Ich notierte 2011 im
"Foren-relevante (Horror-) Filme mit Musik-Thematik"-Thema wesentlich begeisterter:
US-Schauspieler und –Regisseur Charles Martin Smith’ Regiedebüt aus dem Jahre 1986 ist ein kurzweiliger, selbstironischer „Metal-Horror-Film“, der allerlei Heavy-Metal-Klischees aufs Korn nimmt, ohne dabei zu einer überkandidelten, albernen Komödie zu werden.
Ragman, ein jugendlicher Metal-Fan, ist ein Außenseiter an seiner Schule und wird permanent von den Football-Cracks verarscht und gedemütigt. Trost findet er in der Musik, wenn er sich in sein über und über mit Fan-Devotionalien gespicktes Zimmer zurückzieht und seine Anlage aufdreht. Besonders angetan haben es ihm die Klänge seines Idols Sammi Curr, einem misanthropischen Metal-Frontmann, der quasi alle von hysterischen Sittenwächtern seinerzeit so geächteten und in die Musik hineininterpretierten Klischees in sich vereint. Nach seinem Unfalltod hinterlässt er lediglich eine Art Testpressung seiner letzten Platte, die Radiomoderator und DJ Nuke, überraschend souverän gespielt von KISS-Frontmann und Gelegenheitsschauspieler Gene Simmons (obwohl, KISS sind ja eigentlich auch eine Theatertruppe), dem verzweifelten Ragman zuspielt. Dieser vernimmt rückwärts gesprochene Botschaften auf der Platte, die ihn dazu auffordern, sich mit Currs Hilfe aus dem Jenseits gegen seine Peiniger durchzusetzen. Was zunächst noch recht gut funktioniert, entwickelt aber bald eine besorgniserregende Eigendynamik, denn Curr hat es anscheinend darauf abgesehen, die gesamte Jugend der Kleinstadt während eines Halloween-Balls auszulöschen…
Die Chose mit den versteckten Botschaften auf Schallplatten war in den 1980ern einer der Höhepunkte der klerikalen und medialen Hexenjagd auf Heavy Metal und wird hier ebenso treffsicher parodiert wie die allgemeine bürgerliche Angst vor dieser Musik mit ihren anzüglichen Texten und all der gefürchteten Jugendgefährdung. So bekommen wir in einer Nebenrolle ausgerechnet Ozzy Osbourne als spießigen TV-Prediger (!) zu sehen, der in einer Talkshow einen Songtext zitiert und gegen die Musik wettert, während Ragmans Kumpel abgebrüht kommentiert, das Gerücht mit den rückwärts gesprochenen Botschaften hätte die Musikindustrie in die Welt gesetzt, damit die Kids beim Versuch, die Platten rückwärts abzuspielen, selbige zerkratzen und sie erneut kaufen müssen.
Der Film beweist also viel Humor und greift, wie es sich für einen Horrorfilm der 80er gehört, natürlich auch kräftig in die Trickkiste. Die teils gelungenen, teils aber auch eher trashigen Effekte (Mann im Gummikostüm?) beschränken sich allerdings auf nett anzusehende Harmlosigkeiten wie z.B. verrücktspielende Elektronik, Curris Maske oder die aus seiner Gitarre schießenden und sich perfekt in die 80er-Metal-Ästhetik einfügenden blauen Energiestrahlen, mit denen er auf sein Publikum zielt. Blut oder Gore sollte man nicht erwarten, damit hält sich „Ragman“ zurück. Marc Price gibt einen guten, durchaus glaubwürdigen Hauptdarsteller ab und auch ansonsten ist darstellerisch alles im grünen Bereich. Schnitt und Dramaturgie lassen keine Langeweile aufkommen, lediglich der Soundtrack der Band „Fastway“ trifft nicht meinen Geschmack und klingt mir zu sehr nach mainstreamlastigem Poserrock.
Fazit: Charmante und kultverdächtige Satire sowohl auf den Metal der 80er als auch auf dessen Gegner im Teenage-Horror-Gewand, der die richtige Balance zwischen Humor und Horrorgenrekost findet und manch Metal-Fan ins Gedächtnis rufen dürfte, was genau an den 80ern eigentlich so geil war. Spätere ähnlich angelegte Filme wie z.B. „Freakshow“ („Black Roses“) erreichen diese Qualität nicht mehr, bieten sich aber auf jeden Fall für ein Double-Feature mit Kumpels und ein paar Kannen Bier an.