und Ed, nur vielleicht ein klein wenig rabiater in ihren Methoden.

GEFAHR IN FRISCO spielt in der Hektik eines modernen Großmarktes, in einem nebelverhangenen Hafen, und auf den Straßen Kaliforniens, wo die LKWs Stoßstange an Stoßstange fahren, die Trucker 36 Stunden ununterbrochen am Steuer sitzen, und wenn sie am Ende an ihrem Ziel ankommen, auch noch von skrupellosen Geschäftemachern ausgenommen werden. Kein Noir im handelsüblichen Sinne, mit Männern, die aus Versehen auf die falsche Seite des Gesetzes geraten und mit starken und fordernden Frauen. Aber dafür ein starker und spannender Krimi, der die Welt so zeigt wie sie nun mal von den meisten Menschen wahrgenommen wird: Von unten. Als möglicher Vergleich fällt mir ein Film ein wie Gilles Grangiers STRASSENSPERRE, der wahrscheinlich von GEFAHR IN FRISCO inspiriert sein dürfte. Aber die amerikanische Version ist ein gutes Stück schmutziger, düsterer, spannender, und wirkt insgesamt einfach geerdeter als das französische Pendant. Gute Krimikost aus harten Zeiten, die das (Über-) Leben der kleinen Leute zeigt und dabei auch ein gutes Stück Sozialkritik in sich trägt.

7/10
Der Sieg des Kapitalismus ist die endgültige Niederlage des Lebens.
(Bert Rebhandl)
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