King of New York - Abel Ferrara (1989)

Moderator: jogiwan

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horror1966
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King of New York - Abel Ferrara (1989)

Beitrag von horror1966 »

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King of New York
(King of New York)
mit Christopher Walken, Laurence Fishburne, David Caruso, Wesley Snipes, Victor Argo, Janet Julian, Joey Chin, Giancarlo Esposito, Paul Calderon, Steve Buscemi, Theresa Randle, Leonard L. Thomas
Regie: Abel Ferrara
Drehbuch: Nicholas St. John
Kamera: Bojan Bazelli
Musik: Joe Delia
FSK 18
Großbritannien / Italien / USA / 1989

Nach einer langen Haftstrafe kehrt Frank White zu seiner treu ergebenen Gang zurück, deren Mitglieder der schießwütige Jimmy Jump, Test Tube und White's attraktive Anwältin Jennifer sind. Sie nisten sich im Trump Plaza ein und beginnen die Mitglieder anderer Gangs auszulöschen, um ihr Revier wieder unter Gewalt zu bekommen und um den gewohnten Drogen- und Sex-Geschäften nachgehen zu können. Doch plötzlich entwickelt White mehr und mehr ehrenhafte Ambitionen wie z.B einen Großteil des Drogengeldes für wohltätige Zwecke zu spenden. Eine Gruppe von harten Cops, die Frank White den plötzlichen Geisteswandel nicht abkauft, beschliesst abseits der Legalität gegen ihn vorzugehen.


"Abel Ferrara ist ein Cineast der Mitternacht, der im Dunkeln noch das Schwärzere entdeckt, im Sumpf der Sünde noch das Unmoralischere, in der Hölle noch das Teuflischere,,,! (Norbert Grob, 2000)


Diese Worte dienen als Einleitung für das Booklet, das sich im Mediabook von Ascot Elite befindet und ehrlich gesagt treffen sie genau ins Schwarze. "King of New York" ist sicherlich eine der besten Arbeiten des Regisseurs, der schon mit Filmen wie "The Driller Killer", "Bad Lieutenant" oder "Die Frau mit der 45er Magnum" für Furore sorgte. Mit einem glänzenden Christopher Walken in der Hauptrolle wurde die Figur des Gangsters Frank White absolut perfekt besetzt und endlich einmal kann dieser fantastische Schauspieler in einer tragenden Hauptrolle eine Kostprobe seines grandiosen Könnens abliefern. Die Facettenreiche Performance von Walken ist jedoch nur einer der zahlreichen Höhepunkte in diesem brillanten Film, der äußerst starke Anlehnungen an den Film noir der 50er und 60er Jahre aufzeigt. Ferrara ist es nämlich gelungen, ein nahezu perfektes Gesamt-Szenario ins Bild zu setzen, das im ersten Moment eventuell den Eindruck eines handelsüblichen Gangster-Filmes hinterlässt. Bei genauerer Betrachtung offenbart sich jedoch eine qualitativ hochwertige Geschichte, deren Klasse im Prinzip in jeder einzelnen Sequenz zum Ausdruck kommt. Gleichzeit ist die Story mit etlichen Kontrasten versehen, die selbst beim Zuschauer einen inneren Zwiespalt auslösen. Dieser entsteht hauptsächlich durch die Hauptfigur Frank White (Walken), der einerseits als scheinbar eiskalter-und emotionsloser Gangsterboss in Erscheinung tritt, aber trotz dieses Aspektes eine Menge an Sympathie-Werten beim Zuschauer sammeln kann. Vom Äußeren her gesehen erscheint Walken fast schon wie ein Aristokrat und dieser Eindruck verstärkt sich umso mehr in den Passagen des Filmes, in denen er sich in der New Yorker High Society bewegt. Im Gegensatz dazu dienen die Szenen, in denen er mit seiner farbigen Gang in den heruntergekommenen Räumen in Harlem anzutreffen ist, wo die Männer sich mit Prostituierten vergnügen und dem Drogen-Konsum frönen.

Allein schon der visuelle Unterschied zwischen prunkvollen Sälen und den düsteren Räumen in Harlem ist absolut grandios und vermittelt einem dabei das Gefühl, sich in zwei vollkommen anderen Welten zu bewegen. Nur selten schafft es ein Film dabei, diese Kontraste so plastisch und authentisch ins Bild zu setzen, wie es bei "King of New York" der Fall ist. An dieser Stelle kommt man dann auch zu einem weiteren Fakt, den ich persönlich absolut beachtenswert finde. Das Werk zählt ja eher zu den niedriger budgetierten Filmen, doch genau dieser Aspekt kommt während der gesamten Laufzeit nicht einmal zum tragen. Eher das Gegenteil ist der Fall, denn die Geschichte erscheint in einigen Passagen sogar recht opulent ausgestattet, wobei sich das Szenario auch in seiner Gesamtheit keinesfalls hinter weitaus höher budgetierten Vertretern verstecken muss. Der dramaturgische Verlauf der Story ist absolut perfekt gestaltet worden, so kann man den Aufstieg von White zum "King of New York" fantastisch nachvollziehen. Der Weg zum Verbrecher-Thron in der Metropole wurde dabei phasenweise extrem hart-und brachial nachgezeichnet, zudem müssen etliche Menschen ihr Leben lassen, damit Frank sein Ziel erreichen kann. Wer nun aber denkt, das es sich hier lediglich um die reine Machtgier handelt, wird im Verlauf des Geschehens eines Besseren belehrt. An diesem Punkt kommt man dann automatisch wieder zu den zwiespältigen Gefühlen des Zuschauers zurück, die durch die Hauptfigur ausgelöst werden.

An diesem Punkt möchte ich lediglich auf den Dialog zwischen White und dem ermittelnden Polizisten Bishop (Victor Argo) hinweisen, der wenige Minuten vor dem Ende zu vernehmen ist. in diesem versucht nämlich White seine Beweggründe zu erklären, warum er die anderen Verbrecher-Bosse getötet hat. Und auch wenn das seine Taten selbstverständlich nicht rechtfertigt, so kann man doch spätestens an diesem Punkt der Geschichte gewisse Sympathien für den Gangster nicht verhehlen. Hinzu kommt auch noch der Fakt, das er etliche Millionen aus seinen Geschäften für wohltätige Zwecke spendet und beispielsweise ein Krankenhaus in Harlem am Leben erhalten will. So ist man phasenweise durchaus hin-und her gerissen zwischen durchaus ehrbaren Absichten eines Mannes, der für deren Umsetzung jedoch sämtliche Gesetze außer acht lässt und sich sogar als Richter-und Henker gleichzeitig in eine Position bringt, die beim Betrachter etliche moralische Grenzerfahrungen auf den Plan ruft. Man merkt also, das "King of New York" keinesfalls nur ein handelsüblicher Gangster-Film ist, das Szenario beinhaltet nämlich durchaus eine Menge an inhaltlichem Tiefgang, der oft genug in den Vordergrund tritt und den von Haus aus schon erstklassigen Gesamteindruck noch einmal zusätzlich aufwertet. Wenn es überhaupt etwas zu bemängeln gibt, dann ist es eventuelle die etwas oberflächliche Beleuchtung der Neben-Charaktere. Denn obwohl hier eine sehr hochkarätige Darsteller-Riege am Start ist, wird einzig der Charakter der Hauptfigur eindringlich beleuchtet. Natürlich liegt das auch an der Omnipräsenz eines Christopher Walken, der einen mit seiner grandiosen Performance fast schon in einen magischen Bann zieht, doch gleichzeitig müssen dabei Darsteller wie Laurence Fishburne, Wesley Snipes oder auch David Caruso fast schon ein Schatten-Dasein führen und kommen nicht ganz so zur Geltung, wie sie es eigentlich verdient hätten. Insbesondere Snipes bleibt doch ziemlich blass, während Fishburne und Caruso mit ihren eher bescheidenen Spielanteilen durchaus zu glänzen wissen.

Vor allem der hier noch junge David Caruso hat mir richtig gut gefallen, sein Part als ermittelnder Polizist der das Recht in die eigenen Hände nimmt ist zwar etwas zu spärlich ausgefallen, aber dennoch als eines der Highlights dieses Filmes anzusehen. Auch hier wird man wieder mit einem innerlichen Zwiespalt konfrontiert, stellt sich doch ganz automatisch die Frage, ob ein Polizist sich über das Gesetz stellen darf. Gleichzeitig wird dadurch jedoch auch die Ohnmacht der ermittelnden Beamten in den Fokus gerückt, die einem Frank White mit legalen Mitteln ganz offensichtlich nichts anhaben können. Ferrara hat all diese Aspekte ausführlich herausgearbeitet und seinem Film dadurch einen unverwechselbaren Stempel aufgedrückt, der ganz zwangsläufig dafür Sorge trägt, das diese Geschichte auch einen äußerst nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer hinterlässt. Das "King of New York" natürlich kein Werk ist das mit einem schmalzigen Happy End versehen ist dürfte hier außer Frage stehen und so kann man sich ganz bestimmt denken, das die Story für beide Seiten nicht sonderlich gut ausgeht. Und so erhält das Ganze dann auch ein absolut passendes-und logisches Finale, das zugleich den nötigen Schuss Tragik einziehen lässt, den ein solches Meisterwerk benötigt, um auch in glaubwürdiger Erinnerung zu bleiben.


Fazit:


"King of New York" zählt meiner persönlichen Meinung nach zu den absolut zeitlosen Klassikern, die auch in der heutigen Zeit immer wieder sehenswert sind und dabei in keinster Weise auch nur annähernd angestaubt erscheinen. Im besten Stil des Film noir wird hier eine spannende Story voller Tempo-und Kontraste erzählt, die mit einer grandiosen Darsteller-Riege besetzt ist. Der film ist dabei ein gelungener Spagat zwischen gnadenloser Härte und menschlichen Emotionen und offenbart eine herrlich düstere Grundstimmung, an der man sich regelrecht ergötzen kann. Das Mediabook von Ascot Elite stellt eine in allen Belangen lohnenswerte Veröffentlichung dar und jeder der den Film in seiner ungeschnittenen Version noch nicht in seinem Besitz hat, kann hier bedenkenlos zugreifen. Allein schon das informative Booklet dürfte Fans begeistern, erfährt man hier doch eine Menge Informationen über den Film und die generellen Arbeiten seines Regisseurs, der schon immer durch außergewöhnliche Filme auf sich aufmerksam gemacht hat.


9/10
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untot
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Re: King of New York - Abel Ferrara

Beitrag von untot »

Klingt gut, ich steh auf Christopher Walken, auf die Liste mit dem Film...
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Onkel Joe
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Re: King of New York - Abel Ferrara

Beitrag von Onkel Joe »

Walken ist sehr gut drauf das stimmt und auch die anderen geben sich viel mühe wie echte Gängster auszusehen aber in diversen einstellungen ist es einfach zuviel des guten, geradezu lächerlich das ganze.Diese Settings, Neolicht, nackte Mädels auf jeder Party und tonnenweise Dope :palm: .Es gibt schlimmeres aber es gibt auch besseres in diesem Bereich.Für Walken der Auftritt der ihn dann in die A Liga beförderte.Kann man sich mal anschauen, muss man aber nicht.
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karlAbundzu
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Re: King of New York - Abel Ferrara

Beitrag von karlAbundzu »

hm, onkel, wie stehst du denn sonst so zu Ferrara?
Ich finde, das dieser hier zu seinen fünf besten gehört, und viel zeigt, was genau seine Filme ausmacht. Klar, Realismus ist sein Ding nicht. Aber auch abseits von Walken, Fishburne, Caruso, Snipes, Torturro, Buscemi (Was n Cas) ein toller intensiver Film.
Untot: Als Walken Fan solltest du dir auch die anderen Walken/Ferrara FIlme ansehen: Funeral, Addiction (!!), New Rose Hotel.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Onkel Joe
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Re: King of New York - Abel Ferrara

Beitrag von Onkel Joe »

karlAbundzu hat geschrieben:hm, onkel, wie stehst du denn sonst so zu Ferrara?
Ich mag solche sachen von Ihm wie Driller Killer, Fear City(sehr unterschätzt), Die Frau mit der 45er Magnum und Bad Lieutenant.Gerade Bad Lieutenant ist der überhammer.Aber auch The Addiction und Das Begräbnis sind OK.
King of New York ist zu Clean, zu gestellt, alles nach dem Mythos "Gangster" erzählt.Seine Filme davor sind alle so dreckig, so düster vom Grundthema.Das ist für mich das Kino von Ferrara, der hält mit der Kamera drauf auch wenn es dem Betrachter weh tut.Das war bei King of New York nicht der Fall, ist gut anzuschauen aber wenn Ferrara dann bitte nicht diesen hier.
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horror1966
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Re: King of New York - Abel Ferrara

Beitrag von horror1966 »

Ach Onkel, hör auf, diesen grandiosen Film niederzumachen. :basi:
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Onkel Joe
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Re: King of New York - Abel Ferrara

Beitrag von Onkel Joe »

horror1966 hat geschrieben:Ach Onkel, hör auf, diesen grandiosen Film niederzumachen. :basi:
Haste jetzt mal nen Gangster Movie gesehen und schon kommste mit der Keule an oder wie 8-) .
Na mal im ernst, wenn er dir gefällt dann ist das doch klasse aber meinen Geschmack trifft das Filmchen nicht mehr zu 100%.
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Arkadin
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Re: King of New York - Abel Ferrara

Beitrag von Arkadin »

Nach einem langjährigen Gefängnisaufenthalt kehrt Frank White zu seiner Gang zurück. Augenblicklich beginnt er damit, seine alte Vormachtstellung im Drogengeschäft wieder zurückzuerobern, indem er seine Konkurrenten umbringen lässt. Schnell bringt White auch die italienische und chinesische Mafia unter seine Kontrolle. Auch zur Politik knüpft White beste Beziehungen. Allein Detective Bishop und seine Leute wollen White das Handwerk legen, wozu ihnen jedes Mittel recht ist.

Nach seinem eher kruden, aber effektiven Spielfilm-Debüt (zumindest das offizielle, über “9 Lives of a Wet Pussy” sprechen wir mal nicht) “Driller Killer” entwickelte sich Abel Ferrera mit “Die Frau mit der 45er Magnum” und “China Girl” schnell zum Kult-Regisseur. Nach einigen TV-Arbeiten und unmittelbar vor seinem epochalen und zutiefst erschütternden “Bad Lieutenant” drehte er “King of New York“, eine Gangstergeschichte, die – wie er im Interview behauptet – von der Brutalität in “The Terminator” inspiriert worden sei, und an dessen Drehbuch er und sein Schulfreund Nicholas St. John fünf Jahre saßen. Neben seinem “Body Snatchers“-Remake ist “King of New York” sicherlich einer seiner für ein breites Publikum zugänglichsten Filme. Was auch an der grandiosen Optik liegt, in welche Kameramann Bojan Bazelli die Filmbilder kleidet. Mit Bazelli sollte Ferrera dann noch einmal bei “Body Snatchers” zusammenarbeiten, bevor er Ken Kelsch zu seinem Stammkameramann machte. Bazellis Arbeit besticht mit aufwändiger und ausgeklügelter Lichtsetzung, die die Bilder zum Teil wie Gemälde aussehen lassen, und ästhetischen Gegenlichtaufnahmen. Hier scheint sich ein Einfluss von Michael Mann bemerkbar zu machen, für den Ferrera einige Episoden der TV-Serien „Miami Vice“ und „Crime Story“ abgedreht hatte. Besonders an „Crime Story“ scheint sich „King of New York“ optisch zu orientieren.

Obwohl „King of New York“ über die Jahre seine Fans gefunden hat und zum Kultfilm avancierte, war er zur Zeit seiner Premiere 1990 nicht gerade wohlgesonnen aufgenommen worden. Während der Premiere auf dem New Yorker Filmfestival verließen etliche Zuschauer den Saal, bei der zweiten Vorführung wurden Drehbuchautor St. John und Darsteller Laurence Fishburne ausgebuht. Kritikerpapst Roger Ebert schimpfte auf das Drehbuch und nannte den Film „half-written“. Für Kontroversen sorgten sicherlich auch die exzessive Gewalt; die Tatsache, dass ein Weißer sich schwarzer Gangster bedient und der ambivalente Charakter der Hauptfigur. Dem von Christopher Walken brillant gespielten Frank White wird kein Hintergrund gegönnt. Man weiß nicht wo er herkommt, und wie er zu seiner Macht kam. Warum halten seine Getreuen nach so langer Zeit im Gefängnis noch zu ihm? Und was ist seine Motivation? Frank White wird als eiskalter, gefährlicher Killer gezeigt, gleichzeitig will er sich um die Kranken in „seinem“ Viertel kümmern und treibt mit allen Mitteln den Bau eines Krankenhauses voran. Wenn er am Ende erklärt, er wisse gar nicht, warum die Polizei ihn jage, sie solle doch froh sein, dass er die „schlimmeren“ Gangster beseitigt habe, und der Rauschgifthandel auch ohne ihn florieren würde, möchte man ihm fast zustimmen.

Christopher Walken versinkt ganz in dieser Rolle. Er spielt nicht, er ist Frank White. Und da dieser keine Geschichte hat, die ihn mit Tiefe und Substanz verleiht, ist es ganz Walkens Schauspiel, welches dieser Figur Leben einhaucht. Wenn White sich durch New York bewegt ist er ein Wolf, der weiß, dass er allen anderen Tieren im Wald überlegen ist. Sein Lächeln ist das einer giftigen Schlange, sein Lachen das einer Hyäne. Walken tropft die Gefährlichkeit und das überzogene Selbstbewusstsein aus jeder Pore.Durch ihn besitzt White soviel Präsenz, dass man sich gar nicht erst fragt, wie es sein kann, dass ein weißer Junge die schwarzen Gangs in New York befehligt, wieso die Handlanger der italienischen Mafiosi sofort zu ihm überlaufen und wo seine hervorragenden Kontakte herkommen. Ferrera verrät in dem Interview, welches als Bonus auf der DVD enthalten ist, dass er ein Prequel plante, welches die hier komplett ausgeblendete Vorgeschichte erzählt. Das wäre auch ein interessanter Film, aber eben nicht „King of New York“. „King of New York“ zeigt eine Figur von der man nicht wissen kann, ob man sie hassen oder bewundern soll. Am Besten sollte man Frank White fürchten, gerade weil er nicht zu fassen ist.

Neben dem beeindruckenden Christopher Walken, spielen mit David Caruso, Wesley Snipes und Laurence Fishburne noch drei junge, damals aufstrebende, Schauspieler in „King of New York“ mit, die kurze Zeit später die Karriereleiter nach oben klettern sollten. Sogar ein sehr junger Steve Buscemi taucht einmal kurz im Bild auf. Caruso spielte zunächst enorm erfolgreich einen Polizisten in der TV-Serie „NYPD Blue“ und feierte nach einem Tief, welches seinem Ausstieg aus der Serie folgte, ein sehr erfolgreiches Comeback in „CSI: Miami“. Wesley Snipes, der hier nur eine kleine, aber markante Rolle als Carusos Partner inne hat, sollte kurz danach mit „New Jack City“ seinen Durchbruch feiern und zu einem gefragten Actionstar der 90er werden, bevor billige B-Filme und ein Gefängnisaufenthalt wegen Steuerhinterziehung ihn aus der Spur warfen. Fishburne war bereits ein gefragter Nebendarsteller, der heute – um einiges schwerer – vor allem für seine Rolle als Morpheus in der „Matrix“-Trilogie bekannt ist. Fishburne ist dann auch die große Entdeckung des Filmes. Mit Leib und Seele spielt er Whites obersten Handlanger Jimmy Jump. Vom schlendernd-tänzelnden Gang und das breite Lachen, über die große Klappe und demonstrativ zur Schau gestellte Selbstbewusstsein bis hin zu den Goldzähnen- und Ketten, verschmilzt er mit dieser Figur, die wie eine kraftvolle Parodie auf die damals aufkommenden Gangster-Rapper wirkt.

In der Tat spielt Rap in „King of New York“ eine wichtige Rolle und untermalt auf der Soundtrackspur das Geschehen. Damit war Ferrara einer der Ersten, die Rap bewusst als Stilmittel einsetzten. Einige Szenen, in denen die Gangster in Begleitung leicht bis gar nicht bekleidetet Damen vor allem sich selbst feiern, scheinen auch Vorlage für unzählige einschlägige Musikvideos zu bilden. Vielleicht hat dies dem Film daher in der Gangster-Rap-Szene zu einiger Reputation verholfen, denn er war nicht nur ein Lieblingsfilm der Ostküsten-Rap-Legende „Notorious B.I.G.“, sondern dieser benutzte auch den Namen „Frank White“ als Pseudonym. U.a. wohl auch, als er sich am Tag seiner Ermordung in einem Hotelzimmer einmietete.

Ähnlich ambivalent, wie der Charakter Frank Frank, ist auch die Rolle der Polizei, die ebenfalls selbstherrlich und über dem Gesetz stehend agiert. Wobei Ferrara die ermittelnden Polizisten über weite Strecken des Filmes völlig vernachlässigt. So gibt es im Film nur zwei große Szenen, in denen sie näher charakterisiert werden. Zunächst auf einer Hochzeitsfeier in einer typische irischen Bar und dann später an selber Stelle, wenn sie über das weitere Vorgehen in Streit geraten. Die Szene mit der Hochzeitsfeier steht von der Bildgestaltung und dem allgemeinen Ton her, in solch einem krassen Gegensatz zu der Welt Frank Whites, dass sie beinahe wie ein Fremdkörper im Film wirkt, was von Ferrara wohl auch durchaus beabsichtigt ist. Die zweite Szene dient augenscheinlich nur dazu, die weitere Handlung voranzutreiben und die Motivation hinter der folgenden Selbstjustiz-Aktion zu erklären. Dazwischen tauchen Caruso und Snipes so gut wie nicht mehr auf. Man hat das Gefühl, dass es ihre Figuren ursprünglich mehr Spielraum hatten, dieser aber dann heraus gekürzt wurde. So bleibt der Fokus auf ihrem Vorgesetzten, der von Victor Argo – nach „King of New York“ Stammschauspieler bei Ferrera – mit großer Melancholie und Müdigkeit gegeben wird. Mit seinem ruhigen unterspielen der Rolle, bildet er einerseits ein Gegengewicht zu dem charismatischen Walken und ergänzt andererseits kongenial dessen extrovertierten Frank White.

Mit „King of New York“ hat Abel Ferrara seinen optisch opulentesten und auch einen seiner brutalsten Filme inszeniert, der einem glänzend agierenden Christopher Walken eine ideale Plattform für seine Schauspielkunst bietet. Der Film verweigert sich einer klassischen Gut/Böse-Darstellung und lässt seine Figuren ambivalent agieren. Einige Ungereimtheiten im Drehbuch werden durch eine stilvolle, temporeiche Inszenierung und eine hervorragend aufgelegte Besetzung wieder wettgemacht.

Die DVD besitzt eine gute Bild- und Tonqualität. Als Extras ist ein fast halbstündiges Interview mit Ferrara enthalten, welches scheinbar für das französische Fernsehen entstand. Dieses ist sehr aufschlussreich in Hinblick auf „King of New York“ und bietet viele zusätzliche Informationen.

Screenshots: http://www.filmforum-bremen.de/2014/01/ ... -new-york/
Früher war mehr Lametta
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karlAbundzu
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Re: King of New York - Abel Ferrara

Beitrag von karlAbundzu »

:thup: klasse kritik, arkschi!
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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jogiwan
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Re: King of New York - Abel Ferrara

Beitrag von jogiwan »

Recht herber Gangster-Film von Abel Ferrara mit ganz viel New York, noch mehr Gewalt und Christopher Walken als Gangster, der sich nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis seinen Weg an die Spitze der Unterwelt im Big Apple mit wenig Rücksicht und hohen Blutzoll erarbeitet. Der Film verzichtet dabei aber größtenteils auf das übliche Gut/Böse-Schema und zeigt einen charismatischen Gangsterboss mit nachvollziehbaren Idealen und karitativen Ader und frustrierte Polizisten auf der anderen Seite, die ebenfalls die Grenzen der Gesetze überschreiten um in einem eher aussichtslosen Kampf das Übel an der Wurzel zu packen. Auch wenn die Gewalt in dem Streifen ausgiebig zelebriert und fast schon glorifiziert wird, gibt es am Ende in dem nihilistischen „King of New York“ aber ohnehin nur Verlierer und die Erkenntnis, dass man weder mit Vernunft, noch mit Gewalt das Verbrechen vernichten kann. Ich fand den Streifen jedenfalls trotz mangelnder Hintergrundinformation für seine Charaktere sehr packend und auch wenn sich Ferrara mit diesem Werk bereits vom B-Film verabschiedet hat, so ist „King of New York“ doch überraschend brutal, zynisch und mit seiner ganzen Neon-Optik, seiner fast schon bis zur Parodie überzeichneten Szenarien, Figuren und „Dirty Language“ auch nicht gerade das, was man sich in einem „seriösen“ Gangster-Epos erwartet.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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