Heroes for sale - William Wellman (1933)

Moderator: jogiwan

Antworten
Benutzeravatar
Maulwurf
Beiträge: 3463
Registriert: Mo 12. Okt 2020, 18:11
Wohnort: Im finsteren Tal

Heroes for sale - William Wellman (1933)

Beitrag von Maulwurf »

 
Heroes for sale
Heroes for sale
USA 1933
Regie: William Wellman
Richard Barthelmess, Aline MacMahon, Loretta Young, Gordon Westcott, Robert Barrat, Berton Churchill, Grant Mitchell, Charley Grapewin, Robert McWade, G. Pat Collins, James Murray, Edwin Maxwell, Margaret Seddon, Arthur Vinton, Robert Elliott, Willard Robertson, Ward Bond


Heroes for sale.jpg
Heroes for sale.jpg (76.53 KiB) 42 mal betrachtet
OFDB

Im Ersten Weltkrieg bekommt Tom Holmes den Auftrag, einen deutschen Offizier gefangen zu nehmen. Ein Selbstmordkommando zwischen den Linien, und die Männer seines Trupps fallen wie die Fliegen. Nur Roger Winston nicht. Der nämlich klammert sich an den Rand eines Bombentrichters und weint und jammert. Solange, bis Tom den Offizier tatsächlich zurückgebracht hat zum Trichter, wo er eine Kugel in den Rücken bekommt, und Winston den Gefangenen heil und in einem Stück zurückbringt. Winston ist der Held, und wird mit Orden und Auszeichnungen überhäuft. Und Tom Holmes? Dieser wird von den Deutschen gesund gepflegt, hat aber nach wie vor Metallteile im Rücken, die ihm unerträgliche Schmerzen verursachen. Der deutsche Arzt gibt ihm bei der Entlassung zum Kriegsende Morphium mit …
Einige Jahre später ist Tom Angestellter in der Bank von Winstons Vater. Winston ist immer noch ein Held, er hat die Wahrheit über die Auszeichnung nie erzählt. Und Tom Holmes? Der ist mittlerweile drogenabhängig und in den Fängen eines Dealers, der von Woche zu Woche mehr Geld fordert. Schließlich arbeitet Tom doch in einer Bank … Klar, die Sache kommt raus, und Tom wird auf Entzug geschickt. Was seine arme alte Mutter nicht verkraftet, die an diesem Schock stirbt.
Wiederum Jahre später ist Tom in Chicago auf Arbeitssuche. Er findet ein Zimmer, eine schöne Frau und einen Job. Das Leben lächelt Tom an, und im Laufe der 20er-Jahre macht er sein Glück, zusammen mit seinem Freund Max Brinker, einem deutschen Kommunisten und Erfinder, der an einer Maschine arbeitet, die Waschmaschine und Mangler zugleich ist. Um diese Erfindung zu sponsern erfragt der beliebte Tom von seinen Kollegen Geld als Investition. Er bekommt es auch, und sein Chef schießt nochmal einen großen Teil dazu. Die Sonne scheint auf Tom, und der Zuschauer weiß natürlich, dass das nicht lange gut gehen kann. Richtig, das Schicksal schlägt erbarmungslos zu, und Tom Holmes? Beginnt einen rasanten Abstieg auf der sozialen Leiter, den kaum ein Mensch heil überleben dürfte …

HEROES FOR SALE wurde zu einem der dunkelsten Zeitpunkte der Depression veröffentlicht. Seine Ansichten über die amerikanische Gesellschaft waren besonders düster. Die Polizei verprügelt Demonstranten und schikaniert Menschen die sie für gefährliche Radikale hält, und ihre Einsatzkräfte sind kaum besser als Bürgerwehren. Die Gerichte verhängen Unrecht. Die Banker sind Gauner, die ehrlichen Geschäftsleute werden von denen, die nur auf ihren Profit auf Kosten der Arbeitnehmer bedacht sind, gnadenlos ausgebootet. Selbst der komische Radikale [Max] zu Beginn des Films ist, nachdem er zu Geld gekommen ist, zu einem Sozialdarwinisten geworden, der sich nicht um die Bedürftigen kümmert und nur auf sich selbst aus ist.

So schreibt die englische Wikipedia über das dunkle Depressionsdrama, und die Sichtung dieser Verhältnisse wirkt nochmal ein paar Nummern grausamer und gemeiner als im Text dargestellt. Als Beispiel soll die Szene hergenommen werden, in der Tom Holmes eine Rede vor seinen früheren Kollegen hält, die durch ihn nun alle arbeitslos geworden sind. Diese Szene erinnert schwer an eine ähnliche in Frank Capras IST DAS LEBEN NICHT SCHÖN?, in der Jimmy Stewart ebenfalls vor einer Horde aufgebrachter Gläubiger steht, und alle irgendwie besänftigen muss. In HEROES FOR SALE endet diese Szene nicht märchenhaft und mit Happy End wie bei Capra, sondern wird mit einem bitteren und schmerzhaft-grausamen Ende versehen. Die Auflösung dieser Szene hätte nach der endgültigen Durchsetzung des Hays Codes nie und nimmer veröffentlicht werden können, und hinterlässt im Magen des Zuschauers einen echten Kloß. Fast so, wie es die Realität auch macht.

Und so ist HEROES FOR SALE eine böse und düstere Bestandsaufnahme der amerikanischen Gesellschaft zur Zeit der Depression, vor allem aber natürlich davor. Auf der einen Seite die Reichen und Erfolgreichen, die in Gestalt von Roger Winston nur durch Betrug soweit kommen, und niemals bereit sind diesen Betrug einzugestehen. Und auf der anderen Seite die einfachen Leute, die sich abrackern, die sich Mühe geben, und deren Lohn ein immer noch tieferer Fall ist. Dass der Film dann ein relativ versöhnliches Ende bereithält, wenn auch meilenweit entfernt von dem, was man in Hollywood allgemein als Happy End versteht, mildert die tiefe Verzweiflung, die den Zuschauer dann und wann ergreifen möchte. Wobei Richard Barthelmess‘ Tom Holmes keineswegs traurig oder gar selbstaufgebend angelegt ist. Im Gegenteil ist Holmes ein starker und zupackender Charakter, der niemals den Mut verliert, immer weitermacht, und selbst am Ende des Films noch der ewige Optimist bleibt: Es könnte schlimmer sein, denn schließlich es hat ja aufgehört zu regnen.

Diese Figur lässt das Drama erträglich werden, denn eigentlich ist die Reihe von Schicksalsschlägen kaum auszuhalten. Beim Schreiben dieser Zeilen sehe ich gerade, dass ich zu Rowland Browns HELL’S HIGHWAY von 1932 Bernward Knappiks Worte „ein düsterer, kalter und für damalige Verhältnisse brutaler Film“ zitiert habe, und diese Worte treffen auch für HEROES FOR SALE wie die Faust aufs Auge zu. Ein mitreißender und schneller Film, der in seinen knapp 70 Minuten keine Zeit vergeudet und überflüssige Nebenplots nicht einmal anreißt. Stattdessen wird sich um das Wesentliche gekümmert: Wie ein einfacher Mann versucht, aus seinem Leben etwas zu machen, und von Schicksal und Drehbuch dafür erbarmungslos abgestraft wird. Beeindruckend!

7/10
Was ist die Hölle? Ein Augenblick, in dem man hätte aufpassen sollen, aber es nicht getan hat. Das ist die Hölle ...
Jack Grimaldi
Antworten